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20.01.2009

Life is Life?

Life is Life?

Vom 21. - 26. 11. 2005 fand in Leipzig eine Veranstaltungsreihe zum Mensch-Tier-Verhältnis statt.

Mit Vorträgen, abendlichen Vegan-Menüs, einer Anti-Pelzaktion vor P&C und einem Benefizfestival stellte die Tierrechtsbewegung den Leipzigern für eine Woche die Frage: Life is Life?. Bereits im Vorfeld sorgte das auffällige Plakat, die informativen Flyer, Radio- und Zeitungsbeiträge für Aufmerksamkeit und Diskussionsstoff. So war es nicht verwunderlich, dass am Montagabend ca. 90 meist junge Menschen zum Eröffnungsvortrag von Günther Rogausch strömten. In seinem packenden Vortrag zeigte Rogausch auf, wie tief der Speziesismus in uns und unserer Gesellschaft sitzt und mit welchen Mitteln er permanent aufrechterhalten wird. Die These Rogauschs: Der Speziesismus ist nichts Naturgegebenes, sondern etwas Konstruiertes und somit Überwindbares. Im Anschluß an den Vortrag entzündete sich eine lebhafte Diskussion mit unterschiedlich qualifizierten Beiträgen. Die Message des Vortrags, die Benennung des Speziesismus als Herrschaftsideologie, kam an.

Am Dienstag setzte André Krebber die Reihe fort. Er problematisierte vor 50 ZuhörerInnen das schon angesprochene Problem des konstruierten Dualismus von Kultur und Natur. Diese in unserer Gesellschaft unhinterfragte Grundannahme: Natur ist das, was ich nicht bin, dient der Legitimation von Herrschaft über Natur. Krebber plädierte dagegen für eine Wahrnehmung der Natur als Beziehungsgeflecht, in das auch wir Menschen verwoben sind. Sowohl das Ökosystem Erde als auch die menschlichen und nichtmenschlichen Tiere sind nur durch die Anerkennung der gegenseitigen Verknüpfung zu retten. Nichtmenschliche Tiere sind keine Ressourcen, sondern Interessenträger und als solche Teil der politischen Gemeinschaft. Nach dem sehr theoretischen Vortrag ging es in der Diskussion auch um konkrete Tierbefreiungen. Diese wurden als Symbolhandlungen und wichtige Rettungen von Einzelschicksalen gewürdigt.

Der Mittwochabend war der Praxis gewidmet. Unter dem Motto Taten statt Worte stellten sich drei Kampagnen vor. Der Studentische Arbeitskreis Tierverbrauch im Studium (SATIS), die Offensive gegen die Pelzindustrie und die Primatenkampagne. Die ReferentInnen zeigten, dass Widerstand gegen systematische Tierausbeutung möglich und erfolgreich ist.

Fortgesetzt wurde die Reihe am Donnerstag von Melanie Bujok, die kurzfristig für die erkrankte Mieke Roscher eingesprungenen ist. In ihrem Vortrag über Die Funktionalisierung desweiblichenundtierlichenKörpers ging Bujok darauf ein, dass die Wahrnehmung der Körper und der Umgang mit Körpern Ergebnis sozialer Konstruktion ist. So wird der Körper des Mannes meist respektiert und hat Subjekt-Status. Der Körper der Frau hingegen ist oft der Funktionalisierung für bestimmte Zwecke preisgegeben. Ausgedrückt wird das in dem Spruch Frauen sind dafür da, dass.... Der weibliche Körper ist mehr als der männliche den benutzenden Blicken und Handlungen ausgeliefert. Der Subjekt-Status von Frauen wurde und wird mißachtet. Ermöglicht wird dies durch die soziale Konstruktion: Frauen wurden und werden zur Sphäre des Anderen gerechnet. Das Weibliche wird zur Natur, zum Trieb, zum Instinkt gezählt. Die Gestaltung der Sphäre der Kultur blieb und bleibt oft dem Mann vorbehalten, der sich für den alleinigen Vernunft-, Geist- und Moral-Besitzer hält. Das heißt: die normative Hierarchisierung ist nicht schicksalhaft, sondern sozial konstruiert und damit auch überwindbar. Bujok wies nach, dass auch unser Verhältnis zu den Tieren so konstruiert ist: Tiere werden zur Sphäre des Anderen zugeordnet, sie gelten als wild, triebhaft, instinktgeleitet und minderwertig -- fern der Sphäre der Kultur. Diese gesellschaftliche Wahrnehmungsstrategie ermöglicht es, den Subjekt-Status von Tieren auszublenden, sie von einem Jemand zu einem Etwas zu degradieren, sie zu nutzen. Das ist doch nur ein Tier... oder Tiere sind dafür da, dass... sind Sätze, die uns seit frühen Kindertagen eingeimpft werden. Bujok plädierte dafür, alle Ausgrenzungs- und Unterdrückungsmechanismen zu durchschauen und zu überwinden. Der Vortrag rief heftigere Diskussionsbeiträge hervor. Einige ZuhörerInnen sahen in der Parallelisierung der Ausgrenzungsmechanismen eine Abwertung des Menschen. Sie konnten dies aber nur postulieren, nicht schlüssig begründen. Ein Beweis dafür, wie tief die Ideologie des Speziesismus in Vielen noch verwurzelt ist.

Vor ca. 90 HörerInnen schloß Susann Witt-Stahl am Freitag die Vortragsreihe mit ihrer Antispeziesistischen Kritik einer verkürzten Herrschaftskritik ab. Sie würdigte darin den speziesneutralen Blick der Frankfurter Schule auf das Mensch-Tier-Verhältnis und förderte Tierbefreiungselemente aus dem Werk Adornos und Horkheimers zutage. Dabei wurde sie besonders beim Leidensbegriff der Frankfurter fündig: Die Leidensfähigkeit verbindet Mensch und Tier; im Schmerz wird die sakrosankte Speziesgrenze eingeebnet. Die revolutionäre Erkenntnis Adornos & Co lautet: Natur ist nicht nur Materie, sondern verletzbarer, quälbarer Leib. Dies muß dazu führen, das Mensch-Tier-Verhältnis in die Herrschaftskritik einzubeziehen. Um die Verdinglichung und skrupellose Ausbeutung der Tiere zu legitimieren, mußte die Einheit der quälbaren Körper zerschmettert und der Graben zwischen Mensch und Tier tief aufgerissen werden. Um diese Herrschaftsideologie zu überwinden, sollte man sich auf die Gemeinschaft der quälbaren Körper besinnen und Empathie speziesübergreifend üben.

Im Anschluß an die Vorträge fanden sich die Referenten, Veranstalter und andere TeilnehmerInnen noch zu einem stets leckerem veganen Abendessen im Café Similde zusammen. Viele Gespräche konnten dort fortgesetzt werden.

Die Veranstaltungsreihe Life is Life? wurde am Samstag mit einer deutlichen Aktion vor Peek & Cloppenburg (40 Aktive, Präsentation der 62000 Unterschriften gegen den Pelzverkauf bei P&C, Megaphoneinsatz, was zu erfolglosen Polizeibeschwerden durch P&C führte) und einem fulminanten Benefizfestival abgeschlossen. Zu diesem kamen rund 500 BesucherInnen in das ZORO. Sie erwartete leckeres veganes Essen, inspirierende Filme, interessante Infostände und drei hochkarätige Bands. Destroying Today und Myra aus Leipzig sorgten mit druckvollem Hardcore/Metalcore für Stimmung, wobei Myra ihr Konzert mit einigen deutlichen animal-rights-messages würzten. Der Auftritt von Bambix war der Höhepunkt des Abends. Begeistert wurden die Holländer begrüßt und gefeiert. Diese enttäuschten die Fans nicht und gaben alles, inklusive Tierbefreier-Unterstützungsansagen. Es kamen 1450 Euro für die Rechtshilfe der tierbefreier e.V. zusammen. Unter dem Bühnentransparent, auf dem der radical rabbit den Weg wies (until every cage is empty), tanzten viele noch bis in den Morgen hinein. Eine intensive, erfolgreiche und bewegende Woche ging zu Ende.

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