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23.01.2009

Jagd - das unfaire Spiel

Jagd - das unfaire Spiel
Stand: 05.04.2006


Das Nachstellen und Töten von Tieren hat sich als Form der Subsistenzwirtschaft, von der die Menschen in der Steinzeit weitgehend abhängig waren, zu einer Form der Freizeitgestaltung entwickelt. Ungeachtet der Tatsache, daß heutzutage in den zivilisierten Regionen der Welt niemand mehr jagen muß, um sich ernähren zu können, frönen 320.000 Jäger allein in der Bundesrepublik dem "Handwerk" - und töten zusammen jährlich mehr als fünf Millionen Wildtiere.

Es ist schwer nachzuvollziehen, warum es Jägern - 0,4 Prozent der deutschen Bevölkerung - erlaubt ist, wildlebende Tiere zu töten und zu verstümmeln, die im Grunde genommen genauso den 99,6 Prozent der deutschen Nichtjäger "gehören". Da die Jägerschaft mit ihren zahlreichen Vertretern in Politik und Wirtschaft jedoch beachtenswerten Einfluß auf die Gesetzgebung ausübt, gelingt es ihr noch immer, ihr blutiges Hobby aufrechtzuerhalten - gleich welche ökologischen Schäden (ganz zu schweigen vom Leid der betroffenen Tiere) hieraus resultieren. Nichtjäger, die oftmals haarsträubenden Thesen der Waidmänner handfeste Argumente ökologischer wie auch ethischer Natur entgegensetzen, werden von diesen Kreisen zumeist konsequent ignoriert.

Unverständlich ist auch, warum es in einigen Bundesländern, wie beispielsweise Nordrhein- Westfalen, unter Strafandrohung verboten ist, die Jäger beim Töten von Tieren zu stören. Es bleibt zu prüfen, inwiefern derartig absurde Gesetze auf Verfassungsebene überhaupt legal sind.

"Naturschutz" und "Arterhaltung" sind Schönmalereien, die gerne verwendet werden, um die Jagd vor den Augen einer immer kritischer werdenden Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Tatsächlich haben sämtliche ökologischen Bemühungen der Jägerschaft jedoch zum Ziel, einen möglichst großen Bestand an erwünschten "jagdbaren" Tieren zu erzielen - schließlich will der Jäger genug zum Jagen haben.

Große Summen werden für Biotopmanipulationen ausgegeben - Maßnahmen, die allein jagdbare Tiere begünstigen, während sie für andere Arten (z.B. Amphibien) oftmals mit katastrophalen Folgen verbunden sind. So wird der Artenschwund in der Kulturlandschaft zusätzlich beschleunigt, während jagdbare Tiere - insbesondere Rehe und Hirsche - überhand nehmen.

Diese Übervermehrung beim sogenannten "Schalenwild" wird durch Maßnahmen wie die Winterfütterung, das Anbringen von Salzlecksteinen und selbst die prophylaktische Versorgung mit Medikamenten gegen Seuchen und Parasiten zusätzlich begünstigt.

"Fremdbluteinkreuzungen", Importe von Tieren aus anderen Ländern, sollen die genetische Vielfalt der begehrten Trophäenträger sicherstellen, und die gezielte jagdliche Selektion auf prächtige Geweihe (männliche Tiere mit weniger großen Geweihen werden rasch abgeschossen) trägt das ihre zur "Verhausschweinung" der Reh- und Rotwildpopulation bei.

Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang auch der gezielte Feldzug der Jägerschaft gegen Beutegreifer wie Fuchs und Marder. Allen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz, die belegten, daß Beutegreifer gerade auch in der Kulturlandschaft erst die Artenvielfalt garantieren, ist in den Jagdzeitschriften immer wieder der Aufruf zu erbarmungsloser Fuchsjagd zu lesen. Um diese Vernichtungsfeldzüge mit Flinte, Falle und Hund vor den Augen der Öffentlichkeit zu rechtfertigen, wurde dem Fuchs kurzerhand das Image des Tollwutüberträgers verpaßt - ungeachtet der Tatsache, daß wissenschaftliche Untersuchungen eine völlig andere Sprache sprechen. Diese weisen aus, daß die Fuchsjagd maßgeblich zur Tollwutverbreitung beiträgt, indem sie die Vermehrungsraten in die Höhe treibt. Somit ist eine größere Zahl von Jungtieren vorhanden, die sich im Herbst auf lange Wanderungen begeben, um ein eigenes Revier zu finden - und gerade diese Wanderungen sorgen für die Verbreitung der Tollwut.

Der Fuchs- und Marderhaß der Jäger hat seine Wurzeln vor allem in der Tatsache, daß diese Beutegreifer mit den Waidmännern um dieselben Beutetiere konkurrieren. Um mehr Fasanen (die überdies oftmals für die Jagd gezüchtet und ausgesetzt werden) und Hasen schießen zu können, verfolgt man also kurzerhand Marder und Fuchs mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Dabei wird konsequent ignoriert, daß Ökosystem und Nahrungskette ein komplexes Netz gegenseitiger Abhängigkeit formen, das - läßt man es in Ruhe - eigenständig für die Artenvielfalt sorgt. So sichern Beutegreifer nicht zuletzt auch ihren Beutearten das Überleben, indem sie schwache und kranke Tiere zuerst erbeuten (diese sind am einfachsten zu erjagen) und somit Seuchenherde sofort eliminieren. Jäger erfüllen diese Funktion nicht sie können nicht wie ein Fuchs einem Hasen kurze Zeit nachsetzen, um festzustellen, ob dieser kränkelt. Abgesehen davon, liegt es auch garnicht in der Absicht des Jägers, etwas Vergleichbares zu tun: Ihm geht es vielmehr um prächtige Trophäen, um "den reifen, starken Bock auf der Höhe seiner Kraft", wie es die Jagdzeitschrift "Die Pirsch" formulierte.

Selbst dann, wenn durch nachhaltige Eingriffe des Menschen in ein Ökosystem ein Tierbestand einmal vorübergehend zu groß wird, normalisiert sich diese Populationsdichte rasch wieder.

Hunger und Krankheit mögen nicht schön sein, sind aber der Lauf der Dinge in der Natur, um sicherzustellen, daß die Starken überleben und auf diese Weise die betreffende Tierart leistungsfähig bleibt. Ein Tier abzuschießen mit der Begründung, es könne ja hungern oder krank werden, ist nicht nur widersinnig, sondern geradezu zynisch: Die gesündesten und am besten ausgestatteten Tiere überleben Durststrecken am ehesten und erhalten so die Stärke der gesamten Herde oder Tiergruppe.

Der Streß, den die Jagd für die Tiere bedeutet - Lärm, Angst, Verlust von Lebenspartnern, Verletzung durch Fallen und Kugeln - macht sie nicht nur scheu, sondern schränkt auch ihre Fähigkeit, sich adäquat zu ernähren, signifikant ein. Diese Feststellungen resultieren dann in Ermahnungen der Jäger, man möge sich als Sportler oder Wanderer in freier Natur doch überaus vorsichtig bewegen. Auch hier beweisen wissen schaftliche Studien jedoch, daß Nichtjäger nur dann als Störfaktor wirken, wenn Tiere durch Menschen Verluste oder Schmerzen erlitten und somit eine übergroße Scheu vor allen menschlichen Wesen aufgebaut haben.

Nicht nur unter Alkoholeinfluß oder durch Unachtsamkeit werden darüberhinaus auch Hunde und Katzen erschossen - die Jägerschaft selbst wies vor einigen Jahren die Zahl der jährlich erlegten oder in Fallen gefangenen Hunde mit 65.000, die der Katzen mit sage und schreibe mehr als 300.000 aus. Als Begründung für diese Abschüsse wird von den Jägern der sogenannte "Jagdschutz", der Schutz eigener Interessen, sprich: Abschußzahlen, vor vermeintlich wildernden Haustieren angeführt. Ihnen muß, so der Jagdbuchautor Hans Behnke, "als Geißeln der Wildbahn unnachgiebig der Krieg erklärt werden" und diese Kriegserklärung wird vollkommen legal, sobald sich beispielsweise eine Katze mehr als 300 Meter von der nächsten menschlichen Behausung entfernt hat.

Konsequenz all dieser Fakten, dieses alltäglichen Wahnsinns in deutschen Wäldern: Fragen Sie, bevor Sie einen Natur- oder Umweltschutzverband unterstützen, ob dieser sich für die Jagd ausspricht oder sie sogar fördert. Da viele Verbände in diesem Bereich von Jägern aktiv unterwandert werden, ist hier durchaus Vorsicht geboten!

Protestieren Sie darüberhinaus gegen Jagdveranstaltungen, schreiben Sie Leserbriefe, lassen Sie Ihr Radio laut spielen, wenn Jäger in der Nähe sind, und verteilen sie an Hochsitzen menschliches Haar, daß bei Friseuren kostenlos zu beziehen ist. Lassen Sie auch andere Menschen alles über die jagdliche Realität wissen. Fordern Sie von den Gesetzgebern brieflich, per Fax, E-Mail oder Telefon die konsequente Durchsetzung von Natur- und Tierschutzgesetzen und verlangen Sie, daß auch Nicht-Jäger an politischen Entscheidungen hinsichtlich der Jagd beteiligt werden.


Quellen:
1. Cartmill, Matt: Tod im Morgengrauen. 360 S., Artemis und Winkler, München 1994
2. Christiansen, Walter: Die Jagd ist nicht mehr zeitgemäß. 120 S., echo Verlag, Göttingen 1990
3. Frommhold, Dag: "Das Anti-Jagdbuch. Von der ökologischen und ethischen Realität des edlen Waidwerks". 360 S. Hurthammer, München 1993
4. Frommhold, Dag: "Jägerlatein - die ökologischen Lügen der Jäger". 200 S.,Okapi Verlag Windeck 1996.

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