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20.01.2009

Nutztiere - Vegetarismus

Nutztiere - Vegetarismus


Ausgangslage

Nutztiere sind aus unserer Gesellschaft nicht wegzudenken. In vielfältiger Weise werden sie als Arbeits- oder Freizeittiere eingesetzt. Die herausragendste Bedeutung kommt den landwirtschaftlichen Nutztieren zu, die für die direkte Nahrungsmittelgewinnung gehalten werden. Rund zehn Millionen Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Kaninchen, Geflügel etc. dienen in der Schweiz jährlich im Wesentlichen als Fleisch-, Milch- oder Eierlieferanten. Diese Tiere bilden einen wichtigen Teil des Wirtschaftskreislaufs. Nicht verwunderlich ist dabei die Tatsache, dass den Bedürfnissen dieser Tiere im Hinblick auf die mit ihrer Haltung einher gehenden wirtschaftlichen Interessen nicht immer Rechnung getragen wird. Die Bandbreite der Ausbeutung landwirtschaftlicher Nutztiere erstreckt sich von Unwissenheit über die Grundbedürfnisse der Tiere bis hin zu bewussten Tierquälereien (beispielsweise bei der Produktion von hellem Kalbfleisch).


Idealbild der Stiftung für das Tier im Recht

Für das Töten von Tieren zur Nahrungsmittelgewinnung fehlt eine ethisch einwandfreie Grundlage. Möchte man sich jedoch eine solche zum Massstab setzen, ist nicht nur eine vegetarische, sondern sogar eine vegane Lebensweise die Konsequenz, da im heutigen Industrieprozess Tiere auch für die Herstellung von Eiern und Milchprodukten sterben müssen. Dass die Tötung von Tieren zur Nahrungsmittelgewinnung in unserem Kulturkreis nicht gerechtfertigt ist, geht aus folgenden Überlegungen hervor:

Eine fleischlose Ernährung ist kein realitätsfremder Wunschgedanke. Während in Zeiten vor der Industrialisierung – wie in verschiedenen Ländern noch heute – Fleisch ein eigentliches Luxusprodukt darstellte und nur sehr selten konsumiert wurde, ist heute zumindest in gewissen Bevölkerungsteilen wiederum ein Trend hin zum gesundheitsbewussten sowie ethisch und (angesichts des Welthungers) sozial motivierten Vegetarismus zu verzeichnen.

Sowohl die Haltung als auch die Zucht mit konventionellen und insbesondere gentechnischen Methoden können die Würde der Tiere erheblich verletzen. Die Missachtung artspezifischer Bedürfnisse sowie die bewusste Veränderung charakteristischer Artmerkmale kommen einer Respektverweigerung und somit einer Würdeverletzung gleich.

Nutztiere werden aus wirtschaftlichen Gründen gezüchtet, gehalten, genutzt und getötet. Sie sind nur solange nützlich, wie ein finanzieller Ertrag aus ihnen erwirtschaftet werden kann. Ihrem Dasein als Lebewesen kommt in diesem Zusammenhang keine Bedeutung zu, womit sie auf reine Rechnungsfaktoren reduziert werden. Diese Einstellung ist auch unter dem Aspekt der generationsübergreifenden Nachhaltigkeit bedenklich.

Kurzfristig realisierbare Forderungen

Tiertötungen im Zusammenhang mit der Gewinnung von Nahrungsmitteln werden gesellschaftlich nicht nur toleriert, sondern vom Konsumenten implizit sogar in Auftrag gegeben. Eine bewusst vegetarische Ernährungsweise stellt heute zwar keine seltene Erscheinung mehr dar und kann auf vielfältigen Gründen beruhen: ethische, soziale, religiöse sowie gesundheitliche Aspekte fliessen in die persönliche Entscheidung ein und beeinflussen Nachfrage und Angebot. Noch immer überwiegt in unserer Gesellschaft aber ganz klar die Zahl jener Menschen, die nicht auf Fleisch verzichten wollen. Die folgenden Forderungen stellen ein Minimum dessen dar, was aus der menschlichen Verantwortung gegenüber der Schöpfung gefordert werden muss:

Tierhaltung ist dann ethisch relevant, wenn die Anpassungsfähigkeit betroffener Tiere überfordert wird. Im Vergleich zum benachbarten Ausland sind die Anforderungen an die Tierhaltung zahlreicher Nutztierarten in der Schweiz zwar höher. Dennoch kann beim gesetzlich verlangten und vielerorts praktizierten Minimum keineswegs von Tiergerechtheit gesprochen werden. Viele natürliche Bedürfnisse und artspezifische Verhaltensweisen werden stark eingeschränkt. Der Staat und die Bauernschaft sind gefordert, die Landwirtschaft zurück zu einer verantwortungsvollen Wirtschaftlichkeit zu führen. Dies zumal Tierschutzauflagen in der Nutztierhaltung nicht vorwiegend zur Verteuerung der Produktion führen, sondern – im Gegenteil – kostenintensive Faktoren wie haltungsbedingte Krankheiten, Verletzungen und Verhaltensstörungen ausschalten können.

Das Tierschutzrecht und die darin festgelegten Minimalanforderungen werden noch immer in vielen (insbesondere älteren) Betrieben missachtet. Hier fehlt es an effizientem Vollzug. Gefordert sind unangemeldete Kontrollen und eine konsequente Durchsetzung der geltenden Tierschutzbestimmungen, notfalls mittels empfindlicher Sanktionen, um zu vermeiden, dass Tierleid sich auszahlt. Insbesondere ist das System des Ökologischen Leistungsnachweises dringend einer Kontrollpflicht zu unterstellen.

Verschiedene auch in der Schweiz gängige Praktiken der modernen Nutztierhaltung sind inakzeptabel, sodass hier dringend nach Lösungen gesucht werden muss. Zu denken ist beispielsweise an die in der Legehennenzucht anfallenden jährlich rund zwei Millionen "überzähligen" männlichen Küken, die einzig ihres Geschlechts wegen am ersten Lebenstag getötet werden. Ebenso unhaltbar sind prophylaktische Massnahmen zur Verhütung von Verletzungen wie etwa Schnabel- oder Schwanzkupieren bei Geflügel bzw. Schweinen oder die Enthornung bei Rindern. Hier sind Haltungsformen zu wählen, die den Tieren angepasst sind und keine erhöhte Gefahr von Verletzungen durch Verhaltensstörungen provozieren.

Auch in der Schweiz sind Tiertransporte über mehrere Stunden quer durch das Land keine Seltenheit. Die Beförderungen sind mit grossen Belastungen für die Tiere verbunden. Nutztiere sind daher nicht nur im Notfall, sondern ausnahmslos im nächstgelegenen für die betreffende Tierart geeigneten Schlachthof zu schlachten. Transporte im Rahmen fragwürdiger Mast- und Zuchtsysteme sind zu verbieten.

Paradoxerweise wird immer wieder versucht, Nutztiere mittels gezielter Züchtung an moderne Haltungsbedingungen zu adaptieren. Dieser Ansatz ist falsch. Die Haltungsform ist in jeder Hinsicht dem entsprechenden Tier und seinen Bedürfnissen anzupassen. Abweichungen von diesem Grundsatz sind nötigenfalls gesetzlich zu verbieten.

Tierschutz gehört als fester Bestandteil in jede Aus- und Weiterbildung von Personen, die beruflich mit Tieren zu tun haben. Die Sensibilisierung für den Tierschutzgedanken muss aber insbesondere auch beim Konsumenten gefördert werden, der die tierfreundliche Produktion durch sein Kaufverhalten unterstützen soll. Damit der Verbraucher eine korrekte Abwägung vornehmen kann, ist eine generelle Deklarationspflicht einzuführen; Etikettenschwindel ist streng zu sanktionieren.

Die Förderung des Tierschutzgedankens hat u.a. durch den Staat zu geschehen und sollte sich im Sinne eines Kreislaufs in Werbung, Konsumentenschutz, Landwirtschafts- und Handelsförderung niederschlagen. Insbesondere sind öffentliche Anstalten und Einrichtungen zu verpflichten, ausschliesslich tierfreundliche Produkte aus Schweizer Produktion zu beziehen.

Antworten auf gängige Argumente von Kritikern unserer Postulate

Der Verzehr von Fleisch ist nicht nur natürlich, sondern in "vernünftigem Mass" auch förderlich für Gesundheit und Wohlbefinden des Menschen. Eine vegetarische oder vegane Ernährung in der Kindheit kann sogar schädliche Folgen hervorrufen.

Ein Grossteil der Weltbevölkerung ernährt sich fast ausschliesslich vegetarisch. Mangelerscheinungen, die in Entwicklungsländern häufig vorkommen, sind allerdings nicht auf die vegetarische, sondern auf die (eines dürftigen Nahrungsmittelangebots wegen) sehr einseitige Ernährung zurückzuführen. In Industrieländern wie der Schweiz gründen gesundheitliche Probleme wie Diabetes, Fettsucht, diverse Allergien, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs eher in einem übermässigen Konsum eiweisshaltiger Nahrung. Diese Erkenntnisse gelten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermassen. Insbesondere bei Kindern kann beispielsweise Kuhmilch aufgrund ihrer ungeeigneten und auf die Bedürfnisse des Kalbes ausgerichteten Zusammensetzung Probleme wie Blähungen, Unterleibschmerzen oder Durchfall verursachen.

Wollen die Schweizer Landwirte in Zukunft überleben, so haben sie sich den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im internationalen Umfeld anzupassen. Darüber hinausgehende tierschützerische Forderungen sind illusorisch und bauernfeindlich.

Tierschützerische Forderungen nach einem ethisch verantwortbaren Umgang mit Nutztieren sind keineswegs bauernfeindlich. Ganz im Gegenteil fördern die wirtschaftlichen Bestimmungen von internationaler Bedeutung das Aussterben kleiner und mittlerer Betriebe, indem immer weitgehendere Spezialisierungen gefragt sind. Der Verlust unzähliger Arbeitsplätze aufgrund rationeller Produktionssysteme ist die Folge. Diesem globalen Trend gilt es mittels hohen Qualitätsstandards entgegenzuwirken. Ein respektvoller Umgang mit Tieren ist ein wichtiger Bestandteil des Qualitätsanspruchs und kann daher nicht als illusorisch bezeichnet werden. Er erfordert aber eine entsprechende Einstellung sowie breite Unterstützung durch Staat und Bevölkerung.

Für die Umstellung sämtlicher Produktionsbetriebe auf "Bio" ist in der Schweiz kein Platz vorhanden.

Mit der Agrarpolitik 2002 wurden in der Schweiz mehrere tausend Hektaren Land zur extensiven Nutzung frei, die sich hervorragend für die Beweidung insbesondere von Wiederkäuern eignen. Schon heute gilt für Rindvieh ein Auslaufgebot von mindestens neunzig Tagen im Jahr, was bedeutet, dass die entsprechenden Weiden und Ausläufe bereits heute bereitgestellt werden müssen. Die inzwischen weite Verbreitung der Auslaufgehege für Schweine zeigt weiter auf, dass tierschützerische Mindestforderungen keine Illusion darstellen. Verlangt wird in erster Linie eine gewisse Sensibilität gegenüber den natürlichen Bedürfnissen der Nutztiere.

Die einzige wirklich den Bedürfnissen der Tiere entsprechende Haltung, die Freilandhaltung sämtlicher Nutztiere, würde untragbare Grundwasserbelastungen verursachen.

Massentierhaltung ist eine wesentliche Ursache für die massive globale Boden-, Gewässer- und Luftverschmutzung. Wenngleich die Schweiz angesichts der weltweiten Viehwirtschaft prozentual nur eine kleine Schuld an den globalen Umweltproblemen trägt, befreit sie dies nicht von ihrer grundsätzlichen Verantwortung. Das Problem der Entsorgung anfallender Jauche und der damit zusammenhängenden Grundwasserbelastung stellt sich allein aufgrund der hohen Anzahl gehaltener Tiere, unabhängig von ihrer Haltungsform. Selbstverständlich müssen gewisse Regeln zur Schonung des Grundwassers auch bei Freilandhaltung beachtet werden – wie dies auch für die allgemeingängige Jaucheverteilung auf den Feldern erforderlich ist.

Misst man den Bedürfnissen von Nutztieren einen derart hohen Stellenwert zu, bedeutet dies, dass grössere Tierherden nicht mehr gehalten werden können. Wie soll dieses Defizit gedeckt werden?

Konventionelle Massentierhaltungen sehen sich verschiedenen Problemen gegenüber gestellt. Insbesondere fördern sie die Entstehung und Verbreitung ansteckender Krankheiten und Seuchen maximal, wie die Kostenfolgen haltungsbedingter Krankheiten, Verletzungen und Verhaltensstörungen eindrücklich belegen. Zur Vorbeugung oder als Folge werden die Nutztiere medikamentös behandelt, im Falle des Ausbruchs einer Seuche gar massenweise getötet und als Abfall verbrannt. Zur Verletzung der Tierwürde hinzu tritt ein gesundheitlicher Aspekt: Medikamentenrückstände in tierischen Erzeugnissen können die menschliche Gesundheit beeinträchtigen. Durch eine Reduzierung des Tierbestands mit gleichzeitiger Erhöhung des Qualitätsstandards kann ein allfälliges Defizit vollständig ausgeglichen werden.
[Fassung vom 9.8.2005]

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