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20.01.2009

„Terrorists or Freedom Fighters?

„Terrorists or Freedom Fighters?
Reflections on the Liberation of Animals“

Gerade eben erschien im New Yorker Verlag Lantern Books das lang erwartete Buch von Best und Nocella „Terrorist or Freedom Fighters? Reflections on the Liberation of Animals“. Das Buch stellt eine äußerst wertvolle Fortsetzung des Artikels "Warum unterstützt du nicht die ALF?" von Best dar. Anstelle einer Rezension möchten wir das neu erschienene Buch auf andere Weise vorstellen, nämlich in Form eines Interviews:

Richard Kahn, ebenfalls Geisteswissenschaftler sowie engagierter Umwelt- und Tierrechtsaktivist, befragte den Mitherausgeber Anthony J. Nocella über seine Motivation, die Geschichte der ALF zu untersuchen und seine Ergebnisse in Form eines Buches zu veröffentlichen. Die Antworten Nocellas klingen erstaunlich: Obwohl die ALF eine rechtschaffende Organisation ist, fehle es den „Mitgliedern“ an geeigneter „Eigenwerbung“, an Bildung und Selbstreflexion, an Respekt und Liebe untereinander und an Beziehungspflege zu gleichdenkenden Leuten, und er will mit seinem Buch dazu beisteuern, die ALF im richtigen Licht erscheinen zu lassen.

Schon das Interview dürfte den einen oder anderen zur Selbstreflexion anregen und vor allem Lust auf das mit Sicherheit interessante Buch wecken. Das Interview wurde uns von Anthony Nocella zur Verfügung gestellt.Wir haben es für die Tierbefreiung ins Deutsche übersetzt.

Richard Kahn: Ich danke dir, Anthony, dass du dir Zeit genommen hast für unser heutiges Treffen, und Glückwünsche zur Veröffentlichung deines neuen kontrovers gehandelten Buches, das die Geschichte und Zukunft der Animal Liberation Front (ALF) untersucht! Bevor wir nun einsteigen, erst einmal eine Frage, die wohl jede/n interessiert: bist du oder warst du jemals ein Mitglied der ALF?

Anthony J. Nocella: Die Antwort ist Nein. Ich war niemals und ich habe niemals geplant, ein Mitglied der ALF zu sein. Ich bekomme diese Frage jedes Mal gestellt. Es ist schon komisch: bei meiner Arbeit studiere ich viele extremistische, revolutionäre und selbst Terrorgruppen, und dennoch werde ich niemals als ein Mitglied dieser Organisationen aufgefasst. Da ich jedoch als Tierrechtsaktivist in der Vergangenheit aktiv war, neigen die Leute dazu anzunehmen, dass ich ein ALF-Sprecher oder Zellenmitglied sein muss. Natürlich ist dies nur ein dummer Irrtum – die Tieranwaltsbewegung sollte nicht unmittelbar gleichgesetzt werden mit der Tierrechtsbewegung, noch sollte die Tierrechtsbewegung als das Gleiche wie die Animal Liberation Front wahrgenommen werden. Da sind viele Unterschiede, manchmal große Unterschiede... .Ich bin einfach daran interessiert, diese Unterschiede zu analysieren und der Öffentlichkeit zu helfen, größere Klarheit zu gewinnen über militante Politik, wie sie von der ALF praktiziert wird. Das erfordert nicht meine Mitgliedschaft. Ich habe niemals Interviews mit dem sogenannten „Untergrund“ geführt. Die einzigen Leute, mit denen ich während des gesamten Prozesses des Zusammenstellens von „Terrorists or Freedom Fighters?“ kommuniziert habe, waren öffentliche Aktivisten und einige ehemalige ALF-Mitglieder, die verurteilt wurden und nicht länger im Untergrund aktiv sind.

RK: Du hast auf dein Interesse an revolutionären Bewegungen und der ALF hingewiesen. Könntest du ein wenig dazu sagen, warum du genau dieses Buch jetzt zusammengestellt hast?

AN: Vor etwa drei Jahren begann ich die Supportbewegung der ALF zu untersuchen, und, um aufrichtig zu sein, war ich nicht mit allem zufrieden, was ich vorgefunden habe. Ich sah Leute, die sich selbst unpassend verhielten – gemeint in einem nicht-revolutionären und distanzierten Verhalten. Ich dachte, die, die in der Tierrechtsgemeinschaft beteiligt sind, sollten sich bewusst sein, dass die ALF rechtschaffend ist und als Organisation ihre Berechtigung hat. Stattdessen entdeckte ich, dass es bei vielen eine Tendenz gab, die ALF als Bund des Schlechten, nicht der Barmherzigkeit darzustellen. Außerdem fand ich, dass die ALF es benötigte, ihre Philosophie besser auszudrücken und ihre Überzeugungen und Werte in einer logischen, systematischen Art und Weise der Öffentlichkeit, den Obrigkeiten und der Opposition zu unterbreiten. Mit anderen Worten war es mein Gefühl, dass es in der Tat an der Zeit war, dass die Tierrechtsbewegung und die ALF sich durch den Gebrauch drastischer Selbststudien und Kritik zu transformieren beginnt. Dies war der Ursprung des Buchs – so etwas, was der kritische Pädagoge Peter McLaren „Conscientization“ genannt hat, das Aufkommen einer kritischen Bewusstwerdung und radikale Anwendung dieser bei sich selbst. Die gesamte Idee war, Erziehung als Teil der eigenen politischen Geschichte der ALF anzusetzen und zum Ausdruck zu bringen. Dies ist der bessere Weg, als dass sie erlauben, dass andere (oft stärkere und oppositionelle andere) benennen, was die Bewegung ist, tut oder bedeutet.

RK: Auf welche Weise hast du mit diesem Projekt begonnen?

AN: Gute Frage. Als ein Forscher revolutionärer Bewegungen begann ich auf andere militante Splitterparteien wie die IRA und die Zapatisten zu schauen. Fast sofort habe ich einen großen Unterschied zwischen diesen Organisationen und der ALF Unterstützergruppe erkannt: sie hatten alle eine Anzahl von Büchern von ihrer und über ihre Bewegung geschrieben, während die ALF dies nicht tat. So begann ich ein paar Leute anzurufen und schickte E-Mails hin und her. Ich erzählte den Leuten von meiner Idee, ein Buch herauszugeben, das all die bedeutenden Figuren in den akademischen und Aktivistengemeinschaften zusammentrommelt, die starkes Verständnis für die ALF bzw. eine verständnisvolle Beziehung gegenüber der ALF hatten. Damals und jetzt vertrete ich die Position, dass eine Person nicht im Interesse von Untergrundbewegungen sprechen sollte, die eine breite Vielfalt von Sichtweisen und Standpunkten beinhaltet. Nach einigem E-Mailaustausch habe ich es geschafft, mit Steve Best in Kontakt zu kommen. Ich dachte, dass er ideal wäre, um sicherzustellen, dass dieses Buch beides sein würde: glaubwürdig und hintergründig. Glücklicherweise verstanden Steve und ich uns auf Anhieb und mit seiner Fachkenntnis als Theoretiker und Texteditor und meiner als Basisorganisator gaben wir ein großartiges Team ab. Seitdem haben wir an beinahe allem zusammen gearbeitet, inklusive dem Start des Center on Animal Liberation Affairs (CALA - siehe Ende des Interviews). Wir sind schnell richtig gute Freunde geworden. Aus Erfahrungen wie dieser heraus denke ich, dass die Tierrechtsbewegung immer noch ein oder zwei Dinge lernen kann. Freundschaft und wahre Liebe und Respekt für die, mit denen du arbeitest, können erstaunliche Dinge aufbauen. In diesem Fall ein Buch – aber nicht nur ein Buch, ebenfalls die Beziehungen, die aus dem Text gewachsen sind. Beziehungen, die weiterhin wachsen und neue Möglichkeiten hervorbringen, so wie dieses Interview auch! Denn, woher kenne ich dich? Durch Steve, und jetzt arbeiten wir alle an einem Buch über die Earth Liberation Front, vorläufig „Igniting a Revolution: Voices in Defense of Mother Earth“ genannt, dessen Publizierung sehr aufregend sein wird und viele herausragenden Akademikern und Aktivisten, wie dich selbst, zusammenbringt. Also ist Freundschaft der Schlüssel zum Wachstum.

RK: Nett Ausgedrückt! Anthony, wir wissen alle, dass selbst ein brandaktuelles Buch wie „Terrorist or Freedom Fighters?“ nicht alles sagen kann. Im Nachhinein gibt es immer etwas, was einen Autor oder Herausgeber dazu bringt, einen Schritt zurückzuweichen und zu sagen: „Meine Güte, ich wünschte, ich hätte das anders geschrieben!“ Wenn du die Möglichkeit hättest, in der Zeit zurückzuspringen und das Buch noch einmal zu bearbeiten, was würdest du verändern?

AN: Also, es gibt immer die Möglichkeit für eine zweite, veränderte Auflage und so werden Steve und ich wahrscheinlich anstreben, eine globalere Perspektive einzunehmen – inklusive einer Menge mehr Leute aus den gut entwickelten Tierrechtsgemeinschaften in Australien und Europa einzubeziehen. Und natürlich möchte ich einige meiner neuen Freunde integrieren, so wie Jeff Watkins, Joel Capolongo und dich.

RK: O.K., letzte Frage von einem Pädagogen an den anderen:Was denkst du, hast du bei der Arbeit an diesem Buch gelernt?

AN: Menschen in Kulturen wie der unseren mögen überladen sein mit Texten und Informationen, die sie dazu bringen, diese Dinge als selbstverständlich anzunehmen. Also lernte ich, wie mächtig gerade ein Buch als ein Werkzeug bei der Entwicklung eines sozialen Wandels ist. Der ganze Prozess, in einem Thema gebildet zu werden, Bekanntschaften zu knüpfen und seine eigene Nachricht zu formulieren – das war eine erstaunliche Erfahrung. Daher denke ich, dass es für Revolutionäre oder andere, sich am Rand befindende Gruppen, sehr wichtig ist, sich selbst herauszufordern. Sie müssen gebildeter in ihren Themen und ihrer Geschichte werden, um fähig zu sein, ihre Nachricht klar und deutlich in die Öffentlichkeit zu tragen und ihre eigene Arbeiten zu verfassen. Für einen Friedensstifter, der primär mit einer Vielfalt militanter Gruppen zusammenarbeitet, ist es meine Verantwortung, ihnen eine respektvolle und sichere Umgebung zu schaffen, in welcher sie sich ausdrücken können, in der Hoffnung, einen dauerhaften Frieden herzustellen. Die Methode, Revolutionären eine Plattform zu bereiten, auf der sie ihre Forderungen zum Ausdruck bringen können und gehört werden, ist ebenso eine Methode, Konflikte zu deeskalieren. Nur, und das zeigt die Geschichte, wenn Parteien wiederholt nicht mit an den Tisch geholt werden, werden sie extremere Taktiken und Strategien anwenden.


Anthony J. Nocella, II
Ph.D. Student, Social Science
Syracuse University
PARC
410 Maxwell
Syracuse, NY 13244
http://student.maxwell.syr.edu / ajnocell / index.html



* Center on Animal Liberation Affairs (CALA): Ein an der Universität in El Paso/Texas angesiedeltes akademisches Forum für Studien, Forschung und Diskussionen über die Prinzipien und Praktiken der Tierbefreiungsidee. CALA beantwortet Medienfragen, assistiert Tierrechtsaktivisten und leitet die kritischen und philosophischen Dialoge über die internationale Tierbefreiungsbewegung (www.cala-online.org)

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