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20.01.2009

„Wer hier arbeitet, sollte ein Tierfreund sein“

„Wer hier arbeitet, sollte ein Tierfreund sein“

von Denise Kästner


Am 5. Oktober stehe ich wieder einmal vor dem Einfahrtstor zum Firmengelände des Tierversuchslabors Covance Laboratories in Münster. Diesmal jedoch nicht, um davor zu demonstrieren...

Covance öffnet heute seine Türen für Studenten der westfälischen Wilhelms-Universität. Am Tag davor gab es eine Vorbesprechung. Von der Uni heißt es, dass wir unsere Studentenausweise nicht vergessen sollen, „Die Leute von Covance möchten sich aus Sicherheitsgründen vergewissern, dass ihr alle Studenten seid...“. Professor Meinhardt weist darauf hin, dass wir keine Transparente ausrollen sollen. Wenn wir gegen Tierversuche seien, sind wir bei Covance an der falschen Adresse. Covance handele im Rahmen des Gesetzes, die Tierversuche seien vorgeschrieben.

Vor dem Labor geht der Dozent die Anwesenheitsliste durch und wir bekommen alle ein „Visitor“-Kärtchen, das wir uns an die Kleidung klemmen.

Dr. Wolfgang Müller, Leiter der Toxikologie und zweiter Geschäftsführer, begrüßt uns in einem Seminarraum. Mit Hilfe einer PowerPoint-Präsentation stellt er das Unternehmen vor.

Wer gegen Tierversuche sei, fragt er. Eine Studentin meldet sich. Auf die Frage „Warum?“, antwortet sie „Rein aus emotionalen Gründen.“ Dafür hat Dr. Müller Verständnis, doch auf die emotionalen Gründe werde er in der Präsentation weniger eingehen. Es folgen „Fakten“ zu Covance allgemein und insbesondere zu dem Münsteraner Labor.

Hier würden ausschließlich Versuche an Primaten durchgeführt. 90% der Tiere seien Javaneraffen. 40-50% der Kunden kämen aus den USA, hauptsächlich von der Westküste. Covance habe 35 Standorte in 18 Ländern und ca. 7.000 Mitarbeiter. Dann spitze ich meine Ohren.

Die knapp 200 Mitarbeiter hier in Münster durchliefen alle eine Testzeit, bevor sie fest eingestellt wurden. „Wer hier arbeitet, sollte ein Tierfreund sein.“, verkündet er. Es folgen Themen wie „Was macht Covance?“, „Was macht Covance in Münster?“, „Tierversuche mit Affen“, „Der Weg zum Medikament“ und gesetzliche Rahmenbedingungen werden vorgestellt. Gegen das von der EU geplante Reach-Projekt, einem Testprogramm, bei dem bis zu 30.000 Chemikalien, die bereits seit über 20 Jahren auf dem Markt sind, auf ihre Giftigkeit geprüft werden sollen, spricht sich auch Dr. Müller aus. (Kann Covance daran kein Geld verdienen?) Er geht noch auf den Ablauf einer Affenstudie und Covance's „Spezialgebiete“ ein.

Nun soll ein Rundgang folgen.
Frau Dr. Fuchs, Herr Niehaus und Herr Henkel werden vorgestellt.
Wir verlassen den Raum.
Die Studenten ziehen einen weißen Kittel über und teilen sich in drei Gruppen auf. Mein Gruppenleiter ist Michael Niehaus. Durch eine Fensterscheibe können wir kleine Weißbüscheläffchen in Einzelkäfigen sehen. Sie sind aufgeregt.

Dann besichtigen wir die „Freigehege“. Hier sollen sich die Javaneraffen, die aus Mauritius importiert wurden, von ihrer „Reise“ erholen und akklimatisieren. Sie haben etwas Stroh, Schaukeln und Plastikspielzeug – die Haltung erinnert an einen Zoo. Niemand übt Kritik.

Doch diese Tiere werden bald für Versuche in Einzelkäfige gesperrt. Sie wissen nicht, was sie erwartet. Ich weiß es auch nicht. Nur eines ist sicher – sie werden das Labor nicht lebend verlassen.

Einer der Affen streckt seine kleine Hand durch die Gitterstäbe.
Ich würde sie gerne berühren, traue mich aber nicht.
Sein Name ist eine Nummer – gut sichtbar auf seine Brust tätowiert.
Alle gehen weiter.

An Büros vorbei gelangen wir in verschiedene Laborräume der Pathologie. In einem hängt ein Bild, das die Maus und den Elefanten aus der berühmten Kindersendung zeigt. Der Elefant führt der Maus von hinten seinen Rüssel ein - „Da kommt die Maus!“.Welch niveauvoller Humor in einem Gebäude, in dem Affen umgebracht werden...

In einem anderen Laborraum stehen 50-100 Gläser gefüllt mit präparierte Affenföten. Per Kaiserschnitt wurden sie ihren Müttern aus dem Körper geschnitten. Nach dem Eingriff wurden beide getötet und seziert. Einige haben verkrüppelte Ärmchen. Ein offensichtlicher Beweis dafür, dass das der Mutter verabreichte Mittel geburtsschädigende Auswirkungen hat.

Nach der Führung treffen wir uns alle wieder im Seminarraum. Es gibt Kuchen und verschiedene Getränke. Wie nett...

Während der Nachbesprechung erwähnt ein Student eine Demo von Tierversuchsgegnern in Warendorf. Ja, die sei gegen Dr. Vogel, den ersten Geschäftsführer, gerichtet gewesen, wie auch einige sogenannte „Homedemos“. So eine habe Müller auch schon erlebt, durchgeführt von Tierrechtlern und er sage bewusst Tierrechtler - Tierschützer sei er selbst.

Auf die Undercover-Recherche, die vom Journalisten Friedrich Mülln 2003 im Münsteraner Labor durchgeführt wurde, kommt er auch zu sprechen. Er habe einen ganzen Abend damit verbracht den Beitrag immer wieder anzuschauen und nach dem 20sten Mal habe er dann den Ton weggelassen. Ihm sei aufgefallen, dass die Szenen falsch zusammengeschnitten worden seien und eine Szene, die vermuten ließe, dass ein Tierpfleger einen Affen schlüge, käme durch vorzeitiges Abblenden zustande. Als ich mich melde und sage, dass er den Film herunterspiele, und wenn man sich den Ton anhöre... fällt er mir ins Wort. Mit den verantwortlichen Mitarbeitern habe man Gespräche geführt.

Es folgen andere Diskussionen.

Professor Meinhardt bedankt sich vielmals – Dr. Müller bedankt sich auch.

„Wir sind in vielerlei Sicht die Besten.“, notiere ich mir noch, dann endet die Exkursion.

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