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20.01.2009

Verräterische Sprache

Verräterische Sprache

Tiere sind in unserem täglichen Reden allgegenwärtig. Es finden sich zahlreiche Vergleiche und Metaphern aus der Tierwelt, die bestimmte einseitige Sichtweisen und Vorurteile gegenüber Tieren transportieren: Zum Beispiel „Rabenmutter“, „Angsthase“, „Dreckspatz“, „diebische Elster“, „falsche Schlange“.

Wir bewerten das Verhalten der Tiere nach unseren menschlichen Maßstäben und schreiben unsere Einschätzung in unserer Sprache fest. Das verstellt den vorurteilsfreien Blick auf die Tiere und kann zu ihrer Dämonisierung beitragen. So malt die Bezeichnung „Raubtiere“ für Tiere, die andere Tiere jagen und „fressen“ das Bild vom „bösen“ Tier – vom „Raubmenschen“ hingegen spricht niemand, obwohl der Mensch, der im Gegensatz zum Tier andere Möglichkeiten zur Ernährung und Lebensgestaltung hat, der Flora und Fauna der Erde mehr Schaden zufügt als jedes Tier.

In unserer Sprache finden sich auch vereinzelt Redewendungen, die von einer gewissen Bewunderung für die einigen wenigen Tieren zugeschriebenen Eigenschaften zeugen, wie z.B. „ein schlauer Fuchs“, „bärenstärk“, „Löwenmut“. Jedoch werden auch hier Tiere auf Stereotype festgelegt, was einem vorurteilsfreien Verhältnis des Menschen zum Tier nicht unbedingt förderlich ist.

Unsere Sprache verrät uns. Sie ist geprägt von dem gespaltenen Verhältnis des Menschen zu den Tieren. Schimpfwörter wie „blöde Kuh“, „dumme Gans“ etc. gehen uns sehr leicht über die Lippen. Die Tiere werden sehr häufig mit dem Bösen und Gemeinen gleichgesetzt.

Abwertung beginnt mit der Sprache. Schon die Gegenüberstellung von „human“ und „bestialisch“ (lateinisch bestia = das Tier) zeigt, wer die Guten und wer die Bösen sein sollen. Niedere Instinkte gelten als “animalisch“. Sinn dieser Abwertung scheint die Abgrenzung zu sein. Wesen, die nicht sind wie wir, denen müssen wir kein Mitleid entgegenbringen.

Besonders auffällig ist diese Abgrenzung in der verhüllenden Jägersprache, aber auch in anderen auf Tiere bezogenen Ausdrücken: Tiere essen nicht, sie fressen; sie trinken nicht, sie saufen; sie gebären nicht, sie werfen; sie sterben nicht, sie verenden. Sie werden als „Nutz“tiere, „Pelz“tiere, Forschungsmodelle angesehen und nicht als atmende/beseelte Wesen (das ist die Grundbedeutung des Wortes „Tier“). Wenn die Tötung von Tieren als „Nahrungsmittelproduktion“, „Arzneimittelprüfung“ oder „In-vivo-Tests“ bezeichnet wird, wird die Individualität und Vitalität der Tiere ausgeblendet. Die sprachliche Vernichtung geht dem Töten voraus.

Dabei sind es nicht nur die Tiere, die durch die Sprache entwürdigt werden. Für Frauen, Juden und Nichtweiße trifft dies gleichermaßen zu, wobei bezeichnenderweise auch für sie oft Tierbezeichnungen benutzt werden („alte Schnepfe“, „Judensau“, „Niggersau“). Es fällt auf, dass die Schweine die größten Opfer einer überheblichen und abwertenden Wortwahl sind. Die Verachtung der Schweine ist tief im menschlichen Bewusstsein verankert. „Auch deshalb konnte, als die Juden in Deutschland zu ‚Judensäuen’ gemacht worden waren, das skrupellose Morden beginnen“, meint die Tierrechtlerin Christa Blanke. Sprache bereitet den Weg für die Vernichtung.

Zugegebenermaßen dürfte es nicht leicht sein, auf sämtliche tierfeindlichen Redensarten zu verzichten, sind sie doch eher unbewusst und wie selbstverständlich in unserem Wortschatz verankert. Dennoch sollten wir auf unsere Sprache – und auf die anderer – achten, denn sie prägt unser Bewusstsein und damit auch unser Handeln.


Angela Schiefer

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