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20.01.2009

Pelz

Pelz


Ausgangslage

Die Verwendung von Tierfellen für Bekleidungszwecke stellte ursprünglich ein existentielles Grundbedürfnis dar. Vor rund 25 Jahren wurde das Pelztragen in der Öffentlichkeit zur Gewissensfrage deklariert, als bekannt wurde, unter welchen Bedingungen Pelztiere zur Herstellung extravaganter Kleidungsstücke gefangen oder gehalten werden. Pelztragen war längst nicht mehr praktisches Bedürfnis, sondern Statussymbol. Unzählige aufklärende Antipelzkampagnen haben in der Pelzindustrie zwischenzeitlich zu starken Verlusten und in der Öffentlichkeit zu verbreiteter Ablehnung des Pelztragens geführt. Seit einigen Jahren versucht die Pelzbranche mit einigem Erfolg, das Tragen echten Pelzes neu zu definieren und zu legitimieren.




Idealbild der Stiftung für das Tier im Recht

Das Fangen oder Halten von Wildtieren zur Pelzgewinnung und das damit verbundene Töten gehört ausnahmslos verboten. Folgende Überlegungen führen zu dieser Konsequenz:

Pelztiere haben ihre eigene Existenzberechtigung. Sie sind von der Natur mit einem wärmenden und schützenden Pelz ausgestattet, der für ihr Überleben in der Natur unentbehrlich ist. Wildtiere existieren um ihrer selbst willen und stehen nicht als Felllieferanten für den Menschen zur Verfügung.

Pelzbekleidung ist heute entbehrlicher Luxus, unabhängig davon, ob es sich um eine teure Pelzjacke oder einen diskreten, für den Durchschnittsbürger erschwinglichen Pelzbesatz handelt. Pelz als Kleidungsstoff kann nicht mehr als Grundbedürfnis angesehen werden. Den Tod von Tieren für ein Luxusprodukt in Kauf zu nehmen, kann nicht im Interesse unserer sozial ausgerichteten Gesellschaft liegen und ist als Rückschritt in der Menschheitsentwicklung zu werten.

Die Pelzindustrie verfolgt wie jedes Gewerbe finanzielle Interessen. Diese dürfen jedoch nicht Massstab für unseren Umgang mit der Tierwelt sein. Die einzige Konsequenz, die sich aus dem Umdenken in der Mensch-Tier-Beziehung ergibt, besteht in der Ablehnung einer auf rein monetären Interessen gegründeten Ausbeutung und Tötung von Tieren.

Kurzfristig realisierbare Forderungen

Weltweit 90 Millionen Tiere werden jährlich für Pelzprodukte getötet und verarbeitet. Angesichts der zunehmenden Nachfrage fragt sich, ob das wiedererwachte Bedürfnis nach Fellbekleidung innerhalb nützlicher Frist durch weitere Aufklärung reduziert werden kann. Eine sofortige Schliessung sämtlicher Pelzfarmen stellt sich derzeit noch als unrealistisch heraus. Kurzfristig durchaus umsetzbar sind hingegen folgende Forderungen:

Pelzprodukte, die mittels der schweizerischen Tierschutzgesetzgebung klar widersprechenden Methoden hergestellt werden, sollen nicht mehr importiert werden. Da ein rechtliches Einfuhrverbot jedoch allenfalls zwingend einzuhaltende völkerrechtliche Verträge verletzen würde, muss der Verzicht auf freiwilliger Basis eingehalten werden.

An Zucht, Haltung und Tötung von Pelztieren sowie an die Ausbildung der damit betrauten Personen sind hohe Anforderungen zu stellen. Aspekte der Wirtschaftlichkeit sind dabei in den Hintergrund zu stellen und dürfen zu keinen Ausnahmen führen. Zu verbieten sind unter anderem Zuchtselektionen (beispielsweise für Farbmutationen), die mit schwerwiegenden Erbschäden verbunden sind und zu massiven Beeinträchtigungen der Lebensqualität der betroffenen Tiere führen.

Solange die Jagd in der Schweiz erlaubt und in gewissem Rahmen sogar – etwa zur (fragwürdigen) Bestandesregulierung von Füchsen - vorgeschrieben ist, werden jährlich 40'000 Füchse getötet und deren Felle grösstenteils der Verbrennung zugeführt. Diese Verschwendung rührt daher, dass Fuchsbälge aus einheimischer Jagd für die Pelzindustrie uninteressant sind. Für die ausserordentlich niedrigen Preise lohnt sich der Aufwand des Jägers für die Pelzung kaum. Da eine solche Politik keine Unterstützung erfahren darf, sollten Schweizer Kürschner einheimischen Fellen den Vorrang geben.

Ein regelmässiger und unabhängiger Kontrolldienst sämtlicher Pelztierhaltungen ist heute noch immer nicht gewährleistet. Je nach Land oder Region unterstehen Pelzfarmen unterschiedlichen Regelungen. Es somit dringender Handlungsbedarf an verbindlichen Staaten übergreifenden und Transparenz schaffenden Vorschriften.

Der Käufer soll über Herkunft, Tierart und Haltungsform aufgeklärt werden. Fantasie- und irreführende Namen, wie sie in der Pelzbranche üblich sind (so beispielsweise der Name "Gaewolf", der für Hundefell steht), müssen verschwinden. Die Felle sollten stattdessen als das bezeichnet werden, was sie in Wirklichkeit sind. Gefordert wird in diesem Sinne eine detaillierte Deklarationspflicht, die der Käuferschaft eine Vorstellung des ihm vorliegenden Pelzkleidungsstücks gibt.

Der Fallenfang mittels Tellereisen (Festhaltefallen), Totschlagfallen oder Schlingen ist insbesondere in Nordamerika und Sibirien für die Pelzproduktion noch immer von grosser Bedeutung. Die unselektive und oft ineffiziente Art dieser Methoden ist mit Tierschutz nicht vereinbar, zumal Fehlfänge und schwer verletzte Tiere keine seltenen Folgen davon sind. Derartige Fallen und daraus gewonnene Felle sind konsequent und ausnahmslos zu verbieten.

Als Umweltschutzaspekt ist unter anderem dem Problem der teilweise erheblichen Grundwasserbelastung durch abgeschwemmte oder aus tierseuchenrechtlichen Gründen bei den Sammelstellen nicht angenommene Jauche Beachtung zu schenken. Auch ist der vielseitige Einsatz von Chemikalien zur Seuchenbekämpfung, Steuerung der Fortpflanzung, Reinigung der Käfige und Bearbeitung der Felle sowie bei der Jagd freilebender Pelztiere nicht zu unterschätzen, insbesondere da sie auch für die Arbeiter eine erhebliche Gefahr darstellen. Diesem Punkt ist künftig vermehrt Aufmerksamkeit zu widmen, und Missstände sind entsprechend zu korrigieren bzw. zu sanktionieren.


Antworten auf gängige Argumente von Pelzbefürwortern


Fellwerk ist das älteste Bekleidungsgut des Menschen. Pelz schenkt Lebensfreude, Wärme und Geborgenheit und verbindet uns mit der Natur.

Menschen sind für die Empfindungen und Bedürfnisse der Tiere längst sensibilisiert. Lebensfreude, Wärme und Geborgenheit sind zwar erwünscht, doch ist das Tragen eines Pelzes vielmehr mit Gefühlskälte und Rücksichtslosigkeit verbunden. Auch dem Argument der Natürlichkeit von Pelz gibt heute nicht mehr viel her: Mehr als drei Viertel der Felle stammen aus Pelzfarmen, in denen Haltung, Fütterung, Zucht sowie anschliessende chemische Behandlung der Felle alles andere als natürlich sind.

Dank neuen Erkenntnissen in der Verhaltensforschung konnten Mängel in der Haltung von Pelztieren behoben werden, sodass die heute bestehenden, unter strenger Kontrolle stehenden Pelzfarmen als artgerecht bezeichnet werden können. Vorschriften, Gesetze, Wissen, Verhaltensforschung und Untersuchungen haben ihren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen.

Eine artgerechte Tierhaltung populärer Wildtiere wie Nerz und Fuchs ist aus Rentabilitätsgründen nicht möglich. Selbst die vergleichsweise strengen schweizerischen Anforderungen an die Pelztierhaltung als Wildtiere stellen absolute Minimalforderungen und somit bloss die Grenze zur Tierquälerei dar. Dennoch existieren in der Schweiz aufgrund dieser Regelung keine Pelzfarmen mehr. Dass Käfige mit Drahtboden von teilweise weniger als einem Quadratmeter Grösse einem Tier keine artgerechten Bedingungen bieten können, versteht sich von selbst.

Die in Zuchten gehaltenen Tiere sind nicht mehr als Wildtiere, sondern als domestiziert anzusehen und somit den Haustieren zuzuordnen.

Das Verhalten der Pelztiere hat sich innerhalb der ca. 80 Generationen, in denen sie in Europa gezüchtet werden, nicht wesentlich verändert. Vielmehr verhalten sich beispielsweise freigelassene oder entlaufene Nerze praktisch wie ihre in Freiheit geborenen Artgenossen. Die in Pelzfarmen herrschenden Bedingungen stellen indessen auch für domestizierte Tiere eine grobe Tierquälerei dar. Selbst wenn Nerze und Füchse sich also an ein Leben in menschlicher Obhut gewöhnt und ihr Verhalten angepasst hätten, käme es noch immer zu krankhaften Verhaltensweisen, weil den Tieren selbst die Befriedigung elementarster Bedürfnisse verweigert wird.

Pelztiere gelangen nur dann zu einem glänzenden und damit wertvollen Fell, wenn sie optimal gehalten werden. Der Zustand des Fells ist ein Indikator für das Wohlbefinden des Tieres. Pelztiere gehören weltweit zu den am besten betreuten Haus- und Nutztieren.


Ein glänzendes Fell kann Indikator für die Gesundheit eines Tieres sein. Für die Bestimmung des Wohlbefindens des einzelnen Tieres erweist sich dieser Indikator als sehr unzuverlässig. Pelztiere sind das lebendige Beispiel dafür, dass Leid und ein schönes Fell sich nicht ausschliessen. Rund 70 Prozent der in Zuchten gehaltenen Nerze leiden unter psychischen Störungen, die sich vor allem in stereotypem Verhalten äussern. Die Tiere sind dank medizinischer Behandlung körperlich in der Regel zwar gesund, leiden psychisch aber stark.

Durch die Aufrufe von Tierschützern zum Boykott von Pelzbekleidung sind allein in Europa rund. 40'000 Arbeitsplätze gefährdet. Die Lebensgrundlage arktischer Völker, diverser indigener Stämme und unzähliger Trapper steht auf dem Spiel.

Die Pelzbranche hat im Hinblick auf ihren überwiegenden Teil, die Zuchtfarmen, keine lange Tradition. Nicht nur die Kritik von Tierfreunden erschwerte in früheren Jahren Pelzfarmern das Leben, sondern insbesondere die innerhalb der Branche stark verbreitete Wirtschaftskriminalität. Gerade die Pelzbranche hat im Übrigen massiv zu einem Abhängigkeitsverhältnis gewisser Volksstämme und somit letztlich zu deren Ausbeutung geführt. Bei den heutigen Trappern schliesslich handelt es sich zu 80 Prozent um Hobby-Trapper, für die der Pelzhandel ein Zusatzeinkommen darstellt. Das seit langem erkennbare Umdenken im Bezug auf unseren Umgang mit Tieren kann nicht aufgehalten werden.


Weiterführende Hinweise

Virtuelle Bibliothek der Stiftung für das Tier im Recht (http://www.tierimrecht.org/de/bib/); Suchfelder: >> einblenden

- Kategorie (Detail) ist Pelztiere (Wildtiere) oder Würde der Kreatur (Juristische Literatur) >> suchen; oder

- Schlagworte enthält ‚Pelz’ >> suchen.



© Stiftung für das Tier im Recht, Bern/Zürich, 19. Januar 2005

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