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24.01.2009

Vögel: In der Wildnis gefangen oder in Gefangenschaft gezüchtet

Vögel: In der Wildnis gefangen oder in Gefangenschaft gezüchtet
Stand: Januar 2008



Prof. Irene Pepperberg brachte Alex, ihren Graupapagei, der bereits gelernt hatte, viele Wörter und sogar Sätze in korrektem Zusammenhang zu benutzen, wegen einer Lungenoperation zu einer Tierklinik. Als sie ohne ihn weggehen wollte, rief er ihr nach: "Komm her. Ich liebe Dich. Es tut mir leid. Ich möchte heim." Er dachte, er hätte irgendetwas verkehrt gemacht und würde deswegen dort zurückgelassen.

Da Vögel nur selten ihrer Intelligenz und ihren Gefühlen gegen über Menschen so deutlich Ausdruck verleihen können, wie Alex es kann, leiden sie in Menschenhand meist ganz furchtbar. Die Natur eines Vogels besteht darin, zu fliegen und mit Artgenossen in einer natürlichen Umgebung zusammen zu sein. Sperrt man sie ein, führt dies bei Vögeln zu Übellaunigkeit und Gefühlsschwankungen. Vögel können auch boshaft und äußerst destruktiv sein. Sie zerpflücken manchmal Teppiche, als wollten sie sich bis China durchgraben, zerstören elektrische Kabel und Telefonleitungen und auch alles andere in einer Wohnung. Aber es ist nicht die Schuld der Vögel, dass sie so "schlechte" tierische Mitbewohner sind.

Sie zu "bestrafen", verstärkt nur noch ihre Frustration und macht sie noch widerspenstiger. Jeder, der bereits einen oder mehrere Vögel hat, muss lernen, was es braucht, um Vögel zufriedener und somit ruhiger zu machen. Wir gehen im nachfolgenden näher darauf ein.


Zucht für Profit

Genauso wie es "Zuchtfabriken" für Hundewelpen gibt, gibt es sie für Vögel. Dort werden oft Hunderte oder gar Tausende von Vögeln gehalten, damit sie Nachwuchs produzieren.

Für den "Züchter" ist der Vogel eine "Ware", die mit einem "Ehepartner" zusammengetan wird, um sich zu reproduzieren; daher wird so ein Vogel auch selten - wenn überhaupt jemals - aus seiner Nistbox herausgenommen. Vögel müssen nicht in einer gesunden, hygienischen Umgebung gehalten und mit qualitativ hochwertigem Futter ernährt werden, um Eier zu legen, denn diese werden ihnen ohnehin weggenommen und in einem Inkubator ausgebrütet, und die Babies erhalten dann handgefüttert eine Spezialnahrung. Außerdem ist das Entfernen des Eis für das Muttertier Anlass, wieder ein Ei zu legen, und wieder eins, und wieder eins........was unter Umständen sehr gesundheitsschädlich für sie sein kann.

Selbst in Unternehmen, die sich weniger am Profit orientieren, müssen die meisten Vögel ihr Dasein in winzigen Käfigen fristen, in einer beängstigenden Geräuschkulisse, die von den vielen anderen Vögeln ausgeht, die ihnen überhaupt nicht vertraut sind.

Ein Vogel, der seinen Partner oder seine Partnerin nicht selbst aussuchen kann, kann depressiv werden, insbesondere dann, wenn er oder sie von dem früheren Partner getrennt wurde. Vögel, die in Gefangenschaft gehalten werden, werden oft dazu gezwungen, mehrere Partner zu haben, und da die meisten Nistboxen keine Fluchtmöglichkeit bieten, werden manche Weibchen, die nicht paarungswillig sind, von Männchen verletzt oder sogar getötet.


Versklavt und gestresst

In freier Wildbahn sind diese wundervollen Wesen niemals alleine, und wenn sie nur einen Moment lang getrennt werden, rufen sie schon ganz aufgebracht nach den Mitgliedern ihres Schwarmes. Gruppenorientiert, wie sie sind, betreiben sie gegenseitig Gefiederpflege, fliegen zusammen, spielen und teilen sich die Arbeit beim Ausbrüten der Eier. Viele Vogelarten bleiben ihrem Partner ein Leben lang treu und teilen sich die elterlichen Pflichten. Die meisten Vögel nehmen sich in Freiheit keinen zweiten Partner, falls sie den ersten verlieren.

Bitte machen Sie sich klar, dass es so etwas wie "Käfigvögel" nicht gibt. Alle Vögel sind entweder in freier Wildbahn gefangen oder in Gefangenschaft gezüchtet worden. Kein Vogel jedoch wurde geboren, um in einem Käfig sein Leben zu fristen.

Sowohl mit der Hand aufgezogene als auch in Wildnis gefangene Vögel werden oft neurotisch, rupfen sich die Federn aus und verstümmeln sich selbst, manchmal bis an die Grenze des eigenen Todes. Wenn sie paarungsbereit sind, rupfen sich manche Vögel von natur aus Federn aus, um so den Nestbau und das Eierbrüten vorzubereiten. Mischen sich Menschen jedoch in ihre natürlichen Verhaltensweisen ein und unterbrechen ihre biologischen und instinktiven Lebensrhythmen, indem sie die Vögel in Gefangenschaft halten, dann wird das Federnrupfen zu einem destruktiven, stereotypen Zwang.

Stress ist eine alltägliche Erfahrung von in Gefangenschaft lebenden Vögeln, denn sie sind eben keine domestizierten Tiere wie z.B. Hunde und Katzen. Von Hand aufgezogene Vögel sehnen sich nach Zuneigung und Partnerschaft und wollen ihre menschlichen Gefährten oft gar nicht aus den Augen lassen. Sie verstehen die Trennung nicht, wenn Sie zur Arbeit müssen, oder was noch schlimmer ist, wenn Sie in den Urlaub fahren. Vögel können wegen eines gebrochenen Herzens schmachten, trauern und sogar sterben.

Vögel, die aus der Wildnis importiert wurden, sind oft völlig verängstigt und schnell übermäßig erregt. Ein Mensch, der von einem Vogel einmal gepickt wurde, mag ihn womöglich gar nicht mehr in die Hand nehmen und verurteilt ihn somit zu einer lebenslangen Käfig-Einzelhaft.


Vögel brauchen einander

Wenn Sie bereits Vögel besitzen oder Leute kennen, die welche haben, dann bedenken Sie bitte folgendes: Gibt es die Möglichkeit, das Tier in eine große Innen/AußenVoliere zu Artgenossen zu entlassen? Prüfen Sie Klima, Partnerschaften, Gelegenheiten für die Vögel, sich zurückzuziehen, und andere Notwendigkeiten.

Das Eingehen von Partnerschaften sollte den Vögeln ermöglicht werden, jedoch ohne das Hervorbringen von Nachwuchs: die Eier sollten ausgeleert werden, indem man sie durch ein kleines Loch aussaugt, oder es sollten keine Nistboxen vorhanden sein. Keine der beiden Lösungen ist optimal, aber die Vögel leben schließlich nicht unter natürlichen Bedingungen und Nachwuchs muss verhindert werden.

Falls Sie keine Voliere bauen können, schenken Sie den Vogel jemandem, der bereits Vögel der gleichen Spezies besitzt, ihnen die Möglichkeit für freien Flug gewährt und die Tiere nicht mehr voneinander trennen wird, sobald sie sich eingewöhnt haben.

Falls Sie den Vogel behalten, suchen Sie einen zweiten Vogel der gleichen Spezies, aber kaufen Sie UNTER KEINEN UMSTÄNDEN einen in einer Zoohandlung oder von einem Züchter. Oft wollen sich Leute keinen weiteren Vogel mehr dazukaufen, weil Sie glauben, der erste würde ihnen dann nicht mehr genug Aufmerksamkeit schenken. Dies ist wohl gut möglich, allerdings sehr egoistisch. Wenn der Vogel gegenüber seinen menschlichen Freunden weniger Aufmerksamkeit zeigt, bedeutet es doch lediglich, wie sehr er oder sie sich nach der Aufmerksamkeit eines Artgenossen sehnt. Also geben Sie sich einen Ruck! Fragen Sie bei Tierheimen oder Tierrechtsgruppen nach oder suchen Sie unter den Zeitungsanzeigen oder bei Pflegeplätzen, denn Vögel überleben oft ihre menschlichen Lebenspartner.

Stecken Sie nicht einen großen Vogel wie einen Ara mit einem so kleinen Vogel wie einem australischen Papagei zusammen, denn das kann auf den kleineren Vogel äußerst beängstigend wirken. Auch kann es passieren, dass Spezies von unterschiedlichen Kontinenten niemals miteinander auskommen werden oder einer Krankheiten auf den anderen überträgt, gegen die dieser nicht immun ist.

Bevor Sie einen neuen Vogel mit anderen Vögeln zusammenbringen, lassen Sie ihn bei einem Tierarzt gründlich untersuchen. Ist der Neuankömmling in guter gesundheitlicher Verfassung, dann stellen Sie seinen Käfig in die Voliere der anderen Vögel, damit die Tiere miteinander Blickkontakt haben. Beobachten Sie, wie sie sich untereinander verhalten. Verhalten sie sich freundlich zueinander, können Sie den kleinen Käfig nach etwa zwei Tagen öffnen und dem neuen Tier damit Möglichkeit geben, herauszukommen, sobald es dies möchte; belassen Sie den kleinen Käfig noch solange in der Voliere, wie der Neuankömmling ihn als Zufluchtsstätte nutzen möchte, und entfernen Sie ihn erst, wenn er überhaupt nicht mehr benutzt wird.

Sammeln Sie so viele Informationen wie möglich über die Vogelarten, die Sie besitzen, auch darüber, wie sie in freier Natur leben. Es kann einen Baumbewohner z.B. sehr ängstigen, auf den Boden gesetzt zu werden oder in einem Käfig leben zu müssen, der nahe am Boden steht.


Fliegen

Lassen Sie die Vögel viele Stunden am Tag - und zwar jeden Tag - fliegen. Die Tiere sollten soviel Zeit wie nur irgend möglich frei fliegend verbringen. Bauen Sie Ihren Balkon oder Ihre Veranda zu einer Freiflugvoliere um oder bauen Sie eine Schönwetter- Voliere in Ihrem Garten. Es gibt noch die Alternative, einen Raum oder mehrere Räume "vogelsicher" zu gestalten, mit einer "Sportanlage" oder einem Baum zum Üben.

Einige Vögel haben gelernt, die Sicherheit eines Käfigs bei Nacht aufzusuchen. Stellen Sie Ihren Vögeln daher einen abgedeckten Käfig oder etwas ähnlich Geeignetes zur Verfügung, wo Sie auf Wunsch jederzeit Unterschlupf finden und auch wieder herausfliegen können.


Gifte und andere Gefahrenquellen

Schneiden Sie die Flügelfedern Ihrer Vögel niemals, sondern gönnen Sie ihnen die Freude am Fliegen.

Entfernen Sie Gefahrenquellen wie Deckenventilatoren, Töpfe mit Wasser, offene Kloschüsseln, Plätze, an denen sich Vögel einklemmen können, gespritzte Gemüse, Elektroleitungen, große Glasfenster und Spiegel, etc.

Teflon ist, wenn es überhitzt wird, für Vögel tödlich. Benutzen Sie es daher nicht in der Nähe von Vögeln.

Blei in Schreibstiften kann, wenn es verzehrt wird, ebenfalls tödlich für Vögel sein.

Schokolade, Avocados und Petersilie sind einige der Lebensmittel, von denen man vermutet, sie seien für Vögel gefährlich.

Gehen Sie sicher, dass keine der in Ihrer Wohnung beherbergten Pflanzen für die von Ihnen gehaltene Vogelspezies giftig ist.

Verwenden Sie umweltverträgliche Produkte und keine scharfen Reinigungsmittel, Sprays, künstliche Lufterfrischer oder Insektizide.


Futter und Wasser

Wechseln Sie das Wasser Ihres Vogels zweimal täglich. Bringen Sie die Futter- und Wasserbehälter oberhalb der Sitzstangen an, also hoch genug, damit sie nicht von den Vogelexkrementen verschmutzt werden.

Kaufen Sie Ihr Vogelfutter und Ihren sonstigen Bedarf nicht von solchen Zoohandlungen, die auch Vögel verkaufen, denn damit unterstützen Sie den Vogelhandel. Frischfutter ist praktisch überall in Supermärkten oder Naturkostläden erhältlich.

Bieten Sie den Vögeln eine Vielfalt an Früchten und Gemüse zusammen mit Körnern, gekochten Bohnen und Saaten an. Naturkostläden und manche Zoohandlungen bieten Bohnenmischungen an, die Sie kochen und für den weiteren Gebrauch einfrieren können. Lassen Sie das Futter niemals länger als ein paar Stunden stehen, denn Vögel sind sehr empfindlich, was bakterielle Infektionen angeht. Vögel verfügen über einen erstaunlich raschen Stoffwechsel und halten es nicht lange ohne Futter aus. Neues probieren Sie gar nicht gerne, und so muss man es ihnen immer wieder anbieten, bis sie es annehmen.

Eine Ernährungsweise, die ausschließlich auf Saaten basiert, ist nicht adäquat und kann zu Vitamin- und Mineralstoffmangel führen.

Und bedenken Sie, dass Erdnüsse Aflatoxin enthalten können, das für Vögel tödlich ist.

Ideal ist natürlich angebaute Nahrung. Solche Nahrungsmittel, die man auf dem Markt außerhalb der eigentlichen Saison antrifft, wie z.B. Trauben oder Melonen, können aus anderen Ländern stammen, wo die Verwendung von Pestiziden noch weniger reglementiert ist als bei uns. Solche Nahrungsmittel können während der Lagerung auch mit vielerlei Chemikalien besprüht, gewachst oder ausgeräuchert worden sein, um sie vor dem vorzeitigen Verderb zu bewahren.

Falls die Nahrung, die die Vögel gerne mögen, nicht erhältlich ist, ziehen Sie sie zu Hause selbst. Bei den meisten Bohnen und Saaten ist dies möglich, und selbst auf einem Balkon kann man grüne Gemüse und Kräuter selbst ziehen.


Sonstige Bedürfnisse

Ein privates Plätzchen, z.B. eine Wand, hinter der man sich zurückziehen kann, in dem Raum oder der Voliere, in der die Vögel fliegen.

Eine gemeinsame Zeit mit Ihnen, ganz speziell nur für den Vogel, jeden Tag.

Ein Bad oder Besprühen mit einem Zerstäuber, wann immer es die Vögel gerne mögen. Benutzen Sie dafür einen flachen Behälter oder ein Vogelbad mit lauwarmem Wasser. Einige Vögel mögen es auch, wenn sie mit einer Blumenspritze besprüht werden.

8 bis 12 Stunden Schlaf pro Nacht, am besten von der Abenddämmerung an, in seinem großen Flugkäfig, der mit einer Gardine rundum abgedunkelt werden kann, oder in einem abgedeckten Käfig.

Manche Vögel benötigen regelmäßig eine Nagel- und Schnabelpflege, damit keine Schwierigkeiten beim Essen auftreten; aber wenn man ihnen harte Spielsachen anbietet, erübrigt sich meist zumindest die Schnabelpflege.

Verwenden Sie verschiedene, vogelsichere Spielzeuge zum Kauen und Spielen, gerne auch Holz. Vergewissern Sie sich aber, dass das Holz nicht giftig ist. Äste von Apfelbäumen sind gut geeignet, sofern der Baum nicht gespritzt wurde. Firmen für Heimtierbedarf bieten geeignetes Holzspielzeug an. Aber haben Sie etwas Geduld, denn es kann Monate dauern, bis das Interesse für ein Spielzeug geweckt wurde.
Hygiene ist wichtig. Jeder Käfig sollte täglich ausgespritzt werden.
Die meisten Vögel mögen hin und wieder klassische Musik bei Tage.


Vögel als "Touristenattraktion"

Lehnen Sie es ab, in einem Hotel abzusteigen, in dem zu Dekorationszwecken Vögel mit zusammengebundenen Flügeln oder in kleinen Käfigen ausgestellt werden. Lassen Sie Ihr Reisebüro und auch den Hotelmanager deutlich wissen, dass Sie eine solche Tierquälerei nicht unterstützten werden.

Ein spezieller Dank geht an Dr. Lorin Lindner für die Bereitstellung von Informationsmaterial zur Erstellung dieses Infoblattes.

Sollten Sie jemanden kennen, der Vögel besitzt, lassen Sie ihm dieses Infoblatt zukommen.

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