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26.01.2009

Jagd auf arktische Wildgänse -

aktuell :
Den Entwurf zur niedersächsischen Jagdzeitenverordnung finden Sie hier
http://www.arktische-wildgaense.de/html/jagdvo_nds.HTM

Blässgänse, Ringelgänse, Saatgänse und Weißwangengänse leben in ihren arktischen Brutgebieten ab Ende Mai/Anfang Juni und treten bereits Ende August mit ihren eben erst flüggen, noch sehr unerfahrenen, zum Überleben ganz auf die Führung der Eltern angewiesenen Jungvögeln den tausende von Kilometern langen Flug zu ihren Winterlebensräumen in Mittel- und Südwesteuropa an. Zu diesem Zeitpunkt starten die in Deutschland brütenden Graugänse in ihre Winterlebensräume in Frankreich oder Spanien.



Ringelgänse - der Weltbestand ist in den letzten Jahren um 30 % zurückgegangen


Akustisch und optisch bereichern die rufenden, über- wiegend in Keil- oder Kettenformationen fliegenden Zugvogelgruppen ab September die Landschaften der Flusstäler, Seen und Küsten entlang ihrer Flugroute. Die Wintertemperaturen und das von diesen abhängige Ein- frieren der Schlafgewässer, in denen die Gänse vor Feinden geschützt sind, bestimmen letztendlich die Ausdehnung der Energie aufwendigen Flugstrecke nach Westen und Süd- westen. Das bedeutet, dass die Anzahl der in einem Gebiet rastenden, längere Zeit verweilenden oder überwinternden Wildgänse von Jahr zu Jahr stark variieren kann und nicht geeignet ist, Rückschlüsse auf die Höhe des Gesamtbestandes dieser Zugvogelarten zu ermöglichen.



keilförmige Flugformation ziehender Wildgänse



Saatgänse und eine Blässgans (3. v. oben) - als sehr soziale Tiere fliegen Wildgänse immer in der Gruppe und aerodynamisch günstig nahe beieinander

Weder der Bruterfolg noch die Überlebensrate der Nest- linge der in der Arktis brütenden Wildgänse sind hin- reichend bekannt.

Irritierend können regional klima-, temperatur- und störungsbedingte zeitlich begrenzte Kumulierungen von Wildgansgruppen wirken. Diese lassen sich unter anderem zurückführen auf zeitbedingte Verringerungen der Äsungsmöglichkeiten, auf Angstreaktionen bejagter Wildgänse, die Schutz in grossen Gruppen suchen, auf Veränderungen von traditionellen ausgedehnten, ungestörten Lebensräumen durch menschliche Aktivitäten, die ein Ausweichen und verstärktes Ansammeln auf benachbarten Flächen zur Folge haben können.

Landwirtschaft und Wildgänsejagd

Ein Schaden für die Landwirtschaft ist nach wissenschaftlichen Untersuchungen im Gefolge dieser momentanen grösseren Gruppenauftritte von Wildgänsen jedoch nicht zwangsläufig programmiert:

Ein landwirtschaftlicher Schaden entsteht gemäss Untersuchungen in verschiedenen deutschen Gänselebensräumen erst ab einem Schwellenwert von 2000 Gänsetagen pro Hektar auf Grünland sowie 1500 Gänsetagen pro Hektar auf Getreide.
Die Gänsejagd veranlasst Wildgänse zu Verhaltensweisen, die sie in unbejagten Gebieten nicht zeigen und die relevant bezüglich der möglichen Verursachung von Schäden in der Landwirtschaft sind.



nach Beunruhigungen z.B. durch Jagd schliessen sich die Wildgänse zu grösseren Gruppen zusammen und reagieren schon auf leichte Störungen nervös

- Durch Jagdstress belastete Wildgänse treten in zahlenmäßig grösseren Gruppen und mit erheblich höherer Unruhe an ihren Äsungsplätzen auf, was die Wahrscheinlichkeit von landwirtschaftlichen Schäden erhöht.

- In einer bejagten Region sind nicht nur die Gänsegruppen grösser, sondern die Wildgänse stehen auch sehr viel dichter auf den Äsungsflächen zusammen. Die Gänse rücken eng zusammen und verteilen sich nicht wie in unbejagten Gegenden locker über eine Äsungsfläche. Durch enges Beieinanderstehen können sehr viel leichter sowohl Verbiss- als auch Trittschäden auftreten als dies sonst der Fall ist.

- Durch die Jagd gestörte Gänse zeigen eine Erhöhung der Nahrungsaufnahme, da sie zum einen das durch vermehrtes Auffliegen strapazierte Energiebudget ausgleichen müssen und zum anderen aufgrund der Unruhe kürzere Passagezeiten im Verdauungstrakt auftreten. Hierdurch wird die bakterielle Fermentation und bessere Ausnutzung der Nahrung verhindert, was zu höheren Entnahmen von Vegetation führt.



hektisch fliegen dicht zusammenstehende Wildgänse im bejagten Gebiet auf (Lewitz, M-V)



im unbejagten Gebiet wechseln Äsungs- mit Ruhephasen (Blässgänse, Niederrhein, NRW)


- Im Tagesverlauf sind die Wildgänse in bejagten Gebieten erheblich unruhiger, da sie sehr viel scheuer als in unbejagten Gebieten sind und auf Störreize wie Autos, Radfahrer, Landwirte bereits bei sehr viel grösseren Abständen mit energiezehrendem Abfliegen reagieren. Wie sich bei Untersuchungen unter anderem zum Beispiel in Flandern gezeigt hat, ist der Eintritt von landwirtschaftlichen Schäden sehr viel unwahrscheinlicher, wenn Gänse weniger ängstlich sind, da sie mehr Nahrungsplätze nutzen können, weniger Energie verbrauchen und sich über ein grösseres Areal verteilen können. Die Wildgänse äsen in unbejagten Gebieten in kleinen Gruppen, sind erheblich bedächtiger und legen lange Ruhepausen ein.

- In bejagten Gebieten fliegen die Wildgänse unruhig durcheinander und zeigen auch auf den Äsungsflächen ein rasches Äsen, das von unruhigem Aufmerken immer wieder unterbrochen wird. In unbejagten Gegenden dagegen beobachtet man einen ruhigen geordneten Flug kleiner Wildgänsegruppen, die auf den Äsungsflächen ruhig an der Vegetation zupfen oder ruhen und schlafen.



nachdem sie an anderer Stelle im bejagten Gebiet vertrieben wurden, fallen Saat- und Blässgänse in dichter Gruppe in die Wintersaat ein (Lkr. Wittenberg, LSA)



geruhsames Äsen, Putzen, Trinken kennzeichnet das Verhalten der Weisswangengänse auf der unbejagten Salzwiese im Nationalpark Wattenmeer (S-H)

Da ein landwirtschaftlicher Schaden erst ab einem Schwellenwert von 1500 Gänsetagen pro Hektar auf Getreide entsteht, ist im Interesse der Land- wirtschaft die unnatürliche Massierung von Gänsegruppen aufgrund der durch Bejagung ausgelösten Angst überhaupt nicht wünschenswert sondern im Gegenteil ausgesprochen kontraproduktiv.
Dagegen werden verschiedene positive Wirkungen der weidenden Zugvögel für die Landwirtschaft in verschiedenen Publikationen aufgelistet, wie

Verstärkung und Verzweigung des Blüten- ansatzes der Pflanzen und damit Ertragssteigerung,
Düngung des Grün- und Ackerlandes durch Kot - eine “Verbrennung” wurde nirgends nachgewiesen,
Freilegung der Wühlmausbaue und –laufgänge und damit Sichtbarmachung für Greifvögel und Eulen, wodurch die Wühlmauspopulationen in einer für die Vegetationsentwicklung wichtigen Phase stark reduziert werden,
Beseitigung von Ernteresten auf Mais-, Kartoffel- und Zuckerrübenäckern womit die Verbreitungsmöglichkeiten von Parasiten wie Aalwürmern reduziert werden.



Saatgänse suchen Erntereste auf einem abgeernteten Acker bzw. schlafen
(Niederrhein, NRW)



Saatgänse (dunkler Kopf) und Blässgänse (kleiner und als Erwachsene mit weissem Abzeichen am Schnabel und dunklen Bauchstreifen,) auf einem frisch geernteten Rübenacker (Lkr. OVP, M-V)



Wildgänse und Singschwäne im Flussvorland der Elbe

Es gibt auch keine Begründung für die häufig in den Vorländern der Flüsse stattfindende Jagd auf rastende und überwinternde Wildgänse. Die Vertreibung der Wildgänse von Grünländern und Vorländern durch die Jagd, die zwangsläufig zur Folge hat, dass die Gruppen dann ersatzweise auf den Ackerflächen Nahrung suchen, kann nicht im Sinne der Landwirtschaft sein. Im Herbst und Winter sind die Vögel keine Nahrungskonkurrenten für die Nutztiere, sie sorgen vielmehr durch die Düngung der Flächen für guten Aufwuchs der Weiden mit höherem Protein- und damit Energiegehalt.

Feldornithologisch ist generell über Jahre an unterschiedlichen Rast- und Überwinterungsplätzen festzustellen, dass die in Deutschland bejagten arktischen Wildgänse – sofern verfügbar – Grünland als Äsungsfläche vorziehen. In einer Untersuchung am Niederrhein verbrachten Blässgänse 96 % und Saatgänse 87 % ihrer Äsungszeit auf Grünland. Es ist aus niederländischen und deutschen Flächen belegbar, dass Gruppen in einem Bereich, in dem Grünlandstreifen und/oder abgeerntete Maisfelder neben eingesäten Ackerflächen liegen, erstere bevorzugt werden, wie auch Deiche bei Hochwasser gegenüber Ackerflächen.



ein Rheindeich wird von Wildgänsen beweidet, auf den in unmittelbarer Nachbar- schaft befindlichen Saaten wird nicht geäst

Kosten-Nutzen-Analysen verschiedener Gänsemanagement- Methoden, die von britischen Wissenschaftlern durchgeführt wurden, wiesen eine Bejagung als nicht kosteneffektiv aus. Für die Konfliktfelder mit der Landwirtschaft erwies sich als ökonomisch optimale Lösung die Etablierung alternativer Nahrungsflächen resp. Ablenkflächen in gewählter Flächengrösse und Entfernung zum Schlafplatz.
Das Positivbeispiel: Kein Schaden, vielmehr Nutzen durch zusätzliche Beseitigung von Aalwürmern und anderen Schädlingen plus Zusatzdüngung für die Landwirtschaft aus der nirgends zu übersehenden Vorliebe der Wildgänse für abgeerntete Felder. In der Praxis sollte ihr daher durch Vermeidung von vorzeitigem Umbruch und Unterlassung von Störungen im Rahmen der Konfliktvermeidung wo immer nur möglich Rechnung getragen werden.



Saatgänse auf abgeerntetem Maisacker - eine ideale Ablenkfläche, die so lange wie möglich nicht umgepflügt werden sollte



Spezielle erfolgreich eingesetzte Gänsevogelscheuche in Form einer Fuchssilhouette auf einer sensiblen landwirtschaftlichen Fläche

Bei Einhaltung von optimalen Aus- saatterminen sowie ausreichend tiefem Einbringen von Saatgut werden Gänseschäden an Getreide- saaten verhindert.
Gänseschäden können vor allem auf noch sehr junger Saat, die nicht aus- reichend eingedrillt worden ist, und bei Staunässe im Acker auftreten. Hier bieten sich für die Landwirte Maßnahmen wie Starenschreck-Böller oder Vogelscheuchen z.B. als Fuchssilhouette an.



Ruhezone für Wildgänse zur Verhinderung landwirtschaftlicher Schäden


Wildgänsejagd


http://www.arktische-wildgaense.de/html/video_.html

bei Klicken auf das Bild erfolgt Weiterleitung zu einem Video, das Wildgänsejagden dokumentiert


Die Wildgänsejagd erfolgt generell mit Schrotgewehren auf fliegende Gänse. In der praktischen Durchführung unterscheidet sie sich prinzipiell von der üblichen Jagdausübung als Ansitz- oder Treibjagd.
Die aus wissenschaftlichen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse der letzten Jahre zu Jagdmethoden, Jagderfolgen und Jagdproblemen in Bezug auf die generell ganz anderen Bedingungen, denen eine Jagd auf fliegende Wildgänse unterworfen ist, dokumentieren, dass die Jagd auf Wildgänse sich nicht tierschutzgerecht und somit weidgerecht durchführen lässt.

Die Widersprüche zu Tierschutz und Weidgerechtigkeit bei der Wildgänsejagd beruhen generell völlig unabhängig von Fertigkeit und Erfahrung der einzelnen Jäger wie auch der Waffentechnik allein auf den ballistisch, topographisch und biologisch gegebenen Voraussetzungen einer Jagd auf fliegende Wildgänse.
Zur Veranschaulichung der Bedingungen, unter denen Wildgänsejagd stattfindet, finden Sie hier ein Video, das bei zufälligen Jagdbeobachtungen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt entstanden ist. Die Kamera, selbst den Schwierigkeiten von Beleuchtung, Entfernung, äußerst raschem Bewegungsablauf der Jagdziele unterworfen, dokumentiert die verschiedenen Aspekte der Wildgänsejagd in der tatsächlichen Jagdsituation wie:

- Programmierte zahlreiche Fehlschüsse, die zur Verletzung überfliegender Wildgänse durch Schrotpartikel führen. Sie beruhen optisch nachvollziehbar auf der großen Fluggeschwindigkeit der Vögel und ihrer Fähigkeit, bei Erkennen von Gefahren plötzlich Flugrichtung und Flughöhe zu verändern, um aus der unmittelbaren Schusslinie zu kommen. Hinzu kommen vielfach schlechte Sichtverhältnisse bedingt durch Dämmerung, Wetter, Gelände- und Deckungssituation - zusammengefasst Jagdbedingungen, die eine verlässliche Bestimmung des Abstandes der über den Jägern fliegenden Wildgänsegruppen nicht ermöglicht.



Die breit streuende Schrotgarbe bewirkt beim Schuss auf die überfliegenden Wildgänse regelmässig die Verletzung von “byflyern”


- Im Gegensatz z.B. zur Schalenwildjagd, wo der Jagdausübende in Augenhöhe oder über dem Wild sich befindet und in horizontaler Richtung bei konformer Beleuchtung die Schussdistanz gut abwägen kann, sind die Verhältnisse beim Schuss auf fliegende Wildgänse mit Blick in den hellen Himmel und ohne die Hilfe von Landmarken bei der Distanzbestimmung völlig andere.



Die Flughöhe der Wildgansgruppen lässt sich beim Blick gegen den Himmel nicht bestimmen

- Die dadurch verursachte häufige Überschreitung der wirksamen Schrotschussentfernung von 20-40 m führt im überwiegenden Teil der Fälle unabhängig von der verwendeten Schrotart nur noch zum Krankschiessen.

Untersuchungen aus Schweden belegen einen erheblichen Anteil von durch Schrotpartikel verletzten Wildgänsen. So wurden bei Röntgenuntersuchungen bei 52-71 % der erwachsenen und bei 29 % der jungen Wildgänse Schrotpartikel im Gewebe gefunden. Die Wirkung derartiger Verletzungen ist mannigfaltig: Infektion des Schusskanals bzw. des Fremdkörpers mit schnellem konsekutivem Eingehen, Verletzung auf Dauer lebenswichtiger Gewebsstrukturen oder Einwachsen der Schrotpartikel mit motorischen Behinderungen, die langfristig zu einer signifikant reduzierten Lebenserwartung führen, wie dänische Untersuchungen ergaben. Eine derart hohe Verletzungsrate mit hohem Anteil an nur verletzten, nicht aufgefundenen, über längere Zeit dahinsiechenden Tieren kennzeichnet keine andere Jagd.



Mit erheblicher Geschwindigkeit fliegen die sich nahe beieinander haltenden Wildgänse vorbei


- Die Streuung der Schrotgarbe bewirkt im Rahmen der Jagd auf Wildgänse eine extrem hohe Nebenwirkung durch die an den Abschuss eines Individuums gekoppelte unverhältnismäßig große Anzahl von gleichzeitig verletzten Artgenossen. Diese werden als byflyer zwangsläufig gleichzeitig mit dem Abschuss ihres Artgenossen Verletzungsopfer aufgrund des ausgeprägten sozialen Verhaltens und flugtechnischen Geschicks der Wildgänse. Denn diese fliegen fast ausnahmslos in Familien und Gruppen, den aerodynamischen Vorteil des geringen Abstands voneinander nutzend, sehr dicht zusammen.

Die von der Art der verwendeten Schrotmunition unabhängige Streuung der Schrotgarbe beim Schuss auf überfliegende Wildgänse muss daher zwangsläufig regelhaft die Verletzung von Artgenossen, die unmittelbar neben der angezielten Wildgans fliegen, treffen.



In die bei Bejagung aufgeregt durcheinander fliegenden Wildgansgruppen mischen sich andere, geschützte Vogelarten wie hier Kiebitze (Lewitz, M-V)


- Fehlende oder vergebliche Nachsuche, da flugunfähige Wildgänse nach Beschuss oft weit vom Jäger entfernt niedergehen und von ihm gar nicht mehr gesehen werden (können) oder sich in der Vegetation so gut verstecken, dass selbst die Nachsuche mit Hund kein Ergebnis bringt.

- Späte Nachsuche nach verletzten Wildgänsen erst lange nach Abschuss, da eine frühere Nachsuche nicht in der Phase der Wildgänsejagd auf überfliegende Gänse möglich ist und im übrigen Mitjagenden bei deren Jagdaktivitäten stören würde.

- Erhebliches Risiko des Abschusses geschützter und bedrohter Wildgansarten wie Zwerggans, Rothalsgans, da diese mit den jagdbaren Arten in gemischten Trupps fliegen und nur bei längerer Beobachtung, selten mit bloßem Auge zu unterscheiden sind. Für die der Blässgans sehr ähnliche und mit dieser ziehende vom Aussterben bedrohte Zwerggans wird die durch Jagd bedingte Sterblichkeit als einer der wesentlichsten Faktoren für die Bedrohung angesehen.



Blässgans-Eltern flankieren zwei diesjährige Jungvögel - diese tragen im Gegensatz zu den Altvögeln noch keine schwarzen Bauchstreifen und kein weisses Abzeichen am Schnabel.

Die im arktischen Sommer auf die Welt gekommenen Wildgansjungvögel sind im ersten Herbst und Winter zum Überleben noch ganz auf die Elternvögel angewiesen. Die flüggen Jungvögel werden von ihren Eltern auf dem Zug zu den traditionellen Rast- und Überwinterungsplätzen geführt. Die Eltern vermitteln den Jungvögeln wertvolle Techniken des Nahrungserwerbs und des sozialen Verhaltens, Erfahrungen wie auch Kenntnis von sicherem Gelände, günstige Äsungs- und Ruheplätze.
Dass die Gänsefamilien, zu denen oft auch noch Jungvögel aus früheren Jahren gehören, sich immer eng beieinander halten, kann man im Winterlebensraum bei hinreichenden Sichtverhältnissen gut beobachten.

Die Jagd auf Wildgänse betrifft somit in der überwiegenden Zahl der Fälle Gänsefamilien mit unerfahrenen, im Gegensatz zu vielen anderen Vogelarten noch führungsbedürftigen und von ihren Eltern abhängigen Jungvögeln. Durch Abschuss ihrer Elterntiere haben diese diesjährigen Jungen kaum noch Überlebenschancen, da sie nicht mehr von anderen Gänsefamilien adoptiert werden - diese Möglichkeit besteht nur für einen Nestling.



Die äsenden Blässgansjungvögel halten sich immer dicht an ihre aufmerksamen Eltern, auf die sie existentiell angewiesen sind und von denen sie die zum Überleben notwendigen Verhaltensweisen im Winterlebensraum erlernen.

Diese aus vielen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse zum Sozialverhalten der arktischen Wildgänse legen damit nahe, dass die Wildgänsejagd auf Gänsefamilien einen Verstoss gegen § 22 (4) Bundesjagdgesetz, der eine Bejagung von für die Aufzucht notwendigen Elterntieren und damit implizit für auch der Jungtiere ausschließt, darstellt.

Voraussetzungen für eine Bejagung von Tieren ist nach dem Bundesjagdgesetz die Hege der jagdbaren Art, zu der der deutsche Jäger im Falle der Wildgänse nicht beiträgt, sowie die Kenntnis des Zustandes der Population, ihre Vermehrungsraten und die jagdbedingte Sterblichkeit. Im Gegensatz zu z.B. Schalenwild wie dem Reh sind diese Daten für die arktischen Wildgansarten nicht einmal ansatzweise bekannt. So kann die Bejagung zur Bedrohung der Arten werden.

Für die arktischen Wildgänsearten hat Deutschland unter diesem Aspekt eine besondere Verantwortung, weil ein nicht geringer Teil des Gesamtbestandes der jeweiligen Art in Deutschland seinen Herbst- oder Winterlebensraum hat.



Für die Hälfte des Weltbestands dunkelbäuchiger Ringelgänse ist Deutschland Lebensraum während des Zuges und im Winter; im Hintergrund rechts zwei Weisswangengänse

Entgegen von interessierter Seite geäusserten Behauptungen hat der Gesamtbestand der einzelnen arktischen Wildgänsearten keineswegs in den letzten Jahren und Jahrzehnten zugenommen. Von der Organisation “Wetlands International” (Wageningen/NL) werden regelmässig Bestandsschätzungen auf der Grundlage der internationalen Wasservogelzählungen sowie weiterer Untersuchungen herausgegeben.

Der aktuelle Bericht, der für Sie über diese Adresse (http://www.wetlands.org) heruntergeladen werden kann, fasst die Zahlen und Trends für die einzelnen in Deutschland gewöhnlich durchziehenden arktischen Wildgänsearten; die nationalen Zahlen finden Sie bei Heinicke & Wahl (2007) (http://www.dda-web.de/downloads/posters/gaense_xanten2007.pdf).





Nach einer Bejagung am Morgen sind die Saat- und Blässgänse an den folgenden Tagen unruhig, fliegen schnell auf und konzentrieren sich in grossen, dicht stehenden Gruppen



Eine Gruppe der im Bestand rückläufigen, aber in Deutschland jagdbaren Waldsaatgans (Peene-Niederung, M-V)

Die Wildgänsejagd kann somit grundsätzliche Voraussetzungen, auf denen die Erlaubnis zur Bejagung von Tieren nach dem Bundesjagdgesetz beruht, nicht erfüllen:

- Hegeverpflichtung
- Kenntnis des Zustandes einer Population sowie der für sie bestehenden jagdbedingten Sterblichkeit

- Kein Zufügen unnötigen Leidens, rasche möglichst schmerzfreie Erlegung (durch das Verhalten der Wildgänse sowie die Ballistik und Topographie werden regelmässig und zwangsläufig Wildgänse krank geschossen)

- kein Erlegen Junge führender Elterntiere
- kein Erlegen geschützter Arten (geschützte Wildgänsearten fliegen regelmässig in den Gruppen jagdbarer Arten mit)

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