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20.01.2009

Kunstblutaktion vor Weihnachten

Kunstblutaktion vor Weihnachten

Essen. Am Dienstag, den 21.12.2004, inmitten eines von P&C sicherlich als erfolgreich erhofftes Weihnachtsgeschäftes, fand eine Kunstblutaktion vor dem Haupteingang statt.

Gegen 14:30 Uhr legten sich drei TierrechtsaktivistInnen vor den Haupteingang in der Fußgängerzone in der Kettwiger Straße.
Sie trugen Pelzmäntel, die mit Kunstblut überströmt waren und hielten in den Händen Schilder mit Fotos von toten abgezogenen Nerzen, auf denen „P&C hautnah am Tod“, „P&C mordet mit“ und „Pelz tötet! Boykottieren Sie P&C“ zu lesen war. Unterstützt wurden sie durch zwei Tierrechtlerinnen, die ein Transpi mit der Aufschrift „Pelztiere sterben für die Mode bei P&C“ in der Hand hielten, und durch einen weiteren Tierrechtler, der Flugblätter verteilte.
Eine ganze Stunde lang gelang es den liegenden TierrechtlerInnen, sich bei eisiger Kälte vor dem Eingang aufzuhalten und ihren lautstarken Protest kundzutun.

Während P&C-Securities per Handy-Kamera die AktivistInnen eifrig filmten, war die ganze Aktion derart aufsehenerregend, dass sehr viele PassantInnen stehen blieben und die Bilder der abgezogenen Nerze betrachteten. Viele PassantInnen drückten offen ihre Solidarität mit der Aktion aus.
Die von P&C herbeigerufene Polizei erklärte die Versammlung nach ca. 45 Minuten als aufgelöst, woraufhin sich die drei stehenden AktivistInnen entfernten.
Die drei liegenden TierrechtlerInnen kamen den Aufforderungen, sich zu entfernen, nicht nach und wurden somit nach einer Stunde von PolizeibeamtInnen weggetragen und anschließend bis Geschäftsschluss, d.h. 20 Uhr, in Polizeigewahrsam genommen.

Auch, wenn P&C versucht, Kunstblut- und andere ähnliche Aktionen in ihrer Wirkung auf die Bevölkerung zu verharmlosen, so bleibt den AktivistInnen doch ein ganz anderer Eindruck. Die Wahrheit, die u.a. auf den Bildern der toten Nerze zu sehen ist, lässt sich eben nicht schönreden.

Übergriffe der Polizei am 21.12.2004 in Essen

Im Anschluss an die Kunstblutaktion vom 21.12.2004 in Essen ist es während der Ingewahrsamnahme zu Provokationen und Gewalttätigkeiten gegen die DemonstrantInnen gekommen.

Gegen 15:30 Uhr wurden die drei TierrechtsaktivistInnen, die sich vor P&C auf den Boden gelegt hatten und nicht den Aufforderungen der Polizei nachgekommen waren, sich zu entfernen, von der Polizei weggetragen. Konkret sah dies so aus, dass zunächst die Aktivistin von zwei Beamtinnen weggetragen wurde. Die Beamtinnen zeigten sich genervt davon, dass die Aktivistin keine Anstalten machte, eigenständig zu laufen. Die beiden Beamtinnen mussten sich dann Unterstützung von einer weiteren Beamtin holen. Die beiden männlichen Aktivisten bekamen Handschellen angelegt, die viel zu fest geschnallt wurden. Die Bitte, sie etwas lockerer zu machen, wurde mit noch engerem Zudrücken quittiert.
Im Polizeiwagen „durfte“ sich die Frau ganz normal auf die Rückbank setzen, die beiden Männer hingegen nicht: Mit der Begründung, dass ja wegen des Kunstblutes an den Pelzmänteln das ganze Auto ruiniert werden würde, musste sich der eine Mann mit dem Spruch „Los, Arsch runter!“ auf den Boden des Wagens knien, der andere Mann musste auf dem Bauch liegend auf der Rückbank mit angezogenen Beinen die Fahrt verbringen. Diese verlief rasant - es wurde in einem ziemlichen Tempo gefahren und vor rot werdenden Ampeln scharf abgebremst, was für die Unangeschnallten, besonders für die Männer, ziemlich unangenehm bis gefährlich war. Auf die Aufforderung, doch etwas sorgsamer zu fahren, wurde mit höhnischen Bemerkungen und Gelächter reagiert.

Auf der Gerling-Wache angekommen, nahmen die Provokationen und Aggressionen von Seiten der BeamtInnen weiter ihren Lauf: der eine Aktivist wurde mit „Ey, du Ochse!“ begrüßt und in aggressivem Tonfall persönlich dafür verantwortlich gemacht, dass der Beamte durch das Kunstblut eine besudelte Unifom hatte.

Einzeln nacheinander wurden alle drei AktivistInnen unter Androhung von Gewalt gezwungen, sich komplett auszuziehen, angeblich, um festzustellen, ob man irgendwelche Dinge versteckt habe, mit denen man sich dann gleich in der Einzelzelle das Leben nehmen wollte. Es wurde sich von Seiten der AktivistInnen gegen diesen unangemessenen und übertriebenen Umgang gewehrt, was zur Folge hatte, dass es verbale erniedrigende Sprüche gab und zu körperlicher Durchsetzung gekommen ist: Mit massivem Festhalten und Tritten in den Rücken, gleichzeitigem Gelächter und Hohn haben die BeamtInnen ihre Forderung durchgesetzt. Ein Aktivist trug durch diesen gewaltsamen Umgang Prellungen und Blutergüsse davon, die am darauffolgenden Tag ärztlich attestiert wurden.

Die Argumente des einen Demonstranten, dass es sich bei der Aktion um friedlichen Protest gegen Pelz gehandelt habe, wurde als „Geschwalle“ bezeichnet, und niemand habe den BeamtInnen zu sagen, wie sie ihre Arbeit zu machen hätten. Schon gar nicht einem Beamten, der Familienvater von zwei Kindern sei. Der Aktivist sei ja sicher selbst arbeitslos oder Student. Die Aktivistin konnte ihre Kleidung komplett wieder anziehen, bevor sie in die unbeheizte Einzelzelle gehen musste, bekam jedoch keine Decke. Der eine Aktivist hingegen musste die komplette Zeit in langer Unterhose, dafür mit zwei Decken ausgestattet, in seiner Zelle warten. Der andere Aktivist bekam eine ganze Zeit lang nur Hose und T-Shirt, jedoch keine Socken, Schuhe oder Pullover. Als ihm eine Decke angeboten wurde, die er dann auch haben wollte, kam die Antwort: „Ach, wir haben gerade keine. Ihr Nachbar hat zwei.“ Dieser Aktivist hatte dafür Licht in seiner Zelle, was die anderen beiden nicht hatten. Da es im Laufe der Zeit immer dunkler draußen wurde, kam durch die Glasbausteine bald kein Licht mehr hindurch.

Die Aktivistin klingelte über die in der Zelle angebrachte Klingel eine Beamtin herbei, verlangte die zugesagte Decke und Licht und eine Ansage, wie lange der Gewahrsam dauern würde. Dazu gab es von der Beamtin keine Antwort, sie schlug nur die Zellentür einfach wieder zu. Nachdem der Beamtin hinterhergerufen wurde, ihr Verhalten werde eine Anzeige zur Folge haben, kam ein paar Minuten später der Einsatzleiter, der die verlangte Decke hereinreichte und sagte, das Licht jedoch sei kaputt.
Nach ca. drei Stunden Aufenthalt in den kalten Zellen wurden die drei AktivistInnen mit wieder stark zugezogenen Handschellen in das Polizeipräsidium Essen gefahren. Dort war ein ganz anderer Umgang mit den DemonstrantInnen angesagt, was zeigt, wie willkürlich, unbegründet und schikanierend der Umgang auf der Gerling-Wache aussieht, der von offensichtlich aggressiven BeamtInnen ausging. Im Polizeipräsidium gab es beheizte Zellen, selbstverständlich Licht und es wurde allen dreien Decken und Wasser angeboten.
Nach ca. einer Stunde wurden die drei der Haftrichterin vorgeführt, wo es Gelegenheit zur Stellungnahme gab. Um 20:00 Uhr, also zum Geschäftsschluss von Peek & Cloppenburg, wurden die drei TierrechtlerInnen aus dem Gewahrsam entlassen.

Im Nachhinein wurde den Betroffenen der schlechte Ruf der Gerling-Wache bekannt - diese Wache hat bereits mehrfach von sich reden gemacht, sei es im Umgang mit Obdachlosen und Betrunkenen, oder die Tatsache, dass dort Mitte der 90-er Jahre bereits einem Tierrechtler während eines Polizeigewahrsams von einem Beamten ein blaues Auge geschlagen wurde. Am 8.2.2005 wurde von einer hinzugezogenen Rechtsanwältin Strafanzeige gegen die entsprechenden BeamtInnen erstattet.
Alexandra Lehmann

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