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20.01.2009

KZ? Ja oder Nein?

KZ? Ja oder Nein?

Fortsetzung einer ewigen Diskussion

„Wir denken, dass der KZ-Vergleich zu den dringenden Problemen der Tierrechtsbewegung gehört“, schrieben bereits 1996 die AutorInnen eines Beitrags in der damaligen Tierrechtszeitung „No Hierarchy!“. Den Begriff „Hühner-KZ“ benutzte der Zoodirektor und Tierfilmer Bernhard Grzimek sogar schon in den 70er-Jahren, als von Tierrechten noch niemand sprach. Die Diskussion um die Vergleichbarkeit von Massenmord an Tieren in heutigen Schlachthöfen und Massenmord an Menschen in den Konzentrationslagern des Nationalsozialismus begleitet die Bewegung wie kaum eine andere. Sie führte zur Spaltung ganzer Gruppen und Vereine und nicht wenige TierrechtlerInnen, vorwiegend mit linkem, anarchistischem Background, kehrten der Bewegung den Rücken, weil sie den KZ-Vergleich als menschenverachtend interpretierten. Für andere, die zwar weiter für Tierrechte kämpften, blieb er trotzdem ein rotes Tuch. Ganz anders sah es bei TierrechtlerInnen aus, deren Ursprünge im bürgerlichen Tierschutz lagen. Begriffe wie „Hühner-KZ“ oder „Auschwitz der Tiere“ waren hier weitestgehend akzeptiert.

In den letzten Jahren war die Diskussion etwas verstummt, wohl auch, weil sich die Erkenntnis eingestellt hatte, dass eine derart heterogene Szene wie die Tierrechtsbewegung niemals zu einer einheitlichen Linie finden würde. Dass sich seit einigen Monaten wieder GegnerInnen und BefürworterInnen in diversen Internetforen oder auf den verschiedensten Veranstaltungen und Gruppentreffen die Köpfe heiß reden, das haben wir der Tierschutzorganisation PETA zu „verdanken“. Mit der Kampagne „Der Holocaust auf Ihrem Teller“ schockiert PETA nach Amerika nun auch Europa. Während sich die Massenmedien erwartungsgemäß oberflächlich über den aus ihrer Sicht schon an sich skandalösen Vergleich von Menschen und Tieren echauffieren, geht die Diskussion innerhalb der Tierrechtsbewegung aufgrund der langjährigen Vorerfahrung sehr viel tiefer. Für die Tierbefreiung kam nur eine Auseinandersetzung mit diesem Thema in Frage, wenn es gelänge, das Für und Wider in konstruktiven Beiträgen von qualifizierten AutorInnen und frei von Anthropozentrik darzustellen, um so einen wirklichen Beitrag zur Diskussion zu leisten, der auch nicht allzu viele Fragen offen lässt. Während Sina Walden einen sehr allgemeinen Zugang zum KZ-Vergleich gewählt hat, geht es Susann Witt-Stahl vor allem um das „Wie“ der PETA-Kampagne und darum, dass es sich hierbei nicht um einen Vergleich, sondern um eine Gleichsetzung mit dem Holocaust handele. Wir denken, dass beide Texte die unterschiedlichen Standpunkte zum KZ-Vergleich in sehr gelungener Form wiedergeben.


Die Kampagne


Im Februar 2002 startete PETA in den USA die Kampagne „Der Holocaust auf Ihrem Teller“. Auf sechs Quadratmeter großen Schautafeln wurde je ein Foto aus einem Nazi-Konzentrationslager neben ein Bild aus einem Schlachthof oder einer Massentierhaltung gedruckt. Laut PETA-Pressemitteilung solle die Ausstellung zum Nachdenken anregen. „Genauso wie die Nazis versuchten, ihre Opfer zu ‘entmenschlichen’, indem sie sie zwangen, in schmutzigen, überfüllten Unterkünften zu leben, Kinder ihren Müttern entrissen und sie wie am Fließband umbrachten, werden die Tiere in der heutigen Massentierhaltung aller Dinge beraubt, die für sie angenehm und natürlich sind, und werden als nichts weiter als Fleisch-, Eier- und Milchmaschinen behandelt“, heißt es dort. „Genau dieselbe Denkweise, die den Holocaust möglich machte – dass wir jenen, die wir als ,anders’ oder ,minderwertig’ abstempeln, alles antun können, was wir wollen – ist auch diejenige, die uns erlaubt, jeden einzelnen Tag Gräueltaten an Tieren zu verüben“, so PETAs Kampagnen-Koordinator Matt Prescott. Hinzugefügt wird, dass dessen Familie mütterlicherseits fast vollständig von den Nazis ausgelöscht wurde. Überhaupt beruft sich PETA bei der Kampagne besonders auf jüdische UnterstützerInnen – vom „Spiegel“ Kronzeugen genannt –, vor allem auf die Familie des Literatur-Nobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer, dessen Zitat „Wo es um Tiere geht, wird jeder zum Nazi“ quasi das Leitmotiv der ganzen Kampagne darstellt. Die Ausstellungstour quer durch die USA wurde ergänzt durch die Internetseite www.masskilling.com. In mehreren amerikanischen Städten wurde das Zeigen der Plakate verboten.

Spätestens seit bekannt wurde, dass die Kampagne nahezu unverändert auch in Europa gezeigt werden sollte, regte sich vor allem in Deutschland großer Unmut. Die TV-Magazine Panorama und Polylux berichteten ebenso wie viele Tageszeitungen und Magazine, zuletzt auch der „Spiegel“. In der Regel blieb es bei oberflächlicher, effekthascherischer Kritik, so wurden etwa Prominente wie Nina Ruge präsentiert, die ehemals für PETAs Anti-Pelz-Kampagnen am Start war, sich nun aber von der Organisation distanzierte. Offensichtlich hielt man es in den Redaktionen nicht für nötig, Begründungen für die Ablehnung des KZ-Vergleiches zu liefern. Die Kampagne spreche wohl für sich selbst. In einem Schreiben an den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, bat PETA um Unterstützung. Antwort kam von einer Anwaltskanzlei mit der Androhung einer Strafanzeige wegen Volksverhetzung. Ebenfalls auf Kritik stieß die Kampagne bei der Hamburger Tierrechts-Aktion-Nord (TAN). Unterstützt von anderen, meist unorganisierten TierrechtlerInnen, verschickte die TAN ein Schreiben an andere Tierrechtsorganisationen und Einzelpersonen mit der Bitte, sich gemeinsam von der Kampagne zu distanzieren.

Harald Ullmann, der Vorsitzende von PETA Deutschland, bekam sogar mehrere Drohanrufe. „Wenn Ihr nach Frankfurt kommt, könnt Ihr Euch auf etwas gefasst machen“, zitiert er einen eher harmlosen Anrufer. Gegenüber der Tierbefreiung gab sich Ullmann jedoch optimistisch, dass das Ziel der Kampagne erreicht würde. „Wir bekommen auch sehr, sehr viele positive Reaktionen aus der Bevölkerung. Selbst wenn nur wenige Menschen durch diese Kampagne bewegt werden, kein Fleisch mehr zu essen, dann ist das doch schon ein Erfolg.“

Am 18. März 2003 begann PETAs Europa-Tournee in Stuttgart. Dies war auch die einzige Station in Deutschland. Gleichzeitig ging die deutsche Version von masskilling.com unter

www.massenvernichtung.info online.

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