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23.01.2009

Stammzellenforschung: das Ende der Tierversuche

Stammzellenforschung: das Ende der Tierversuche
Stand: Juni 2008



Die Stammzellenforschung ist einer der viel versprechendsten Bereiche der medizinischen Forschung. Sie könnte der Schlüssel zur Heilung einiger der schlimmsten Krankheiten und wie Krebs, Rückenmarksverletzungen und von Behinderungen sein. Des Weiteren könnten Stammzellentechnologien Tiere in der Mehrzahl aller wissenschaftlichen Forschungsreihen ersetzen. Eine solche Veränderung würde Millionen Tiere Jahr für Jahr vor grausamen Experimenten bewahren.


Was sind Stammzellen und woher kommen sie?
Stammzellen haben einen einzigartigen Aufbau, der sie von spezialisierten Zellen mit ihrer individuellen Funktion unterscheidet. Leberzellen verhalten sich beispielsweise anders als Herzzellen; man kann niemals zwei verschiedene Zelltypen austauschen und jede spezialisierte Zelle kann sich nur in Zellen der gleichen Art teilen. Stammzellen dagegen sind wie unbeschriftete Tafeln. Sie haben keinen festgelegten Aufbau und können jede Art von Spezialzelle werden. Da Stammzellen nicht vom Immunsystem des Körpers angegriffen werden, können sie sich perfekt an jedes Individuum anpassen. Und wo sich spezialisierte Zellen nur begrenzt häufig teilen können, können dies Stammzellen unbegrenzt, bis sie angeregt werden, sich zu spezialisieren. Deshalb können Stammzellen In Vitro (im Reagenzglas) gezüchtet werden, was eine unbegrenzte Anzahl gesunder menschlicher Zellen aus einer einzigen „Zelllinie“ produziert. (1)

Es gibt drei Quellen von Stammzellen: embryonale Stammzellen, Fötalgewebe und adulte Stammzellen. Embryonale Stammzellen werden von sich entwickelnden Embryonen gewonnen. Diese Embryos stammen aus In Vitro-Befruchtungskliniken, wo sie ansonsten zerstört würden, nachdem eine Patientin erfolgreich schwanger wurde. So werden keine Embryos nur für die Wissenschaft zerstört. Embryonale Stammzellen haben wenig bis keine Spezialisierung durchgemacht und können alle oder die meisten Zelltypen bilden, aus denen ein vollständiger menschlicher Körper besteht. Aus diesem Grund werden die embryonalen Stammzellen als die mit dem größten Potential für die Verwendung in der Wissenschaft angesehen.

Fötalgewebe stammt von Föten, die einige Wochen alt sind. Diese Zellen werden manchmal aus abgetriebenen Schwangerschaften gewonnen und finden sich auch in der menschlichen Nabelschnur und Plazenta. Fötalstammzellen haben bereits begonnen, sich zu spezialisieren, können sich jedoch noch immer in verschiedene Zelltypen spezialisieren.

Adulte Stammzellen, auch bekannt als somatische Stammzellen, finden sich in jedem vollständig entwickelten menschlichen Körper. Obwohl es schwer ist, sie zu isolieren, können diese Stammzellen von Wissenschaftlern einfacher verwendet werden. Sie werden bereits in einige erfolgreiche Therapien mit eingebracht, sie enthalten allerdings wesentlich weniger Langzeit-Potential als jüngere Stammzellen. Adulte Stammzellen haben sich bereits weitgehend spezialisiert und können nur wenige bestimmte Zelltypen bilden. Stammzellen im Knochenmark, zum Beispiel, können verschiedene Typen von Blutzellen bilden und werden häufig in der Medizin verwendet. (2)


Wie wichtig sind Stammzellen?
Da sich Stammzellen spezialisieren, sich an jede Person anpassen und uneingeschränkt vermehren können, eröffnen sie ganz neue Möglichkeiten für die Entwicklung medizinischer Heilmethoden und Behandlungen.

Stammzellen können in beschädigtes Gewebe oder Organe injiziert werden, um neue, gesunde Zellen zu bilden. Man testet diese Therapien, um Krankheiten wie Herz- und Lebererkrankungen zu behandeln, und es wurde bereits belegt, dass sie die Sehkraft des Patienten durch die Bildung optischer Zellen wieder aufbauen können. (3) Des Weiteren können Stammzellen Zellen bilden, die Insulin absondern, mit deren Hilfe der Blutzuckerspiegel im Blut kontrolliert werden kann. Dies könnte in der Behandlung von Diabetes hilfreich sein. (4) Stammzellen können außerdem zur Aufhaltung und Umkehrung der Fortschritte degenerativer Hirnkrankheiten, wie Alzheimer und Parkinson, verwendet werden, indem ein regenerativer Nachschub an Hirnzellen produziert wird. Forscher glauben, dass Parkinson unter den ersten Krankheiten sein wird, die man mit Stammzellen behandeln kann. (5)

Behinderte Menschen werden ebenso aus der Regeneration von Zellen und Gewebe profitieren. Frauen mit starker Inkontinenz wurden bereits erfolgreich durch die Injektion von Stammzellen behandelt. Diese Prozedur dauert lediglich 15-20 Minuten und ist schon nach 24 Stunden wirksam. (6) Querschnittsgelähmte Menschen könnten theoretisch unter der Verwendung von Stammzellen geheilt werden, die neue Nervenzellen aufbauen würden. So könnten vorher nicht behandelbare Rückenmarksverletzungen geheilt werden. (7)

Stammzellen können zu funktionellem menschlichen Gewebe herangezüchtet werden und theoretisch vollständige, funktionierende Organe bilden. So wäre es möglich, Hauttransplantate für Verbrennungsopfer, Knorpel für Gelenkbeschwerden und vielleicht sogar Herzen, Lebern und Nieren für menschliche Organtransplantationen zu bilden.

In der Gentherapie werden Gene in Stammzellen eines Individuums zur Behandlung von Erbkrankheiten bzw. Gendefekten eingefügt. So können Erkrankungen, die auf einzelnen Genen basieren, wie Sichelzellanämie, behandelt werden. Die Gentherapie kann auch In Utero (innerhalb der Gebärmutter) vollzogen werden und dadurch könnte es möglich sein, einen Fötus davor zu bewahren, vor der Geburt Behinderungen zu entwickeln. (8)


Ethische Bedenken
Leider wird die Mehrzahl der Stammzellenforschung an Tieren durchgeführt. Vor kurzem brannten Forscher zum Beispiel Löcher in die Herzen von Schweinen und injizierten dann Stammzellen, um das Gewebe zu reparieren.
Die Stammzellenforschung ist von Grund auf eine In Vitro Technologie und Tiere werden hauptsächlich aufgrund archaischer Regulierungen und Forschungsgewohnheiten benutzt. Wir verfügen nun aber über weit reichende Quellen menschlicher Stammzellen sowie über viele bewährte In Vitro Linien von Stammzellen.


Das Ende des Tierversuchs?
Obwohl die Stammzellenforschung derzeit mit Tieren arbeitet, hat sie das Potential, die Mehrzahl aller Tierversuche zu beenden. Stammzellkulturen können eine uneingeschränkte Versorgung mit gesunden, normalen menschlichen Zellen für die Modellerstellung von Krankheiten, die Entdeckung von Medikamenten und Toxizitätsversuche gewährleisten. Diese Zellen können genetisch oder pharmazeutisch manipuliert werden, um ideale Voraussetzungen für kontrollierte Tests zu schaffen.
Im Bereich der Medikamententoxizität ersetzen die Stammzellen von Mäusen bereits lebendige Mäuse in einigen Tests. Embryonale Stammzellen von Mäusen können beispielsweise für Embryotoxizitätstests verwendet werden – ohne ein einziges Tier zu töten. In Europa wurde diese Technologie als teilweiser Ersatz der Untersuchungen auf Geburtsdefekte des Kindes entwickelt und anerkannt. Für diese Tests werden normalerweise hunderte von Ratten und Kaninchen für jede zu testende chemische Substanz getötet. (9,10)

Derzeit ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass für die Entwicklung neuer Medikamente Toxizitätstests an Tieren durchgeführt werden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Stammzellenforschung der entscheidende Faktor sein wird, damit vorklinische In Vitro Studien als ausreichend für den Einsatz von Medikamenten für menschliche Kliniktests angesehen werden können. Allein dieser Schritt würde jedes Jahr Millionen von Tieren das Leben retten.

Was Sie tun können
Unterstützen Sie staatliche Maßnahmen, die die Stammzellenforschung vorantreiben und/oder finanzieren. Schreiben Sie Leserbriefe oder Briefe an den Redakteur Ihrer lokalen Zeitung über das Thema der Stammzellenforschung. Schreiben Sie über die oftmals übersehenen Vorteile, die Tiere aus der Stammzellenforschung ziehen könnten. Und denken Sie auch daran, Ihre Freunde, Familienmitglieder und Bekannte über die Vorteile aufzuklären, die die Stammzellenforschung für Mensch und Tier bieten könnte.



Quellenangaben
1) National Institutes of Health, “Stem Cell Basics,” Sep. 2002.
2) Commission of the European Communities, “Commission Staff Working Paper Report on Human Embryonic Stem Cell Research,” 4 Mar. 2003.
3) Rick Weiss, “Two Studies Bolster Stem Cells’ Use in Fighting Disease,” The Washington Post, 27 Sep. 2004.
4) National Institutes of Health, “Stem Cells: Scientific Progress and Future Resource Directions,” Jun. 2001.
5) National Institutes of Health, “Stem Cell Basics.”
6) “New Treatment for Urinary Incontinence Reported,” Reuters, 29 Nov. 2004.
7) National Institutes of Health, Stem Cells: Scientific Progress and Future Resource Directions.
8) National Institutes of Health, Stem Cells: Scientific Progress and Future Resource Directions.
9) Susanne Bremer et al., “Development of a Testing Strategy for Detecting Embryotoxic Hazards of Chemicals in Vitro by Using Embryonic Stem Cell Models,” Alternatives to Laboratory Animals, 30(2002): 107-109.
10) U.S. Environmental Protection Agency, “Prenatal Developmental Toxicity Study,” Health Effects Test Guidelines, Aug. 1998.

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