Free counter and web stats

16.01.2009

Lipizzaner

Lipizzaner
Lipizzaner, auch Kaiserschimmel genannt, ist ein ursprünglich im Gestüt Lipica auf dem Gebiet des heutigen Slowenien gezüchtetes Warmblutpferd und gehört zu den Barockpferden.

Für Hintergrundinformationen zur Pferdebewertung und -zucht siehe: Exterieur, Interieur und Pferdezucht.

Exterieur
Die meisten Lipizzaner (etwa 95% im Gestüt Lipica) sind Schimmel, haben also als Fohlen eine dunkle Farbe und werden mit 4-10 Jahren als ausgewachsene Pferde weiß. Es kommen aber auch vereinzelt andere Fellfarben vor. Heute gibt es neben Schimmeln nur noch gelegentlich Braune, Rappen und Füchse, ursprünglich gab es bei den Lipizzanern jedoch auch alle anderen Farben bis hin zu Falben, Isabellen, Blauschimmeln, Schecken und Tigerschecken. Die Gemälde des Hoftiermalers Johann George von Hamilton zeugen von dieser Farbenvielfalt.

Der Typ des Lipizzaners hat sich gute 300 Jahre lang nicht wesentlich verändert. Er wirkt elegant, mittelgroß und kompakt; kurz gesagt athletisch. Härte und Ausdauer zeichnen ihn aus. Hals, Kopf und Schultern passen sehr gut aufeinander. Das Stockmaß liegt heute meist zwischen 150 und 160 cm. Der Lipizzaner trägt häufig einen markanten Ramskopf bzw. eine Ramsnase, was auf den alt-spanischen Einfluss zurückzuführen ist. Seine Hinterhand ist stark bemuskelt, die Fesselung schräg. Die Hufe sind aufgrund der Aufzucht auf Karstböden überaus hart und sehr wohlgeformt. Wie der Hals sind auch die Beine kurz und kräftig gebaut (vor allem kurzes Röhrbein). Mähne und Schweif sind ausgeprägt und feinhaarig, allerdings weniger üppig als bei Andalusiern. Der Rücken ist mittelllang bis lang und kräftig (entsprechend den unterschiedlichen Anforderungen an die zwei Zuchtziele Reitpferd versus Zugpferd). Die Bewegungen des Lipizzaners wirken graziös und sind durch einen federnden Gang ausgezeichnet. Er ist in der Gesamterscheinung hoch aufgerichtet. Er ist für einen guten Galopp geschaffen, der jedoch vielfach erst durch Gymnastizierung gefördert werden muss, doch seine Knieaktion neigt dazu, hoch zu sein, was zu einer guten Kadenz in Piaffe und Passage führen kann; zudem ist wenig Widerrist vorhanden.

Interieur
Der Lipizzaner präsentiert sich grundsätzlich munter und freudig. Sein Charakter ist freundlich und ausgeglichen; ruhig aber eifrig. Der Zucht liegt eine angenehme Rittigkeit zugrunde. Er lernt schnell und arbeitet mit Eifer. Trotz des gutmütigen Wesens hat er eine auffällige Ausstrahlung zu eigen und ebenso eine gehörige Portion Mut. All diese positiven Interieureigenschaften resultieren aus einer systematischen Jahrhunderte langen Selektion auf eben diese Leistungsmerkmale. Die Ausbildung an der Spanischen Hofreitschule war zugleich Leistungsprüfung. Nur Hengste, die sich durch ihre Leistungsbereitschaft und Intelligenz bewährten, wurden zur Zucht herangezogen.

Verwendung
Lipizzaner sind bekannt für ihren Einsatz in der klassischen Dressur an der Spanischen Hofreitschule. Besonders die Schulsprünge und Lektionen der Hohen Schule fallen dieser Pferderasse, auch durch Selektion auf eben diese Fähigkeiten, besonders leicht. Einsatzschwerpunkte sind Dressur und Fahren, wobei hier unterschiedliche Zuchtziele zugrunde liegen, die beide von der Internationalen Lipizzanerzuchtvereinigung anerkannt sind. Obwohl aufgrund Ihrer Größe und hohen Kadenz im heutigen Dressur-Turnierreiten benachteiligt, sind einzelne Lipizzaner immer wieder erfolgreich auf Turnieren vorgestellt worden.

Zuchtgeschichte
Seit langem ist der Lipizzaner mit der Spanischen Hofreitschule in Wien gemeinhin assoziiert, in der Lipizzaner gemäß der klassischen Reitkunst ausgebildet werden, die im 16. Jahrhundert entstanden ist. Früher wurden sie für den kaiserlichen Hof gezüchtet - für Auftritte, als Reit- und Gebrauchspferde und Paradepferde.

Der Name Lipizzaner stammt von seinem Stammgestüt Lipica in Slowenien. Lipica liegt in der Nähe von Triest, der ital. Name der Ortschaft lautet Lipizza. Im Jahre 1580 wurde mit Pferden der iberischen Halbinsel das Gestüt Lipica und die Rasse der "Spanischen Karster" begründet, welche seit 1780 Lipizzaner genannt werden. Es gibt gegensätzliche Aussagen darüber, ob auch einheimische Karstpferde Teil des Rassenursprungs waren. Ab dem 18. Jahrhundert beeinflussten neapolitanische, ursprünglich spanische Pferde die Rasse deutlich. Im 19. Jahrhundert veredelte der Araberschimmel Siglavy die Zucht erheblich. Das raue, karge, gebirgige Karstgebirge, in dem Lipica liegt, hat bei den Lipizzanern Langlebigkeit, Gesundheit, starke Knochen, harte Hufe, Zähigkeit und Widerstandsfähigkeit bewirkt. Die Pferde brauchen diese Lebensbedingungen: Bei der im Jahre 1915 erfolgten kriegsbedingten Evakuierung in ein milderes Klima sind viele der Tiere verloren gegangen. 1920 stritten sich Österreich und Italien um das Gestüt, der Bestand wurde deshalb geteilt. Der österreichische Teil wurde in das heutige Bundesgestüt Piber in Köflach gebracht, das nahe Graz in der Steiermark liegt. Die Nachkommen der italienischen Pferde werden heute in der Nähe von Rom weitergezüchtet. Eine weitere Evakuierung folgte im Zuge des zweiten Weltkrieges nach Hostau. Die überlebenden Tiere kamen nach Piber zurück. Das Gestüt Piber versorgt die Spanische Hofreitschule in Wien mit den bekannten Schulhengsten. Auch in Lipica findet sich heute wieder eine bedeutende Zucht mit einer eigenen Reitschule.

Während der verschiedenen "Umzüge" die die Lipizzanerzucht - meist im Rahmen von Kriegen - erfahren hat, blieben regelmäßig Tiere zurück, mit denen dann auch teilweise durch private Züchter weitergezüchtet wurde. Eine systematische, auch auf Reit- (und nicht nur Fahr-)zwecke gerichtete Zucht durch Privatzüchter ist allerdings erst deutlich nach dem zweiten Weltkrieg zu erkennen. Gründungen von Zuchtverbänden aus Privatzüchtern, wie von anderen Rassen längst bekannt, sind sogar noch jüngeren Datums. Dennoch gibt es mittlerweile in vielen Ländern Europas, in den USA, Südafrika und Australien Zuchtverbände, die sich zusammen mit den großen Staatsgestüten zu einem internationalen Lipizzanerverband (Lipizzan International Federation) zusammengeschlossen haben. Daher werden Lipizzaner heute in ganz Europa gezüchtet, weiterhin vor allem aber in den staatlichen Bundesgestüten des ehemaligen Österreich-Ungarischen Reiches in Piber (Österreich), der Slowakei (Topolcianky), Kroatien (bei �akovo), Ungarn (Szilvásvárad) und Rumänien (Simbata de Jos im Kreis Brasov) sowie von zahlreichen Privatzüchtern. Kroatien weist die größte Lipizzaner-Population in der Welt auf. Von insgesamt zwischen 6000 und 7000 Lipizzanerpferden in der Welt werden im Jahr 2007 exakt 1003 in Kroatien gehalten.[1]

Brandzeichen
Aufgrund der zahlreichen staatlichen Gestüte in verschiedenen Ländern und der Privatzuchtverbände gibt es für Lipizzaner keine einheitliche Brennung, wenn auch bestimmte Traditionen von zumindest den größeren Gestüten ähnlich gehandhabt werden. Im folgenden sollen die wichtigsten Brände beschrieben werden, soweit Informationen vorliegen.

Piber: linke Kruppseite: "P" mit Krone darüber; linke Sattellage: Linienbuchstabe des Vaters, rechts Nummer, darunter Liniensymbol der Mutter; rechte Sattellage: Fohlenregisternummer; linke Ganasche: "L"
Lipica, Monterotondo: li. Sattellage: Lebensnummer; li. Ganasche: "L"
Topolcianky: li. Kruppseite "STR" mit nach oben versetztem "T"; li. Sattellage: Linienbuchstabe des Vaters, rechts davon Nummer, darunter Liniensymbol der Mutter; re Sattellage: Fohlenregisternummer; bei Stuten: li. Kruppseite:
Szilvasvarad: li. Sattellage: Linienbuchstabe des Vaters, Nummer (bei Hengsten), Liniensymbol der Mutter, darunter Fohlenregisternummer; re. Sattellage: "B" zwischen zwei Geweihschaufeln, rechts davon Geburtsjahr (zwei Ziffern)
Simbata de Jos: li. Sattellage: Linienbuchstabe des Vaters, schräg rechts darunter Liniensymbol der Mutter, schräg rechts darüber Nummer (bei Hengsten); re. Sattellage: Fohlenregisternummer, "F" (für Fagaras)
Dakovo: li. Kruppseite: "D" mit Querstrich durch die senkrechte Linie;
Lipik: li. Kruppseite: "L" mit Querstrich, li Sattellage:
LIpizzanerzuchtverband Deutschland: aktuell li. Kruppseite: barockes "L", Fohlennummer
Zuchtverband Slowenien: li Schulter: Lindenblatt; li. Sattellage: Nummer

Die Linienbuchstaben der Vater sind je nach Gestüt unterschiedlich ausgeführte, verschnörkelte Formen der Anfangsbuchstaben der Hauptlinien, als "C": Conversano, "F": Favory, "J": Incitato, "M": Maestoso; "N": Neapolitano, "P": Pluto, "S": Siglavy, "T": Tulipan.

Die Linienzeichen der Abstammungslinien der Mütter, also der Linie deren Väter, sind demgegenüber grapische Symbole: Conversano: ein Kreis oder eine Ellipse mit einem Querstrich; Favory: ein Rechteck; Incitato: ein nach oben offener Kreis; Maestoso: eine Krone bzw. "M"; Neapolitano: verschiedene Diagonalkreuze (ein oder zwei Schwerter symbolisierend); Pluto: Wellenlinie; Siglavy: schräger Pfeil oder Dreieck; Tulipan: nach oben offener Kreis mit senkrechtem Strich darunter

Die Nummern können durchlaufende Fohlennummern sein, die in aufsteigender Folge vergeben werden, Hengstnummern, die die Nummerierung des Hengstes in seiner Linie zeigen ("der dritte Siglavy") oder Fohlenregisternummern, die jahresweise vergeben werden (?).

Der L-Brand ist ein Zeichen des Stammgestütes. Den Traditionsbrand erhalten nur in Piber, Monterotondo oder Lipica gezüchtete Lipizzaner. Dieses L scheint auf Kaiser Leopold I. zurückzugehen, wenn es natürlich auch gut zu "Lipica" passt.

Stammväter
Im 18. und 19. Jahrhundert sind sechs Hengste nach Lipica verbracht worden, die aufgrund ihrer Bedeutung für die Zucht der Lipizzaner benennungstechnisch zu Stammvätern gemacht worden sind. Seit damals wird unter Berücksichtigung der von diesen Hengsten abstammenden Linien gezüchtet, wobei die männlichen Nachkommen nach der Stammlinie ihres jeweiligen Vaters benannt werden. Die sechs Linien sind benannt nach diesen Hengsten (Datum der Geburt):

Pluto (Frederiksborger Schimmel, rein spanisch gezüchtet, 1765)
Conversano (neapolitanischer Rapphengst, 1767)
Favory (Falbe, spanisch/neapolitanisch, 1819)
Neapolitano (brauner Neapolitaner, 1790)
Siglavy (rein arabischer Schimmel, Syrien 1810),
Maestoso (Kladrub/spanisch, 1819).

Von den ursprünglichen 23 Stutlinien befinden sich heute nur noch 14 in Piber selbst.

Weitere Hengste haben nur in bestimmten Gestüten zu weiteren Stammlinien geführt (Incitato, Tulipan).

Münzen
Ein Lipizzaner mit Reiter war bis zur Euro-Umstellung auf den österreichischen 5-Schilling-Münzen abgebildet. Ebenso befinden sich Lipizzaner auf der slowenischen 20-Cent-Münze.

Sonstiges
Die Evakuierung der Lipizzaner nach dem zweiten Weltkrieg aus dem russisch besetzten Bereich ist als "Rettung der Lipizzaner" vor allem in die amerikanische Alltagskultur eingegangen (wobei US-Verbände maßgeblich am Transport beteiligt waren) und hat zu deren Bekanntheitsgrad in den USA beigetragen. Zu dieser Aktion ist ein Film ("Die Flucht der weißen Hengste") gedreht worden, in dem Robert Taylor den damaligen Leiter der Spanischen Hofreitschule, Alois Podhajsky spielt und von diesem gedoubelt wurde.

1944 wurden einige Lipizzaner von Graf Jankovich-Besan nach Süd Afrika gerettet. Dort wurde eine weitere Reitschule nach klassischem Vorbild gegründet.

Literatur
Heinz Nürnberger: Auf den Spuren der Lipizzaner. 1998 Olms Ag Hildesheim, ISBN 3-487-08393-0
Heinz Nürnberger: Der Lipizzaner. 1993 Westarp Wissenschaften Magdeburg, ISBN 3-89432-404-X
Martin Haller: Lipizzaner. 2003 Cadmos Verlag Brunsbek, ISBN 3-86127-384-5
Ilona Kirsch: Lipizzaner - Individualisten für Idealisten - ein Rasseportrait abseits von Glanz und Glamour. Fruehtau-Verlag Kiel, ISBN 3-9808715-1-7

Siehe auch:
Liste der Pferderassen
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Pferderassen

Barockpferd
http://de.wikipedia.org/wiki/Barockpferd

Spanische Hofreitschule
http://de.wikipedia.org/wiki/Spanische_Hofreitschule

Maria Lankowitz
http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Lankowitz

Köflach
http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6flach

Bundesgestüt Piber
http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesgest%C3%BCt_Piber

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen




Shop Kontakt Newsletter Linkliste Tierfreunde Nord Forum/Community -Tierheim ! Literatur-Tipps Himmlisch-gut.de Tiertafel Global 2000: Die Gebirge Europas + Das Mittelmeerbecken + Die Seen des grossen afrikanischen Grabenbruchs + Die Akaziensavanne Ostafrikas + Das Kongobecken + Die Kappellen + Die Wälder Madagaskars + Die Regenwälder der Malediven, Lakkadiven und Chagos-Inseln + Die Savannen und Grasländer des Terai-Duar + Die Wälder der Sundarbans + Die Sumpfwälder Borneos + Die Daurische Steppe + Die Sibirische Taiga + Das Bering-Meer + Die Wüste im Nordwesten Australiens + Das Great Barrier Reef + Die Wälder Neukaledoniens + Die Wälder der Haweii-Inseln + Die Osterinseln + Die Galapagos-Inseln + Die Prärien Nordamerikas + Die Chihuahua-Wüste + Die grossen Antillen: Kuba + Die Los-Llanos-Savanne in Kolumbien und Venezuela + Das Amazunasbecken + Die Patagonische Steppe + Die antarktische Halbinsel und das Wedell-Meer