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20.01.2009

Wie weit geht die Freiheit der Kunst?

Wie weit geht die Freiheit der Kunst?

Prozess wegen Verdacht auf Beleidigung und fahrlässige Körperverletzung


Es wäre vollkommen kontraproduktiv, bei einer todernsten Angelegenheit wie Tierversuchen freiwillig Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen. Jeder, der auch nur einen Funken Verstand hat, muss das erkennen. So hatte sich die beschuldigte Aktionskünstlerin Heike Pauline Grauf, Initiatorin der Straßen- und Aktionstheatergruppe MAULAUF!, in einer Pressemitteilung im Jahr 2006 zum Vorwurf bzw. Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung bei einem Aktionstheaterstück gegen Tierversuche an der Universität Würzburg geäußert. Durch den dort verteilten Flyer fühlt sich Unipräsident Axel Haase beleidigt, seine Sekretärin erlitt durch den dramaturgischen Einsatz eines Megaphons laut Gutachten eine „subjektive Hörminderung“.

Die Zahlung einer Auflage hatten die MAULAUF!s nach reiflicher Überlegung ausgeschlagen. Sie fühlen sich unschuldig, ja, sehen sich selber als Ankläger, denn nach einhelliger Ansicht aller Tierrechts- und Tierschutzorganisationen verstoßen Tierversuche drastisch gegen den mittlerweile im Grundgesetz verankerten Tierschutz. Da die Mitbeschuldigte Esme Koslitz bei der Aktion gar nicht dabei war und nur wegen eines Ermittlungsfehlers auf der Anklagebank sitzt, erwartet sich ihr Anwalt Andreas Becker einen klaren Freispruch. Arnold Köpcke-Duttler, Graufs Anwalt, sieht aus verfassungsrechtlicher Sicht keine Rechtfertigung für eine Verurteilung wegen Beleidigung. Walter Gerner ist als einziger nicht durch einen Anwalt vertreten. Sabine M. Krämer war durch eine Anwältin vertreten.

Zur Vorgeschichte: Am Montag, den 23. Oktober 2006 hatte die Arbeitsgruppe Würzburg des Vereins „Menschen für Tierrechte Nürnberg e.V.“ ihre Kampagne gegen die Eröffnung des ZEMM (Zentrum für experimentelle, molekulare Medizin, also Tierversuchszentrum an der Uni Würzburg) am Hubland in Würzburg begonnen. In einer Solidarisierungsaktion hatte sich einen Tag später die Straßentheatergruppe „MAULAUF!“ mit Aktionstheater der besonderen Art dieser Kampagne angeschlossen: 2 Stunden jagten vier MAULAUF!-Mitglieder in Vivisektorenverkleidung mit Hase „Tolly“ und Megaphondurchsagen quer durch alle Vorlesungen und Foyers des Universitätsgebäudes am Sanderring nach dem ausgebrochenen „Versuchshaasen“ Axel Haase und verteilten dabei „Wanted: Haase for Draize-Test!“-Flyer. Der Draize-Test ist ein grausamer Tierversuch, der ohne Betäubung speziell an den besonders empfindsamen Augen von Kaninchen vorgenommen wird und in seinen Auswirkungen von schmerzhafter Verätzung bis zu völliger Erblindung führt.

Als die vier samt Hase „Tolly“ kurz davor waren, Haase dingfest zu machen, um ihn hautnah mit dem Draize-Test zu konfrontieren, wurden sie von seiner Sekretärin und dem nachfolgenden Hausrechtler (in Begleitung zweier starker Männer) davon abgehalten. Nach kurzer Diskussion verließ die Straßentheatergruppe auf Aufforderung das Haus, ohne dass die Polizei informiert wurde. Einen Monat später flatterte bei der Megaphonsprecherin und V.i.S.d.P.-Inhaberin des Flyers, Heike Pauline Grauf, eine Vorladung zu einer Anzeige wegen Beleidigung und fahrlässiger Körperverletzung ins Haus. Die Gruppe kam schwer ins Grübeln, bis eine Journalistin das Rätsel löste: Nach Beurteilung eines Arztes hatte die Einwirkung des Megaphons bei der Sekretärin von Unipräsident Axel Haase ein Lärmtrauma verursacht. Das Megaphon war am Abend vor der Anti-ZEMM-Aktion an einer erprobten Schauspielerin (MAULAUF!-Mitglied Esme Koslitz) in einem kleinen Innenraum getestet worden. Dabei hatte sich keine bedenkliche Wirkung gezeigt, weshalb die Gruppe MAULAUF! den unglücklichen Vorfall mehr als bedauert, jedoch jede Absicht oder auch nur Fahrlässigkeit bestreitet.

Heike Pauline Grauf

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