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23.01.2009

"Pelztier"-Farmen: Grausamkeit in Gefangenschaft

"Pelztier"-Farmen: Grausamkeit in Gefangenschaft
Stand: 12. September 2007


Manche Leute glauben, dass Tiere, die auf Pelztierfarmen in Gefangenschaft gehalten und aufgezogen werden, nicht leiden. Dem ist aber nicht so. Ob Fallenstellen oder Pelztierfarmen - mit beiden sind ähnliche und doch auch grundverschiedene Grausamkeiten verbunden. Nur eines ist völlig identisch: beide haben nichts Leidloses. Tiere auf Farmen, meist Nerze oder Füchse, verbringen ihr gesamtes Leben unter entsetzlichen Bedingungen, nur um schließlich auf schmerzhafte und primitive Weise getötet zu werden.

Schmutz und Wahnsinn

Etwa die Hälfte aller Pelzmäntel, die verkauft werden, stammt von Tieren in Gefangenschaft, die auf Pelztierfarmen gezüchtet, geboren und großgezogen wurden. Diese Unternehmen reichen vom Familienbetrieb mit 50 Tieren bis hin zu Großbetrieben mit Tausenden von Tieren. Aber ungeachtet ihrer Größe oder ihres Standortes ist die Art, wie Nerze (oder andere Pelztiere) gezüchtet werden, auf der ganzen Welt durch die standardisierten Käfige einheitlich. Genau wie bei anderen Farmen mit Massentierhaltung orientieren sich die Methoden, die auf Pelztierfarmen Anwendung finden, am maximalen Profit, was immer zu Lasten des Wohlergehens der Tiere geht und immer auf Kosten ihres Lebens.

In den Vereinigten Staaten gibt es etwa 670 Pelztierfarmen, in Deutschland knapp 30 Farmen. Der weitaus größte Teil aller auf Farmen gehaltenen Pelztiere sind Nerze. Hinzu kommen zusätzlich Füchse, Kaninchen, Chinchillas, Marderhund, Iltis. Gerade in Deutschland existieren noch mehrere hundert sog. Kellerzuchten von Chinchillas, die sich fast ausschließlich in Laienhand befinden. Da sie Vegetarier sind und ebenfalls in standardisierten Käfigen gehalten werden, entspann sich mit diesen Hasenmäusen ein schwunghafter betrügerischer Handel, der, zwischenzeitlich zum Erliegen gekommen, viele Tausend tote Tiere, aber auch einige tote Menschen (Suizid) verursachte. Alle diese Tiere leben nur einen Bruchteil der Zeit, die ihre natürliche Lebenszeit ausmachen würde. Nerze werden etwa im Alter von fünf Monaten getötet, Füchse etwa im Alter von neun Monaten. Weibliche Zuchttiere leben länger. Das kurze Leben der Tiere besteht aus Angst, Stress, Krankheit, Parasiten und anderen physischen und psychischen Qualen, alles zugunsten einer Industrie, die riesige Profite aus ihrem 1 Milliarde-Euro-Jahresumsatz zieht.

Leben auf der "Farm"

Füchse werden in Käfigen gehalten, die ca. 1m³ groß sind und ein bis vier Jungtiere pro Käfig fassen. Nerze und andere Tierarten werden gewöhnlich in Käfigen gehalten, die nur 90 x 30 x 40 cm groß sind, wobei sich wiederum bis zu vier Jungtiere in einem Käfig befinden. Diese extreme Beengtheit bedeutet ganz besonders für Nerze, die in der Natur Einzelgänger sind, größten Stress. Eine nicht unerhebliche Zahl der Nerze auf Pelztierfarmen legt daher selbstverstümmelnde Verhaltensweisen an den Tag wie Beißen ins eigene Fell und den eigenen Schwanz, sowie stereotypes Verhalten wie immer wieder in der gleichen Weise hin- und herzulaufen (sog. Ethopathien). Füchse, die so dichtgedrängt gehalten werden, werden manchmal sogar zu Kannibalen. Und auch Verletzungen an den teils rostigen Drähten sind nicht selten (sog. Technopathien).
Nerze und Füchse werden mit Fleisch- und Fischnebenprodukten gefüttert, die oftmals so minderwertig sind, dass sie sogar für die Tierfutterindustrie nicht mehr verwandt werden. Die bakterielle Verseuchungsgefahr ist evident, gerade entwöhnte Jungtiere und Welpen sind besonders anfällig für diese.

Das Wasser auf den Pelztierfarmen erhalten die Tiere über ein Nippelsystem oder Trinkschalen, die im Winter oft einfrieren.

Krankheitserreger und Parasiten

Genau wie andere dichtgedrängt in Käfigen lebende Tiere sind auch diejenigen auf Pelztierfarmen anfälliger für Krankheiten als dies bei ihren freilebenden Artgenossen der Fall ist. Ansteckende Krankheiten wie die Aleutenkrankheit der Nerze, virale oder bakterielle Erkrankungen oder Lungenentzündung gehen von Käfig zu Käfig und töten manchmal die gesamte Population (z.B. Botulismus).

Die Tiere sind oft von Flöhen, Zecken, Läusen und Milben befallen, wobei Fliegen, die Krankheiten übertragen, ein besonders schwerwiegendes Problem darstellen, da sie von den großen Mengen an Exkrementen, die sich unter den Käfigen monatelang ansammeln, besonders angezogen werden.

Unnatürliche Lebensräume

Die Käfige auf den Pelztierfarmen befinden sich normalerweise in offenen Schuppen, die wenig Schutz vor Wind, Kälte und Hitze bieten. Die Pelze der Tiere helfen ihnen zwar, sie im Winter warm zu halten, jedoch ist der Sommer für die Nerze besonders schwer zu ertragen, da sie nicht über die Fähigkeit verfügen, ihre Körper abzukühlen, es sei denn, sie können im Wasser baden.

Freilebende Nerze verbringen dann 60 bis 70 Prozent ihrer Zeit im Wasser, und ohne diese Abkühlung steigen ihr Speichelfluss, ihre Atemfrequenz und ihre Körpertemperatur erheblich. Sie leiden dann unter Übelkeit, Schwindel und Erbrechen. Bis zu 10% der Tiere können jedes Jahr an den Folgen dieser Überhitzung sterben.


Gift und Qual

Die Tötungsmethoden sind grausam. Da den Farmern nur daran gelegen ist, den Pelz in seiner Qualität zu erhalten, verwenden sie Tötungsmethoden, die zwar die Haut schonen, jedoch ganz erhebliches Leiden der Tiere zur Folge haben, die - im wahrsten Sinne des Wortes - noch immer sehr an ihrem Pelz hängen. Nerze werden zu mehreren in eine Tötungskiste gepfercht, in der sie durch teils heiße, vielfach ungefilterte Auspuffabgase vergast werden, die auch schon mal über einen Schlauch vom Fahrzeug des Farmers eingeleitet werden. Füchse bekommen oft eine Zange um den Mund gelegt und gleichzeitig einen Stab in den Anus geschoben. Dann jagt man ihnen 240 Volt durch den Körper, um sie zu töten. Andere Tiere werden per Giftspritze getötet. Dies alles machen die Farmbetreiber selbst, ohne jegliche Hinzuziehung tierärztlicher und damit fachlicher Begleitung. Hinzu kommt, dass die Sachkunde bei einigen deutschen Pelztierfarmern nicht gegeben ist.
Rechtslage

Nachdem der Bundesrat schon 1992 die damalige Bundesregierung beauftragt hatte, eine Pelztierzuchthaltungsverordnung nach dem Vorbild der Schweiz zu erarbeiten, dauerte es bis November 2006, bis diese Haltungsverordnung in Deutschland beschlossen worden ist. Auch wenn die Übergangsfristen lang sind, wird diese Haltungsverordnung durch die Quasi-Abschaffung der bisherigen Käfighaltung dazu führen, dass in Deutschland eine wirtschaftliche Haltung von Pelztieren nicht mehr möglich ist.
Da die Pelztierzucht auch keine landwirtschaftliche Tierhaltung darstellt, wie das Bundesverwaltungsgericht rechtskräftig 2004 festgestellt hat, haben sich die Auflagen ohnehin verschärft, da Pelztierfarmen als Gewerbebetriebe gelten und auch unter die Emissionsschutzgesetze fallen.


So können Sie helfen

Jeder Pelzmantel repräsentiert das unglaubliche Leiden von bis zu mehreren Dutzend Tieren, ob in Fallen gefangen oder auf Pelztierfarmen großgezogen. Diese Grausamkeiten werden erst dann enden, wenn die Öffentlichkeit sich weigert, Pelzprodukte zu kaufen und zu tragen, und wenn sie die Werbesprüche der Fallensteller, Züchter und Pelzhersteller durchschaut, die lediglich am Profit interessiert sind und dadurch nicht zu rechtfertigendes Leiden und Sterben verursachen. Kaufen und tragen Sie bitte keinen Pelz und auch keine Jacken, Schuhe oder ähnliches mit Pelzbesatz. Wenn Sie einen Pelz besitzen schicken Sie ihn bitte an PETA, wir werden ihn für Öffentlichkeitsarbeiten verwenden oder an Obdachlose weitergeben. Informieren Sie sich unter www.pelzinfo.de weiter über Pelz und klären Sie auch die Menschen in Ihrer Umgebung über Pelz auf.


Quellenangaben
(1)Merrit Clifton, North American Fur Production and Trade in the 1980s, 1988.
(2)"The Welfare of the Ranched Mink," report by the Centre for Poultry Research and Extension, The Netherlands, June 1986.
(3)The Humane Society of the United States.
(4)Merrit Clifton, "Fur Farms: Where The Sun Doesn't Shine," The Animals' Agenda, Nov. 1991.
(5) Dr. Edmund Haferbeck: Pelztierzucht – das sinnlose Sterben, Göttingen 1990
(6) Almuth Hirt/Dr. Christoph Maisack/Dr. Johanna Moritz: Tierschutzgesetz, München 2007

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