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20.01.2009

You don't support the ALF because why? /

You don't support the ALF because why? /
Warum unterstützt du nicht die ALF?

ein Essay von Prof. Steven Best

Im Dezember 2003 schrieb der amerikanische Philosoph Steven Best das äußerst ambitionierte und provokative Plädoyer „You don't support the ALF because why?“. Er stellt grundlegende Prinzipien von Direkten Aktionen der Animal Liberation Front (ALF) vor, begreift diese als Teil der Widerstandsbewegung gegen Tierausbeutung und Tiermord und vergleicht sie mit historischen Widerstands- und Befreiungskämpfen. Er ruft dazu auf, sich mit den Aktionen der „ethischen Sabotage“ zu solidarisieren.
Der Text wurde mit seinem Einverständnis exklusiv für die Tierbefreiung übersetzt und erschien in der Ausgabe 44, Juli 2004.


„Die Welt dreht sich weiter wegen derer, die sich dagegen wehren.“ (Goethe)

Ich unterstütze die Animal Liberation Front (ALF). Ich unterstütze Sachbeschädigung gegen die Industrien, die Tiere massakrieren und den Planeten vergewaltigen. Seit wann stehen Werkzeuge, die Tod und Zerstörung bringen, außerhalb der Reichweite legitimer Angriffe? Ich glaube nicht, dass Sachbeschädigung Gewalt ist, selbst wenn es so wäre: Gewalt ist in einigen Fällen gerechtfertigt und ich werde immer das kleinere Übel verteidigen.

Ursprung und Philosophie der ALF

„Wir sind eine gewaltfreie Guerilla-Organisation, die sich für die Befreiung der Tiere von jeder Art der Grausamkeit und Unterdrückung durch den Menschen einsetzt.“ (Ronnie Lee, ALF founder)

„Unsere erste Pflicht ist es, unseren Brüdern kein Leid zuzufügen. Aber das ist noch nicht genug. Wir haben eine höhere Mission – ihnen beizustehen, wann immer sie unserer Hilfe bedürfen.“ (Franz von Assisi)

Die ALF entstand in den 70er Jahren aus der Jagdsabotage-Bewegung in England. Aktivisten und Aktivistinnen kehrten legalen Aktionen der Jagdstörung den Rücken und wandten sich illegalen Aktionen der Jagdsabotage zu, als sie der Angriffe und Verhaftungen müde wurden. Sie suchten effektivere Aktionsformen. Eine Gruppe von Jagdsaboteuren, bekannt als die „Band of Mercy“, erweiterte ihren Aktionskreis auf andere Tierausbeutungs-Industrien, wie z. B. die Tierversuchsindustrie, und begann Brandanschläge als hocheffizientes Mittel der Sachbeschädigung einzusetzen. Zwei führende Aktivisten wurden 1974 verhaftet und nach einem Jahr Gefängnis wieder entlassen. Einer verließ die Bewegung, der andere, Ronnie Lee, vertiefte seine Überzeugung und gründete eine neue, ultra militante Gruppe, die Animal Liberation Front, die das Mittel „direkte Aktionen“ im Kampf gegen die Tierausbeuterindustrie für immer ändern sollte. 1980 entstand die ALF in den USA und heute ist sie eine internationale Bewegung in mehr als 20 verschiedenen Ländern.

Die ALF ist locker strukturiert in Gruppen einzelner Menschen, die sich im „Untergrund“ bewegen und Gesetze im Namen der Tiere übertreten. Sie brechen in Gefängnisse ein, um Tiere zu befreien, Gefängnisse, die euphemistisch auch „Versuchlaboratorien“ oder ähnlich genannt werden. Außerdem richten sie Sachbeschädigung an, um weitere Grausamkeiten an Tieren zu verhindern und dieser Industrie ökonomisch zu schaden.

Entgegen der Aussagen der Tierausbeuter-Industrie, des Staates und der Massenmedien, ist die ALF keine terroristische Vereinigung, sondern eher eine Gruppe von „Kontra-Terroristen“ und moderner Freiheitskämpfer. Am besten versteht man die ALF, indem man sie nicht mit Al Kaida oder Saddam Hussein vergleicht, sondern eher mit den Widerstandskämpfer der Nazi-Zeit oder der heutigen Friedens- und Gerechtigkeitsbewegung. Dadurch, dass tierärztliche Versorgung und ein neues Zuhause für viele der befreiten Tiere sicher gestellt werden (außer für Pelztiere, sie werden aus den Käfigen befreit und in die freie Wildbahn entlassen), könnte man die ALF mit der „U.S. Underground Railroad“ Bewegung vergleichen, die gefangenen Sklaven zur Flucht in „Freie Staaten“ der USA oder Kanada verholfen hat oder mit den Freiheitskämpfer während der Nazi-Zeit, die Kriegsgefangene und Holocaust-Opfer retteten und Geräte zerstörten, die Nazis benutzten, um ihre Opfer zu foltern und zu töten. Gleichwohl ähnelt die ALF vielen großen Freiheitskämpfer der letzten zwei Jahrhunderte, die sich für Frieden und Gerechtigkeit für alle Lebewesen einsetzten, die das Blutvergießen und die Gewalt beenden wollten.

In der heutigen Welt gibt es tatsächlich „wirkliche“ Terroristen und Terroristinnen, aber das sind die ALF-Aktivisten nicht . Die gefährlichsten und gewalttätigsten Kriminellen befinden sich in den Top-Positionen der US Unternehmen und Regierung. Sie sind die Hauptverantwortlichen für die Ausbeutung der Menschen, dem Massaker an Tieren und der Zerstörung des Planeten.

Das Märchen zweier Systeme:

„Macht gesteht dir nichts zu, ohne zu fordern. Es war nie so und wird nie so sein.“ Frederick Douglass

„Selbst die richtige Sache zu wählen, hilft ihr nicht weiter. Es drückt nur den schwachen Wunsch aus, es zu erhalten. Ein weiser Mensch überlässt die Gerechtigkeit nicht dem Zufall.“ Henry David Thoreau

Amerikanische Geschichte hat zwei politische Traditionen. Erstens das indirekte System der repräsentativen Demokratie, wo Bürger und Bürgerinnen ihre Wünsche äußern und entsprechend die Abgeordneten wählen, deren einzige Aufgabe es ist, sie in der Regierung und im System zu vertreten. Die vom System verabschiedeten Gesetze spiegeln dann die Meinung, die Interessen und den Willen der Bevölkerung wider. Dieses Cartoon-Image liberaler Demokratie, treu wiederholt in Generationen neuer Gesetzestexte, in langen Abhandlungen und Entschuldigungen, immer wieder in den Medien breit getreten, wird durch die Tatsache verfälscht, dass mächtige wirtschaftliche und politische Kräfte gewählter Volksvertreter kooperieren, um die Interessen der Mächtigen anstatt des Volkes zu vertreten.

Durch die Erkenntnis, dass der Staat kein neutraler „Schiedsrichter“ ist, sondern eher die Interessen der wirtschaftlich und politisch Mächtigen vertritt, dass pluralistische Demokratie das beste System ist, das man für Geld kaufen kann, entstand eine zweite politische Tradition, die „direkte Aktion“.

Fürsprecher direkter Aktionen argumentieren, dass das indirekte System der Demokratie unwiderruflich durch Geld, Macht, Vetternwirtschaft und Privilegien korrumpiert ist. Angelehnt an die Lehren der Vergangenheit, beharren „direkte“ Aktivisten, dass der Freiheitskampf nicht allein durch Bildung, moralische Überzeugungsarbeit, politische Kampagnen, Demonstrationen oder irgend eine andere Art legaler „aboveground“-Aktionen gewonnen werden kann. Statt also zu versuchen den Staat an sich zu beeinflussen, konzentrieren sich „direkte“ Aktionen auf die Konfrontation mit den Vertretern der sozialen Elite und den Unterdrückern selbst.

Aktionsformen sind sehr vielfältig: Sit-ins, Boykotte, Streiks, Email-, Fax- und Telefonproteste, Demonstrationen vor den Häusern und Wohnungen der Ausbeuter, „Hacking“ der Homepages bis hin zu Brandanschlägen. Direkte Aktionen können legal sein wie z. B. Demonstrationen vor Häusern und Wohnungen eines Experimentators oder illegal wie Aktionen des zivilen Ungehorsams, die Mohatma Gandhi und Dr. Martin Luther King Jr. gelehrt haben. Illegale direkte Aktionen können gewaltfrei oder gewaltsam sein, Privateigentum kann respektiert oder zerstört werden.

Wo indirekte Aktionen Passivität und Abhängigkeit von anderen nach sich ziehen können, tendieren direkte Aktionen eher zu mehr Einmischung und Aktionismus. Um es mit den Worten des Anarchisten des 19. Jahrhunderts Voltairine de Cleyre zu sagen: „Alles Vertrauen in indirekte Aktionen zu setzen ist viel schlimmer als die wenigen Ergebnisse, die sie bringen. Das Schlimme ist, dass es Initiative zerstört, individuelles Rebellionsdenken unterdrückt und Menschen lehrt, sich auf andere zu verlassen, die Sachen zu erledigen, die sie selbst erledigen sollten. Menschen müssen begreifen, dass ihre Macht nicht an der Wahlurne endet, sie haben die Macht, die Produktion zu stoppen.“

Jeder, der voreilig die Aktionen der ALF verurteilt, braucht eine Lektion in Geschichte und logischem Denken. Wie der Schriftsteller James Goodman aufzeigt: „Das ganze Gebäude westlicher, liberaler Demokratie – bei demokratischen Rechten angefangen – das repräsentative Parlament und die Meinungsfreiheit eingeschlossen, ist auf früheren Aktionen zivilen Ungehorsams aufgebaut. Die amerikanischen Anti-Kolonisten um 1770 stellten klar: keine Besteuerung ohne Repräsentation, die französische Revolution 1789 forderte Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, die englischen Chartists forderten zwischen 1837 und 1850 die „People's Charter“, die Suffragetten forderten ab 1903 das Wahlrecht für Frauen, die Bewegung um Gandhi kämpfte mit Mitteln des zivilen Ungehorsams 1920 für Selbstverwaltung – all dies waren Bewegungen des zivilen Ungehorsams und formten die politischen Traditionen, mit und in denen wir heute leben.“ Von der „Boston Tea Party“ zur „Underground Railroad“, von den Suffragetten zur Menschenrechtsbewegung, von der Anti-Vietnamkrieg-Bewegung bis zur Schlacht in Seattle – alles Schlüsselkämpfe und -bewegungen in der amerikanischen Geschichte, die das Mittel der direkten Aktionen eingesetzt haben, um für menschliche Rechte und Freiheit zu kämpfen.

Statt ein Bruch in irgendwelchen bukolischen1 Traditionen der Naturgesetze zu sein, die den Verstand von modernen Männern und Frauen zum Guten führen und Gerechtigkeit durch einen friedlichen und langsamen Nieselregen auf die Erde bringen, ist die zeitgenössische Bewegung für die Befreiung von Tier und Erde eine Fortsetzung der amerikanischen Tradition von Gerechtigkeit, Demokratie, zivilem Ungehorsam und direkten Aktionen, die den Kampf auf eine viel breitere Basis ausweiten.

Moralischer Fortschritt passiert nicht durch sanftes Anklopfen oder ethische Überzeugungsarbeit allein. Die Gesellschaft ist von Grund auf konservativ und Veränderungen werden entweder durch Korruption der Mächtigen oder durch Apathie der Machtlosen blockiert. Manchmal muss die Gesellschaft in die Zukunft gestoßen werden und Gerechtigkeit muss von den Vordenkern unserer Zeit an den Blockaden der Ignoranz und Gleichgültigkeit vorbei gezwängt werden. In diesem Rahmens sind direkte Aktionen und ziviler Ungehorsam die Katalysatoren für eine fortschrittliche Veränderung.

Ratio des Widerstandes

„Die Earth Liberation Front hat erkannt, dass das Motiv ‚Profit', welches durch die kapitalistische Gesellschaft verursacht und verstärkt wird, alles Leben auf diesem Planeten zerstört. Der einzige Weg, im Moment, die kontinuierliche Zerstörung von Leben aufzuhalten, ist, mit allen nötigen Mitteln den Profit aus dem Töten zu nehmen.“ (ELF HP)

„Philosophisch gesehen sind wir sehr gefährlich. Ein Teil der Gefahr ist, dass wir der Illusion, dass Besitz mehr wert ist als Leben, keinen Glauben schenken. Wir bringen diese wahnsinnige Priorität ans Licht und das wird das System nicht überleben können.“ (David Barbarash, früherer Sprecher der ALF)

Dr. Martin Luther King Jr. bezeichnete direkte Aktionen als die „wunderbare neue Militanz“ der Menschenrechtsbewegung in den USA. In seiner 1963 gefeierten Rede „I Have a Dream“ verurteilte er die „beruhigende Droge“ der kleinen Schritte und forderte sofortige, kraftvolle und gewaltlose direkte Aktionen. Mit dem so oft aufgedrücktem Stempel des „Extremisten“ lernte King diesen wie einen Orden zu tragen, den Spieß umzudrehen und erklärte sich selbst zum Extremisten der Liebe mit einer ausgeprägten Passion für Gerechtigkeit.

Die Rechtfertigung direkter Aktionen und Aktionen des zivilen Ungehorsams liegt im Unterschied zwischen dem, was legal ist und dem, was ethisch ist, zwischen Gesetz und Recht. Es gibt Paradebeispiele, wo legale Regeln die Regeln von Ethik und Gerechtigkeit verletzen: Nazi-Deutschland, Apartheid in Südafrika und die Sklaverei in den USA. In solchen Situationen ist es nicht nur legitim, Gesetze zu brechen, es ist eine Verpflichtung. In den Worten von Dr. King: „Ich bin überzeugt, dass Nicht-Kooperation mit dem Bösen genau die gleiche moralische Verpflichtung ist wie Kooperation mit dem Guten.“

Die wahren Kräfte von Ethik und Gerechtigkeit umfassen Gruppen wie die jüdische Widerstandsbewegung, Harriert Tubmann und die „Underground Railroad“, Gandhi und die indische Freiheitsbewegung, die Suffragetten, Rosa Parks und Martin Luther King und die Menschenrechtsbewegung, Nelson Mandela und der Afrikanische National Kongress. Alle brachen Gesetze, vernichteten Eigentum der Feinde, oder wendeten Gewalt an; sie wurden geschlagen, ins Gefängnis gesteckt, getötet und als Extremisten oder gar Terroristen denunziert.

Doch wer will behaupten, dass ihre Aktionen falsch waren? Heute sehen wir Nelson Mandela als Helden, aber er und der ANC benutzten Gewalt für ihren Freiheitskampf. Menschen vergessen, dass die Suffragetten in England und in den USA Brandstiftung und Bomben als Mittel des Kampfes einsetzten, um die Emanzipation der Frauen voranzutreiben. Keine Bewegung des sozialen Umbruches war erfolgreich ohne radikale Formen, ohne Aktionen des zivilen Ungehorsams, Sachbeschädigung und sogar Gewalt – warum sollte es dann im Kampf für die Befreiung der Tiere anders sein?

Anlehnend an die gewaltfreie Philosophie Gandhis und der Menschenrechtsbewegung in den USA, glaubt die ALF an höhere Gesetze als die von und für das Konzern-Staat-Konstrukt erlassenen, an moralische Gesetze, welche die Korruption und Voreingenommenheit des amerikanischen politischen Systems überwinden. Wenn Gesetze falsch sind, ist es richtig, sie zu brechen. So schreibt moralischer Fortschritt oft Geschichte, von der Sklaverei in Amerika, über Hitlers Antisemitismus bis hin zu Sitzblockaden vor den „Whites-only“-Plätzen in Alabama. Durch die Zerstörung des Eigentums von Tierausbeutern hilft die ALF zukünftiges Leben zu retten, da dies die Tierausbeutungsindustrien schwächt – und manchmal sogar eliminiert – indem das Blutvergießen kostspieliger gemacht wird.

Gegner direkter Aktionen, meist mit eigenen Interessen am Status quo, glauben, dass illegale Aktionen das Gesetz untergraben und sehen Aktionen des zivilen Ungehorsams als eine Bedrohung der sozialen Ordnung. Unter anderem unterstellt diese Perspektive, dass das in Frage gestellte System legitim ist und nicht verbessert werden kann. Auch verunglimpft diese Ansicht Aktivisten als Menschen, die das Gesetz nicht respektieren. Im Gegenteil: sie haben einen wesentlich höheren Bezug zur Gerechtigkeit und deren Relation zur Justiz als jene, die aus der politischen Ordnung einen Fetisch um ihrer selbst willen machen. Befürworter direkter Aktionen stehen dem System eher kritisch gegenüber. Um Karl Marx zu zitieren, ist das Gesetz das Opiat des Volkes, blinder Gehorsam und Gesetzestreue brachten den Tod von Millionen Juden, fast ohne jeden Widerstand. Viel zu oft ist das legale System eine Struktur, um Opposition zu vereinnahmen und Lähmung durch Verzögerung zu verursachen.

Daher ist es wichtig zu erkennen, dass direkte Aktionen kein Freibrief für politische Anarchie sind, im stereotypen Sinn kompletter Gesetzlosigkeit und Unordnung. Thoreaus Maxime, eher seinem Gewissen zu folgen als sich einem ungerechten Gesetz zu unterwerfen, ist ein guter Anfang für kritisches Denken und Autonomie, kann aber auch zu Gewalt und legitimen Töten für eine Sache führen. Die ALF richtet sich nach dem Grundsatz, dass, egal wie gerechtfertigt ihre Wut ist, kein Mensch im Kampf für die Befreiung anderer verletzt werden darf – daher werden nur Sachen beschädigt. Trotz ihres Eifers ist die ALF nicht wie radikale Abtreibungsgegner, die ihre Gegner töten, und dieser Unterschied sollte nie verschmolzen werden.

Seien wir ehrlich, die wahren Gesetzesbrecher sind Firmen wie Enron und die Amerikanische Regierung selbst, die nicht nur bestimmte Gesetze brechen, sondern jetzt im Begriff sind, die „Constitution“ im Namen der nationalen Sicherheit zu ändern. Diejenigen, die im Moment Strömungen des neuen Anti-Amerikanismus aufzudecken versuchen, sollten der ALF den Rücken kehren und auf den höchsten Anwalt im Lande, John Ashcroft und Präsident George W. Bush schauen.

Direkte Aktionen und die ALF

„Die Pumpe funktioniert nicht, weil Vandalen den Griff mitgenommen haben.“ (Bob Dylan, „Subterranean Homesick Blues")

Aktivisten der ALF und der ELF lernen von der noblen Tradition direkter Aktionen und Sachbeschädigungen der Freiheitskämpfe in den USA und erweitern sie. Neben den Anti-Globalisierungskämpfen sind die Kämpfe gegen die Ausbeutungspolitik der Erde und der Natur heute am größten. In den USA gibt es verstärkt soziale Unruhen, da die Tierrechtsbewegung und die Erdbefreiungsbewegung eine „wunderbare neue Militanz“ für sich entdeckt haben.

Die neue Bewegung direkter Aktionen hat sich aus der sich immer weiter verschlechternden Situation für die Tiere und die Erde entwickelt, zusätzlich zu einer Dynamik des steigenden Radikalismus in diesen Bewegungen. Man erkennt einen Wandel: weg vom Tierschutz, hin zu Tierrechten und zur ALF; in der ökologischen Bewegung: weg von Reformen hin zu Radikal-Ökologie und der ELF. Mehr noch, neue Fraktionen dieser Bewegungen bekennen sich offen zur Gewalt, wie wir in den Bombenanschlägen 2003 bei Chiron und Shaklee beobachten konnten. Revolutionäre Zellen warnten, dass das „Endspiel“ für Tiermörder begonnen hat, dass es keine Halbzeiten mehr geben wird.

Wir sind Augenzeugen des Anfangs eines neuen Bürgerkrieges zwischen denen, die die letzten Lebewesen für Macht und Profit töten und denen, die diese allmächtigen Verrückten mit allen Mitteln bekämpfen. Es ist ein Guerillakrieg, gekämpft von Ökokämpfern, die in den Untergrund gehen, Maskierte und Vermummte, die nachts agieren und durch Sabotage zuschlagen. Wie uns der Vietnam-Krieg und der Krieg im Irak zeigten: die amerikanische Regierung weiß nicht, wie sie einen solchen Krieg führen soll und kann ihn vielleicht auch nicht gewinnen. Durch Guerillamethoden kann David Goliath besiegen.

Die ALF behauptet, dass Tiere Rechte haben und diese Rechte höherrangig sind als das Eigentumsrecht. Die ALF „stiehlt“ keine Tiere aus Laboren, weil sie nie jemandem gehört haben. Der eigentliche Diebstahl liegt darin, dass Ausbeuter den Tieren ihre Freiheit und ihr Leben nehmen, wogegen die ALF Leben rettet und Tiere befreit. Die ALF macht nichts „Böses“, sie berichtigt ein Unrecht gegen Lebewesen. Für die ALF ist es legitim, immer dann, wenn Besitztum Leben verletzt und zerstört, dieses zu zerstören, um genau dieses Leben zu schützen. Es ist kein Vandalismus oder Hooliganverhalten, weil ein hoher moralischer Wert dahinter steht – es ist ethische Sabotage.

Für die ALF ist Leben mehr wert als Besitztum, wogegen im Kapitalismus Besitztum heilig ist und Leben profan. Tier- und Erdausbeutungsindustrien erlauben es sich unter dem Deckmantel des „ehrenwerten Geschäftsmenschens“, Milliarden von Tieren zu massakrieren und den letzten Regenwald zu zerstören. Jeder aber, der die Rechtmäßigkeit ihres Handelns in Frage stellt, wird als Terrorist beschimpft. Neue Gesetze werden gemacht, mit denen Videoaufnahmen aus Laboratorien oder Massentierhaltungs-betrieben, die Tierfolter zeigen, unter Strafe gestellt werden. Gesetzgeber finden barbarische Grausamkeiten an Tieren völlig in Ordnung und verteidigen das Recht der Industrie, ihr lebendiges „Eigentum“ zu foltern und zu töten.

Nach einer offiziellen FBI-Definition ist „Ökoterrorismus eine Straftat, die zur Rettung der Natur begangen wird“. Es spricht Bände über die kapitalistische Gesellschaft und ihre Gesinnung, wenn Aktionen „zur Rettung der Natur“ als Straftaten gelten und die, die Natur zerstören, von Gott und der amerikanischen Flagge „geheiligt“ werden.

Auf der Basis, dass Tiere Rechte haben und diese Rechte über den Eigentumsrechten stehen, behaupte ich, dass die ALF nicht die Terroristen sind, wie sie von der Tierausbeuterindustrie, den Medien und dem Staat heraufbeschworen werden, sondern eher „Konter-Terroristen“ und die neueste Art der Freiheitskämpfer. Wie die Widerstandsbewegung in der Nazizeit zerstören sie Geräte, die zum Foltern und Töten benutzt werden. Wie die „Underground Railroad“ befreien sie Sklaven und bringen sie in Freiheit. Wie alle heutigen Menschenrechtsbewegungen suchen sie Frieden und Gerechtigkeit.

Wie weiße Gegner der Sklaverei über die Rassengrenzen hinweg Mitgefühl und Solidarität zeigten, zeigt die ALF dieses über die Speziesgrenzen hinaus. Wegen der fest verankerten Strukturen und Institutionen von Ausbeutung und Speziesismus wird dieses der schwierigste Freiheitskampf sein, der je gekämpft wurde. Aber er ist ohne Zweifel der wichtigste, weil er über alle Gruppeninteressen hinaus alle Lebewesen und das zukünftige Leben auf diesem Planeten vertritt.

Über Gewalt und Terrorismus

„Es ist schon eine sehr merkwürdige terroristische Vereinigung, die noch niemals jemanden getötet hat.“ (Der Observer)

„Jemand, der alle Dinge beim richtigen Namen nennt, wird kaum die Straße überqueren können, ohne als gemeiner Feind nieder geschlagen zu werden.“ (George Savile, 1. Marquis von Halifax)

Aber ist die ALF denn nicht eine gewalttätige Organisation? Trifft Terrorismus denn nicht zu? Die Begriffe Gewalt und Terrorismus werden von ALF-Kritikern niemals definiert und wenn sie ihre Bedeutung irgendwie geartet erläutern, sind die Definitionen unverblümt befangen und selbstgerecht.

Wenn Gewalt ist, einem anderen Menschen bewusst körperlichen Schaden zuzufügen, wie kann dann jemand ein nicht-fühlendes Objekt, dass keine Schmerzen empfindet und kein Bewusstsein hat, „verletzen“, „missbrauchen“ oder „schaden“? Wie kann jemand „gewalttätig“ gegen einen Lastwagen sein oder ein „Terrorist“ gegen Backsteine und Zement sein? Wie kann jemand ein Labor verletzen und eine Pelzfarm terrorisieren, in dem er mit Farbe sprüht oder einen Brandaufschlag auf diese verübt?

Ganz einfach, er ist es nicht, es sei denn jemand, dem der Gegenstand gehört oder der damit zu tun hat, wird verletzt. Menschen, deren Häuser, Autos oder Büros beschädigt wurden, haben Angst, sind besorgt und traumatisiert. Ihr Geschäft, ihre Forschung, ihre Karrieren oder die Lebensbedingungen sind ruiniert, sie sind psychologisch, wirtschaftlich, berufsmäßig oder anderweitig getroffen.

Zugegeben, nichts davon ist gut aus der Sicht eines ALF-Opfers, wie z.B. aus der Sicht eines Experimentators, Pelzfarmers oder Wirtschaftsbosses. Aber ist es richtig, Sabotage „Gewalt“ zu nennen? Vielleicht, wenn man sich auf die generelle psychologische Definition wie z. B. mentales Trauma beruft; aber man kann genau so gut damit argumentieren, dass diese Sabotage weniger gewalttätig ist, als das, was sie verhindert, dass es einfach nicht Gewalt ist, oder dass Gewalt, einschließlich körperlicher Angriffe gegen Menschen, akzeptabel und legitim in einem Krieg gegen Kriegsbetreiber ist.

Wenn überhaupt eine Definition von Gewalt zutrifft, dann sollten wir zuerst verstehen, dass jedes fühlende Lebewesen ein Recht auf Leben hat. Da Tiere nicht nur fühlende, sondern auch psychologisch und sozial sehr komplex ausgeprägte Lebewesen sind, sind sie in den wesentlichen Punkten genauso „Subjekte“ wie Menschen. Daher sollte jede Verletzung, die einem Tier zugefügt wird, wie die Verletzung eines Menschen betrachtet werden, dementsprechend wie Gewalt.

Wie der Begriff „Kommunismus“ um 1950 ist „Terrorismus“ die zur Zeit meist missbrauchte Vokabel. In einer Ära von Patriotismus, wo alle Formen der Gegenrede oder des Widerstandes sofort als Terrorismus definiert werden und Terrorismus als ein Versuch gewertet wird, Regierungen zu beeinflussen oder zu erniedrigen, besteht die Gefahr, dass der Begriff jegliche Bedeutung verliert. Objektiv gesehen, beinhaltet Terrorismus drei Schlüsselbedingungen:
(1) eine bewusste Absicht der körperlichen Gewaltanwendung
(2) gerichtet gegen unschuldige ZivilistInnen, KriegsgegnerInnen oder Personen (menschlich und nicht menschlich)
(3) für ideologische, politische oder wirtschaftliche Zwecke.

Typisch: solche, die Saboteure gewalttätig schimpfen, kommen schnell zu dem Schluss, dass sie auch Terroristen sind. Sie vergessen dabei den wichtigen Unterschied, dass man im moralischen Sinne legitim Gewalt anwenden darf, unter bestimmten Bedingungen, von Selbstverteidigung bis hin zum „gerechten Krieg". Die ALF ist keine terroristische Organisation, da sie (1) niemals Menschen körperlich verletzen (2) nie jemanden „angreifen“, der nicht unmittelbar am Krieg gegen die Tiere beteiligt ist.

Noch einmal: tatsächlich kann Gewalt ganz legitim verschieden angewendet werden, z. B. als Selbstverteidigung oder im „gerechten Krieg“. Man kann daher plausibel argumentieren, dass die ALF die Verteidigung der Wehrlosen übernimmt, dass sie Kämpfer in einem gerechten Krieg sind, und dass Tierausbeutungssysteme legitime militärische Ziele sind. Pazifistische Ansichten unterstellen, dass gewaltfreie Methoden des Widerstandes alle großen sozialen Konflikte lösen können (können sie nicht) und dass ein Menschenleben den absoluten Wert hat (hat es nicht). Philosophisch gesehen, muss man sich wundern, welch absoluter Wert an das Leben eines hinterhältigen Mörders in dem berüchtigten Safari Club geheftet wird, der Preise gewinnt und Orden bekommt, wenn er gefährdete Arten tötet, im Vergleich zu dem Wert des Lebens der seltenen Elefanten, Löwen und Gorillas, die er tötet. Warum sollte das menschliche Recht zu Töten eher geschützt sein, als das Recht eines Tieres auf ein gewaltfreies Leben?

Dessen ungeachtet, vernebelt der Staat Begriffe wie „Gewalt“ und „Terrorismus“, um von staatlich gelenkter Gewalt und Terrorismus abzulenken und um ihren Krieg gegen jeden Widerspruch zu führen. Wenn der Staat sein Opfer erst einmal im Fadenkreuz hat, kann die politische Repression beginnen.

Gegen Heuchelei

„In unserer Zeit sind politische Reden und Schriften mehr oder minder eine Verteidigung dessen, was nicht mehr zu verteidigen ist.“ (George Orwell)

„Die Frage ist nicht, ob wir Extremisten sind, die Frage ist, welche Art von Extremisten wir sind. Die Nation und die Welt benötigen dringend kreative Extremisten.“ (Dr. Martin Luther King Jr.)

Verbrechen immensen Ausmaßes werden gegen die Tiere begangen und das legale System ignoriert diese Tatsache. Nur eine bestimmte Menge „Gutes“ und „Böses“ kann durch Bildung und Legislative vermittelt werden. Die ALF existiert, weil ein friedlicher Dialog allein nicht genügt, um die dringend notwendigen sozialen Veränderungen herbeizuführen. Es sind Menschen, die dem System misstrauen, mitfühlende Menschen, die die Dringlichkeit einer Wende fühlen und mit sofortigem Effekt eine Veränderung wollen.

Würde es Ihnen genügen, einen Brief an Ihren Abgeordneten oder an die Zeitung zu schreiben, wenn eines Ihrer Familienmitglieder im Versuchslabor eingeschlossen und dort gequält würde? Würden Sie nicht dort einbrechen, wenn Sie könnten und das Labor zerstören, so dass niemand mehr dort gequält werden kann? Würden Sie nicht auch den Hund Ihres Nachbarn befreien, wenn er misshandelt würde und die Polizei nicht eingreifen würde? Würden Sie nicht Fallen mitnehmen und zerstören, wenn ein Sadist zum Spaß Katzen darin fangen würde? Sind Sie wirklich gegen Paul Watsons Zerstörung von Treibnetzen, die dazu benutzt werden, alles im Meer zu töten, inklusive der Delfine?

Würden Sie jüdische Widerstandskämpfer verurteilen, wenn sie jeden Nazi umgebracht und jeden Verbrennungsofen zerstört hätten? Wenn Sie diese Art von Widerstand und Sachbeschädigung unterstützen, warum unterstützen Sie nicht die ALF? Ist es, weil damals 1940 war und heute heute ist? Ist es, weil es Anfang der vierziger Jahre Deutschland war und diese Sachen heute in den USA passieren? Ist es, weil die ALF nichtmenschliche Tiere verteidigt und damals menschliche Tiere getötet wurden? Ist es, weil Sie ein Speziesist sind, der menschliche Interessen über nichtmenschliche Interessen stellt, ohne einen logischen Grund dafür zu haben? Geht es Ihnen um die Taktik, mit der Sie nicht einverstanden sind oder sind Sie gegen die Spezies, die von der ALF verteidigt werden?

Genau wie die Fleischesser die Arbeiter in den Schlachthöfen bezahlen, um die „dreckige“ Arbeit für sie auszuführen, haben Tierrechtler die ALF, um die gefährliche Arbeit für sie zu machen. Die ALF sollte respektiert werden und wir sollten alle dankbar sein für die mutigen Kämpfer, die sie sind.

Wichtige soziale Veränderungen werden nicht durch eine einzelne oder mehrere Strategien herbeigeführt, alle Strategien und alle Taktiken sind nötig. Die Tierrechtsbewegung braucht Menschen, die Briefe schreiben, die auf allen Ebenen mit Repräsentanten des Staates verhandeln, die Studenten weiterbilden, die Veganismus vorleben, die demonstrieren und protestieren usw. und sie braucht direkte Aktionen aus dem Untergrund.

Wenn Sie Tiere mögen, wenn Ihnen Werte wie Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit wichtig sind, wenn Ihnen menschliche moralische Entwicklung am Herzen liegt, wenn Ihnen logische Konsequenzen am Herzen liegen, dann sollten Sie die ALF unterstützen.


Quelle: http://www.arkangelweb.org/
modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=591m

1 bukolisch von Bukolik: „Hirten- oder Schäferdichtung“ (Dichtung mit Motiven aus der einfachen, naturnahen, friedlichen Welt der Hirten), Quelle: Duden Fremdwörterbuch, Mannheim 1974

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