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24.01.2009

Stierkampf an der Uni in Spanien

Stierkampf an der Uni in Spanien

An der Universität von Cordoba gibt es den ersten Lehrstuhl für Taurologie. Tierschützter protestieren dagegen.


In Cordoba wird bereits über einen Master in Taurologie nachgedacht.

Der Stierkampf kommt in Spanien nun sogar zu akademischen Ehren: An der Universität von Córdoba im Süden des Landes ist der erste Lehrstuhl für „Taurologie“ geschaffen worden. Ziel des weltweit einmaligen Projektes ist es, Studenten sowie Außenstehenden einen „interdisziplinären“ Einblick in die Welt dieser Jahrhunderte alten Tradition zu geben. „Die Geschichte und die Kultur des Stierkampfes spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Stierzucht oder das Geschäft rund um das Fest“, erklärt Projektbetreuerin Carmen del Río.

» Wir möchten die Welt der ’Toros’ aus wissenschaftlicher Sicht bekannt machen. «

Zu den Dozenten werden deshalb Historiker, Philosophen, Veterinärmediziner, Betriebswirte oder Juristen gehören. Als Gastredner sind Züchter, Stierkampf-Impresarios oder die Matadoren selbst vorgesehen. „Es ist ein sehr ehrgeiziges Vorhaben“, räumt Lehrstuhlinhaber Prof. Bartolomé Valle Buenestado ein. Sein Spezialfach ist eigentlich die Geographie, doch seine Liebe zum Stierkampf hat ihn für den Posten qualifiziert. „Wir möchten die Welt der ’Toros’ aus wissenschaftlicher Sicht bekannt machen.“

Doktor Toro

Finanziert wird das zunächst auf vier Jahre angelegte Pilotprojekt von der Stadt Córdoba, der Provinzverwaltung, der Universität sowie von den Betreibern der örtlichen Stierkampfarena. Immerhin 42.000 Euro stehen jährlich zur Verfügung. Zwar wird es keinen Abschluss im Fach „Stierkampf“ geben, Studenten anderer Fachbereiche können aber Scheine etwa in Seminaren wie „Der Stierkampf in der Literatur“ erwerben. Diese sollen auch Außenstehenden zugänglich sein. Zudem wird bereits über einen „Master“ oder einen Doktortitel in Taurologie als zusätzliche Qualifikation für Absolventen anderer Fachrichtungen nachgedacht.

Bei Tierschützern stößt das Projekt allerdings auf Protest. Es sei ein Unding, Tierquälerei nun auch noch als Hochschulfach anzubieten, kritisierte die Vereinigung gegen die Folter und die Misshandlung von Tieren (ACTYMA). Deren Präsident Arturo Pérez schrieb in einem ironischen Brief an die kommunistische Bürgermeisterin Rosa Aguilar: „Dieses Fest aus Blut und Tod wird Córdoba sicherlich kulturell sehr voranbringen.“

Hochschulassistentin Carmen del Río hält dem entgegen: „Tatsache ist, dass der Stierkampf Teil der Kultur und der Geschichte Spaniens ist und als solcher Stoff genug für eine wissenschaftliche Betrachtung bietet." Dass der Lehrstuhl an der Universität von Córdoba eingerichtet wurde, ist kein Zufall. Die prächtige andalusische Stadt (300.000 Einwohner), einst Macht- und Kulturzentrum des Abendlandes, ist die Wiege vieler großer Stierkämpfer. Zu ihnen zählt etwa Manuel Rodríguez „Manolete“ (1917-1947), der mit 30 Jahren in der Arena von Linares einem tödlichen Hornstoß zum Opfer fiel, oder Manuel Benítez „El Cordobés“, der mit bald 70 Jahren noch immer hin und wieder das Duell mit dem Stier wagt.

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