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26.01.2009

Prof. Carlo Consiglio: Ist Jagd notwendig?

Prof. Carlo Consiglio: Ist Jagd notwendig?

2. INTERNATIONALES SYMPOSIUM
»NATUR OHNE JAGD«

1. AUGUST 2003, TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN

Ist die Jagd Jagd notwendig?


von Prof. Dr. Carlo Consiglio, Rom
European Federation Against Hunting

Wir kennen die weit verbreitete Meinung, dass die Jagd notwendig sei, um die Zahl der Wildtiere zu begrenzen.

Von Natur aus besitzen aber fast alle Tierarten Mechanismen, die die Zahl der Tiere an die Ressourcen der Lebensräume anpasst. Bei einer größer werdenden Anzahl von Tieren innerhalb einer Population steigt gleichzeitig die Sterblichkeit und die Geburtenanzahl nimmt im Gegenzug ab, so dass die Populationsgröße in kurzer Zeit wieder sinkt. Verringert sich aber die Anzahl der Tiere einer Population in einem Biotop, so verringert sich auch die Sterblichkeit und die Geburtenrate steigt wieder, so dass diese artgleiche Tiergruppe in kurzer Zeit wieder die ursprüngliche Größe hat. Aus diesem Grund ist die Jagd unnötig, aber gleichzeitig auch schädlich.

Häufig wird auch die Auffassung vertreten, wonach das natürliche Gleichgewicht durch die verschiedenen menschlichen Einflüsse einer starken Störung unterliege, so dass die Zahl der Wildtiere unnatürlich hoch würde. Deshalb sei eine Dezimierung der Tiere durch die Jagd notwendig.
Diese Annahme ist falsch. Die Anzahl der Wildtiere wird durch die menschlichen und zivilisatorischen Einflüsse auf die Natur sogar eher verringert als erhöht.

Als weitere Ursache für die angeblich erhöhte Anzahl von Wildtieren gilt auch oft das Fehlen größerer Raubtiere. Dieser Mangel würde die Jagd notwendig machen, um das natürliche Gleichgewicht wieder herzustellen.
Viele Raubtierarten (Beutegreifer) wie Wolf, Bär, Adler usw. wurden tatsächlich vom Menschen dezimiert und in vielen Gegenden Europas sogar ausgerottet. Mit dieser Tatsache wird die irrige Annahme begründet, Raubtiere würden die Populationgröße ihrer Beute regulieren.
Dies gilt aber für meisten Beutetierpopulationen nicht. Mehrere wissenchaftliche Untersuchungen belegen, dass Raubtiere nur einen geringen Teil des Schalenwilds (Huftiere) oder Hasenartige (Feldhasen und Kaninchen) fressen (keine 10%). Deshalb können die Beutegreifer bei der Regulation der entsprechenden Tierbestände keine Rolle spielen.
Das Gegenteil ist richtig: Die Verfügbarkeit an Schalenwild (Huftiere) und Hasenartigen reguliert die Größe der Raubtierpopulationen.
Ganz anders ist es der Fall bei den Nagetieren (vor allem Mäuse), wo bis zu 60% der Individuen den Beutegreifern zum Opfer fallen und in diesem Fall die Räuber eine wichtige Rolle bei der Regulation ihrer Beutetiere spielen.

Die These, wonach die Jäger die fehlenden Raubtiere regelrecht ersetzen, ist ebenfalls falsch.

Der berühmte Zoologe Hans Kruuk versuchte, in seinen ethologischen Beobachtungen von Hyänen im Serengeti Park in Tanzania vorauszusagen, welches Gnu die verfolgenden Hyänen aus einer Herde reißen werden.
Die Hyänen haben aber immer ein völlig anderes Einzeltier herausgesucht, als jenes, das Kruuk vorhergesagt hatte.
Bei späteren Untersuchungen erwiesen sich die tatsächlich gerissenen Tiere als ernsthaft krank oder deutlich schwächer, als diejenigen, die Kruuk prognostiziert hatte.

Diese Beispiel zeigt, dass Jäger die natürlichen Feinde nicht ersetzen können.

Nach einer weiteren Theorie, die Theorie der sogenannten „ökologischen Falle“(ecological trap), liefern die heutigen Wälder nur geringe Mengen verwertbaren Futters für die darin lebenden Wildtiere. Dies hat verschiedene Ursachen, so zum Beispiel Wälder, die den Bedürfnissen der Menschen angepasst wurden und deshalb nicht mehr natürlich sind oder die durch Habitatzersplitterungen isoliert sind.
Trotzdem ziehen diese Lebensräume die Wildtiere fortlaufend an, da sie immer sichere Zufluchtsorte mit Deckung und Nahrung suchen. Diese Zuwanderung erfolgt aber in einer Größenordnung, die über der „carrying capacity“ liegt (- dem ökologischen Potential dieses Lebensraumes).
Dadurch werden tatsächlich Schäden verursacht.

Die Jagd bringt hier aber keine Lösung, sondern nur eine Verschlimmerung des Problems, weil durch das Jagen viele Tiere immer weiter in einen Lebensraum hineingetrieben werden, der für sie völlig ungeeignet ist.
Das Schalenwild (Huftiere) wird dann oft beschuldigt, die Vegetation durch Überweidung zu schädigen, oder die natürliche Regeneration der Wälder durch Fraß der jungen Pflanzen zu behindern. Diese Aussage ist nicht haltbar! Selbst wenn die meisten jungen Pflanzen als Nahrung dienen, reicht schon eine sehr kleine Anzahl von jungen Bäumen, um die Erneuerung des Waldes sicherzustellen.

Das Gegenteil ist sogar erwiesen: Das Weiden des Schalenwilds (Huftiere) fördert die biologische Vielfalt.
Das Schalenwild wird auch häufig beschuldigt, Krankheiten und Seuchen auszulösen oder zu verbreiten, z. B. Keratokonjunktivitis (eine Augenkrankheit), die auf eine angeblich zu hohe Wilddichte zurückzuführen sei.
Bei zwei Seuchenepidemien französischer Gemsen wurden in einem Fall die kranken Tiere getötet, im anderen Seuchengebiet jedoch nicht; doch in beiden Fällen gingen die Seuchen zurück, ohne dass jemand den Beweis erbringen konnte, dass die Ursache der Seuchen in der zu hohen Wildtierdichte läge.

Die Wildschweine verursachen Flurschäden in der Landwirtschaft nur in der Nähe von Wäldern, in denen sie leben. Diese Schäden machen aber immer nur einen sehr geringen Prozentsatz der gesamten landwirtschaftlichen Erzeugung aus. Trotzdem werden oft Jäger beauftragt die Wildschweine zu töten, um diese Schäden zu verhindern. Diese Jagd bringt aber oft mehr Schaden als Nutzen.

Jedenfalls gibt es auch alternative Methoden, wie zum Beispiel elektrischen Umzäunungen, die es möglich machen, auf Wildtierabschüsse völlig zu verzichten.
Die Schlussfolgerung bleibt jedoch immer die selbe:
Die Jagd ist nicht notwendig, um die Populationen der Wildtiere zu regulieren.
Wildtiere regulieren sich selbst!

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