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20.01.2009

Zoophilie / Sodomie

Zoophilie / Sodomie


Ausgangslage

Die Sexualität mit Tieren (Zoophilie) stellt möglicherweise eines der letzten gesellschaftlichen Tabuthemen dar. Über die Häufigkeit zoophiler Kontakte in der Bevölkerung kann aufgrund fehlender verlässlicher Zahlen nur spekuliert werden. Mit Sicherheit aber sind sie weit verbreiteter, als gemeinhin angenommen wird. Während man die Zoophilie in ganz Europa zwar moralisch ächtet, wird sie von den meisten europäischen Strafgesetzbüchern nicht mehr erfasst. Ausnahmen hiervon bilden der Sexual Offences Act Grossbritanniens sowie die kantonalen Strafgesetze der Kantone Appenzell Innerrhoden und Basel-Landschaft. In der übrigen Schweiz sind zoophile Handlungen seit 1935 nicht mehr per se strafrechtlich untersagt. Auch das 1981 in Kraft getretene eidgenössische Tierschutzgesetz enthält kein Zoophilieverbot. Bestraft werden kann heute nur, wer einem Tier nachweislich erhebliche Schäden, Schmerzen oder Leiden zufügt. Alle anderen sexuellen Handlungen mit Tieren sind hingegen ebenso straffrei wie die Vermittlung, Verleih oder Verkauf von Tieren für entsprechende Zwecke oder ihr Abrichten, Dressieren und Gewöhnen an zoophile Praktiken.




Idealbild der Stiftung für das Tier im Recht

Die gegenwärtige rechtliche Situation in der Schweiz ist inakzeptabel. Die konsequente und ausnahmslose Ablehnung von Sexualität mit Tieren, verbunden mit der dringenden Forderung eines Zoophilieverbots und dessen Verankerung im Tierschutzgesetz, ergibt sich aus folgenden Überlegungen:


Die Tierwürde ist in Art. 120 Abs. 2 BV (Würde der Kreatur) verankert. Als bedeutenden Teilaspekt umfasst sie die sexuelle Integrität des Tieres, der insbesondere die ungestörte sexuelle Entwicklung und Empfindung, der Schutz vor Beeinträchtigung der Willensbildung durch Ausnützung von Abhängigkeiten und der Schutz vor sexueller Belästigung zugeordnet werden.

Selbst abgerichtete, dressierte und daher sexuell fehlgeprägte Tiere, die vermeintlich "freiwillig" an zoophilen Handlungen teilnehmen, werden sexuell ausgebeutet, da Tiere – ähnlich Kindern – nie frei entscheidende Intimpartner sein können. In aller Regel wird der "Wille" zur Beteiligung an zoophilen Handlungen durch Zwang, Abhängigkeit oder Gewöhnung hervorgerufen. Von freier Entscheidung kann nicht gesprochen werden.

Der Zusammenhang zwischen Gewalt gegen Menschen und Gewalt gegen Tiere lässt sich heute nicht mehr verleugnen. Der Zoosadismus als gewalttätiger und bedeutender Teilbereich der Zoophilie stellt eine "beliebte" Vorstufe zu mittleren bis schwereren Sexualdelikten dar.

Kurzfristig realisierbare Forderungen

Zoophilie ist keine neuzeitliche Erscheinung – im Gegenteil war sie bereits uralten Kulturen teils als Problem, teils gar als religiöser Bestandteil bekannt. Es ist zudem nicht zu erwarten, dass durch ein Zoophilieverbot keine Tiere mehr missbraucht würden, da diese Art der Tierausbeutung ohnehin meist im Verborgenen stattfindet. Realistisch und dringend umzusetzen sind hingegen folgende Postulate:

Die Liberalisierung des Sexualstrafrechts hat stark dazu beigetragen, dass sich die Zoophilie stark ausgebreitet und in einschlägigen Kreisen gar zu einer Art Lifestyle ausgebildet hat. Sie wird als eine harmlose neue Spielart der Sexualität angesehen und angepriesen. Es ist daher wichtig, das Bewusstsein für die Problematik zu schärfen und die Ausbeutung der betroffenen Tiere zu erkennen.

Es ist geradezu absurd, dass mit einer zoophilen Handlung eine Tat nicht per se sanktioniert wird, deren Darstellung und Weiterverbreitung bereits (richtigerweise) strafbar ist. Diese Situation ist unhaltbar und konsequenterweise dahingehend zu korrigieren, dass auch die – viel schwerwiegendere – Tat an sich strafbar erklärt wird.

Sexualität mit Tieren ist weit verbreiteter als dies gemeinhin angenommen wird. Es handelt sich bei den Tätern nicht nur um eine vernachlässigbare Randgruppe; Zoophilie ist ein ernstzunehmendes Tierschutzrechtsproblem. Es ist falsch, dieses Problem weiterhin zu tabuisieren, vielmehr muss die Zoophilie offiziell als verfolgungswürdige Straftat kommuniziert werden.


Zoophile sehen ihre Neigung in aller Regel nicht als Krankheit und wollen daher auch nicht geheilt werden. Jene, die sich ihrer Krankheit (sie wird nach psychiatrischem Diagnosehandbuch als nicht näher spezifizierte Paraphilie wie Nekrophilie oder Koprophilie gewertet) bewusst sind, befinden sich in einer psychisch schwierigen Lage. Sie können kaum mit jemandem über ihr Problem sprechen und pflegen ihre zoophilen Kontakte häufig weiterhin im Verborgenen, statt professionelle Hilfe beizuziehen. Zoophile sollen nicht ausgegrenzt, sondern mit ihrer Krankheit ernst genommen werden, damit man mit ihnen nach geeigneten Therapieformen suchen kann.

In vielen Fällen des so genannten "Fence-Hopping" – bei dem sich die Täter an fremden Tieren, meist im nächtlich besuchten fremden Stall, vergehen – wird der Tiermissbrauch mangels Sensibilisierung überhaupt nicht bemerkt. Die Bevölkerung ist daher über den möglichen Tiermissbrauch aufzuklären, sodass Tierhalter in der Lage sind, mögliche Anzeichen wie etwa Veränderungen der Verhaltensweise ihrer Tiere zu deuten. Veterinär- und Polizeibehörden sowie Tierärzte sind entsprechend zu schulen.

Das Internet bietet die ideale Plattform zur Verbreitung zoophiler und tierpornografischer Darstellungen. Diesem Missbrauch muss mittels entsprechender Gesetze und einer rigorosen Verfolgung der Urheber solcher Inhalte entgegen gewirkt werden.

Klar zu verurteilen ist insbesondere der Zoosadismus, d.h. die bewusste Gewaltanwendung während der sexuellen Handlung. Doch auch in den Fällen, in denen keine Schädigung des Tieres beabsichtigt ist, kommt es oftmals durch "Unfälle" oder aus anschliessender Abscheu zur Verletzung oder zum Tod des betroffenen Tieres. Hier soll sich der Täter wegen Zoophilie und Tierquälerei verantworten müssen, womit sich eine erhebliche Strafschärfung aufdrängt.


Antworten auf gängige Argumente von Gegnern eines generellen Zoophilieverbots

Die Zoophilie wird in den meisten Fällen vom Tatbestand der Tierquälerei (Art. 27 TSchG) erfasst. Ein ausdrückliches Zoophilieverbot erübrigt sich.

Der Nachweis von Schäden, Schmerzen oder Leiden kann praktisch nicht erbracht werden, wenn das Tier keine offensichtlichen körperlichen Schäden erleidet. Psychische Schäden, Schmerzen oder Leiden bleiben vollständig unerkannt oder können kaum nachgewiesen werden. Als "unerheblich" eingestufte Schäden werden – wenn auch nachweisbar – vom Tatbestand nicht erfasst. Der Schutz betroffener Tiere ist somit völlig unzureichend.

Tiere werden in der aktuellen Rechtslage ausreichend geschützt: Neben dem Tierschutzgesetz sorgt auch das Strafgesetzbuch mit den Bestimmungen über die Sachbeschädigung, den Hausfriedensbruch und dem Verbot der Tierpornografie dafür.

Da Sachbeschädigung nur auf Antrag und nur bei vorsätzlicher Begehung verfolgt werden kann, greift die entsprechende Bestimmung nicht, wenn der Tierhalter Täter ist oder in den Tiermissbrauch einwilligt, oder wenn der Täter "unbeabsichtigt" einen Schaden verursacht. Der Hausfriedensbruch wird nur auf Antrag verfolgt und schützt nur die Gebäude, nicht das Tier direkt. Und das Verbot der Tierpornografie bezieht sich nur auf einen Teilbereich der Gesamtproblematik.

Die meisten zoophilen Kontakte finden in der Nachpubertät statt und sind somit der Phase der Identitätssuche mit vorübergehender Natur zuzuordnen. Ihre strafrechtliche Verfolgung wäre unverhältnismässig.

Abgesehen davon, dass Pubertätsalter und Identifikationsprozess nicht von Verantwortung befreien, bilden junge Erwachsene, die zoophile Kontakte "ausprobieren", nur eine Gruppe des Problemkreises. Zoophile Tätigkeiten sind durchaus auch in älteren Altersgruppen häufig. Hinzu kommt, dass zoophile Handlungen für Personen, die dieses Verhalten über die Pubertätszeit hinaus weiterverfolgen, nicht mehr ein nur gelegentliches, sondern ein häufiges und bedeutendes Triebventil sind.

Das bundesweite Zoophilieverbot wurde 1935 aufgehoben, weil man Recht und Moral trennen wollte. Die als öffentliches Ärgernis eingestufte Zoophilie entpuppte sich als bloss moralisches Problem, das für die Gesellschaft aber keine ernsthafte Bedrohung darstellt.


Der Grund, warum das Zoophilieverbot heute wichtig ist, liegt in der Anerkennung des tierlichen Schutzes um seiner selbst willen. Tiermisshandlung und ‑missbrauch werden nicht mehr um des Menschen willen geahndet, sondern weil man dem Tier direkt gewisse Ansprüche zugesteht. Die Fürsorgepflicht des Menschen und der Umstand, dass es Tieren nicht möglich ist, sich gegen sexuelle Übergriffe zur Wehr zu setzen, wurden bei der Liberalisierung der Strafgesetze nicht berücksichtigt.

Sprechen wir dem Tier eine sexuelle Integrität zu, so ist der Schritt zur absoluten Vermenschlichung nicht mehr fern.

Ganz im Gegenteil. Der dem Tier gewährte rechtliche Schutz weist ihm eine eigene Position zu und hat zum Ziel, das Tier weder als Sache noch als Mensch zu klassifizieren. Die Zusprechung sexueller Integrität schützt das Tier davor, vermenschlicht und als so genannt "gleichberechtigter Partner" betrachtet zu werden.

Weiterführende Hinweise

Virtuelle Bibliothek der Stiftung für das Tier im Recht (http://www.tierimrecht.org/de/bib/); Suchfelder: >> einblenden

- Schlagworte enthält ‚Zoophilie’ oder ‚Sodomie’ >> suchen.

Sexualität mit Tieren (Zoophilie) – ein unerkanntes Tierschutzrechtsproblem, von Gieri Bolliger / Antoine F. Goetschel, Stiftung für das Tier im Recht, Bern / Zürich, Gutachten vom 13. August 2004


© Stiftung für das Tier im Recht, Bern/Zürich, 18. Januar 2005

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