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26.01.2009

Neue Wege in der Rinderhaltung

Neue Wege in der Rinderhaltung

Nicht erst seit der BSE-Krise gibt es immer mehr tierhaltende Landwirte, welche den heute üblichen Umgang mit den „Nutz“tieren artgerechter gestalten wollen. Sie sind meist Organisationen wie Neuland, Bioland, Demeter usw. angeschlossen und halten sich an deren Richtlinien. Andere suchen nach völlig neuen Wegen.

Wir Tierrechtler sind realistisch genug um zu erkennen, dass zumindest auf absehbare Zeit nicht alle Menschen bereit sind, Vegetarier oder sogar Veganer zu werden. Deshalb sollten wir uns ähnlich wie beim Thema Tierversuch nicht nur mit einer Ablehnung des Fleischkonsums begnügen und auf fleischlose Alternativen hinweisen, sondern auch neue Ansätze in der Tierhaltung begrüßen.
Mit solchen Verbesserungen der Tierhaltung verbauen wir keinesfalls ein Umdenken „weg vom Fleisch“; aus unserer Sicht wäre es sogar unterlassene Hilfeleistung für die Tiere, wenn wir Verbesserungen ablehnend gegenüber stehen würden.

Aus diesem Grund lassen wir hier einen Bauern zu Wort kommen, der nicht nur um eine wirklich artgerechte Rinderhaltung bemüht ist, sondern seinen Tieren einen sanften Tod auf der Weide ohne angstvollen Transport zum Schlachthof gewähren will. Wegen jahrelanger Widerstände seitens der Behörden ging er sogar vor Gericht und gefährdete seine Existenz. Denn er wollte keinem Tier mehr einen Transport zum Schlachthof zumuten, den er selbst als Vorhof zur Hölle bezeichnet.

Seine Rinder werden zwischenzeitlich in einer Herde auf der Weide gehalten und vermehren sich dort nach Lust und Laune. In der Anfangszeit passierten ihm Fehler, die er in einer 24seitigen Broschüre über seine Tierhaltung auch nicht verschweigt.

Die Tötung darf seit kurzem auf der Weide mittels Gewehrschuss aus dem den Tieren vertrauten Traktor beim liegenden Rind erfolgen, so dass einerseits die Betäubung des Tieres gleich eintritt und es schmerzlos stirbt und andererseits die anderen Tiere nicht verstört werden.

URIA® Wildrinder - Neue Wege in der Tierhaltung

Ernst Hermann Maier

Vorwort

Seit vielen tausend Jahren hält die Menschheit sogenannte Nutztiere. Freie Wildtiere sind von Menschen gefangen, domestiziert und zu den verschiedensten Zwecken genutzt worden.

Leider müssen wir bei eingehender Betrachtung aber feststellen, dass diese Tiere in den allermeisten Fällen missbraucht worden sind und bis zum heutigen Tage missbraucht werden.

Die Liste dieses Missbrauchs ist lang.

Es würde den Rahmen des Vorworts sprengen, wollte man alle Schandtaten aufzählen, welche der Mensch an seinen Mitgeschöpfen begangen hat.

Neben so extremen Fällen wie z. B. Pferde, Elefanten und Delphine zu Kriegszwecken einzusetzen, Affen in den Weltraum zu schießen sowie bei allen möglichen Versuchen Tiere aller Art grausam zu misshandeln, ist die ganz normale Nutztierhaltung in fast allen Fällen nichts anderes als schlichtweg Sklaverei.

Unterschiedlich sind lediglich die jeweiligen Haftbedingungen der Tiere. Es gibt neben ausgesprochen sadistischen Varianten so gut wie alle Formen bis hin zu einigermaßen humaner Tiersklaverei.

Als Sklavenhaltung müssen wir eine Tierhaltung bezeichnen, wenn der Mensch aus Eigennutz und egoistischen Motiven die elementarsten Grundgefühle der ihm anvertrauten Tiere willkürlich missachtet.

Der Mensch, als sogenannte Krone der Schöpfung, hat sich gegenüber seinen Mitgeschöpfen den ihm anvertrauten Tieren, unermessliche Schuld aufgeladen.

Fast immer sind die Aktivitäten der Menschen gegenüber den Tieren ausschließlich von Eigennutz bestimmt gewesen.

Erst in jüngster Zeit mehren sich die Bemühungen, Nutztieren ein artgemäßes Dasein zu ermöglichen. Über diese Entwicklung besteht Grund zur Freude.

Ehe wir uns aber näher damit befassen, gilt es abzuklären, was wir unter dem Begriff „artgemäß“ zu verstehen haben.

Dazu müssen wir uns vergegenwärtigen, wie die Tiere ursprünglich als Wildform gelebt und wie sie sich verhalten haben. Welches die elementarsten Grundgefühle der Tiere sind, die nicht verletzt werden dürfen, damit sie wieder normale Verhaltensweisen entwickeln können und nicht mehr verhaltensgestört sein müssen.

Dazu gilt es zu überlegen, in wieweit es möglich ist, den Tieren die dazu erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Am Beispiel einer sich inzwischen entwickelten Rinderhaltungsform, welche wir in Anlehnung an den leider ausgestorbenen Urvater unserer heutigen Haus und Nutzrinder, dem Auerochsen oder Ur mit dem Namen „URIA“ bezeichnet haben, wollen wir verdeutlichen, wie dies möglich ist.

Es soll auch aufgezeigt werden, welche Verhaltensweisen und Fähigkeiten Rinder innerhalb eines vierzehnjährigen Langzeitversuches wieder entwickelt haben, als ihnen entsprechende Entfaltungsmöglichkeiten gewährt wurden.

Und dann beschreibt Ernst Hermann Maier seine Wege und Irrwege seit seiner Kindheit auf dem elterlichen Bauernhof. Er schildert alles so lebendig, dass man am liebsten ein ganzes Buch darüber lesen möchte: Wie er als Kleinkind aus dem Hühnertrog einen Brei aus frisch geschrotetem Getreide, Milch und Wasser aß oder als älteres Kind mit Vorliebe zu den Pferden in die Futterkrippe stieg.

Er berichtet, wie die Stallkühe bereits früher an einer Kette gehalten wurden: Nur sonntags durften sie nach dem Füttern und vor dem Kirchgang eine Weile im Dorf an viel zu kurzen Stricken herumgeführt werden. Die „losgelassenen Kettensklaven“ verhielten sich dabei äußerst tollpatschig. Wenn sie zu schnell vorwärts stürmten oder Bocksprünge machten, schlug ihr Führer nach Kräften auf Nase und Hörner. Als Junge machte er dabei die Erfahrung, dass es besser sei, statt des Prügels ein längeres Seil zu benützen. Dies war das erste Mal, dass er feststellen konnte, wie man mit Rindern besser zurecht kommt, wenn man ihnen weniger Gewalt antut und dafür ein kleines Stückchen Freiheit einräumt.....

Viktoria

Viktoria wurde am 29.03.1983 bei uns auf der Weide geboren.

Nachdem wir die Jungtiere nicht mehr von den Müttern trennen konnten und sie auch nicht unbedingt wegen Platzmangels verkaufen mussten, wurde unsere Tierzahl größer. Diese Entwicklung kam uns nicht ungelegen.....

Der Monat Mai des Jahres 1984 war kühl, und der Graswuchs geriet ins Stocken. Unsere Tiere hatten sich in der Freiheit vermehrt, die Weidefläche wurde knapp und wir bekamen Probleme. Die Rinder wollten weiden und waren nicht mehr bereit, Heu zu fressen, statt dessen drückten sie laufend die vorhandenen Stacheldrahtzäune um oder sprangen einfach darüber hinweg, um das Gras anderer Bauern zu verzehren.

Dies gab natürlich Ärger und wir mussten Abhilfe schaffen.

Ein Kollege im ca. 20 km entfernten Dorf Laufen suchte Rinder für seine Weide und so verkauften wir ihm 6 Tiere, darunter auch Viktoria.

Drei Monate später, an einem Sonntagabend, war ich mit meiner Familie auf der Heimfahrt mit dem Auto. Ich habe die Angewohnheit, stets bei der Weide vorbeizufahren und nach den Tieren zu sehen. Als wir in die Nähe unserer Weide kamen, sahen wir zu unserem Erstaunen einen Polizisten mit Sprechfunkgerät und schussbereiter Maschinenpistole herumlaufen.

Ich fragte: „Was ist denn hier los?“ Er erklärte: „Im Balinger Schlachthof ist ein Stück Vieh ausgerissen und soeben in dieses Tal hinuntergelaufen. Mein Kollege ist ihm nach und wird es gleich erschießen.“ Ich sagte aufgeregt: „Bitte funken Sie Ihrem Kollegen, er darf da unten auf keinen Fall schießen, dort sind unsere Rinder, nicht dass er ein falsches erschießt. Ich gehe gleich hinunter und sehe nach, wo sich das Tier befindet.“

Der Beamte tat mir den Gefallen und ich begab mich ins Tal hinunter zu unseren Tieren. Inmitten der Herde fand ich ein ganz nassgeschwitztes Rind, welches ein Strickhalfter um den Kopf hatte und das Strickende auf dem Boden nachzog.

Es war Viktoria!

Später erfuhr ich, dass der Kollege in Laufen krank wurde und die Rinder einem Viehhändler verkauft hatte, welcher sie in den Schlachthof brachte. Dort riss sich Viktoria los, rannte aus der Stadt hinaus, überquerte zweimal eine stark befahrene Bundesstraße und eine Bahnlinie. Suchte in einer Weide im 4 km entfernten Nachbarort Engstlatt kurz Schutz, floh dort wieder, kehrte zielstrebig auf die Heimatweide zurück und versteckte sich in der Herde.

Ich brachte es nicht übers Herz, dieses kluge und treue Tier erneut seinen Häschern auszuliefern und habe es vom Viehhändler zurückgekauft.

Auf Grund der Erfahrungen mit Viktoria und Alex (Anm. der Red.: Das ist eine weitere Tiergeschichte) werden bei uns keine Tiere mehr lebend verkauft, von der Weide abtransportiert und der Willkür anderer Menschen ausgeliefert.....

Und so beschreibt Ernst Hermann Maier noch weitere erschütternde Tierschicksale, wie das von Anna und ihrem fröhlichen, zutraulichen Kälbchen Aline. Die Geschichte trug sich zwei Jahre vorher zu.

Als man glaubte, dass Aline ohne ihre Mutter zurecht kommen würde, wurde diese an einen Schlachter verkauft. Aline stand dabei und musste zusehen, wie ihre Mutter fortgenommen wurde und nicht mehr zurückkam. Seit jener Zeit war Aline verhaltensgestört, ließ sich nicht mehr streicheln, nicht einmal mehr berühren und zeigte tiefe Trauer. Erst nach Jahren ist ihr Zustand besser geworden; ein Ausdruck von Gram ist dennoch verblieben. Seitdem wird bei Ernst Hermann Maier niemals mehr eine Mutterkuh geschlachtet, solange das Jungtier noch nicht geschlechtsreif ist.

Millionen von Kälbchen werden jedoch bereits ganz klein von ihren Müttern getrennt es sind alles traurige Einzelschicksale! Jede einzelne Kuh ruft und trauert um ihr Kälbchen wie auch umgekehrt.

Auch hierzu hat Ernst Hermann Maier erschütternde Tierschicksale aber auch solche mit gutem Ausgang festgehalten. Es ist ihm ein großes Anliegen, dass die Menschen mehr über die Gefühle von Tieren erfahren und darüber nachdenken, was sie den Tieren antun
Quelle: www.tierrechte.de


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