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23.01.2009

Rodeo: Grausamkeit für ein Taschengeld

Rodeo: Grausamkeit für ein Taschengeld
Stand: Dezember 2007


Laut Werbung geht es bei Rodeos um die raue und harte Prüfung menschlicher Fähigkeiten und um die Frage nach Mut, dem Sieg über die Angst und über die ungezähmten, wilden Tiere des Wilden Westens. In Wirklichkeit jedoch sind Rodeos billige und manipulierte Darstellungen der menschlichen Dominanz über Tiere hinter einer mageren Verkleidung als Unterhaltung. Was im späten 19. Jahrhundert als Geschicklichkeits-Wettbewerb unter den Cowboys begann, ist heute zu einer Show geworden, die von Profitsucht und Ignoranz gegenüber Lebewesen regiert wird.

Die Stunts
Beim Rodeo kommen unterschiedliche Disziplinen zum Einsatz. So gehören das Einfangen von Kälbern mit dem Lasso, das Ringen mit Ochsen, das Reiten auf Pferd und Bulle ohne Sattel, das Zureiten eines Wildpferdes mit Sattel, das Einfangen von Ochsen mit Lasso und das Melken wilder Kühe zu den Standards in den USA. Auch in Deutschland sind Rodeoveranstaltungen längst verbreitet. Sie werden als „Aufrechterhaltung amerikanischer Tradition“ deklariert und finden gerne in der Nähe ehemaliger US-Army-Standorte statt. Die für Rodeos benutzten Tiere sind nicht etwa wild oder „frisch“ in der Prärie gefangen, sondern es sind Tiere, die, in Gefangenschaft gehalten, relativ zahm, aber aufgrund der wenig sanften Behandlung dem Menschen gegenüber sehr argwöhnisch sind. Die Tiere sind nicht von Natur aus aggressiv, sondern man bringt sie durch physische Provokation dazu, "wilde" Verhaltensweisen an den Tag zu legen, damit die Cowboys an ihrer Seite "mutig" erscheinen.

Die Werkzeuge der Tierquäler
Elektroschock-Stäbe, Stäbe mit scharfen Spitzen, ätzende Salben und anderes Folterwerkzeug, das in den USA bei Rodeos verwendet wird, um die Tiere zu reizen und in Wut zu bringen, ist in Deutschland offiziell verboten. Ob sie dennoch zum Teil heimlich zum Einsatz kommen, bleibt offen. Doch der Gurt, der auch in Deutschland Pferden oder Bullen eng um die Flanken geschnürt wird und ihnen den Unterleib abpresst (genau dort, wo er nicht mehr durch Rippen geschützt ist), ist schlimm genug. Der Gurt drückt im Bereich lebenswichtiger innerer Organe auf die Leistengegend und die Genitalien. Betroffen sind Stuten ebenso wie Hengste und kastrierte Tiere. Nur wegen dieser Schmerzen bockt das Tier, was ja aus Sicht der Rodeo-Veranstalter wünschenswert ist, damit die Masse der Zuschauer bei einer "guten Show" ihren Spaß hat. Rodeo funktioniert ohne Zwang nicht und das wichtigste Zwangsmittel hier in Deutschland ist bei diesem unfairen Spektakel der eng geschnürte Flankengurt.

Der Einsatz von Sporen
Die Veranstalter von Rodeos betonen gerne, dass in Deutschland alle Rädchensporen mit Klebeband „unscharf“ gemacht werden müssen. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT) schreibt in ihrem „Gutachten über Rodeoveranstaltungen in der Bundesrepublik Deutschland unter tierschutzrechtlichen, ethologischen und ethischen Gesichtspunkten“ folgendes:

„Bei den ausgewerteten Szenen war aber, insbesondere bei besonders heftigen Abwehrbewegungen der Tiere, der vom Cowboy nicht mehr kontrollierte Einsatz der Sporen zu beobachten. Zudem sitzt der Rodeoreiter, um das Buckeln des Pferdes besser ausbalancieren zu können, sehr weit mit seinem Oberkörper nach hinten gelehnt. Dadurch bekommen seine Beine eine nach vorn gerichtete Position, wobei die Füße in Höhe der Schultern bzw. des Halses zu liegen kommen. Insbesondere bei Pferden, die erstarrt in der Arena stehen blieben, konnte der vorsätzliche, heftige, beidseitige Einsatz der Sporen am Hals der Pferde beobachtet werden, um diese zum vorwärts gehen und Weiterbuckeln zu veranlassen“.

Die TVT kommt zum Schluss: „Das Tragen von Sporen beim Rodeo muss daher aus tierschutzfachlicher Sicht abgelehnt werden“. (1)


Den Mythos Abwerfen
Bei einer Studie, die von der Humane Society, der nationalen Tierschutzvereinigung der USA, durchgeführt wurde, wurden zwei Pferden, die für ihre Gutmütigkeit bekannt waren, Flankenriemen umgebunden. Beide bockten, bis die Riemen entfernt wurden. Danach ließ man mehrere Rodeo-Pferde aus ihren Gehegen ohne die üblichen Riemen, und sie bockten nicht, was beweist, dass nicht die Tiere, sondern die Rodeocowboys und -veranstalter die eigentlich Aggressiven bei Rodeos sind.


Das Ende des Pfades
Dr. C.G. Haber, ein Tierarzt, der 30 Jahre seines Lebens als Bundesfleischbeschauer in den USA zubrachte, war in Schlachthäusern tätig und sah viele ausrangierte Rodeo-Tiere, die zum Schlachten verkauft worden waren. Er beschrieb die Tiere als "so extrem mit Quetschungen und blauen Flecken versehen, dass diese Tiere nur noch am Kopf, Nacken, an Beinen und Bauch Haut auf dem Fleisch besaßen. Ich habe Tiere gesehen, die sechs bis acht Rippen vom Rückgrat gebrochen hatten, die ihnen teilweise sogar die Lunge durchstoßen hatten. Ich habe gesehen, wie sich sieben bis 11 Liter Blut unter der abgelösten Haut gesammelt hatten." Diese Verletzungen kommen zustande, wenn Kälber beim Lassofangen zu Boden geworfen werden oder ein Cowboy von einem Pferd herab auf einen Ochsen springt.(1)

Rodeoveranstalter argumentieren, sie müssten ihre Tiere doch gut behandeln, damit sie gesund blieben und weiter verwendet werden könnten. Aber leider herrscht keine Nachschubknappheit, was „Rodeo“tiere angeht. Verletzte, ausgemergelte Tiere können jederzeit ersetzt werden. Wie Dr. Haber dokumentiert, ist der Auftritt für Rodeo-Shows nur ein schmerzhafter Umweg auf dem Weg zum Schlachthaus.

Wahl und Chance
Während die Rodeo-Cowboys freiwillig Verletzungen als Folge der Teilnahme an Rodeos riskieren, haben die dort verwendeten Tiere keinerlei Wahl. Zum Beispiel
Kälber, die mit einer Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h im Laufen mit dem Lasso am Hals gefangen werden, bekommen diesen so nach hinten gerissen, dass es oft zu Nacken- und Rückenverletzungen, zu Quetschungen, gebrochenen Knochen und inneren Blutungen kommt.

Gesetzliche Grundlagen in Deutschland
Im Jahr 2003 sprachen sich Städte wie München, Hamburg und Nordhausen gegen Rodeos aus. Zwei Jahre später konnten Rodeos in Ludwigshafen, Bamberg und Heilbronn untersagt werden. Am 16.06.05 teilte das Saarländische Umweltministerium per Pressemitteilung mit, dass Rodeo-Veranstaltungen tierschutzwidrig und im Saarland nicht erwünscht sind. Ebenso legen die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Nordrhein Westfalen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt das Gutachten der TVT zugrunde, das sich dafür ausspricht, Rodeoveranstaltungen nur noch mit der Auflage des Verbots von Flankengurten (Flank Strap) und Sporen zu erlauben, sowie das Bullenreiten und das „Wild Horse Race“ generell nicht mehr zuzulassen.

Rodeo verstößt nach unserer Auffassung eindeutig gegen das Tierschutzgesetz, denn laut §1 heißt es: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“. Zudem ist es per §3 verboten, „ein Tier auszubilden oder zu trainieren, sofern damit erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden für das Tier verbunden sind und „ein Tier zu einer Filmaufnahme, Schaustellung, Werbung oder ähnlichen Veranstaltung heranzuziehen, sofern damit Schmerzen, Leiden oder Schäden für das Tier verbunden sind…“.

Auch die Aufnahme des Tierschutzes als Staatsschutzziel ins Grundgesetz, verbietet im Grunde genommen Rodeoveranstaltungen und die damit verbundenen Leiden für die Tiere.


Den Sporen einen Fußtritt geben
- Besuchen Sie keine Rodeos und andere Unterhaltungsformen mit Tieren.

- Wenn ein Rodeo in Ihre Stadt kommt, protestieren Sie beim Veranstalter aber auch bei der Stadtverwaltung, die diese Tierquälerei zulässt.

- Verteilen Sie Flugblätter (diese können bei PETA angefordert werden) und schreiben Sie Leserbriefe an die örtliche Presse.


(1) Gutachten der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz vom April 2005
2) Humane Society of the United States, Interview with c. G. Haber, D.V.M. (Rossburg, Ohio), 1979..

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