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14.01.2009

Tod per Mausklick

„Tod per Mausklick“
Neue internationale IFAW-Studie
zum illegalen Wildtierhandel im Internet


- Zusammenfassung -
Der illegale Handel mit gefährdeten Wildtieren bzw. deren Produkten ist weltweit
ein Milliardengeschäft. Bereits frühere Untersuchungen des IFAW haben gezeigt,
dass das Internet dabei eine wichtige Rolle spielt. Dort werden in großem Umfang
lebende Tiere und Tierprodukte angeboten, in vielen Fällen von gefährdeten Arten.
So fördert der nicht oder nur unzureichend kontrollierte Online-Wildtierhandel das
Artensterben.


Die Recherche
Mit der neuesten Studie veröffentlicht der IFAW seine vierte und gleichzeitig auch
umfangreichste Untersuchung zu dieser Problematik. Die Recherche erstreckte
sich über einen Zeitraum von zwei Monaten (Mai – Juni 2008). Kernstück dabei
waren sechs einwöchige Bestandsaufnahmen auf etwa 200 Websites in elf*
Ländern. Gesucht wurde sowohl nach lebenden Tieren als auch nach Wildtierprodukten
von Primaten, Wildvögeln, Großkatzen, Bären, Elefanten, Nashörnern,
Tschirus (Tibetantilopen), Haien und Stören (Kaviar).
Alle diese Tierarten sind streng geschützt. Ein Handel mit ihnen oder mit
Produkten, die aus diesen Tieren hergestellt wurden, ist grundsätzlich verboten.
Eine Ausnahme ist nur zulässig, wenn entsprechende Genehmigungen (z.B.
CITES-Dokumente) vorliegen.

Verstöße gegen geltende Handelsverbote oder Vorgaben seitens der virtuellen
Marktplatzanbieter wurden erfasst und in drei Kategorien unterteilt:

- „höchstwahrscheinlicher Verstoß”: In der Anzeige gibt es keinerlei Hinweis
auf die Legalität des Angebots.
- „möglicherweise ein Verstoß”: In der Anzeige ist ein Hinweis auf die
Einhaltung der Gesetze enthalten, ein Nachweis fehlt jedoch.
- „aller Wahrscheinlichkeit nach legal“: Erforderliche Dokumente sind dem
Angebot beigefügt.


Ergebnisse
Die Studie zeigt, dass ein umfangreicher Handel mit Wildtieren und
Wildtierprodukten im Internet stattfindet.

• Innerhalb der sechs Wochen wurden auf 126 untersuchten Websites in acht*
Ländern 7.122 Online-Angebote von Wildtierprodukten bzw. Wildtieren
dokumentiert. 79,2 Prozent der Angebote sind Wildtierprodukte (5.642
Artikel), bei 20,8 Prozent (1.480 Artikel) handelt es sich um lebende Wildtiere.
• Es wurden Produkte von streng geschützten Arten im Wert von 3.871.201 USDollar,
also nahezu drei Millionen Euro, angeboten.
• Von den gefundenen Anzeigen sind die meisten der Kategorie „möglicherweise
ein Verstoß” zuzuordnen. Darunter fallen 57 Prozent der gefundenen
Angebote. 34 Prozent der Anzeigen werden in die Kategorie
„höchstwahrscheinlich ein Verstoß” eingestuft, und nur bei lediglich sieben
Prozent kann man davon ausgehen, dass keine Verstöße vorliegen.

Bei einem Großteil der Angebote (91 Prozent) wurden also die gesetzlichen
Vorgaben sowie die Richtlinien der Online-Marktplatz-Anbieter nicht eingehalten.

Elefanten-Elfenbein und andere Elefantenprodukte (5.223 Angebote oder 73,3
Prozent) sowie exotische Wildvögel (1.415 Angebote oder 19,9 Prozent)
dominieren den Online-Handel mit Wildtieren bzw. deren Produkten. Aber auch
eine breite Palette anderer geschützter Tierarten wird gehandelt, wie z.B. Affen,
Großkatzen und Reptilien.

74 Prozent der Elfenbein-Angebote beinhalten möglicherweise einen Verstoß,
15,5 Prozent höchstwahrscheinlich. Dies bedeutet, dass im Rahmen der
Untersuchung fast 90 Prozent der Elfenbein-Angebote nicht über die notwendigen
Dokumente verfügte.

Fazit
Die Recherche bestätigt, dass das Internet zahlreiche Schlupflöcher bietet und
daher nach wie vor häufig genutzt wird, um leicht und ohne großes Risiko
Produkte von Wildtieren auch an den gesetzlichen Bestimmungen vorbei handeln
zu können. Davon sind alle Online-Marktplätze betroffen.

Situation in Deutschland
Wie in allen anderen untersuchten Ländern sind auch in Deutschland Elefanten-
Elfenbein und exotische Wildvögel die am häufigsten angebotenen Wildtier-
Artikel.

In Deutschland wurden 14 Websites untersucht. Dabei wurden 151
Wildtierangebote dokumentiert. Die meisten Geschäfte werden über Henrys.de (52
Angebote) und eBay.de (39) abgewickelt – zusammen wiesen sie 60,3 Prozent der
gefundenen Artikel auf.

Von den 151 gefundenen Wildtier-Angeboten bezogen sich 90 Eintragungen (60
Prozent) auf Elfenbein-Produkte. Exotische Wildvögel wurden 28mal angeboten,
Kaviar 12mal.

Größter Umschlagplatz eBay
Etwa zwei Drittel des gesamten Online-Wildtierhandels in den
untersuchten Ländern findet bei eBay statt.

63 Prozent aller in der Untersuchung gefundenen Wildtier-Angebote entfallen auf
die Seiten von eBay USA, Australien, Kanada, Frankreich, UK und Deutschland.
Berücksichtigt man die mit eBay verbundenen Unternehmen wie Slando.ru,
Craigslist.org, Eachnet.com, Kijiji.com and Kijiji.ca sind es sogar 67 Prozent.
Die Untersuchung zeigt, dass nach wie vor auf den weltweiten Auktionsseiten von
eBay eine alarmierend hohe Anzahl von Elefanten-Elfenbeinprodukten (meist
möglicherweise oder höchstwahrscheinlich illegal) angeboten wird. Von den
insgesamt 5.159 dokumentierten Elfenbeinanzeigen waren 4.304 (83,43 Prozent)
bei eBay gelistet. Am häufigsten waren Elfenbeinprodukte bei eBay USA erhältlich.
Obwohl eBay explizit den internationalen Handel mit Elfenbeinprodukten auf
seinen Seiten verboten hat, wurden dort im Rahmen der Recherche 660
Elfenbeinartikel gefunden, bei denen ein internationaler Versand angeboten wurde.


Fazit:
eBay ist der dominierende Online-Marktplatz für Wildtierprodukte. Dies bedeutet
aber auch, dass eBay einer der einflussreichsten Player in Sachen Wildtier- und
Tierschutz im öffentlich zugänglichen Online-Handel ist. eBay könnte diesen
Bereich des Wildtierhandels effektiv kontrollieren und eindämmen - unabhängig
von Politik und nationalen Regierungen.

eBay profitiert von den Einnahmen durch den Wildtierhandel auf seinen Seiten
und scheint nicht darauf verzichten zu wollen, obwohl diese nur relativ gering im
Vergleich zu den Gesamteinnahmen des Unternehmens sind. (eBay Inc. berichtet
von einem Jahresergebnis von 348.251.000 US-Dollar im Jahre 2007)
eBay´s Gewinn auf den sechs zu eBay gehörenden Plattformen beläuft sich
innerhalb der sechs Untersuchungswochen nach unseren Schätzungen auf ca.
20.000 US-Dollar (einschl. Gebühren und Erlös aus Kommissionen). Somit würde
ein kompletter Verzicht auf den Handel mit Wildtierprodukten keinen
schwerwiegenden finanziellen Verlust für das Unternehmen bedeuten, würde aber
eBay hervorragend dazu verhelfen, seinem Anspruch „act with environmental
intelligence” (mit Umweltbewusstsein handeln) gerecht zu werden.

In vielen Ländern hat eBay im Vergleich zu anderen Online-Markt Anbietern
fortschrittliche Richtlinien, was die Regulierung des Handels mit Wildtieren bzw.
deren Produkten angeht (Bsp. Verbot des Handels mit lebenden Tieren,
internationales Elfenbeinhandelsverbot, explizite Erwähnung von Elfenbein als
Produkt mit Handelseinschränkungen). Die Umsetzung und Kontrolle der
jeweiligen Richtlinien variieren allerdings stark von Land zu Land – und lassen zum
Teil noch schwerwiegende Missstände erkennen!

Beispiele aus einzelnen Ländern
Die USA sind mit Abstand der traurige Spitzenreiter in Sachen Wildtierhandel im
Internet. Bei 28 untersuchten Web-Seiten wurden 5.026 entsprechende Angebote
gefunden, mit einem angegebenen Gesamtwert von knapp zwei Millionen USDollar.
Am häufigsten waren Angebote mit Elefanten-Elfenbein (3.921), gefolgt
von exotischen Wildvögeln (1.025).

Von den insgesamt 5.026 Angeboten entfallen auf die Seiten von eBay USA 3.690
Angebote, davon bezogen sich 3.670 auf Elfenbeinprodukte. Die meisten davon
erfüllten nicht die eBay-eigenen Vorschriften. Auffallend sind außerdem identische
Doppellistungen („cross-postings”) bei eBay USA und eBay Kanada und einige
Angebote für einen internationalen Versand.

Dieses Ergebnis verdeutlicht, dass offensichtlich eine effektive Kontrolle des
Elfenbeinhandels bei eBay USA nicht gegeben und daher ein vollständiges
Handelsverbot dieser Produkte dringend notwendig ist.

In Großbritannien wurden im Rahmen der Recherche die Seiten von 22 Online-
Marktanbietern untersucht und 551 Wildtier-Angebote gefunden. Bei eBay.co.uk
wurden 289 Angeboten dokumentiert. Auch hier tauchen am häufigsten Elfenbein
und exotische Wildvögel auf.

Von den in Deutschland 151 dokumentierten Wildtier-Angeboten waren 39 auf
den Seiten von eBay.de zu finden.
Davon enthielten 23 (59 Prozent) entsprechende Dokumente, wie beispielsweise eingescannte CITES-Genehmigungen für die
potentiellen Käufer. Die Verkäufer auf den Seiten von eBay DE dokumentieren
demnach die Legalität ihrer Angebote deutlich besser bzw. korrekter, als im
internationalen Vergleich. Zurückzuführen ist diese erfreuliche Bilanz auf
konsequente Maßnahmen seitens eBay Deutschland, die gemeinsam mit dem
IFAW erarbeitet wurden. Der Forderung nach einem absoluten Elfenbeinverbot
kam eBay Deutschland zwar nicht nach, man einigte sich jedoch darauf, dass jedem
Angebot ein eindeutiger Nachweis der Legalität beigefügt werden muss. Das führte
zu einem massiven Rückgang fragwürdiger Angebote.

Empfehlungen und Forderungen
Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass das Internet ein beliebtes und
rege genutztes Forum für den Handel mit Wildtierprodukten darstellt. Es gibt
zahlreiche Belege dafür, dass ein erschreckend hoher Anteil dieser Angebote illegal
ist und bestehende Artenschutzbestimmungen ignoriert bzw. umgangen werden.
Daher appelliert der IFAW eindringlich an alle Beteiligten wie CITES,
Regierungen, die Anbieter virtueller Marktplätze sowie die Nutzer (Verkäufer und
Käufer), schnellstmöglich die notwendigen Schritte zu unternehmen, um den
Wildtierhandel im Internet einzudämmen und illegale Machenschaften zu stoppen.
Dies beinhaltet folgende Maßnahmen:

o Erlass von wirkungsvollen nationalen Gesetzen zum Online-Handel
mit Wildtieren und deren Produkten. Auch auf den virtuellen Marktplätzen
müssen die geltenden Schutzbestimmungen für gefährdete Arten
umgesetzt werden.
o Einführung und Umsetzung von effektiven Kontrollen und einem
konsequenten Vollzug.
o Verstärkte öffentliche Aufklärung.
o Entwicklung neuer Maßnahmen, um den Online-Handel mit bedrohten
Wildtieren zu kontrollieren und einzudämmen.

Eine bessere Welt für Mensch und Tiere

Der Internationale Tierschutz-Fonds engagiert sich dafür, die Situation von Wildund
Haustieren in der ganzen Welt zu verbessern. Wir schützen Lebensräume von
Wildtieren, helfen Tieren in Not und treten dafür ein, dass die kommerzielle
Ausbeutung von Tieren zurückgeht. Der IFAW will erreichen, dass die
Öffentlichkeit Grausamkeiten gegenüber Tieren nicht mehr zulässt. Wir streben
einen Tier- und Naturschutz an, der dem Wohl von Tieren und Menschen
gleichermaßen dient.

Für weitere Informationen, Foto- und Filmmaterial:
Dörte von der Reith, Pressestelle IFAW
Tel. 040-866 500 33, Mobil: 0160-90486493, E-mail: dreith@ifaw.org

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