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26.01.2009

Müssen Tierfreunde dulden, dass Jäger auf ihrem Grundstück Tiere schießen? Von Dominik Storr, Rechtsanwalt

Müssen Tierfreunde dulden, dass Jäger auf ihrem Grundstück Tiere schießen? Von Dominik Storr, Rechtsanwalt

Stellen Sie sich vor, Sie besitzen eine Katze, die in Ihrem benachbarten Waldgrundstück ein paar hundert Meter von Ihrem Haus entfernt hin und wieder Mäuse jagt. Sie sind gegen die Tötung von Tieren auf Ihrem eigenen Grundstück eingestellt - und dennoch passiert das aus moralischer, ethischer und rechtlicher Sicht das Unfassbare: Sie müssen auf Ihrem eigenen Grundstück die Tötung Ihrer Katze durch einen oder mehrere Jäger dulden.

Die Jäger dürfen Ihre Katze sogar mit einer auf Ihrem Waldgrundstück platzierten Falle anködern und erschlagen. Sie dürfen Ihrer Katze danach das Fell abziehen und es verkaufen. Sie dürfen jagende Freunde einladen, die auf Ihre Katze eine laute Jagd veranstalten, wohlgemerkt auf Ihrem Grundstück. Dabei dürfen die Jäger den Boden Ihres Grundstücks mit Blei kontaminieren, ohne die Altlasten hinterher wieder nach dem Verursacherprinzip zu beseitigen, oder mehrere Meter hohe, an KZ-Türme erinnernde Schießplattformen auf Ihrem Grundstück errichten, um von dort aus Ihre Katze zu erschießen.

Soll ich fortfahren oder besser mit der berechtigten Frage beginnen, ob dies alles unter moralischen, ethischen und juristischen Gesichtspunkten gerecht ist? »Ist dies überhaupt zulässig?«, fragt zu Recht der Tierfreund. Andere Menschen machen sich darüber leider überhaupt keine Gedanken.

Zu diesen Menschen gehören offenbar auch drei ehrwürdige Bundesverfassungsrichter, die in einer brandaktuellen Entscheidung vom 13.12.2006, Aktenzeichen 1 BvR 2084/05, entschieden haben: Ja, dieses aus moralischer, ethischer und juristischer Sicht Unfassbare ist gerecht und steht im Einklang mit dem Grundgesetz.

Sie müssen also die Tötung Ihrer geliebten Katze auf Ihrem Grundstück gegen Ihren Willen durch einen oder mehrere Jäger dulden. Das Bundesverfassungsgericht hat nämlich entschieden, dass die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft zwar in die Eigentumsfreiheit und in die Vereinigungsfreiheit der Betroffenen eingreift, jedoch für eine vernünftige »Hege mit der Büchse« erforderlich ist. Sie dürfen daher weder mit Ihrem Grundstück so verfahren, wie Sie wollen, noch aus der Jagdgenossenschaft austreten, noch können Sie durchsetzen, dass die Jagd auf Ihrem Grundstück ruht.

Wie kann diese unfassbare Entscheidung eines Gerichtes zustande gekommen sein? Durch Vereinnahmung, durch einen Kniefall vor der jagenden Lobby?

Dem Gericht ist es egal, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in einem Urteil zum französischen Jagdrecht bereits 1999 entschieden hat, dass es weder mit dem Eigentumsrecht, noch mit dem Diskriminierungsverbot, noch mit der Vereinigungsfreiheit vereinbar ist, wenn Grundstückseigentümer dazu verpflichtet werden, einer Jagdgenossenschaft zwangsweise beizutreten und die Jagd auf ihren Grundstücken zu dulden, obwohl die Jagd ihrer eigenen Überzeugung widerspricht.

Was kann man tun?

Grundstückseigentümer, die ihren Wald, ihre Wiesen und Felder nicht bejagen lassen wollen, können sich gegen dieses Unrecht zur Wehr setzen, indem sie bei der Unteren Jagdbehörde einen Antrag auf Ruhen der Jagd stellen. Lehnt die Behörde unter Berufung auf die gegenwärtige Gesetzeslage die Befreiung vom Jagdzwang ab, bleibt der Gang durch die Instanzen bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Denn bis das höchste europäische Gericht über diese unfassbare Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes befindet, kann noch einige Zeit vergehen. Selbst wenn der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte irgendwann der ersten Klage aus Deutschland stattgeben würde, würden die Gerichte in Deutschland dieses Urteil zunächst ignorieren und - wenn überhaupt - vom Gesetzgeber einfordern, die Jagdgesetzgebung entsprechend den Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs zu ändern. Ziel muss daher sein, mit einem Sammelsurium von Klagen nachzulegen, um den Druck auf die deutschen Gerichte und den Gesetzgeber solange zu erhöhen, bis dieser seine Gesetzgebung schließlich ändert oder sogar ganz aufgibt. Wehren Sie sich gegen die fragwürdigen Trophäensammler und beantragen Sie bei der zuständigen Jagdbehörde das Ruhen der Jagd auf Ihrem Grundstück.

Der Arbeitskreis für humanen Tierschutz und gegen Tierversuche e.V. und die Initiative zur Abschaffung der Jagd haben sich bereit erklärt, das gerichtliche Verfahren zweier unfreiwilliger Jagdgenossen bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu unterstützen. Wenn auch Sie Eigentümer eines bejagten Grundstücks sind und sich der Zwangsbejagung widersetzen oder wenn Sie die Bemühungen der beiden Organisationen finanziell unterstützen möchten, so nehmen Sie bitte Kontakt mit dem Arbeitskreis auf.





Die Jagd

v. Roland Dunkel - März 2005

Der Hunger hatte Schuld, ein wenig auch die Neugierde. Von beiden getrieben gelang es nämlich unseren noch weit vor der Ära eines Homo erectus lebenden Vorfahren, Knochenmark mit spitzen Werkzeugen aus Tierknochen herauszukratzen, die Raubtiere und Aasgeier nach ihrem Fressen übrig gelassen hatten. Natürlich waren die aufrecht gehenden Höhlenbewohner infolge dieser grandiosen Entdeckung bestrebt, das Töten nicht weiterhin den Fleisch fressenden Tieren alleine zu überlassen. Es galt, die Sache persönlich in die Hand zu nehmen. Die Jagd begann!

In den Anfängen war das Jagen schwierig und vor allen Dingen gefährlich (nicht immer kehrten alle Jäger zu ihren Gemeinschaften zurück). Doch mit zunehmender Gehirnmasse wurden die Menschen schlauer, die Jagd erfolgreicher. Als es dann auch noch gelang das Feuer »zu hüten«, welches bei der Zubereitung des Fleisches und somit für die Verdaulichkeit desselben von großem Nutzen war, hatte die Jagd endgültig eine wichtige Rolle bei der Nahrungsbeschaffung der Urmenschen übernommen. Auf ihren Wanderschaften über Kontinente hinweg waren sie nicht mehr nur auf Beeren, Früchte und Wurzeln, Insekten, Eier und Aas angewiesen.

Ungefähr 2 Millionen Jahre sind vergangen, seitdem zum ersten Mal eine Keule den Schädel eines Tieres traf und Tierblut aus dem Mund eines primitiven Jägers rann. Gewaltig hat sich unsere Welt in dieser Zeit verändert.
Heute sind die Urwälder größtenteils gerodet. Die steinernen Speerspitzen liegen in Museen und unseren Lebensraum nennen wir Kulturlandschaft. Und dennoch, es wird weiter gejagt. Unerbittlich, hinterhältig und brutal. Tag für Tag. Alleine in Deutschland, dem Land mit der höchsten Hochsitzdichte, werden jährlich ca. fünf Millionen Wildtiere getötet!
Mit dem Treiben in grauer Vorzeit hat das nichts mehr zu tun. Doch was sind die Gründe dafür, wo doch das Fleisch bequem und günstig von der Fleischindustrie, das Leder von der Lederindustrie und die Pelze von der Pelzindustrie geliefert werden?
Was veranlasst moderne, inzwischen mit großartigen Gehirnen ausgestattete Menschen, wirklich noch mit Waffen in die Wälder zu ziehen?

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