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24.01.2009

Tiersammler: Die Krankheit und das Verbrechen

Tiersammler: Die Krankheit und das Verbrechen
Stand: Februar 2008


Tiersammler, die früher einfach als Menschen mit guten Absichten angesehen wurden, werden nun als Individuen anerkannt, deren mentale Krankheit oder Zwang zu kriminellem Verhalten mit schlimmen Folgen für die Tiere, die Familien der Sammler und die ganze Gemeinde führen kann.

Das Profil eines Tiersammlers
Dr. Gary J. Patronek zufolge sind sich „Sammler laut Definition dem extremen Leid ihrer Tiere, dass Beobachtern als vollkommen offensichtlich erscheint, nicht bewusst.“ (1)
Es gibt drei auffällige Verhaltensweisen eines Tiersammlers:
- Sie sammeln eine hohe Anzahl an Tiere an.
- Die Sammler kümmern sich nicht um die grundlegendsten Bedürfnisse der Tiere, einschließlich frisches Wasser, Futter, Unterschlupf, tierärztliche Versorgung und Hygiene.
- Sie erfinden Ausreden oder leugnen die miserablen Bedingungen, unter denen ihre Tiere, und in einigen Fällen auch ihre Kinder, leben müssen. (2)

Der Animal Cruelty Task Force von Vermont, USA, zufolge, finden Tiersammler “den Gedanken an den Tod so abstoßend, dass sie ein unmenschliches Leben einem humanen Tod vorziehen.” (3) Ein Ansammeln von Tieren unter schlimmen Bedingungen kommt auch häufig in ausländischen Tierheimen vor, in denen selbst schwer kranke Tiere nicht eingeschläfert werden und oft viel zu lange unter bedauernswerten Umständen „gelagert“ werden, anstatt einen friedlichen und schmerzlosen Tod durch qualifiziertes Personal sterben zu dürfen.

Oft wird in diesem Umfeld der eigentliche „Retter…zum Unterdrücker“, so Dr. Ronald Ulfohn. (4) So hat sich, zum Beispiel, Gloria Sutter in acht Fällen der Tierquälerei schuldig bekannt, nachdem Ermittler 2004 198 kranke Katzen und Hunde in ihrem Tierheim „Vanovia“ gefunden hatten. (5) Sutter war bereits für ihr Sammeln von Tieren bekannt: 1984 wurden über 500 Tiere in schlechter gesundheitlicher Verfassung in der verdreckten Einrichtung gefunden und 1986 wurden fast 800 unter ähnlichen Umständen entdeckt. (6)

Die Überpopulation an sogenannten „Haustieren“ (tierliche Begleiter) ermöglicht es den Tiersammlern, überall zu agieren. Eine Studie aus dem Jahr 1999 ergab, dass mehr als die Hälfte aller Sammler in städtischen Gegenden lebte, der Rest aufgeteilt war in ländlichen und vorstädtischen Gegenden. (7)

In fast 65 % aller Fälle, handelt es sich bei den angesammelten Tieren um tierliche Begleiter wie Katzen und Hunde. Doch auch Tiere wie Pferde, Ziegen und Schweine, werden von mehr als 10 % der Sammler gehortet. (8) Auch Exoten und Wildtiere müssen regelmäßig vor Sammlern gerettet werden.

Schlimmer als der Tod
Das Verhalten eines jeden Tiersammlers endet in ernster, manchmal sogar tödlicher Vernachlässigung der Tiere, die sich in ihrer Obhut befinden. Durch die überfüllten und dreckigen Verhältnisse, werden Würmer, Flöhe, Räude, Ohrmilben, Atemwegsinfektionen, Parvovirose, Staupe und andere Krankheiten schnell verbreitet und können zu verdrecktem Fell und Infektionen des Urins führen. Im Normalfall erhalten diese Tiere keine tierärztliche Versorgung, einschließlich der Sterilisation oder Kastration, wodurch sich die Anzahl der Tiere ständig erhöht oder den Besitzer dazu bringt, die Tiere nach Geschlecht zu trennen und sie in kleine Käfige oder ins Badezimmer zu sperren. Verletzungen, einschließlich Knochenbrüche und Wunden, die sich die Tiere beim Kampf mit Artgenossen zugezogen haben, werden nicht behandelt und führen so zu Infektionen.

Eine von Dr. Patronek durchgeführte Studie aus dem Jahr 1999 hat ergeben, dass in 80% der untersuchten Fälle von Tiersammlerei die Tiere tot geborgen wurden oder an „offensichtlichen Krankheiten oder Verletzungen“ litten. (9)
Auch soziale Bedürfnisse werden von Tiersammlern vollkommen ignoriert. Hunde sind Rudeltiere und brauchen ihre Gefährten. Oftmals werden sie angekettet oder jahrelang in kleinen Gehegen gehalten und entwickeln so asoziale Verhaltensweisen und werden entweder extrem ängstlich oder aggressiv. Katzen werden ohne menschlichen Kontakt launisch und bringen demnach wilde Junge zur Welt.

Die durch physische und psychologische Vernachlässigung ausgelösten Verhaltensstörungen, vernichten die Chancen auf Rehabilitierung und Neuadoption vollständig. Für viele dieser Tiere ist die Euthanasie die einzig humane Option.

Die Gefahr für den Menschen
Die Situationen, in denen sich die Tiere befinden, sind ganz klar gefährlich – das Konsortium zur Erforschung des Tiersammelns meint jedoch auch, „Das Ansammeln von Tieren hat deutlich ernste Auswirkungen auf die physische und mentale Gesundheit der Sammler und ihrer Familien“, sowie die ihrer Nachbarn. (10)
Durch das Voranschreiten der Erforschung dieses Phänomens, haben Experten mindestens drei Verhaltensmuster herausgearbeitet, um die Gegebenheiten zu erklären:

- Sammler als „Tiersüchtige“: Dr. Karen Kemper, Tierärztin aus Houston, ist der Meinung, dass Tiersammler wie Alkoholiker sind und verweist auf 10 Verhaltensweisen, die die beiden Gruppen gemein haben, wie z.B. die Rückfälligkeit, „das Leugnen der Krankheit“ und „die Vernachlässigung von persönlichen, physischen und umgebungstechnischen Umständen.“ (11, 12)

- Tiersammler leiden an einer Zwangsneurose oder zwanghaften Persönlichkeitsstörung: Das Buch The Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV) beschäftigt sich mit der Ansammlung lebloser Objekte als Symptom beider Krankheiten. (13) Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass über 77 % der Grundstücke aller Messies als „extrem überfüllt“ beschrieben wurden und das es in 75 % der Fälle „enorme Mengen“ an nicht – tierlichen Objekten, wie Zeitungen, gab. (14)

- Tieransammler leiden unter Demenz: Das Konsortium zur Erforschung des Tieransammelns glaubt, dass Demenz eine der “zahlreichen psychologischen Störungen” ist, unter denen Tiersammler leiden. (15)

Durch die Beengtheit solcher Situationen verbreiten sich Krankheiten von Tier zu Mensch meist schneller, so zum Beispiel Toxoplasmose, die Papageienkrankheit und Salmonellen. Diese Krankheiten bedrohen auch Angehörige des Sammlers, besonders Kinder und alte Menschen, die in über der Hälfte aller untersuchten Fälle anwesend waren. (16) In den Häusern der Betroffenen bestehen meist auch erhöhte Ammoniakvorkommen, verursacht durch den sich sammelnden Tierurin.

Wiederholungstäter
Dr. Gail Steketee, einer Professorin der Sozialarbeiterfakultät der Boston University, zufolge, werden fast 100 % der Täter rückfällig. (17) Eine unzureichende Strafe oder eine Auflage, die wegen fehlender Amtsbesuche nicht eingehalten wird, garantiert geradezu, dass ein Sammler alter Wege geht und so Menschen und Tiere gefährdet. „Man sagt“, so Dr. Patronek, dass ein Sammler „bereits eine neue Katze hat, wenn er aus dem Gericht zurückkehrt.“ (18) Patronek gibt an, dass fast 60 % der von ihm begleiteten Tiersammler rückfällig wurden. (19)

Was Sie tun können
Kontaktieren Sie Tierschutzbehörden oder die Polizei, wenn Sie vermuten müssen, dass jemand Tiere vernachlässigt oder missbraucht – auch, wenn es sich um Menschen handelt, die es “nur gut meinen”. Die Beschwerden von Nachbarn belegen oft unsaubere Bedingungen, Gerüche, Lärm (z.B. Bellen) und Nager- oder Insektenbefall, der unter solchen Umständen häufig auftritt. Mindestens 57 % der Tieransammlungsfälle werden von Behörden aufgrund von Beschwerden der Nachbarn unter die Lupe genommen. (20)

Ermitteln Sie, bevor Sie ein Tier weitergeben. Sehen Sie sich das Haus selbst an und nehmen Sie keine Entschuldigung hin, die Lebensbedingungen der Tiere nicht anzusehen. Stellen Sie Fragen zur Pflege der Tiere und erkundigen Sie sich, wie oft und in welchen Fällen Tiere aufgenommen werden. Bitte kontaktieren Sie PETA Deutschland e.V. für weitere Fakten.

Schreiben Sie an Behörden und die Medien, wenn Ansammlungsfälle ans Licht kommen und drängen Sie darauf, dass den Betroffenen jeglicher Kontakt zu Tieren untersagt wird und sie sich psychiatrischer Gutachten und einer entsprechenden Behandlung unterziehen müssen. Im Jahr 2001, war Illinois / USA zum ersten Staat, der Fälle von Ansammlungen klar definierte und in das Tierschutzgesetz mit aufnahm. (21) Laut Gesetz müssen sich verurteilte Tiersammler einem psychiatrischen Gutachten unterziehen und entsprechende Behandlung bekommen. (22)

Die Verhinderung von Tieransammlungen und allen weiteren Formen der Tierquälerei, beginnt damit, etwas gegen die Überpopulation zu tun. Lassen Sie Ihre Tiere in jedem Fall kastrieren oder sterilisieren und fordern Sie ihre Familienmitglieder, Freund und Nachbarn auf, auch ihre Tiere behandeln zu lassen. Sehen Sie sich für weitere Informationen PETA Deutschlands Faktenblatt „Kastrieren um dem Leiden ein Ende zu bereiten“ an.

Quellen
1) Gary J. Patronek, V.M.D., Ph.D., “The Problem of Animal Hoarding,” Municipal Lawyer, May/Jun. 2001.
2) The Hoarding of Animals Research Consortium, 2004.
3) Vermont Animal Cruelty Task Force.
4) Ronald Ulfohn, D.V.M., “Animal Hoarders,” Paw Prints, Feb. 2000.
5) Todd C. Frankel, “Woman Pleads Guilty to Animal-Neglect Charges,” St. Louis Post-Dispatch, 21 Oct. 2004.
6) Todd C. Frankel, “Raid Nets 54 Animals at Union Apartment,” St. Louis Post-Dispatch, 10 Aug. 2004.
7) Gary J. Patronek, V.M.D., Ph.D., “Hoarding of Animals: An Under-Recognized Public Health Problem in a Difficult-to-Study Population,” Public Health Reports 114 (1999): 81-86.
8) Patronek, Public Health Reports.
9) Patronek, Public Health Reports.
10) The Hoarding of Animals Research Consortium, 2004.
11) Evan Moore, “Addicted to Animals/Self-Deception, Denial and Alibis for Their Behavior Suggest Some People Are Driven to Collect Too Many Animals,” Houston Chronicle, 21 Jul. 1991.
12) Evan Moore, “Ten Behavioral Traits of Animal Addicts,” Houston Chronicle, 21 Jul. 1991.
13) The Hoarding of Animals Research Consortium, 2004.
14) Patronek, Public Health Reports.
15) Bonnie L. Cook, “Helping ‘Animal Hoarders’ and Their Pets Is No Simple Task,” Knight Ridder Newspapers, 23 Sep. 2004.
16) Hoarding of Animals Research Consortium, “Health Implications of Animal Hoarding,” Health & Social Work, 27 (2002): 125-136.
17) Cook.
18) Jamie Malernee, “Woman May Be Animal Hoarder,” St. Petersburg Times, 2 Jul 2001.
19) Patronek, Public Health Reports.
20) Patronek, Public Health Reports.
21) American Veterinary Medical Association, “Lawmakers Tackle Animal Hoarding. States Look to New Laws to Address Animal Hoarders,” JAVMA News, 1 May 2003.
22) Public

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