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26.01.2009

Putenmast mit Verbraucher- und Tierschutz unvereinbar

Putenmast mit Verbraucher- und Tierschutz unvereinbar

Angesichts der vielfachen Fleischskandale ist die Nachfrage nach Putenfleisch derartig angestiegen, dass das Angebot nicht mehr nachkommt. Puten gelten als scheinbar gesunde Alternative. Erstmals in der Geschichte des traditionellen Münchner Weißwurst-Geburtstags am Rosenmontag wurden sogar Weißwürste aus Putenfleisch angeboten. Bereits 7,5 Millionen Puten leben in deutschen Mastanlagen. „Leben?“ Wer solche Massenstelle, vollgepfercht mit Tausenden dieser Geschöpfe, gesehen hat, wird das Grauen einer wahren Putenhölle nicht mehr los:

Wurden bis Mitte der sechziger Jahre die Puten vorwiegend extensiv, also mit Freilauf, gehalten, werden sie seitdem intensiv in strukturlosen Ställen mit Bodenhaltung gemästet, nach nur 22 Wochen bis zu einem Endgewicht von 21 kg bei den Hähnen (Wildtruthähne sind höchstens 7-8 kg schwer).

Die Haltung einer größeren qualgezüchteten Tierzahl in einem geschlossenen Haltungssystem führt zu einem ansteigenden Infektionsdruck, und der Organismus ist durch die züchtungsbedingte enorme Leistungssteigerung der Tiere überfordert. Im Endstadium können die Knochen die Fleischmasse nicht mehr tragen, das Skelett verkrümmt sich; viele Tiere können dann überhaupt nicht mehr laufen.

Allein die hohe Besatzdichte (pro qm 55-60 kg „Tiermasse“ in der Mastendphase, wie es im Jargon der Geflügelwirtschaft heißt) verstößt laut Feststellung des Instituts für Tierhygiene und Tierschutz der Tierärztlichen Hochschule Hannover gegen das Tierschutzgesetz. Die ausgewachsenen Tiere stehen so eng, dass sie sich kaum bewegen können.

Aufgrund solcher Haltungsbedingungen kommt es immer wieder zu schweren Atemwegserkrankungen, Federpicken oder Kannibalismus, zu Erkrankungen des Skelettsystems (insbesondere Beinschwäche), verbunden mit Schmerzen, Mattigkeit, Lahmheiten, Beinverdrehungen, Gelenkentzündungen, Muskeldystrophie und Zehenverkrümmungen; zu Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und zu pathologischen Veränderungen der Brustblase. Die Puten haben ständig Kontakt mit dem Kot, der am Federkleid hängen bleibt. („Wer je gesehen hat, wie verängstigte Puten zusammengepfercht auf blutig-krüppeligen Füßen in ihrer eigenen Scheiße stehen, der kriegt kein

Stück Putenfleisch mehr runter“, schrieb Elke Heidenreich). Kotpartikel werden eingeatmet. Staub- und Keimemissionen aus Putenställen sind bis zu fünfzigmal höher als aus Rinderställen.

10 % der Tiere überstehen die Strapazen nicht und sterben vorzeitig, wobei die Kadaver oft tagelang nicht herausgenommen werden.

(Dabei ist Deutschland noch nicht einmal das größte Putenfleisch-Erzeugerland in Europa. Das ist Frankreich mit einer Jahresproduktion von rund 800.000 Tonnen).



„Putenfleisch dürfte es nur auf Rezept geben“

So ein Fachmann angesichts all der Antibiotika, Impfstoffe und anderen Medikamente als Wachstumsbeschleuniger und Krankheitssymptombekämpfer. Ein Teil der Antibiotika gelangt beim Verzehr denn auch in den menschlichen Körper. Der Cholesteringehalt ist ebenso hoch wie beim Schweinefleisch. Der Salmonellenbefall ist vergleichbar mit dem der Hähnchen. Veterinäre fanden in 60 % der Putenleber Fäkalbakterien.

Gesundheitskontrollen finden nur wenige statt, obwohl bei Stichproben immer wieder Gesundheitsgefahren durch Tierarzneirückstände und Bakterien festgestellt werden.

Ein weiterer Skandal ist, dass für die Putenmast keine nationale, rechtsverbindliche konkrete Vorgabe in Form einer Halteverordnung erlassen wurde.

Am Ende dieses Dahinvegetierens erwartet die Tiere der rücksichtslose Transport zum Schlachthof mit weiteren „Ausfällen“, die Akkord-Schlachtung am laufenden Band – aufgehängt an den Beinen.



Zwar gibt es auch artgerechtere Freiland-Putenhaltungen (z.B. Gut Kappel, 34454 Arolsen-Mengeringhausen), doch deren Marktanteil weist ganze 0,2 % auf, teils, weil die Konsumenten nicht den höheren Preis zahlen wollen, teils aus Unkenntnis über den Horror der Intensiv-Putenhaltung. Oder weil er ihnen egal ist. Nur lässt sich dieser Marktanteil nicht derart erweitern, dass alle Putenverzehrer bei gleichem Konsum auf Freiland-Puten „umsteigen“ können, denn soviel zusätzliche Bodenflächen stehen - für 7,5 Millionen Tiere! - gar nicht zur Verfügung. Zudem: Auch „Bio-Puten“ erleiden den Transport und werden im Akkord geschlachtet.

Der Ausweg: Abkehr vom Verzehr tierischer Erzeugnisse, zumindest entschieden weniger davon. Viele sind bereits wirklich umgestiegen, also nicht lediglich von einer Tierart auf die andere. Sie haben die Vorzüge einer fleischlosen Ernährung als abwechslungsreich, gesund und preisgünstig kennen gelernt.

EDGAR GUHDE

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