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11.01.2009

Schächten aus Sicht des Tierschutzes

Schächten aus Sicht des Tierschutzes

Das muslimische Opferfest (Kurban Bayrami) naht! Das islamische Schächt-Opferfest findet vom 31.12.2006 bis 03.01.2007 statt

Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) hat am 23.11.2006 ein aus Tierschutzsicht fatales Urteil gefällt, wonach das Schlachten ohne Betäubung unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen sein soll.

Als Konsequenz des Urteils sollen die Bundesländer nun eine Bundesratsinitiative starten, mit der das Tierschutzgesetz geändert wird. Das Land Hessen hat einen solchen Antrag bereits vorgelegt, wonach Ausnahmegenehmigungen künftig an den Nachweis gebunden werden sollen, dass es beim Schächten nicht zu erheblich mehr Schmerzen und mehr Leiden der Tiere kommt als beim üblichen Schlachten mit Betäubung. Tierschützer fordern weiterhin, das Schächten endgültig und ohne „juristisches Schlupfloch“ zu verbieten.

Das Urteil des BVerwG hat nur Bindungswirkung gegenüber den Prozessbeteiligten. Es ist nach wie vor Aufgabe der örtlich zuständigen Behörden über die Erteilung von, Ausnahmegenehmigungen zum Schächten zu entscheiden.

Tierschützer fordern daher von den Ländern und den untergeordneten Behörden, dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtshofes Leipzig keine absolute Bindungswirkung beizumessen: Für das am 31. Dezember beginnende Opferfest Kurban Bayrami/Id Al-Adah darf es keine Genehmigungen zum Schächten geben! Ferner sind die zuständigen Stellen aufgefordert, in den kommenden Tagen alle Orte, an denen eine Schächtung durchgeführt werden könnte, verstärkt zu kontrollieren.

Anlässlich bevorstehender islamischer Opferfeste weisen Ordnungsbehörden und Tierschützer bundesweit immer wieder darauf hin, dass religiöses, betäubungsloses Schächten von Opfertieren nur von fachkundigen Personen durchgeführt werden darf, soweit diese über die notwendige, nachgewiesene Sachkunde verfügen und eine behördliche Genehmigung beantragt und erhalten haben.

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Januar 2002 wird leider oft fälschlicherweise angenommen, dass diese religiöse Opferung mittlerweile ohne Genehmigung erlaubt ist. Im nachfolgenden Bericht wird versucht, die leider bei vielen Diskussionsteilnehmern oftmals fehlende Sachkenntnis zum Thema "Rituelles Schächten" und dem damaligen Gerichtsurteil leicht verständlich zu vermitteln.

Kommentare vorab:

Als Veganerin bin ich gegen jegliches Ausbeuten eines Tieres für menschliche Zwecke

Diese Seite soll nicht gegen eine bestimmte Religion hetzen - was mir als Lüneburger Heide mehr als fern liegt

Mir ist durchaus bewusst ist, dass "Schächten" eigentlich verlangt wurde (vor langer Zeit) um dem Tier möglichst weitgehend Schmerzen und Leid zu ersparen (nach dem Motto: nicht abmurksen und totschnippeln oder -prügeln, sondern schneller, scharfer Schnitt - damals gab es noch keine Betäubungsmethoden). So genannte Christen schlachteten ihr Vieh ohne diese Sensibilität dem Tier gegenüber - hier wurde rücksichtslos gemurkst und massakriert.

Heute verhält sich die Sache ein bisschen anders - es GIBT schonendere Tötungsmethoden als die des "Schächtens" (betäubungsloses Ausbluten). Was es aber NICHT gibt und nie geben wird, ist eine Legitimation für die Aufrechterhaltung des "Schächtens". Korrigieren Sie mich, sollte ich falsch liegen. Für Hinweise auf relevante Quellen solcher Texte bitte ich um Nachricht per E-Mail. Viola Kaesmacher

Um verbotene Tierquälerei durch illegales Schächten zu verhindern, sollten:

Beobachtungen oder Hinweise auf solche nicht genehmigten Opferungen der zuständigen Polizei, der Veterinärabteilung der Ordnungsämter oder dem nächsten Tierschutzverein unverzüglich gemeldet werden.

Besonders aufmerksam sollten Landwirte sein, wenn sie gerade vor dem Opferfest ungewöhnliche Anfragen nach bestimmten Tierarten bekommen.

Ebenso sollte jeder Tierdiebstahl oder nur das ungeklärte Verschwinden von Tieren, wie z.B. Schafen oder Rindern, sofort bei der Polizei angezeigt werden.

Landwirte oder Tierhändler, die Tiere wissentlich für nicht genehmigte Schächtungen zur Verfügung stellen, machen sich eventuell ebenfalls strafbar. Illegales Schächten stellt nach dem Tierschutzgesetz immer noch einen Straftatbestand dar.


"Religiöses, betäubungsloses Schächten aus Sicht des Tierschutzes"
von Jens Wolters, Januar 2003

Der islamische Glauben

Streng gläubige Moslems halten sich auch fern ab ihrer ehemaligen Heimat an die religiösen Aussagen des Korans, wonach ihnen der Verzehr von Blut - das die Seele eines Lebewesens darstellt - untersagt ist.

Der Koran verbietet den Verzehr von "Verendetem, Blut, Schweinefleisch und allem, worüber ein anderer als der Name Allah angerufen wurde". Um diesem religiösen Gebot gerecht zu werden, sehen es die gläubigen Moslems als zwingend an, das Fleisch von geschächteten Schafen oder Rindern zu verzehren.

Beim Schächten in diesem Sinne werden die Tiere ohne Betäubung fixiert und bluten nach einem Halsschnitt aus, wobei sie erst durch den eigentlichen Blutverlust sterben.

Für die Angehörigen des islamischen Glaubens ist diese Art der Schlachtung im Sinne ihres Tierschutzgedankens. Auch hier weiß man um die Verantwortung des Menschen für das Tier als Geschöpf, dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen ist und dem nicht grundlos Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden dürfen. Zusätzlich ist neben der körperlichen auch die psychische und ethische Misshandlung, sowie die verbale Abwertung eines Tieres verboten.

Das rituelle Schächten eines Tieres

Das betäubungslose Schächten umfasst nicht nur den Schächtschnitt selbst und ist geprägt von einer Vielzahl von Vorschriften und strengen Regeln, die auch die vor- und nachbereitenden Maßnahmen betreffen.

Die Bestimmungen für das rituelle Schächten berücksichtigen den umfangreichen islamischen Tierschutz-Normenkatalog und sollen dem Tier unnötige Qualen beim Schächten ersparen und seine Würde als Geschöpf wahren.

So darf z.B. kein Tier in Anwesenheit eines anderen Tieres geschlachtet werden, die Todesschreie anderer Tiere dürfen nicht hörbar sein und auch das Schärfen des Messers bzw. die Vorbereitungen der Schlachtutensilien dürfen nicht im Beisein des Opfertieres erfolgen und die Werkzeuge nicht im Blickfeld des Tieres ausgelegt werden.

Beim Schlachtvorgang selbst muss sich der Schlachter für jedes Tier die notwendige Zeit nehmen.

Zunächst muss das Tier durch gut zureden, streicheln und anbieten von essen oder trinken beruhigt werden. Erst wenn das Tier ruhig und entspannt ist, darf zum Schnitt angesetzt werden, der mit einem scharfen Messer schnell und professionell ausgeführt werden muss und mit einem einzigen Zug die Luftröhre, die Speiseröhre und die beiden Halsschlagadern durchtrennen soll. Beim Schächten wird die Formel gesprochen: "Im Namen Gottes. Gott ist groß. Herr Gott, in deinem Namen, durch dich und für dich. Nimm es von mir an, wie du es von deinem Freund Abraham angenommen hast."

Das "Opferfest"

Das "Opferfest", dass im arabischen Id Al-Adha und im türkischen Kurban Bayrami heißt und auch als das "Fest Abrahams" gilt, wird auch als "das Große Fest" bezeichnet. Es ist neben dem "kleinen Fest" zum Ende des Fastenmonats das bedeutendere und beginnt immer am 10. Tag des islamischen Monats Dhu l-Hidschdscha und dauert vier Tage.

Der Termin des Festes liegt jedes Jahr um 10 oder 11 Tage früher, da das islamische Jahr sich nach dem Lauf des Mondes richtet und ein Mondjahr nur aus 354 bzw. 355 Tagen besteht.

Bei der Opferung, die eines der Rituale während der Pilgerfahrt der Muslime nach Mekka ist, wird meistens ein männliches Schaf, ersatzweise aber auch Ziegen, Kühe oder Kamele, geopfert.

Nach einem festgelegten Ritus werden die "fehlerfreien" Opfertiere mit dem Kopf in Richtung Mekka gelegt. Der Schlachtende, meistens der Familienvater, spricht verschiedene Gebetsformeln, zerschneidet dann die Halsschlagader des Tieres und lässt es ausbluten.

Zwei Drittel des Fleisches werden an Freunde, Nachbarn und meistens ärmere Leute verschenkt. Das Fest und die damit verbundene Opferung wird zeitgleich in der ganzen Welt von Muslimen vollzogen, wobei das Opfer gemäß dem "Sunna" - der vorbildlichen Lebensweise des Propheten Mohammed - für jeden freien Muslim als verbindlich angesehen wird, soweit er über eigene Tiere verfügt oder die Mittel und Möglichkeiten hat, sich ein Tier zur Opferung zu besorgen oder die Zeremonie durchführen zu lassen.

Das deutsche Tierschutzgesetz

Im § 4 des Tierschutzgesetzes heißt es zum Thema "Töten von Tieren" im 1. Abschnitt:

(1) Ein Wirbeltier darf nur unter Betäubung oder sonst, soweit nach den gegebenen Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden. Ist die Tötung eines Wirbeltieres ohne Betäubung im Rahmen weidgerechter Ausübung der Jagd oder auf Grund anderer Rechtsvorschriften zulässig oder erfolgt sie im Rahmen zulässiger Schädlingsbekämpfungs-Maßnahmen, so darf die Tötung nur vorgenommen werden, wenn hierbei nicht mehr als vermeidbare Schmerzen entstehen. Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat.

(1a) Personen, die berufs- oder gewerbsmäßig regelmäßig Wirbeltiere betäuben oder töten, haben gegenüber der zuständigen Behörde einen Sachkunde-Nachweis zu erbringen. (…)

Des weiteren wurde im § 4a des Tierschutzgesetzes festgelegt:

(1) Ein warmblütiges Tier darf nur geschlachtet werden, wenn es vor Beginn des Blutentzugs betäubt worden ist.

(2) Abweichend von Absatz 1 bedarf es keiner Betäubung, wenn
2. die zuständige Behörde eine Ausnahmegenehmigung für ein Schlachten ohne Betäubung (Schächten) erteilt hat; sie darf die Ausnahmegenehmigung nur insoweit erteilen, als es erforderlich ist, den Bedürfnissen von Angehörigen bestimmter Religions-Gemeinschaften im Geltungsbereich dieses Gesetzes zu entsprechen, denen zwingende Vorschriften ihrer Religionsgemeinschaft das Schächten vorschreiben oder den Genuss von Fleisch nicht geschächteter Tiere untersagen (…).

Die geschichtliche Entwicklung in Deutschland

Bereits im Jahre 1895 hat der Vorstand des Verbandes Deutscher Tierschutzvereine eine Petition an den Reichstag gerichtet, um das betäubungslose Schlachten per Gesetz zu verbieten.

1933 haben die Nationalsozialisten nach ihrer Machtergreifung ein Verbot des Schächtens erlassen, das aber aus antijüdischer Motivation und nicht durch ein Interesse am Tierschutz begründet war.

1945 wurde dieses Verbot wieder aufgehoben und 1960 vom Bundesgerichtshof als "nationalsozialistische Verfolgungsmaßnahme" eingestuft.

1972 wurde die Schächtung durch den Paragraphen 4a des Tierschutzgesetzes mit den für Religionsgemeinschaften geltenden Ausnahmen wieder eingeführt.

1986 trat eine deutlich verschärfte Form des Tierschutzgesetz in Kraft. Im Bezug auf die muslimischen Gläubigen wurde das Verbot der Schächtung bis 1995 in über 10 sich widersprechenden Urteilen deutscher Gerichte immer wieder unterschiedlich ausgelegt.

Im Juni 1995 untersagte das Bundesverwaltungsgericht den Behörden die Erteilung von Sondergenehmigungen mit der Begründung, dass das betäubungslose Schächten für gläubige Muslime keine zwingende religiöse Vorschrift, sondern nur ein Ritual sei.

Die Gesetzeslage in anderen Ländern

Zum Thema "Schächten" gibt es keine einheitliche europäische Regelung.
Verbote gibt es

in der Schweiz (seit 1893)

Liechtenstein (seit 1988)

Norwegen (seit 1930)

Schweden (seit 1937)

den österreichischen Bundesländern Tirol (seit 1949)

und Oberösterreich (seit 1952)

und in Island

Unter strengen Auflagen ist das betäubungslose Schächten in Großbritannien, Frankreich und Dänemark erlaubt.


Quelle: Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Jens Wolters. Besuchen Sie auch die Website www.tierschutz-pressedienst.de. Diese Seite wird von einem ehrenamtlichen Redaktionsteam betreut, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, seriös und fachkompetent über Tierschutzthemen mit umfangreichen Hintergrundinformationen zu berichten.


Das grausame Töten von Tieren im Islam SCHÄCHTEN

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