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20.01.2009

„Wenn Laborwände durchsichtig wären…“

„Wenn Laborwände durchsichtig wären…“

Israelische Tierrechtsaktivisten kämpfen gegen
den Bau eines Tierversuchslabors von Susann Witt-Stahl, Tel-Aviv


Rund 15 Aktivisten des israelischen Tierrechtsnetzwerks Sogrot demonstrierten am 16. Mai vor dem Wohnsitz des Direktors des Tel-Aviv Jaffa Academic College, Nehemia Friedland, in Kfar Saba, einer Kleinstadt nördlich von Tel-Aviv. Mit Parolen wie „Nehemia Friedland eizo zviut – ata holekh lishon, khayot holkhot lamut! („Nehemia Friedland, was für ein Heuchler – Du gehst schlafen, während Tiere sterben!“) protestierten sie gegen den Bau eines Vivisektionslabors, das demnächst im Academic College eingerichtet werden soll – nach Angaben der Tageszeitung Haaretz das erste College in Israel, das ein eigenes Labor für Tierversuche unterhalten wird.

Kaum hatten die Sogrot-Aktivisten ihre Transparente („Wenn Laborwände durchsichtig wären, dann wäre die ganze Welt gegen Tierversuche“) ausgerollt, Lärminstrumente ausgepackt und angefangen, die Bewohner von Kfar Saba mit Sprechchören lautstark über Friedlands Laborprojekt und die Barbarei von Tierversuchen aufzuklären, rückte die Polizei mit mehreren Streifenwagen an. Die Beamten forderten die Demonstranten auf, abzuziehen. Die Tierrechtler weigerten sich jedoch und beriefen sich auf das Demonstrationsrecht, das in Israel ähnlich geregelt ist wie in Deutschland. Die Polizei stellte daraufhin die Personalien der Sogrot-Aktivisten fest und kündigte an, alle in Gewahrsam zu nehmen. Die Demonstranten zeigten sich jedoch unbeeindruckt von den Drohungen der Staatsgewalt, die an jenem Abend an Personalmangel litt, denn ein Großteil der verfügbaren Kräfte war zu anderen Einsätzen in Kfar Saba und Umgebung abberufen worden. Nach längeren Verhandlungen mit der Polizei konnten die Tierrechtler schließlich durchsetzten, dass sie ihre Protestaktion wie geplant zu Ende führen konnten.

Das Tierversuchslabor des Tel-Aviv Jaffa Academic College soll auf dem Campus im Untergeschoss des Instituts für Psychologie entstehen und von Dozenten und Studenten für Forschungsreihen im Bereich Psychobiologie genutzt werden. Laut Sogrot sollen hinter den Mauern des Instituts zukünftig bei Tieren Schocks und Traumata ausgelöst werden. Ihnen sollen Verbrennungen und andere schmerzhafte Verletzungen zugefügt, Tiere sollen vergiftet und dem Hungertod ausgesetzt werden. Bisher hat Sogrot mehr als 40 Aktionen gegen das Labor und die für seine Einrichtung Verantwortlichen organisiert. Mitglieder der israelischen ALF hatten sich solidarisiert und während nächtlicher Aktionen mehrmals „Mörder“ auf Friedlands Auto gesprüht. Der Direktor und weitere Mitglieder des College-Lehrkörpers haben inzwischen zivilrechtliche Verfahren gegen vier Sogrot-Aktivisten angestrengt. Der Tel-Aviv District Court soll anordnen, dass sich die Tierrechtler den Wohnsitzen der Wissenschaftler nicht weiter als bis zu einem Radius von einem halben Kilometer nähern dürfen. Der endgültige Ausgang des Rechtsstreits war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

In Israel sterben jährlich mehr als eine halbe Million Tiere in Versuchslaboratorien – meist einen langsamen qualvollen Tod.

Animal Liberation in Israel


Sogrot (hebr. „Schließen!“) ist eine Aktionsgruppe, die nach dem Vorbild von SHAC operiert und gezielt Kampagnen gegen einzelne Unternehmen und Institutionen organisiert, die Tiere ausbeuten. Dem Netzwerk gehören Aktivisten von Maavak Ehad (hebr. „Gemeinsamer Kampf“) an – eine Organisation, die in Europa unter dem Namen One Struggle bekannt geworden ist. Die Gruppe war 2002 von einer Hand voll anarchistischer Tierrechtsaktivisten ins Leben gerufen worden, die den Zusammenhang zwischen der Herrschaft des Menschen über die Natur und der Herrschaft des Menschen über den Menschen erkannt hatten und die Theorie und Praxis von Kämpfen für die Befreiung von Mensch und Tier miteinander verbinden wollten. „Unsere Unterdrückung, die Unterdrückung jedes Einzelnen von uns, gründet sich auf unseren Umgang mit nichtmenschlichen Tieren und der Natur, die uns umgibt“, heißt es in dem Selbstverständnis von One Struggle, „in unserem Verhältnis zu Geld und Waren, dem Arbeitsethos, zwischenmenschlichen Beziehungen, Geschlechterrollen, Religion, Tradition und nationaler Identität. Jede Haltung, die sich in unserem Leben nicht unmittelbar direkt und auf Befreiung konzentriert, ist notwendigerweise eine, die uns versklavt.“ Seit ihrer Gründung hat die Gruppe zahlreiche Aktionen gegen Unternehmen der Tierausbeutungsindustrie wie McDonald’s oder Proctor & Gamble durchgeführt.

One Struggle war und ist aber auch aktiv im Kampf gegen die israelische Besatzungspolitik und für einen gerechten Frieden zwischen Israelis und Palästinensern. So haben die Anarchisten, gemeinsam mit palästinensischen Friedensaktivisten, immer wieder Demonstrationen und spektakuläre Protestaktionen in den besetzten Gebieten organisiert. Nachdem die Israelische Defence Force (IDF) 2003 während einer direkten Aktion der Anarchisten gegen den „Sicherheitszaun“ – den die israelische Regierung entlang aber auch jenseits der Grünen Linie auf der Westbank errichtet hat – erstmals auch das Feuer auf israelische Juden eröffnet und einen Demonstranten angeschossen hatte, schlossen sich u.a. die Anti-Mauer-Aktivisten von One Struggle unter dem Namen Anarchists Against the Wall zusammen.

2001 hatten die Tierrechtsaktivisten und andere Anarchisten aus der israelischen Punk/Hardcore-Szene in der Innenstadt von Tel-Aviv das Informationszentrum Salon Mazal eröffnet. Der Infoladen ist der wichtigste Treffpunkt für Animal-Rights-, Antiokkupations- und Queer-Aktivisten des Nahen Ostens. Salon Mazal unterhält eine eigene Bibliothek, vertreibt DIY-Produkte, veranstaltet Ausstellungen, Workshops, Lesungen, Filmvorführungen, Diskussionsabende und betreibt mit der VeggieBar sogar einen eigenen veganen Imbiss. Seit einiger Zeit ist Salon Mazal in großen finanziellen Schwierigkeiten – sein Fortbestand ist ernsthaft bedroht und die Betreiber dringend auf Geldspenden angewiesen.


Kontakt:

Über Tierrechts-Aktion-Nord (TAN): tan@tierrechts-aktion-nord.de
oder direkt – in Englisch – schreiben an:
Sogrot: sogrot_il@yahoo.com
One Struggle: vegan_politics@yahoo.com
Salon Mazal: mazalsalon@yahoo.com


Spenden für Salon Mazal:
Tierrechts-Aktion-Nord (TAN)
HypoVereinsbank
BLZ 200 300 00
Kto-Nr. 360 34 38
Stichwort: Salon Mazal.

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