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24.01.2009

Reptilien

Reptilien
Gefangen – gezüchtet
Stand: Februar 2008



Das Schicksal eines für den Zoohandel oder für Tierbörsen gefangenen oder gezüchteten Reptils ist hart. Tiere wie z.B. grüne Leguane kommen aus Massenzuchtanlagen zu Hunderttausenden jedes Jahr aus Mittelamerika zu uns, nur um in einem Terrarium eingesperrt, den Rest ihres Lebens in Gefangenschaft verbringen zu müssen (1). Aber auch Massenzuchten in Tschechien, Polen Deutschland oder anderen Ländern haben nur eines im Sinn: Geld mit der Ware Tier zu verdienen. Immer ausgefallener, exotischer, gefährlicher muss das Tier sein. Wir reden von Tierliebe und verursachen Tierleid. Selbst aus der freien Wildbahn werden hochempfindliche Lebewesen der Natur entnommen, um auf Tierbörsen, in Zoohandlungen oder gar im Internet angeboten und hochoffiziell per Postversand verschickt zu werden. Viele Reptilien (ob gezüchtet oder gefangen) überleben die Strapazen nicht und die Wahrscheinlichkeit, dass sie beim neuen Besitzer krank werden und nicht fressen, ist hoch. Leider werden Reptilien von findigen Geschäftsleuten als pflegeleichte Anfängertiere angeboten anstatt als Tiere mit kostspieligen und anspruchsvollen und ständig wachsenden Pflegebedürfnissen. Während sich die Heimtierbranche eine goldene Nase am Verkauf von Tieren und Zubehör verdient, werden immer mehr Reptilien ausgesetzt, kommen grausam zu Tode oder werden zur Gefahr für Mensch und Tier.

Gefahren
Laut Schätzungen von Artenschutzgruppen teilen die deutschen „Tierfreunde“ ihr Heim mit ca. 100 000 Gift- und 200 000 Riesenschlangen. Genaue Zahlen existieren nicht, sie dürften jedoch noch wesentlich höher liegen, da die einschlägige Szene diese Zahlen belächelt und als „zu wenig“ betrachtet (2). Fest steht, dass Verletzungen durch exotische Gifttiere massiv zunehmen und Giftzentralen mittlerweile Sturm laufen. Antiseren (Gegengifte) besitzen i.d.R. nur eine kurze Haltbarkeitsdauer und eine hohe Zahl an Tieren wird belastet, um Antiseren herzustellen. Als erstes Bundesland hat Hessen auf die zahlreichen Unfälle reagiert und im Oktober 2007 ein Gesetz erlassen, das die Haltung von gefährlichen Tieren wild lebender Art verbietet. Bayern hat das Halten wildlebender Tiere leider nur unvollkommen eingeschränkt, der dort gesetzlich vorgesehene Erlaubnisvorbehalt dürfte am regelmäßig existierenden Vollzugsdefizit scheitern. Nicht verbieten kann Hessen den Import dieser Tiere, da dies Bundes- und EU-Sache ist. Daher will Hessen eine Bundesratsinitiative einbringen, um bundesweit die Einfuhr gefährlicher Tiere zu stoppen. Eine absolut unterstützenswerte Sache, betrachtet man die rasant steigenden Importzahlen, die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) erfasst und das immense Tierleid, welches diesen Tieren während des Fangs, der Zucht, des Transports oder der Haltung widerfährt. Hunderttausende exotische Tiere kommen laut BfN jährlich über die europäischen Grenzen (bevorzugt über Holland oder Belgien) nach Deutschland. In den Jahren 1999 bis 2004 wurde bei der Einfuhr von Reptilien eine Steigerung von über 42 Prozent registriert, die nicht zu unterschätzende Dunkelziffer auf Grund illegaler Importe solcher Tiere nicht mitgerechnet, denn durch die europäische Osterweiterung hat sich ein enormer illegaler Tierhandel entwickelt.(3)

Fachwissen
Die Angestellten der Zoohandlungen, die Verkäufer auf Tierbörsen oder die Anbieter im Internet verfügen über keine speziellen Kenntnisse, die Kundenberatungsgespräche sind dementsprechend alles andere als kompetent.


Schlangen
Abhängig von der Rasse können Schlangen Jahrzehnte alt und locker bis zu 5,00 m lang werden. Sie erfordern riesige Terrarien, häufige medizinische Kontrollen und Pflege durch einen auf Reptilien spezialisierten Tierarzt. Frisches Wasser und eine makellose Umgebung sind ständig erforderlich. Die meisten Schlangen sind Karnivoren (also Fleischfresser). Sie sind anfällig für eine Reihe von Parasiten sowie Blasenbildung, Atemwegs- und Verdauungsstörungen und Maulfäule. Es sind streng kontrollierte Tages- und Nachttemperaturen und ein sorgfältiger Umgang mit Pestiziden erforderlich, um einen Schutz gegen Milbenbefall zu gewährleisten.

Leguane
Ein Leguan kann mehr als 20 Jahre alt und mehr als 1,80 m lang werden. Die Anforderung an eine Gehegegestaltung ist enorm. Es muss befeuchtet sein und es muss auf eine bestimmte Temperatur mit spezifischen Zeitplänen für Dunkelheit und ultraviolettes Licht geachtet werden. UV Lampen müssen je nach Brenndauer ständig gewechselt werden, was finanziell nicht zu unterschätzen ist. Juvenil entstandene Rachitis zeigt sich erst nach langer Zeit und Kunden von Zoohandlungen oder Börsen merken nicht, wenn sie ein bereits rachitisches Tier erworben haben. Die üblichen Probleme von Leguanen in Gefangenschaft sind Stoffwechsel-Knochenkrankheiten auf Grund von Kalziummangel, Maulfäule, Atemwegserkrankungen, Abszessen und Geschwüren. Leguane in freier Natur leiden an keiner dieser Krankheiten. Sie sind außerdem reine Veganer und begrenzt auf spezifische Grünfutter- und Früchtesorten. Die Kosten für Futter, Gehege, Beleuchtung und Tierarztrechnungen können sich auf Hunderte von Euro pro Jahr belaufen. Für die Sozialisierung eines Leguans ist etwa ein Jahr mit täglicher Interaktion notwendig, und sogar dann noch sind geschlechtsreife Leguane sechs Monate im Jahr sehr aggressiv, wenn sie ihr eigenes Spiegelbild sehen oder mit anderen Leguanen konfrontiert werden.


Geckos
Menschen, die nie die Verantwortung für einen 1,80 m langen Leguan übernehmen würden, zeigen dann gerne Interesse an Geckos. Traurigerweise sind sie in den Zoohandlungen beliebte Reptilien. Diese kleinen, zerbrechlich aussehenden Eidechsen können oft bis zu 20 Jahre alt werden und brauchen eine spezielle Umgebung ohne die geringsten Temperaturschwankungen. Sie ernähren sich von Insekten und Mäusebabies. Geckos leben ursprünglich in gemäßigten und tropischen Regionen der Welt.

Vorsicht
Mit der Haltung von Reptilien ist ein Gesundheitsrisiko verbunden. Aus den USA liegen Zahlen vor, wonach sich pro Jahr siebzigtausend Menschen durch direkten oder indirekten Kontakt mit Reptilien und Amphibien eine Salmonellenerkrankung zuziehen. Für Kinder, Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem besteht ein besonders hohes Risiko für schwere Erkrankungen oder den Tod.

Transport
Es ist gängige Praxis, dass Reptilien über den Postweg verschickt werden. Reptilien werden aber nur sehr eingeschränkt auf dem Transport geschützt, da die Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV) in erster Linie für den gewerblichen Transport der sog. „Nutz“tiere erlassen worden ist. In § 33 TierSchTrV steht als einzige Auflage, dass wechselwarme Kriechtiere und wirbellose Tiere „in Behältnissen“ zu befördern sind mit einer „angemessenen Temperatur und Schutz vor plötzlichen Temperaturschwankungen.“ Nicht viel mehr als nichts – rechtlos auf Tour.
Aufnahme

Ein Reptil in Ihrem Zuhause willkommen zu heißen kann aus Tierschutzgründen nur dann akzeptiert werden, wenn es sich um ein Tier handelt, das heimatlos, in Not oder aus dem Tierheim adoptiert wurde. Es bedeutet aber immer Zeit, Platz und Geld zu investieren. Sie werden die richtige Temperatur und Feuchtigkeit und spezifische Licht-/Dunkelheitszyklen garantieren müssen, die womöglich nicht mit Ihren Bedürfnissen übereinstimmen oder gar angenehm sind. Es ist ein Notstromsystem erforderlich, um im Falle eines Stromausfalls eine konstante Temperatur aufrechtzuerhalten. Kaum einem Privathaushalt wird es möglich sein, die nur grundlegenden Haltungsbedingungen, die die Tierärztliche Vereinigung Tierschutz (TVT e.V.) in einer Checkliste aufgestellt hat, vorzuhalten und einzuhalten.(4) Es ist eine harte Tatsache, dass die meisten Reptilien Karnivoren (Fleischfresser) sind. Möchten Sie tatsächlich den Gefrierschrank voll mit toten Tieren haben? Insgesamt können sich die Kosten für Futter, Gehege, Beleuchtung und Tierarztrechnungen auf Hunderte von Euro im Jahr belaufen.

Frostfutter
Aufgrund der massiven Zunahme von Reptilien in Privathaushalten hat sich auch ein schwunghafter Handel mit sogenannten Futtertieren entwickelt. Millionenfach werden Mäuse, Meerschweinchen oder Kaninchen gezüchtet, um gefressen zu werden. Ein Minimum nur wird in ihre Ernährung und Pflege investiert und es ist davon auszugehen, dass viele Kaninchen oder Meerschweinchen, die als sogenanntes Frostfutter vermarktet werden, auf tierquälerische Weise getötet werden. So werden die Tiere lebend eingefroren, auf den Boden oder gegen die Wand geschmissen. Bei „Stück“-Preisen im Cent-Bereich ist eine tiergerechte und zulässige Tötung für die Händler nicht praktikabel, da unökonomisch. Schon die Tötungsspritze mit zulässigen Stoffen ist teurer als das Tier als Frosttier im Verkauf kostet. Der gesamte Frosttierhandel kann nicht nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen erfolgen, die Tierquälerei und die tierschutzwidrige Tötung der Tiere durch zu Tode knüppeln oder werfen gegen Wände etc. ist systemimmanent. Handel mit Reptilien und Tierschutz sind nicht miteinander vereinbar.

Helfen Sie mit
Die Tiere sind der Willkür und der Profitmaximierung geschäftstüchtiger Menschen unterworfen, die sie als Ware anpreisen, nachdem sie in freier Wildbahn gefangen oder unter katastrophalen Bedingungen gezüchtet worden sind. Deutschland gehört zu den größten Absatzmärkten für Wildtiere. Der Kauf eines aus seinem natürlichen Lebensraum gefangenen Reptils fördert das Aussterben von Wildtieren in empfindlichen Ökosystemen. Der Kauf von in Gefangenschaft gezüchteten Tieren ermutigt die Züchter nur wieder dazu, ihren Bestand aufzufüllen. Wenn Sie wirklich ein Reptil betreuen möchten, nehmen Sie Kontakt zum örtlichen Tierheim auf oder einer auf Reptilien spezialisierten Tierrettungsorganisation und unterstützen Sie uns, damit der Handel und Verkauf mit exotischen Tieren bald der Vergangenheit angehört.


Quellenangaben:
(1) Gert Schuster und Peter Thomann, stern, Heft 25/2005

(2) Gert Schuster und Peter Thomann, stern, Heft 25/2005
(3) Pressemitteilung des Landes Hessen vom 20.12.2006
(4) TVT e.V.: Checkliste für die Beurteilung von Terrarienabteilungen im Zoofachhandel: Reptilien

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