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20.01.2009

SHAC-Germany

SHAC-Germany

Tierrechtsdemos in Hamburg gegen GlaxoWelcome


Am 05.12.2006 demonstrierten in Hamburg TierrechtlerInnen im Rahmen der SHAC-Kampagne vor dem Verwaltungsgebäude von Glaxo Wellcome, dem Tochterunternehmen von GlaxoSmithKline (GSK). Sie forderten den sofortigen Stopp der Tierversuche, verteilten Flyer an PassantInnen und diskutierten. Zwei Polizisten kamen kurz vorbei. Später wurde ein Mannschaftswagen zur Beobachtung abgestellt. Die TierrechtlerInnen demonstrierten weiter. Kein Mensch aus dem Hause Glaxo ließ sich auf ein Gespräch mit ihnen ein. Nach zwei Stunden zogen die TierrechtlerInnen schließlich ab. Als am nächsten Abend niemand von ihnen weit und breit zu sehen war, atmete man in den Glaxo-Büros sicherlich kollektiv auf. Der Eine oder die Andere erinnerte sich vielleicht noch an die Demos Mitte der 80er Jahre und hoffte, dass sich das Ganze nicht wiederholt. Doch schon einen Monat später zeigte sich, die Demo im Dezember war lediglich der Auftakt für erneuten Dauerdruck - auf ein Unternehmen, das Jahr für Jahr Milliardengewinne mit dem Foltern und Morden unzähliger Tiere macht.

Das SHAC-Ziel GlaxoSmithKline

GlaxoSmithKline ist ein international agierendes Unternehmen mit zwei Geschäftsbereichen: das Kerngeschäft Pharma (verschreibungspflichtige Arzneimittel und Impfstoffe) und das Geschäft Consumer Healthcare (rezeptfreie Arzneimittel und Pflegeprodukte). In Deutschland ist GSK mit beiden Bereichen vertreten. Laut eigenen Angaben ist GSK eines der bedeutendsten forschenden Pharmaunternehmen am Markt verschreibungspflichtiger Arzneimittel mit insgesamt zehn Forschungs- und Therapiebereichen.

GlaxoSmithKline hat 24 Forschungszentren in 11 Ländern. Pro Tag fließen 12,3 Mio. Euro in die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente. An 149 Projekten wird geforscht. 15.000 Menschen arbeiten in der Forschung. Seit 2000 hat das Unternehmen acht neue Forschungszentren, die Centers of Excellence for Drug Discovery (CEDD). Das sind indikationsspezifische Einheiten, in denen Substanzen erforscht und weiterentwickelt werden. Darüber hinaus führt GSK großangelegte klinische Studien durch (Proof of Concept). Die Erforschung und Entwicklung von Therapeutika und Impfstoffen hat bei GSK eine lange Tradition. Bereits 1884 findet sich der erste Eintrag eines Warenzeichens.

Diese vielen Zahlen und Fakten werden auf der Homepage des Unternehmens stolz präsentiert und sollen die wirtschaftliche Macht auf dem Weltmarkt bezeugen. Es ist die Rede vom Forschen und Entwickeln für ein besseres und längeres Leben, für Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen. Ein äußerst lukratives Geschäft. Laut Handelsblatt machte GSK im 1.Quartal 2006 allein in der Pharmasparte einen Umsatz von 8,83 Mrd. US Dollar. Wie viele Tiere wie lange und wie oft auf welche Art und Weise für das umsatzstarke Geschäft und für ein vermeintlich besseres und längeres Menschenleben misshandelt, gefoltert und ermordet werden, wird verschwiegen. Schweigen herrscht auch über Schadensersatzklagen wegen Todesfolge bei Menschen nach Einnahme von Medikamenten aus der GSK-Forschung (AZT, 3TC).

Kein Wort über Verklagung des Unternehmens wegen Unterdrückung von Negativdaten zu Medikamenten (Seroxat), kein Wort über Rückrufaktionen für Grippe-Impfstoffe (Influsplit) und über Tote durch Zyban, die Anti-Raucher-Pille aus dem Hause GSK. Denn das würde Profiteinbruch bedeuten. Stimmen die Behörden in den USA und der EU zu, bringt GSK 2007 einen neuen Impfstoff für Menschen gegen den Vogelgrippe-Erregertyp H5N1 auf den Markt. Ein Impfstoff, der bereits zahllosen Tieren den Tod brachte und neben den anderen Therapeutika und Impfstoffen aus dem Hause GSK ein weiteres ungewisses Risiko für den Menschen darstellt.

GlaxoSmithKline ist seit Jahren größter Kunde bei Huntingdon Life Sciences (HLS), Europas größtes Auftrags-Tierversuchslabor. Hier „warten“ 70.000 Tiere in Käfigen auf ihren sicheren Tod. Auch im Auftrag von GlaxoSmithKline werden Tiere bei HLS Tag für Tag gefoltert und ermordet. Als größter HLS-Kunde ist GlaxoSmithKline ein Hauptaktionsziel der SHAC-Kampagne.

Words mean nothing, action is everything

Die SHAC-Kampagne wurde 1999 in Großbritannien mit dem Ziel gegründet, Huntingdon Life Sciences zu schließen. SHAC lebt von Aktionen. Von legalen Aktionen gegen HLS, gegen seine AktionärInnen, gegen seine Kunden sowie gegen Unternehmen, die an HLS ihre Produkte und Dienstleistungen verkaufen, wie z.B. Banken, Versicherungen, Zuliefererfirmen [1]. Weltweit gibt es zahlreiche Tierrechtsgruppen, die im Rahmen der SHAC-Kampagne aktiv sind und im Laufe der Zeit bereits viel erreicht haben. Leider reicht der Platz an dieser Stelle nicht aus, um sämtliche Aktionen und Erfolge der SHAC-Kampagne aufzuzeigen. Ausführliche Informationen gibt es auf zahlreichen Seiten im Netz [2]. Hier nur das Wichtigste in Kürze: Auch 2006 war die SHAC-Kampagne äußerst aktiv. Im Oktober tourten SHAC-AktivistInnen durch Großbritannien und Europa und demonstrierten vor Ort gegen den größten Kunden von HLS, GlaxoSmithKline sowie gegen andere HLS-Großkunden u.a. Actelion [3], Roche, Novartis, Pfizer. Auch Unternehmen, die ihre Produkte und Dienstleistungen an HLS verkaufen, waren wieder Ziel von Aktionen. So fanden u.a. Demonstrationen gegen Triac Air Conditioning Ltd., Chiller Rental Services [4] sowie Vetway/DGP [5] statt. Und die Kampagne wächst. Tierrechtsgruppen in Israel, Kroatien, Dänemark und - jetzt auch wieder - in Deutschland beteiligen sich mit regelmäßigen Aktionen. In Israel sind die HLS-Kunden Makhteshim-Agan [6] und Teva [7] vertreten. TierrechtlerInnen in Dänemark konzentrieren sich auf die SHAC-Ziele Roche und Arpida [8]. In Kroatien fanden in Zagreb Aktionen gegen Glaxo statt. Hier demonstrierten im Januar 2007 25 Menschen vor dem Gebäude von GSK, hielten Transparente und skandierten lautstark: „We will never forget that the one who tested on animals is a sick person, and the one who is paying for this is a criminal. And he will be treated like one!“ Aufgrund der Demos wurde die Zahl der Sicherheitskräfte in dem Gebäude erhöht. Ein hohes Polizeiaufgebot hielt die TierrechtlerInnen in Schach; GSK-MitarbeiterInnen wurden beim Verlassen des Gebäudes von Sicherheitsbeamten eskortiert. Auch in den Staaten war Glaxo Anfang 2007 wieder Ziel von Aktionen. So fanden z.B. in Denver Home-Demos bei zwei Glaxo-MitarbeiterInnen statt.

Während der zweiten Demo in Hamburg im Januar 2007 – dieses Mal wurden die TierrechtlerInnen nicht observiert – kam eine Mittäterin aus dem Glaxo-Gebäude und diskutierte mit den TierrechtlerInnen. Offensichtlich war sie keine vom Unternehmen autorisierte Pressesprecherin, denn sonst hätte sie folgende klare Aussage sicher nie getroffen: Die aus Versuchen mit Tieren gewonnenen Ergebnisse lassen sich nicht auf Menschen übertragen. Aus ethisch-moralischer Sicht ist die Antwort auf die Frage, ob aus Versuchen mit Tieren gewonnene Ergebnisse auf Menschen übertragbar sind oder nicht absolut irrelevant. Selbst wenn sie es wären, hätten Menschen nicht das Recht, Tiere für ihre Zwecke zu definieren – „Versuchstiere“ –, zu foltern und zu töten. Dennoch hat die von ihr getätigte Aussage eine gewisse Brisanz, da Unternehmen wie Glaxo ihre mörderischen Geschäfte auch mit dem pseudowissenschaftlichen Argument der Übertragbarkeit von Versuchsergebnissen rechtfertigen. Wir wissen nicht, ob die Glaxo-Mitarbeiterin aufgrund ihrer Aussage mit negativen Konsequenzen seitens ihres Arbeitgebers zu rechnen hat, sind aber gespannt, ob sie sich auch bei der Demo im Februar für Diskussionen zur Verfügung stellt [9].

Bis auch das letzte Tierversuchslabor geschlossen wird

Wie auch immer, die SHAC-Kampagne geht weiter. In Hamburg jeden ersten Dienstag im Monat vor Glaxo Wellcome. Und Tag für Tag weltweit. Gegen GlaxoSmithKline. Gegen alle anderen HLS-Kunden. Gegen HLS selbst und gegen seine Dienstleistungs- sowie Zuliefererfirmen. In der Vergangenheit hat die SHAC-Kampagne bereits vieles erreicht. Um jedoch die baldige und entgültige Schließung des Auftrags-Tierversuchslabor Huntingdon Life Sciences zu erreichen, sollten TierrechtlerInnen der ganzen Welt ihre Macht konzentrieren und gemeinsam für dieses Ziel kämpfen. Die Schließung von HLS wäre ein Präzedenzfall, der die Schließung sämtlicher anderer Tierversuchslabore nach sich ziehen könnte. Ein Versuch ist es wert. Kämpfen wir also gemeinsam. Gegen das Foltern und Morden von Tieren in den Versuchslaboren.

Tiere sind keine Messinstrumente. Tiere haben ein uneingeschränktes Lebensrecht, das Recht auf Leben in Freiheit und das Recht auf körperliche sowie psychische Unversehrtheit!

Clarissa Scherzer



Fußnoten

[1] Eine Liste der SHAC-Aktionsziele unter www.shac.net

[2] Unter www.shac.net sind auch alle Unternehmen aufgelistet, die sich im Laufe der Kampagne bereits von HLS offiziell getrennt haben.

[3] Actelion ist ein international agierendes biopharmazeutisches Unternehmen, das Medikamente für laut eigenen Angaben „bisher unzureichend behandelbare Krankheiten“ erforscht, entwickelt und vermarktet.

[4] Chiller Rental Service verleiht und verkauft Produkte rund um Temperaturregulation wie Geräte zum Kühlen, Heizen, Entfeuchten.

[5] Vet way ist ein britisches Unternehmen, das Veterinärprodukte selbst herstellt und weltweit damit handelt; u.a. chemische Flüssigkeiten und Puder, Materialien für VeterinärmedizinerInnen, Insektizide, Antibiotika.

[6] Makhteshim-Agan ist ein israelisches Unternehmen, das Chemikalien für den Einsatz in der Agrarwirtschaft entwickelt und produziert. Laut eigenen Angaben ist es weltweit führend im Handel mit Pflanzenschutzchemikalien wie Herbiziden, Insektiziden, Fungiziden und Chemikalien zur Regulation des Pflanzenwachstums.

[7]Teva Pharmaceutical Industries Ltd. ist ein Pharmakonzern mit Sitz in Israel. Hauptgeschäft ist das Entwickeln, Produzieren und Vermarkten von Generika. Laut eigenen Angaben ist das Unternehmen das größte auf dem internationalen Generika-Markt.

[8] Arpida Ltd. ist ein biopharmazeutisches Unternehmen in der Schweiz mit Fokus auf Erforschung und Entwicklung von neuen Produkten für bakterielle Infektionen.

[9] Kontakt zu SHAC-Demos in HH unter animalrights-govegan@web.de

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