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24.01.2009

Mißbrauch von Tier und Mensch: Leidensgenossen

Mißbrauch von Tier und Mensch: Leidensgenossen
Stand: Januar 2008



Gewalttaten gegenüber Tieren werden schon seit langem als Indikatoren für eine Erkrankung der Psyche angesehen, die nicht auf Tiere beschränkt ist.
"Für jeden, der sich einmal daran gewöhnt hat, das Leben irgendeines Lebewesens als lebensunwürdig anzusehen, besteht die Gefahr, dass er eines Tages auch zu dem Schluss kommt, menschliches Leben sei wertlos", schrieb der Humanist Albert Schweitzer.
"Mörder ...beginnen ihre zweifelhafte Karriere oft damit, als Kinder Tiere zu töten oder zu quälen", meint Robert K. Ressler, der Profile über Serienmörder für das FBI erstellte. Studien haben Soziologen, Gesetzgeber und Gerichte überzeugt, dass Gewalttaten gegen Tiere unsere Aufmerksamkeit verdienen. Sie können ein erstes Anzeichen für ein geistiges Leiden sein, das auch vor Gewalt gegen Menschen nicht halt macht.

Ein langer Weg der Gewalt
Tiermissbrauch ist nicht alleine das Ergebnis einer geringfügigen Persönlichkeitsspaltung des Tierquälers, sondern Symptom für eine tiefreichende Störung. Die Forschung im Bereich der Psychologie und Kriminologie zeigt, dass Menschen, die Gewalttaten gegen Tiere begehen, es dabei nicht bewenden lassen. Viele von ihnen weiten ihre Taten auch auf ihre Mitmenschen aus.

Das FBI fand heraus, dass wiederholte Gewalttaten gegen Tiere eines der Merkmale ist, das gewöhnlich in ihren computergespeicherten Berichten über Serienvergewaltiger und -mörder auftaucht. Und die Anleitung für Diagnose und Behandlung psychischer und emotionaler Störungen listet Tierquälerei als ein Diagnosekriterium für Verhaltensstörungen auf. (1)

Studien haben bewiesen, dass gewalttätige und aggressive Kriminelle mit größerer Wahrscheinlichkeit Tiere und Kinder missbrauchen als solche Kriminelle, die als nicht- aggressiv eingestuft werden. (2) Eine Studie an psychisch Kranken, die wiederholt Hunde und Katzen gequält hatten, hat gezeigt, dass alle von ihnen auch ein hohes Maß an Aggressionen gegen Menschen aufwiesen, einschließlich eines Patienten, der sogar einen Jungen umgebracht hatte. (3) Für Wissenschaftler zieht sich die von http://www.blogger.com/img/blank.gifTierquälerei ausgehende Faszination als roter Faden durch das Leben der Serienvergewaltiger und -mörder. (4)

Notorische Mörder
Die Geschichtsbücher sind voll von Beispielen:


Patrick Sherrill, der 14 Mitarbeiter einer Post umbrachte und sich dann selbst erschoss, war bereits dafür bekannt, dass er vor Ort ‚Haustiere’ stahl und dann seinen eigenen Hund auf sie ansetzte, um sie zu verstümmeln. (5)

Earl Kenneth Shriner, der einen 7-jährigen Jungen vergewaltigte, erstach und verstümmelte, war in seiner Nachbarschaft wohlbekannt dafür, dass er Hunden Feuerwerkskörper in den After steckte und Katzen erhängte. (6)

Brenda Spencer, die in einer Schule in San Diego mit einem halbautomatischen Gewehr den Schulleiter und den Hausmeister tötete und neun weitere Menschen verletzte, hatte wiederholt Hunde und Katzen gequält, in vielen Fällen, indem sie ihnen die Schwänze in Brand setzte. (7)

Albert DeSalvo, der "Würger von Boston", der 13 Frauen tötete, fing in seiner Jugend Hunde und Katzen in Orangenkisten und beschoss sie mit Pfeilen. (8)
Carroll Edward Cole, der für fünf der 35 Morde, derer er angeklagt war, exekutiert wurde, sagte, dass die erste Gewalttat als Kind darin bestanden habe, einen Welpen zu erwürgen. (9)

1987 wurden drei High School - Schüler in Missouri angeklagt, einen Klassenkameraden erschlagen zu haben. Auch sie waren bereits wohlbekannt für die wiederholten Fälle von Tierverstümmelungen, mit denen sie schon Jahre zuvor begonnen hatten. Einer von ihnen gab zu, er habe schon so viele Katzen umgebracht, dass er sie nicht mehr zähle. (10)

Zwei Brüder, die ihre Eltern umbrachten, hatten bereits zuvor ihren Klassenkameraden erzählt, sie hätten eine Katze geköpft. (11)
Der Serienmörder Jeffrey Dahmer hatte Hundeköpfe, Frösche und Katzen aufgespießt. (12)

Bedauerlicherweise wurden die kindlichen Gewalttaten dieser Kriminellen niemals untersucht, sondern erst, als sie sich schließlich gegen Menschen richteten.
Wie die Anthropologin Margaret Mead anmerkte: "Eines der gefährlichsten Dinge, die einem Kind passieren können, ist es, ein Tier zu quälen oder zu töten und dabei ungeschoren davonzukommen."

Dass Gewalttaten an Tieren immer mehr Aufmerksamkeit aus juristischer Sicht erlangen, zeigen folgende Auszüge aus rechtskräftigen Urteilen in Deutschland:

Jugendliche hatten in Rastatt einen lebenden Igel in die Luft gesprengt, indem sie ihm zunächst einen A-Böller in den Mund und später in den After einführten. Sie wurden zu jeweils 130 Stunden gemeinnützige Tätigkeit verurteilt. Und aus dem Urteil vom 26.07. 2006 vom AG Rastatt, Az: 6 Ds 213 Js 6412/06 jug. ist zu lesen:
„Sollten sie sich in Zukunft noch einmal zu Gewalttätigkeiten gegen Tiere, oder sogar Menschen hinreißen lassen, so wird eingehend zu prüfen sein, ob bei den Angeklagten nicht Persönlichkeitsdefizite vorliegen, die die Annahme von schädlichen Neigungen rechtfertigen“.

Oder das Urteil vom 25.04.2007 vom AG Wetzlar, Az: 1 Js 55003/06 jug.
„... er schlug das Tier und stach dem toten Kadaver noch mit einem Stock von hinten in die Innereien: ein hypergemeines Handeln, aus dem bedenkliche Schlüsse auf das Wesen dieses Heranwachsenden zu ziehen sind...


Die schlimmen Charakterzüge, die bei seinen Verhaltensweisen zutage traten, seine bedenkenlose Missachtung fremden Eigentums und die Brutalität, mit der er das Schaf auf der Koppel in Wetzlar-Niedergirmes vom Leben zum Tode beförderte, lassen keine positive Zukunftsprognose zu“. Die Tat: Jugendliche drangen in einen Schafstall ein, versuchten auf einem Schaf zu reiten und schlugen mit einem Holzscheit, einer Schaufel sowie einem Holzhocker insbesondere auf den Kopf eines 80 kg schweren Mutterschafes ein, bis es tot war. Dann hoben sie das Schaf mit dem Kopf in eine gefüllte Regentonne und steckten dem Schaf einen Besenstiel in den After. Die Jugendlichen wurden zu Freiheitsstrafen teils ohne Bewährung verurteilt.

Tierquälerei und Gewalt in der Familie
Da sich häuslicher Missbrauch immer gegen die Schwächeren richtet, gehen Tier- und Kindesmissbrauch meist Hand in Hand. Eltern, die die Bedürfnisse eines Tieres ignorieren oder Tiere quälen, neigen dazu, dies auch auf ihre Kinder zu übertragen. Manche Eltern, die Missbrauch betreiben, dies aber aus gutem Grunde an ihren Kindern nicht in der Öffentlichkeit tun, haben jedoch keine Bedenken, Tierquälerei öffentlich zu betreiben. In 88 Prozent von 57 Familien in New Jersey, die wegen Kindesmissbrauch in Behandlung waren, waren auch ‚Haustiere’ missbraucht worden.(13) Von 23 britischen Familien mit Fällen von Tierquälerei, wurden 83 Prozent von ihnen von Experten des Kindesmissbrauchs oder der Vernachlässigung für gefährdet befunden. (14)

Während Tiermissbrauch ein wichtiges Anzeichen für Kindesmissbrauch ist, ist es nicht immer ein Elternteil, das die Tiere quält. Kinder, die Tiere quälen, wiederholen damit oft nur, was sie zuhause gelernt haben. Wie ihre Eltern reagieren auch sie mit Gewalt auf Wut und Frustration. Und ihre Gewalt richtet sich gegen das einzige Mitglied ihrer Familie, das noch schwächer ist als sie selbst: ein ‚Haustier’. Ein Fachmann meint dazu: "Kinder mit einem gewalttätigen Hintergrund in der Familie zeichnen sich dadurch aus,..... dass sie sich häufig - wie bei der Pickordnung von Hühnern - an Kämpfen gegen Schwächere beteiligen", in deren Verlauf sie auch Tiere verstümmeln oder töten. Es ist eine Tatsache, dass gerade Gewalt in der Familie als Nährboden für kindliche Grausamkeiten an Tieren dient. (15)

Den Kreislauf der Gewalt unterbrechen
Es besteht "unter den Psychologen Übereinstimmung darin, ....dass Tierquälerei eines der deutlichsten Beispiele für das Fortdauern psychischer Störungen vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter ist. Das heißt, die Bedeutung von Prognosen über kindliche Tierquälerei ist umfangreich dokumentiert", so das Veterinärmedizinische Institut der Cornell Universität. (16)

Schulen, Eltern, Kommunen und Gerichte, die Tierquälerei als "geringfügige" Delikte abtun, ignorieren damit eine Zeitbombe. Stattdessen sollten Behörden und Gerichte stellvertretend für die Gesellschaft Tierquälerei schärfstens bestrafen, die zugrunde liegenden Familien auf weitere Anzeichen von Gewalt untersuchen und eine intensive Beratung für Straftäter verlangen. Die Behörden müssen erkennen, dass Missbrauch gegenüber JEGLICHEM Lebewesen unakzeptabel ist und eine Gefahr für jedermann darstellt.

Außerdem sollten Kinder dazu erzogen werden, Tiere zu respektieren und für sie Sorge zu tragen, in ihrem eigenen Interesse. Nach umfangreichen Studien der Verbindung zwischen Tier- und Kindesmissbrauch, zogen zwei Experten folgendes Fazit: "Die Entwicklung von Beziehungen in der menschlichen Gesellschaft, die geprägt sind von Gefühl und Güte, könnte daher beschleunigt werden, wenn wir eine positivere und dauerhafte Ethik zwischen Kindern und Tieren fördern." (17)

Was Sie tun können:
- Üben Sie Druck aus auf Ihre örtlichen Schul- und Justizbehörden, damit sie Fälle von Tierquälerei ernst nehmen. Die Gesetze müssen eine klare Sprache sprechen, damit jedem deutlich wird, dass Gewalt gegen jedes fühlende Lebewesen - ob Mensch oder Tier - nicht akzeptabel ist. - Halten Sie Augen und Ohren offen, was Vernachlässigung oder Missbrauch von Tieren oder Kindern angeht. Nehmen Sie auch die Aussagen von Kindern ernst, wenn diese von solchen Fällen berichten. Manche Kinder mögen nicht über ihre eigenen Misshandlungen sprechen wollen, tun dies aber in Bezug auf Tiere.
- Ignorieren Sie auch weniger bedeutende Fälle von Grausamkeiten durch Kinder gegen Tiere nicht. Sprechen Sie mit den Kindern und mit deren Eltern. Und falls erforderlich, nehmen Sie auch Kontakt mit einer Sozialbehörde auf.

(1) Goleman, Daniel, "Child's Love of Cruelty may Hint a Future Killer," The New York Times, Aug. 7, 1991.
(2) "Animal Abuse Forecast of Violence," New Orleans Times-Picayune, Jan. 1, 1987.
(3) Felthous, Alan R., "Agression Against Cats, Dogs, and People," Child Psychiatry and Human Development, 1980, 10: 169-177. (4) Goleman.
(5) International Association of Chiefs of Police, "The Training Key," #392, 1989.
(6) The Animals' Voice, Fall 1990.
(7) The Humane Society News, Summer 1986.
(8) International Association of Chifs of Police.
(9) Ibid.
(10) Ibid.
(11) Adams, Lorraine, "Too Close for Comfort," The Washington Post, Apr. 4, 1995.
(12) Goleman.
(13) DeViney, Elizabeth, Jeffrey Dickert, and Randall Lockwood, "The Care of Pets Within Child-Abusing Families," International Journal for the Study of Animal Problems, 1983, 4:321-329.
(14) "Child Abuse and Cruelty to Animals," Washington Humane Society.
(15) Cornell University College of Veterinary Medicine, Animal Health Newsletter, Nov. 1994.

(16) Ibid.
(17) Kellert, Stephen R., Pf.D., and Alan R. Felthous, M.D., "Childhood Cruelty Toward Animals Among Criminals and Noncriminals," Nov. 1983.


Weitere Literaturempfehlungen:

Dr. Alexandra Stupperich, „Wege in den Schatten? Tierquälerei und Gewaltstraftäter“, aus „Verschwiegenes TierLeid sexueller Missbrauch an Tieren“, Herausgeber B. Schröder, ISBN 3-00-017726-4

Dr. Edmund Haferbeck, „Vom Tierquäler zum Gewaltverbrecher“, aus „neue Tier-Zeitung“, 5. Jahrgang 1984

Michael Wochner, „Zum Phänomen der Tierquälerei im Kindes- und Jugendalter“, Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Medizin der Medizinischen Fakultät (klinische Medizin) der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, 1988

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