Free counter and web stats

20.01.2009

Vegan im Knast

Vegan im Knast

In England meist kein Problem dank Jo-Ann Brown und der „Vegan Prisoners Support Group“
Bananen mit Erdnussbutter-Füllung zum Frühstück, Satay-Tofu zum Mittag, ein Risotto-Gericht mit veganem Käse zum Abendessen, dazu hausgemachte Bananen-Eiscreme sowie Himbeer- und Schokokuchen. Alles vegan versteht sich. Das ist nicht etwa der Speiseplan eines noblen Restaurants in der englischen Veganer-Hochburg Brighton, sondern so etwas bekommen vegane Sträflinge im Gefängnis Rochester/Cookham Wood. Stuart Head, der Catering-Manager dieser Haftanstalt, wurde 2005 mit einem Preis der Veganen Gesellschaft (Vegan Society) und der Unterstützungsgruppe für vegane Gefangene (Vegan Prisoners Support Group/VPSG) ausgezeichnet.

Kampagne für Gleichberechtigung

Einen wesentlichen Anteil daran, dass es veganen Häftlingen in Großbritannien meistens kaum an etwas mangelt, hat Jo-Ann Brown. Die heute 61-Jährige gründete vor zwölf Jahren die VPSG und leistet seitdem mit beispiellosem Engagement Hilfe für eingesperrte vegane TierrechtlerInnen. „Wir führen eine Kampagne mit dem Ziel, dass vegane Gefangene nicht benachteiligt werden und ihre Rechte und Bedürfnisse berücksichtigt werden.“

Ihr Büro hat Jo-Ann Brown in ihrem kleinen, knallgelb gestrichenen Reihenhaus in Enfield, nördlich von London. Hier bekommt man als Besucher zunächst auf freundlich englische Art einen Rooibos-Tee angeboten, während aus dem Katzenkorb keine Katze, sondern eine 14-jährige Henne argwöhnisch herauslugt. „Natürlich haben unsere Hühner auch einen Stall im Garten“, sagt Jo-Ann, „der ist im Winter sogar beheizt, aber hier in der Wohnung ist natürlich alles viel aufregender.“

Wenn Jo-Ann Berichte hört, wie VeganerInnen in anderen Ländern behandelt werden, kann sie es kaum fassen. Peter Young etwa (vgl. Interview S. 6) wurde in den USA in Isolationshaft gesteckt, weil er sich weigerte, Lederschuhe zu tragen. Auch in deutschen Gefängnissen haben es vegan lebende Menschen schwer. „Da kann ja jeder kommen“, sagte ein Gefängnissprecher im Ruhrgebiet noch vor zwei Jahren auf Forderungen nach veganer Verpflegung für einen Häftling. „Der nächste behauptet, er könne aus religiösen Gründen nur Kaviar essen“, begründete er seine Hier-wird-gegessen-was-auf-den-Tisch-kommt-Philosophie. „So etwas würde sich in England niemand mehr erlauben. Das sind Methoden aus den 80-er Jahren“, ist Jo-Ann überzeugt. „Der hätte hier sofort ein Disziplinarverfahren am Hals.“

Stundenlange Telefonate


Begonnen hat für Jo-Ann alles, als sie 1994 die Hündin von John Curtin, die auf den männlichen Namen Spike hörte, während dessen Haftstrafe versorgte. Keith Mann rang ihr das Versprechen ab, im Notfall auch für andere Gefangene die Unterstützung zu organisieren. „Ich sagte zu. Nur wenige Wochen später saß Keith selbst im Knast und da ging es richtig los“, erzählt Jo-Ann. Ihre wichtigste Aufgabe bestand darin, den Gefängnissen zu erklären, was VeganerInnen essen, welche Kleidung sie tragen, welche Kosmetik sie verwenden können. Stundenlang telefonierten Jo-Ann und ihre HelferInnen mit Großküchen und Anstalts-Verwaltungen. Schnell wurde die VPSG zum Ansprechpartner, nicht nur für die veganen Gefangenen, sondern auch für die Gefängnisbetreiber und die Presse. Natürlich macht Jo-Ann bis heute auch negative Erfahrungen in ihren Gesprächen mit Polizei oder Gefängnis-Personal. Sie selbst bleibt dabei aber immer freundlich. „Wenn mich jemand abwimmeln will, komme ich ihm mit den drei Zauber-Worten: Minderheiten-Gruppe, Benachteiligung und Gleichberechtigung. Das wirkt eigentlich immer.“

Im regelmäßig erscheinenden Newsletter der VPSG schreiben Gefangene und ehemalige Gefangene über ihre Zeit im Gefängnis und ihre Erfahrungen mit der Unterstützung durch die VPSG. Alle sind sich einig, dass ihnen die Hilfe dieser Organisation die wichtigste während ihrer Haftstrafe war.

Flächendeckend vegane Kosmetik

Als einen ihrer größten Erfolge sieht Jo-Ann an, dass mittlerweile in allen staatlichen Gefängnis-Shops Großbritanniens ausschließlich vegane Basis-Kosmetik (Shampoo, Seife etc.) angeboten wird, also nicht nur für VeganerInnen, sondern für alle Gefangenen. Die Richtlinien-Tabellen der VPSG über Inhaltsstoffe und Nährwerte gelten in diesen Anstalten als Standard-Literatur. Sehr viel mehr zu tun gibt es aktuell im Bereich der privaten Gefängnisse. Jo-Ann entrüstet: „Heather Nicholson, die in einem privat betriebenen Gefängnis sitzt, hat am 30. Januar zum Geburtstag ein Käsebrötchen vorgesetzt bekommen – und das nach drei Monaten Briefwechsel mit uns.“ Einen weiteren Schwerpunkt legt sie zurzeit in die Information von Polizei-Stationen, in deren Zellen auch vegane Gefangene direkt nach ihrer Festnahme kurzzeitig untergebracht werden.


Da die Arbeit immer mehr wird, hofft Jo Ann, dass ihr in Zukunft mehr Leute im Büro unter die Arme greifen. Außerdem wünscht sie sich, dass es auch in anderen Ländern zur Bildung von Unterstützungsgruppen kommt. Diese könnten von den Erfahrungen der englischen VPSG profitieren. „Auch ihr in Deutschland solltet euch dazu Gedanken machen, denn schon morgen können TierrechtlerInnen auch dort mit dem Gefängnis konfrontiert sein.“

Wolfgang Siebert


Die VPSG unterhält zwei unterschiedliche Internet-Webseiten mit aktuellen Informationen für Interessierte, die Gefangene unterstützen wollen, und Verhaltenstipps bei Verhaftungen (www.vpsg.org) sowie für Haftanstalten, die Informationen zum Thema suchen (www.vpsg.info).

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen




Shop Kontakt Newsletter Linkliste Tierfreunde Nord Forum/Community -Tierheim ! Literatur-Tipps Himmlisch-gut.de Tiertafel Global 2000: Die Gebirge Europas + Das Mittelmeerbecken + Die Seen des grossen afrikanischen Grabenbruchs + Die Akaziensavanne Ostafrikas + Das Kongobecken + Die Kappellen + Die Wälder Madagaskars + Die Regenwälder der Malediven, Lakkadiven und Chagos-Inseln + Die Savannen und Grasländer des Terai-Duar + Die Wälder der Sundarbans + Die Sumpfwälder Borneos + Die Daurische Steppe + Die Sibirische Taiga + Das Bering-Meer + Die Wüste im Nordwesten Australiens + Das Great Barrier Reef + Die Wälder Neukaledoniens + Die Wälder der Haweii-Inseln + Die Osterinseln + Die Galapagos-Inseln + Die Prärien Nordamerikas + Die Chihuahua-Wüste + Die grossen Antillen: Kuba + Die Los-Llanos-Savanne in Kolumbien und Venezuela + Das Amazunasbecken + Die Patagonische Steppe + Die antarktische Halbinsel und das Wedell-Meer