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26.01.2009

Jäger geben zu: Wildschwein-Problem ist auch von Jägern gemacht!

Jäger geben zu:

Wildschwein-Problem ist auch von Jägern gemacht!




Kaum ist es Herbst geworden, sind sie wieder da, die vielen Meldungen in der Presse: Eine explosionsartige Vermehrung von Wildschweinen bedrohe die Landwirtschaft. Wildschwein-Horden würden unsere Städte und Dörfer heimsuchen. Der Straßenverkehr sei gefährdet durch Wildschweine auf der Fahrbahn… Ein nahezu apokalyptisches Bild wird da gezeichnet. Wie gut, dass es die Jäger gibt, unsere Retter in der Not. - Aber Moment mal: Wird da nicht der Bock zum Gärtner gemacht? Warum ist denn die Sozialstruktur der Wildschweine so aus den Fugen geraten?

Norbert Happ, der bekannteste Wildschweinkenner in Deutschland, - selber Jäger - ist überzeugt: Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht! Denn für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine seien die Jäger selbst verantwortlich: »Ungeordnete Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit unkoordiniertem Frischen und Rauschen und unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschließlich der Jagdausübung anzulasten«, so Happ.

Wildschweinschwemme „hausgemacht”: Jagd führt zur Vermehrung der Wildschweine

Mutter Natur hatte eigentlich alles hervorragend geregelt: Erfahrene weibliche Wildschweine, die Leitbachen, sorgen für die Ordnung in der Rotte und für Geburtenkontrolle. Die Hormone der Leitbachen bestimmen die Empfängnisbereitschaft aller Weibchen der Gruppe und verhindern, dass zu junge Tiere befruchtet werden. Männliche Tiere (Keiler) statten den Rotten nur Besuche zur Paarung ab. Fehlen die Leitbachen, weil sie bei der Jagd getötet wurden, löst sich die Ordnung auf: Führungslose Wildschweine brechen in die Felder ein. Und junge Bachen sind schon unter einem Jahr empfängnisbereit und bekommen Frischlinge. “Während früher Wildschweine einmal im Jahr Nachwuchs bekamen, gibt es jetzt drei mal im Jahr Junge”, so der Biologe Kurt Eicher von der Initiative zur Abschaffung der Jagd.


Jäger karren Unmengen von Futter in den Wald

Weil Jäger gerne Wildschweine schießen, diese Tiere aber in der Regel schlauer sind, versuchen die Jäger Wildschweine mit Futter anzulocken, um sie vor die Flinte zu bekommen. Diesen “Trick” nennt der Jäger “Kirrung”. Und weil Jäger gerne viele Tiere vor die Flinte bekommen möchten, sorgen sie für die Vermehrung der Wildschweine - und so wird so manche Kirrung eine ganz ordentliche Futterstelle…

Die Wildforschungsstelle Aulendorf ermittelte, dass allein in Baden-Württembergs jährlich 4000 Tonnen Mais als „Kirrung” ausgebracht werden - das sind für ein erlegtes Wildschwein im Schnitt etwa 100 Kilo (!) Mais - in manchen Revieren sogar über 400 Kilo! Hinzu kommt die Fütterung mit Kraftfutter im Winter, die noch mal in ähnlicher Größenordnung liegen dürfte - und die vielen illegalen Fütterungen, die Naturschützer und Jagdgegner immer wieder aufdecken und zur Anzeige bringen. Der NABU-Jagdexperte Michael Hug weist darauf hin, dass Wildschweine „gemästet werden wie ein Hausschwein”.

Gerade die Fütterung mit Mais fördert wegen seinem sehr hohen Stärkeanteil (im Gegensatz zur natürlichen Nahrung) die Fruchtbarkeit der Bachen - und kurbelt damit die Vermehrung der Wildschweine an. Selbstverständlich sind die Jäger dann gerne bereit, diese (jägergemachte!) Vermehrung wieder zu dezimieren…

Jäger geraten immer mehr in die Kritik - und müssen ihr blutiges Hobby rechtfertigen.

Die Jagd ist heute ein Hobby, ein Freizeitvergnügen - und in ihren Jagdzeitschriften geben die Jäger ihre “Lust am Töten” und “Freude am Beutemachen” inzwischen offen zun. Dieses Hobby-Töten kann die überwiegende Mehrheit der Menschen heute nicht mehr gutheißen. Repräsentative Umfragen der letzten Jahre zeigen übereinstimmend: 70-80% der Deutschen stehen der Jagd kritisch gegenüber oder fordern sogar die Abschaffung der Jagd. (Quellen: GEWIS-Institut 1996; GEWIS-Institut 2002; EMNID-Institut 2003, EMNID-Institut 2004) Und darum verbrämen die Jäger ihr blutiges Hobby in der Öffentlichkeit und behaupten, Jagd wäre notwendig, weil sonst die Wildschweine alle Felder verwüsten und die Rehe den Wald auffressen…

Zusammenfassung : Ursache der Wildschwein-Misere: Die Jäger

Jagd: Nebenform menschlicher Geisteskrankheit

Der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, schrieb am 1.12.1955 an seine Briefpartnerin Toni Stolper in New York:

„Zur `Jagd´ dies: Jägerei ist eine Nebenform von menschlicher Geisteskrankheit, von der ich nie befallen war. Aber: sie ist. Auch Diplomaten und Staatsmänner, die dafür gelten, die sich dafür halten, sind davon befallen… Ich habe nie eine Flinte in die Hand genommen und mir nie, wie alle anderen, ein Jagdkostüm angeschafft, sondern spaziere im Straßenanzug.”

(Theodor Heuss: Tagebuchbriefe 1955-1973, hg. V. Eberhard Pikart, Tübingen/Stuttgart 1970, S. 106)

Quelle: www.pro-jure-animalis.de

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