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20.01.2009

Pferdehindernis vor Publikum mit Motorsäge zerlegt

Pferdehindernis vor Publikum mit Motorsäge zerlegt

Um 16 Uhr beginnt die Live-Übertragung des Hessischen Rundfunks. 15 000 ZuschauerInnen umlagern den Parcours beim internationalen Springturnier in Wiesbaden-Biebrich. 16.05 Uhr: Der deutsche Olympiasieger Ludger Beerbaum reitet in die Arena. Das Startsignal für 20 AktivistInnen des Bundesverbandes der Tierbefreier. Entschlossen drängeln sie sich nach vorn, überspringen die Absperrung und laufen zum erstbesten Hindernis. Es wird umstellt, Transparente entrollt. Slogans wie „Hände weg von Tieren“ und „Stoppt die Pferdeschinder“ lösen beim Publikum ein gellendes Pfeifkonzert aus. Doch dann stockt allen der Atem. Eine Motorsäge kommt aus einer mitgebrachten Stofftasche zum Vorschein. In wenigen Sekunden sind die Stangen des Hindernisses durchtrennt. So geschehen am 5. Juni 1995.

Wie nicht anders zu erwarten war, führte das aufgebrachte Publikum nach dem ersten Schock das Gesetz der Selbstjustiz wieder ein. Aus der bis dahin friedlichen Aktion wurde in wenigen Minuten eine handfeste Massenschlägerei. Die Fernseh-Kameras schwenkten in bester Stasi-Manier von der Aktion weg und zeigten stattdessen Bäume und betroffene ZuschauerInnen. Nach 15 Minuten waren alle ProtestlerInnen vom Platz geprügelt. Markus Schaak vom Bundesverband wurde verhaftet und später u.a. wegen Nötigung, Sachbeschädigung, Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und Landfriedensbruchs angezeigt.

In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hieß es später, er habe „mit Gewalt Widerstand geleistet, eine fremde Sache beschädigt und sich mit einer Menschenmenge öffentlich zusammen gerottet in der Absicht, Gewalttätigkeiten gegen Sachen mit vereinten Kräften zu begehen“. Außerdem seien alle „in das befriedete Besitztum eines anderen widerrechtlich eingedrungen“. Was wie purer Terrorismus klang, war in Wirklichkeit der nicht nur berechtigte, sondern geradezu erzwungene Einsatz zum Schutz der geschundenen Kreatur Pferd. Nichts schrieb die Staatsanwaltschaft zu splitternden Pferdeknochen, zur Ausbeutung der Tiere oder über das Prügeln zu Höchstleistungen. Stattdessen Sorge um das Gehalt des Reiters Beerbaum: „Muss ein Reiter den Parcours verlassen und zu einem späteren Zeitpunkt erneut starten, bedeutet dies eine starke Beeinträchtigung. Zu beachten ist, dass die Geldpreise für ein solches Springturnier sehr hoch sind.“


Pferdesport ist Pferdemord
TierrechtlerInnen besetzten Hindernis beim Military


Luhmühlen, ein kleiner Ort in der Lüneburger Heide kann getrost als Friedhof der Pferde bezeichnet werden. Seit vielen Jahren tragen PferdequälerInnen hier ihre „Military“-Meisterschaften aus. Bei den Geländeritten kam es dabei immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen.

1992 stürmten 50 Tierrechtlerinnen und Tierrechtler während des Wettkampfs auf den Parcours und besetzten ein Hindernis. Die ReitfreundInnen bewiesen ohne zu zögern, dass sie auch vor Gewalt gegen Menschen nicht zurückschrecken. ZuschauerInnen, ReiterInnen und PolizistInnen prügelten und traten gemeinsam wie von Sinnen auf die DemonstrantInnen ein. Immerhin konnte die Veranstaltung für 15 Minuten unterbrochen werden.


Tod am „harmlosen Sprung“


Eine Stunde zuvor war bereits ein Pferd am Hindernis 11, das den zynischen Namen „Coffin“ (englisch: Sarg) trug, ermordet worden. Der amerikanische Wallach Seawolf blieb mit den Hinterbeinen in der Hürde hängen, stürzte und starb an Ort und Stelle durch innere Blutungen. Während der Leichnam von einem Schaufelbagger abtransportiert wurde, ritten die übrigen „SportlerInnen“ weiter als sei nichts passiert. Die Rechtfertigungen der Turnierleitung waren der blanke Hohn. Hindernis 11 sei schon sehr viel leichter zu passieren gewesen als im Vorjahr und 75 Prozent aller Pferde hätten in diesem Jahr das Ziel erreicht. Als weiteres Argument für die „Harmlosigkeit“ des Parcours sollte herhalten, dass bei einem Springen in England drei Pferde ums Leben gekommen waren. Reinhard Wendt von der „Reiterlichen Vereinigung“ sagte gar: „Der Pferdesport ist heute die einzige Chance für die Arterhaltung des Tieres.“ Sprüche, die sonst nur von Schweine-Schlächtern zu hören sind.

Die Ignoranz der PferdequälerInnen und die Brutalität der ZuschauerInnen gegen den Protest sorgten immerhin für ein enormes Medienecho. „Immer den Tod unterm Sattel“, titelte die BILD-Zeitung und auch seriöse Medien forderten Konsequenzen aus dem Geschehen. Für die TierrechtlerInnen sahen diese Konsequenzen so aus, dass elf von ihnen noch auf dem Parkplatz in Luhmühlen verhaftet wurden und gegen acht von ihnen Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs, Nötigung und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet wurden. Der Bundesverband der Tierbefreier übernahm die Öffentlichkeitsarbeit und sammelte Spenden für die kriminalisierten AktivistInnen. Überraschend bekundeten auch der Hamburger Tierschutzverein, der Deutsche Tierschutzbund und der Bund gegen Missbrauch der Tiere ihre Solidarität. Letzterer versuchte gar, auf Gerichtswegen etwas gegen die Veranstalter und verantwortliche PolitikerInnen zu erreichen.


Dank an brutale Polizei


Ein Jahr später kam bei den Deutschen Meisterschaften an gleicher Stelle kein Pferd zu Schaden. Schon war in den Medien die Kritik am Military verstummt. Stattdessen schoss man sich auf die 250 TierrechtlerInnen ein, die den 35 000 BesucherInnen die Vorfreude auf splitternde Knochen nehmen wollten. Da die Polizei eine weiträumige Bannmeile um das Veranstaltungsgelände gezogen hatte, die jeglichen Kontakt zum Publikum verhindern sollte, blieb den DemonstrantInnen gar nichts anderes übrig, als die Zufahrt zum Military-Gelände zu blockieren. Einige setzten sich auf die Straße, andere errichten Barrikaden aus Sperrholz. Als der Verkehr zum erliegen kam, rasteten die PolizistInnen aus. 70 von ihnen, teils selbst zu Pferd und mit bissigen Hunden stürmten in die Demonstration und verletzten einige Menschen schwer. Einer Frau wurde das Jochbein gebrochen und ein Mann musste mit einer Halswirbelverletzung ins Krankenhaus, nachdem er von einem Gummiknüppel getroffen worden war. Viele andere erlitten Prellungen und Bisswunden. Dass nicht mehr passierte, war reiner Zufall, denn die berittene Polizei jagte DemonstrantInnen mit Absicht vor fahrende Autos. Die ReiterInnen spendierten der Polizei laut BILD-Zeitung fünf Kästen Bier - „als Dank für die erstklassigen Sicherheitsmaßnahmen“.

Dieser Konfrontation aus dem Weg gingen die Mitglieder der autonomen „Aktionsgruppe Wildpferd“. Sie schlichen sich einige Nächte vor der Veranstaltung auf das Gelände und versprühten acht Liter Buttersäure auf der Tribüne und in den angrenzenden Gebäuden. Außerdem bepinselten sie die Wände mit Parolen wie „Pferdeschinder“ oder „Pferdesport ist Pferdemord“. Die erst kurz zuvor für eine Million Mark gebaute Tribüne konnte daraufhin nicht benutzt werden.

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