Free counter and web stats

24.01.2009

Kaninchen für Kinder nicht geeignet!

Kaninchen für Kinder nicht geeignet!
Stand: Juni 2008



Die Kaninchen auf Ostergrußkarten, in Kinder- und Kaninchenbüchern werden meist niedlich und kuschelig dargestellt und sind mitunter deswegen nach Hund und Katze der beliebteste tierische Gefährte der Deutschen. Die als besonders pflegeleicht und anspruchslos angepriesenen Tiere werden oft, besonders zu Ostern, aus einer Laune heraus gekauft. Kommerzielle Tier- und Tierbedarfshändler vermitteln ihren Kunden den Eindruck, für die artgerechte Haltung von Kaninchen bedarf es nicht mehr als ein Gitterkäfig mit Wasserflasche, Mineralleckstein, Fertigtrockenfutter, ein Sack Heu und eventuell noch eine Krallenzange und ein niedliches kleines Bürstchen für die spielerische Fellpflege. Über die wahren artspezifischen Bedürfnisse von Kaninchen werden die unerfahrenen Käufer nur selten informiert. Wieso sollte sich der Händler von unsinnigem, ungeeignetem Tierzubehör selbst das Wasser abgraben?

Die gestressten Eltern der kindlichen Kaninchenmama unterschätzen...

• den Platzbedarf, den diese bewegungsfreudigen Tiere erfordern
• den Arbeitsaufwand für das Sauberhalten des Geheges
• die Nag-, Kratz- und Klopfgeräusche, die eingesperrte Kaninchen, vor allem Nachts und früh Morgens, verursachen
• den Arbeitsaufwand für die Heranschaffung von tierartgerechtem Futter
• die Schäden an Teppichen, Möbeln und dem gesamten Inventar, die Kaninchen innerhalb der Wohnung anrichten


Wenn der Reiz des neuen Spielgefährten bei Kindern verflogen, das niedliche, putzige „Ninchen“ inzwischen größer und mit Einsetzen der Geschlechtsreife noch dazu streitlustig, bissig und in der Wohnung so richtig unbequem und schädlich geworden ist, werden viele Kaninchen einfach „hinter Gittern“ vernachlässigt, die Grundversorgung mit Futter und Wasser nicht selten von den Kindern schlichtweg vergessen und dann letztendlich, falls sie noch leben, im Tierheim oder bei Kaninchenschützerinnen anonym vor die Tür gelegt oder einfach auf einer Wiese oder im Stadtpark ausgesetzt, wo die bunten, kurzbeinigen, in der Natur unerfahrenen Tiere nur geringe Überlebenschancen haben, da sie den nachtaktiven Räubern Fuchs, Marder, Wiesel und Co. schutzlos (ohne Höhle) ausgeliefert sind.

„Kaninchen sind kein Ersatz für echte Zuwendung und Beschäftigung!“
Kaninchen gelten als fleisch gewordene Teddybären, die jeder nach Belieben drücken und umarmen kann. Mit den braunen Knopfaugen, dem bunten, flauschigen, weichen Fell und der rundlichen Form mit den Schlappohren oder den kleinen Öhrchen wirken die Zwergkaninchen eher wie Monchichies oder kleine Jolly Jumpers. Tierhändler machen sich diesen Umstand eiskalt zu Nutze, obwohl sie ganz genau wissen, dass die geschlechtreifen, ausgewachsenen Kaninchen als „Haustier“ für Kinder überhaupt nicht geeignet sind; wie übrigens die meisten anderen „verkauften“ Tiere auch.

Zoohandlungen und andere Tierhändler erwerben ganz bewusst von Billigzüchtern ausschließlich blutjunge, Kaninchenkinder zum Weiterverkauf, weil nur sehr kleine, niedlich ausschauende Kaninchen das Interesse der Kinder wecken. Und nur in Verbindung mit diesen sehr kleinen Zwergkaninchen können dann auch die für diese Tierart viel zu kleinen, zoohandelsüblichen Gitterkäfige halbwegs überzeugend mitverkauft werden. So sammeln sich Abertausende von schönen, aber psychisch und physisch geschädigten Kaninchen in Tierheimen und bei privaten Kaninchenschützern.

„Adoption eines Kaninchens – eine verantwortungsvolle, langfristige Aufgabe!“
Falls Sie sich - nach gründlicher Überlegung - entschlossen haben, einer kleinen Gruppe von Kaninchen ein Zuhause in einem naturbelassenen Außengehege (im Garten) zu bieten, haben sie in den Tierheimen oder bei Kaninchenschutzinitiativen eine große Auswahl an tollen Kaninchen, die Ihnen ein Leben lang dermaßen dankbar sind, weil es ihnen in Ihrer Obhut besser geht als beim vorherigen Halter im Käfig.
Kaninchen können bis zu zehn Jahre alt werden. Sie brauchen Gesellschaft mit Artgenossen. Halten Sie bitte niemals ein Tier einzeln. Auch der Mensch oder ein Meerschweinchen sind für diese geselligen Tiere kein Ersatz für einen oder mehrere Artgenossen. Nur gleiche Tierarten können untereinander kommunizieren und profitieren davon.

Ein kastriertes Männchen und ein kastriertes Weibchen sind in aller Regel verträglich. Die Adoption von Tieren aus dem Tierheim hat zum Vorteil, dass dort Tiere meist schon kastriert sind und auch die Verträglichkeit eines Kaninchenpaares/-sippe bereits geprüft wurde. Es ist unabdingbar, Ihr neues „Haustier“ sofort kastrieren zu lassen. Anderenfalls markieren die Männchen ihr Revier, die Weibchen tragen ein hohes Risiko für Gebärmutterkrebs, und die schon jetzt enorme Überpopulation verschlimmert sich weiter.

"Dankeschön, wir sind auch Vegetarier!"
Kaninchen sind Vegetarier. Der Großteil der Nahrung eines Kaninchens sollte aus Wiesenheu (bzw. im Sommer frischem Gras) bestehen. Dazu freuen sich die Nager über biologisches Obst und Gemüse (z.B. Äpfel, Karotten).
Kaninchen lieben aber nicht nur Karotten und Gräser, sondern alle möglichen frischen und getrockneten Kräuter aus dem heimischen Garten. Bei freier Futterauswahl auf einer Wildkräuterwiese suchen sich (Wild)Kaninchen die schmackhaftesten Pflanzen aus. Giftige und zumeist deswegen auch stark bitter schmeckende Pflanzen wie z.B. der Hahnenfuß bleiben auf der (Weide)Wiese stehen. Die gängigen Kräuter wie Petersilie (v.a. die Petersilienwurzel), junge Löwenzahn-, Himbeer- und Brombeerblätter und auch die weniger bekannten und verkannten „Unkräuter“, wie Schafgarbe, Breit-, Wiesenkerbel, Barbara-, Gänsefingerkraut, wilde Pimpinelle, Gundelrebe, Quendel, Vogelmierekraut oder ab und an mal Walderdbeerblätter fressen Kaninchen mit freier Futterauswahl je nach Bedarf und Empfinden in mehr oder weniger großen Mengen. Auch junge Zweige/Blätter/Nadeln von Büschen und Bäumen wie Haselnuss, Buche oder Fichte knappern alle Kaninchen gern. Stark würzige Kräuter wie Sellerie, Bärlauch, Knoblauch, oder Ruccola schmecken den meisten Kaninchen nicht. Blähende Kohlsorten und jegliches konventionelles, gespritztes Gemüse sollten nicht an Kaninchen verfüttert werden. Paprika, stark wässrige, behandelte (Süd)Früchte sind für eine artgerechte Kaninchenernährung nicht geeignet.

Für an Kräuter und Wildwiesengras (bzw. Heu) als Hauptnahrung gewöhnte Kaninchen mit großer Futterauswahl auf einer Wiese ist es kein Problem, sich die Gräser und Kräuter auszusuchen, die ihnen am besten gut tun. Morgens, abends und auch in der Nacht wollen die Kaninchen besonders viel fressen. Die Menge des angebotenen Futtergrases muss also immer so groß sein, dass die Tiere eine Auswahl vornehmen können und trotzdem alle satt werden. Wenn jedoch die Langohr-Dauerfresser im Sommer ausgehungert oder gar durstig in einem warmen Holzkasten sitzen und vom kindlichen Halter unfachmännisch gesammelte Kräuter in zu einseitiger Zusammensetzung, zu kleiner oder zu großer Menge vorgelegt bekommen, „stürzen“ sich die Tiere auf das Frischfutter und es droht die Gefahr von Durchfall, Vergiftungen oder Trommelsucht.

„Kaninchengerechte Höhle im gesicherten Freilaufrevier“
Kaninchen können keine extreme Hitze vertragen und sie müssen Schutz vor Kälte haben. Hochsommerliche Temperaturen enden für viele Kaninchen mit einem tödlichen Hitzschlag, wenn sich die eingesperrten Pelztiere nicht in einen kühlen Raum zurückziehen können. Nur über die großen, langen, innen unbehaarten Ohren haben Kaninchen die Möglichkeit sich abzukühlen. Wildkaninchen graben eine Höhle unter der Erde, um sich vor Feinden und vor schlechtem Wetter zu schützen. In ihrer im Sommer kühlen Höhle sitzen sie tagsüber, um sich vor der Hitze zu schützen. In frostkalten Winternächten ist es in ihrer unterirdischen Kaninchenhöhle mit ca. 10 – 14 Grad Celsius für Kaninchen angenehm warm. Und stürmische, nasse Herbsttage werden vorwiegend in der trockenen Höhle verschlafen. Diesen elementaren Grundbedürfnissen von Kaninchen sollte der gute, fürsorgliche Halter gerecht werden. So sollte diesen Tieren eine frei zugängliche, akzeptable, geräumige „Höhle“ als Ruheort, Nacht- und Winterquartier zu Verfügung gestellt werden, die im Sommer kälter und im Winter wärmer als die Außentemperatur ist. Als „Höhle“ kann ein Steinhäuschen, eine Scheune, ein mit Steinplatten ausgelegtes Gartenhäuschen oder ein Kellergeschosszimmer des Wohnhauses dienen. Ist die angebotene Höhle für die Kaninchen nicht geeignet, werden die Tiere (versuchen) sich eine eigene Höhle graben!

Um frei laufende Kaninchen im Garten vor Fuchs, Marder oder anderen Feinden zu schützen, gehören Kaninchen nachts in ein sicheres, geräumiges Quartier, ihre „Höhle“, und das Freilaufgelände sollte tagsüber mit einem elektrifizierbaren Weidezaun gesichert sein. Heutzutage sind im Handel speziell für den hausnahen Gebrauch engmaschige, flexible Kleintierzäune in verschiedenen Höhne ( 50 – 170 cm) erhältlich, die frei laufenden Kleintieren wie Enten, Hühnern oder auch Kaninchen Schutz bieten. Diese Zäune werden im Gegensatz zum üblichen Maschendraht, an dem sich Marder und Katze spielend hochziehen können, weder von Innen von den Kaninchen noch von Außen von Räubern „bearbeitet“.

Wer Kaninchen wohlwollend behandelt und ihnen im Garten einen ausreichend großen Freiraum, sprich artgerechte Lebens- und Beschäftigungsmöglichkeiten sowie eine attraktive „Höhle“ bietet, kann sich an ausgeglichenen, gesunden, zufriedenen und vor allem reviertreuen Tieren ohne jegliche Fluchttendenz erfreuen.

„Auf was Sie noch achten müssen“
Kaninchen werden instinktiv nervös, wenn sie vom Boden hochgehoben werden. Wegen der feinen Struktur ihrer Wirbelsäule und der Kraft ihrer Beinmuskeln können sich strampelnde Kaninchen das Rückgrat brechen. Heben Sie ein Kaninchen niemals an den Ohren oder mit nur einer Hand unter dem Bauch hoch. Kaninchen mögen nicht herumgetragen werden. Sollten Sie ein Kaninchen dennoch mal hochheben müssen, sorgen Sie dafür, dass Sie seine Hinterbeine und seinen Rumpf jederzeit abstützen und mit Ihrer anderen Hand seinen Brustkorb stützen.

Weitere Informationen über artgerechte Kaninchenhaltung::


Verena Stiess

www.freilaufkaninchen.de

1 Kommentar:

  1. Finde ich wirklich Klasse das hier so gut aufgeklärt wird! Ein sehr informativer Blog.

    AntwortenLöschen




Shop Kontakt Newsletter Linkliste Tierfreunde Nord Forum/Community -Tierheim ! Literatur-Tipps Himmlisch-gut.de Tiertafel Global 2000: Die Gebirge Europas + Das Mittelmeerbecken + Die Seen des grossen afrikanischen Grabenbruchs + Die Akaziensavanne Ostafrikas + Das Kongobecken + Die Kappellen + Die Wälder Madagaskars + Die Regenwälder der Malediven, Lakkadiven und Chagos-Inseln + Die Savannen und Grasländer des Terai-Duar + Die Wälder der Sundarbans + Die Sumpfwälder Borneos + Die Daurische Steppe + Die Sibirische Taiga + Das Bering-Meer + Die Wüste im Nordwesten Australiens + Das Great Barrier Reef + Die Wälder Neukaledoniens + Die Wälder der Haweii-Inseln + Die Osterinseln + Die Galapagos-Inseln + Die Prärien Nordamerikas + Die Chihuahua-Wüste + Die grossen Antillen: Kuba + Die Los-Llanos-Savanne in Kolumbien und Venezuela + Das Amazunasbecken + Die Patagonische Steppe + Die antarktische Halbinsel und das Wedell-Meer