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20.01.2009

Jagdsabotage in Jena

Jagdsabotage in Jena

Eine Gruppe von Antispe-Aktivist_innen traf sich am 1. Dezember 2007 zur alljährlich stattfindenden Treibjagd im Tautenburger Forst nördlich von Jena/ Thüringen. Zum dritten Mal in Folge kamen Menschen zusammen, um eine Drückjagd, die bisher jedes Jahr am ersten Dezemberwochenende durchgeführt wurde, zu verhindern. Ein positives Ergebnis der Jagdsabotagen der letzten Jahre ist zweifellos, dass sich die Zahl der Jäger und Jägerinnen, die aus Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz angereist waren, erheblich verringert hat. So hörten wir, dass 2005 ungefähr 120 Menschen und in diesem Jahr nur etwa die Hälfte an der Jagd teilnahmen. Um sich endlich auch mit Waffe im Anschlag im Wald auf Holztürmen zu platzieren, um von dort auf wehrlose Lebewesen zu „zielen“ und zu schießen, die zuvor aus ihren Verstecken und Behausungen getrieben werden, müssen im Voraus hohe Geldsummen an die Jagdlobby gezahlt werden. Wer dafür zunächst weite Strecken zurücklegen und dann unbefriedigt den Heimweg antreten muss, weil es Menschen gibt, die dieses mörderische Treiben durch direkte Störaktionen beenden wollen, entscheidet sich beim nächsten Mal vielleicht dagegen.


So spazierten wir am Sonnabendmorgen in den Tautenburger Baumacker, da der Jagdbeginn nach unseren Informationen auf um zehn angesetzt war. Gegen neun Uhr fielen die ersten Schüsse, obwohl wir auf dem Weg in den „Wald“ von Jagdteilnehmer_innen und Polizei gesichtet wurden, worauf wir begannen, einzelne Jäger bei ihrer Absicht zu töten, zu behindern. Die Person, der wir als erstes auf ihrem Ansitz begegneten, erwies sich als ungeahnt skrupellos. Ihre Äußerung, wir würden sie nicht stören können, bestätigte sich und sie feuerte vier Mal zu verschiedenen Zeitpunkten ihren Schuss ab. Jedes Mal lief eine Person in die Richtung, in die der Schuss ging und nie wurde ein verletztes oder totes Tier gesehen. Auch weil bis auf wenige lautere Gewaltandrohungen von Seiten des Jägers nur unverständliche Laute kamen, konnten wir nicht beurteilen, ob er tatsächlich ein Ziel verfolgte, sich eventuell von anderen Schüssen motivieren ließ oder ob er nur seine Entschlossen- und Überlegenheit uns gegenüber zum Ausdruck bringen wollte. Klar ist, dass es ihm nicht möglich gewesen sein kann, sein Opfer „waidgerecht“ umzubringen und es ihm einfach egal war. So ist dieser Begriff nicht genau definiert, doch wird oftmals genannt, dass „sicheres Ansprechen“ zum waidgerechten Töten gehört, d.h. beispielsweise auszuschließen, dass Mensch oder Hund gefährdet werden, aber auch, dass „unnötige Schmerzen bei der Erlegung zu vermeiden“, zur Waidgerechtigkeit gehören. Auch mit herumliegendem Geäst die Sicht einzuschränken oder den Gewehrkolben anzustoßen, konnte die Schüsse nicht abwenden. Diese Person, die ihren Ansitz noch vor dem offiziellen Jagdende verließ, da es „nichts bringe“, überzeugte letztlich noch mit offenkundig primitiven und rassistischen Äußerungen davon, dass sich Jagdausübung in direkten Zusammenhang zu anderen Erscheinungen von Gewalt und Unterdrückung bringen lässt und nicht gesondert davon betrachtet werden kann. Soll annehmen, wer aktiv „jagen“ geht, greift auch in anderen Bereichen seines Lebens zu gewalttätigen Mitteln, um sich über andere zu erheben und die eigene Position zu behaupten.

Inzwischen verteilten wir uns in Gruppen auch in Richtung anderer Jagdeinrichtungen, die besetzt waren und störten so gut es ging bis zum Ende der Jagd, worauf wir ungestört den Wald wieder verlassen konnten. Zuvor beobachteten wir einzelne Jäger noch dabei, wie sie durch die Gegend streiften auf der Suche nach ermordeten und verletzten Tieren, um diese einzusammeln. Teils blieben wir dabei unbeachtet, aber es wurde auch versucht, uns die Kamera zu entreißen.


Nach unseren Angaben wurden 83 oder 84 Schweine getötet, ein reichlich 100 kg schwerer Keiler, vermutlich über 5 Jahre alt und rauschig (was auch für Jäger ein völlig sinnloser Abschuss ist, weil das Fleisch dem Gesetz nach nicht verwertet werden darf), etwa 15 Rehe, z.T. mit schweren Verletzungen und Füchse und andere kleine Tiere in nicht erwähnter Anzahl.

Zur Schlussansprache wurde vom Forstamtsleiter Böttcher geäußert, er habe den Eindruck, dass die Jagdstörer nun wohl endgültig aufgeben würden und man nächstes Jahr die Jagd wieder in gewohnter Weise wie in den früheren Jahren traditionsgemäß veranstalten könne.

Im Gebiet der Bundesrepublik finden mehrmals wöchentlich ähnliche Gemeinschaftsjagden statt, die offenbar rege Beteiligung finden.

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