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20.01.2009

Massaker an Braunbären in Slowenien

Massaker an Braunbären in Slowenien
Regierung ließ mindestens 111 Tiere abschießen und kassiert gleichzeitig EU-Gelder zum Schutz seiner Bären

In Slowenien sind dieses Jahr mindestens 111 Braunbären - ein Viertel des geschätzten Bestandes - getötet worden. Die slowenische Regierung hatte Ende des Jahres überraschend die Jagdquote auf 104 Tiere verdoppelt und nun sogar zugelassen, dass diese überschritten wurde. Trotzdem ist noch kein Ende der staatlich verordneten Dezimierung absehbar. Experten schätzen den Gesamtbestand an Braunbären in Slowenien auf maximal 400 Tiere. PRO WILDLIFE befürchtet fatale Konsequenzen für eine der wichtigsten Populationen des Europäischen Braunbären: "Sloweniens Bärenbestand war in den 50er Jahren durch intensive Jagd auf 25 Tiere kollabiert und konnte seitdem nur durch strenge Schutzmaßnahmen wieder anwachsen. Der derzeitige Vernichtungsfeldzug ist unverantwortlich", kritisiert Biologin Daniela Freyer. Slowenien soll im Mai 2004 EU Mitglied werden. PRO WILDLIFE appelliert deshalb an den für die EU-Erweiterung zuständigen deutschen Kommissar Günther Verheugen (SPD) und die Bundesregierung, den Beitrittskandidaten zur Änderung seiner Position zu bewegen. Die EU finanziert seit diesem Herbst den Schutz des Braunbären in Slowenien mit fast einer halben Million Euro.

Die slowenische Regierung begründet den verantwortungslosen Abschuss mit einer angeblichen Zunahme der von Bären verursachten Schäden. Die Kosten, die Slowenien für Entschädigungszahlungen an Landwirte leisten müsse, seien zu hoch. Um die kürzliche Verdopplung der Abschussquote zu rechtfertigen, beruft sich die Regierung auf immer höhere Bestandsschätzungen. Nach Angaben von Experten im In- und Ausland sind die Regierungszahlen völlig aus der Luft gegriffen. Wissenschaftler gehen dagegen von einem Bestand von bis zu 400 Tieren aus, davon sind etwa 80 Jungtiere. Sie befürchten, dass mit dem Abschuss von bisher 111 Tieren bereits ein Drittel der erwachsenen Tiere ausgelöscht wurde. "Der Braunbär gehört zu den Tierarten mit der geringsten Fortpflanzungsrate in Europa", betont die PRO WILDLIFE Sprecherin. "Die Dezimierung der bedrohten Bären ist nicht nachvollziehbar und unverantwortlich".

Der Erhalt der Braunbären in Slowenien ist keine nationale Angelegenheit: Der derzeitige Bestand des Braunbären in Europa setzt sich aus wenigen, meist sehr kleinen und zerstückelten Populationen zusammen. Der Bärenbestand in Slowenien stellt das Kernstück einer Population dar, zu der auch Tiere aus Österreich, Italien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Jugoslawien, Albanien und Griechenland gehören. Neben Kroatien hat Slowenien bislang die stabilste Bärenpopulation. In beide Länder sind Bären auch während des Krieges in Ex-Jugoslawien geflüchtet. Die aktuelle Erhöhung der Jagdquote gefährdet somit nicht nur den nationalen Bestand, sondern stellt eine erhebliche Bedrohung für das Überleben der Braunbären in weiten Bereichen Europas dar. "Sloweniens Bärenbestände sind für Gesamteuropa von essentieller Bedeutung", betont PRO WILDLIFE Expertin Freyer: "So stammten z.B. die Bären für die Wiederansiedlungsprojekte in Österreich und Italien aus Slowenien." Vor diesem Hintergrund finanziert die EU auch den Schutz der slowenischen Bären. Das EU-Förderprogramm trat erst im September 2002 in Kraft.

PRO WILDLIFE hat zusammen mit 37 Verbänden weltweit, die gemeinsam mehr als 10 Millionen Bürger repräsentieren, bei der slowenischen Regierung protestiert.


... Hintergrundinformationen zur Bärenjagd in Slowenien

http://www.prowildlife.de/de/Projekte/Baeren/Baren_Europa/baren_europa.html

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