Free counter and web stats

23.01.2009

Zoos: Erbarmungswürdige Gefängnisse

Zoos: Erbarmungswürdige Gefängnisse
Entgegen ihrer vorgegebenen Besorgnis um die Tiere sind Zoos doch nicht mehr als "Sammlungen" interessanter "Gegenstände" und nicht etwa Zufluchtsstätten oder auch nur annähernd „natürliche“ Lebensräume. Zoos lehren die Menschen, dass es akzeptabel ist, Tiere in Gefangenschaft weit weg von ihrer Heimat zu halten, sie der Langeweile, Beengtheit, Einsamkeit und damit ihrer sozialen Verwahrlosung auszusetzen.
Stand: Januar 2008


Dazu meint Virginia McKenna, der Star des Filmklassikers "Born Free", die jetzt aktiv Kampagnen zugunsten von Tieren in Gefangenschaft unterstützt: "Die Traurigkeit der Zoos verfolgt mich. Die nutzlose Existenz der Tiere. Für die nur vier Stunden, die wir uns vielleicht in einem Zoo aufhalten, müssen die Tiere vier oder vierzehn Jahre oder vielleicht sogar noch länger dort sein - und wenn nicht in demselben Zoo, dann vielleicht in einem anderen - Tag und Nacht, Sommer wie Winter.... Das hat nichts mit beschützen zu tun und schon gar nichts mit Bildung. Nein, es ist "Unterhaltung". Nicht etwa Komödie, sondern Tragödie." (1)


Lebenslänglich ohne Bewährung

Zoos gibt es in allen Größen und Qualitäten: von Parks ohne Käfige bis hin zu kleinen, drittklassigen Zoos mit Zement- und Betonplatten und Eisengittern. Je größer der Zoo und die Zahl und Artenvielfalt seiner Tiere, umso mehr kostet die qualifizierte Versorgung derselben. Obwohl die jährliche Zahl der Zoobesucher in Mitteleuropa längst die 100-Millionen-Marke überschritten hat (2), machen die meisten Zoos Verluste und sind daher gezwungen, Kosten einzusparen, was dazu führt, dass Tiere verkauft werden. Oder sie bieten zusätzlich irgendwelche Vorstellungen mit Zaubertricks an, um Publikum anzulocken, es gibt Streichelzoos und Pony Reiten. Für Zoobetreiber kommt Profit in der Regel vor dem Wohlbefinden der Tiere. Tiere werden nachgezüchtet, weil Babys Besucher anlocken, weniger „attraktive“, meist ältere Tiere hingegen werden abgegeben, getauscht, verkauft oder geschlachtet.


Einige Skandal-Beispiele in deutschen Zoos 2006 und 2007:

Im Zoo Bremerhaven greifen Eisbären einen Tierpfleger an. Es wird mit Waffen auf das Tier geschossen, dabei hätten Betäubungswaffen eingesetzt werden müssen. (3)

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen möglicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz im Frankfurter Zoo. Das städtische Veterinäramt hat im Juni Anzeige erstattet gegen die «Verantwortlichen des Zoos». Unter anderem seien Dutzende von Schildkröten in der Veterinärstation des Zoos in einem stark vernachlässigten Zustand gefunden worden. (4)

Im Tiergarten Nürnberg sterben zwei Delfinkälber kurz nach der Geburt. (5) Der Tiergarten erreicht damit den traurigen Rekord von über 30 toten Delfinen, darunter mehrere Babys. Trotzdem hält die Direktion an dem Plan fest, das Delfinarium ausbauen zu wollen, und der Stadtrat stimmt dafür.

Im Juli wird öffentlich, dass im Erfurter Zoopark in den vergangenen Jahren mehrfach Tiere ohne Genehmigung getötet und teilweise auch zum Verzehr veräußert wurden. Der Oberbürgermeister der thüringischen Landeshauptstadt, Andreas Bausewein (SPD), erstattete Strafanzeige gegen die Verantwortlichen. (6) Das Verfahren ist mittlerweile eingestellt worden.

Im August enthüllt das Politmagazin „report“, dass in den letzten Jahren zahlreiche überzählige Großkatzen aus deutschen Zoos und Safariparks (darunter Tierpark Berlin, Zoo Centrum Frankfurt, Tierpark Hellabrunn, Safaripark Stukenbrock) nach China exportiert wurden, wo Tiger für fragwürdige medizinische Zwecke und Potenzmittel geschlachtet werden. (7)

Im Oktober beißt im Zoopark Erfurt ein mit HTLV infizierter Affe eine Tierpflegerin. Der Virus, der auf dem Blutwege auf den Menschen übertragbar ist, kann Leukämie oder Nervendegeneration auslösen. Der Direktion und dem Tierarzt waren bereits länger bekannt, dass das Tier HTLV-positiv ist, sie gaben diese Erkenntnis aber nicht an die Pfleger weiter. (8)



Vermehrung, nicht Bildung

Zoos geben vor, die Menschen weiterzubilden und die Arten zu schützen, jedoch bleiben diese noblen Zielsetzungen oft hinter der Realität zurück. Die meisten Zookäfige und -gehege sind sehr klein, und die Hinweisschilder tragen kaum mehr Informationen als den Namen der Spezies, die Art der Ernährung und den natürlichen Verbreitungsraum. Das artgerechte Verhalten der Tiere wird selten erwähnt und noch seltener beobachtet, denn ihre natürlichen Bedürfnisse können in keinem Zoo erfüllt werden. Die Flügel der Vögel werden manchmal gestutzt, damit sie nicht davonfliegen können, Wassertiere haben häufig nur wenig Wasser zur Verfügung, und die vielen Tiere, die in Freiheit in großen Herden oder Familienverbänden leben, werden oft nur einzeln oder höchstens zu zweit gehalten. Natürliches Jagd- und Paarungsverhalten wird durch geregelte Futter- und Zuchtpläne ersetzt. Die Tiere können nicht frei und selbstbestimmt leben, werden in Beengtheit gehalten, können sich nicht zurückziehen und haben nur wenig geistige Anregung oder körperliche Bewegung, was dann zu anomalem und selbstzerstörerischem Verhalten führt, was man als Zoo-Psychose bezeichnet.

Eine weltweite Studie der Tierschutzorganisation Born Free Foundation an Zoos hat bestätigt, dass die Zoo-Psychose unter den eingepferchten Tieren weltweit äußerst verbreitet ist. (9) Eine andere Studie besagt, dass Elefanten 22% ihrer Zeit damit zubringen, anomale Verhaltensweisen wie z.B. das Hin- und Herschwenken des Kopfes oder das Beißen in Käfiggitter zu zeigen; Bären bringen 30% ihrer Zeit damit zu, hin- und herzuschlendern, was ein Ausdruck ihres seelischen Elends ist. (10)



Eine Auffangstation, die Tiere aufnimmt,

die aus Zoos gerettet wurden, berichtet von häufigen Anzeichen für Zoo-Psychosen bei diesen Tieren. So beißen sich beispielsweise Schimpansen in ihre eigenen Gliedmaßen, weil sie unter dem Stress der Gefangenschaft leiden. Dazu meint der Leiter dieser Station: "Ihre Hände waren vor lauter Narbengewebe fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt."

Nach Angaben der anerkannten Schimpansen-Expertin Jane Goodall ist die Hälfte aller Zoos weltweit "immer noch in schlechtem Zustand" und behandelt Schimpansen ganz armselig. (11)

Und was die Bildung angeht, verbringen die Zoobesucher meist nur wenige Minuten an einem Käfig oder Gehege und suchen eher Unterhaltung als Erleuchtung. Eine Studie des Zoos in Buffalo, N.Y., ergab, dass die meisten Besucher rasch an den Käfigen vorbeigingen und die Tiere mit Begriffen wie "sahen lustig aus", "schmutzig" oder "faul" beschrieben. (12)

Die Forschung der meisten Zoos besteht vor allem darin herauszufinden, wie man noch mehr Tiere in Gefangenschaft züchten und versorgen kann. Und wenn es die Zoos nicht mehr gäbe, dann würde auch der überwiegende Teil ihrer Forschungsarbeit unnötig werden und entfallen. Der Schutz der Arten vor dem Aussterben klingt als Zielsetzung wirklich nobel, jedoch ziehen die Zooleiter gewöhnlich exotische oder besonders beliebte Tiere vor, die Menschenmengen anziehen und die Publicity fördern; weniger populäre Arten müssen da zurückstehen. Die meisten in Zoos gehaltenen Tiere sind nicht gefährdet und sie werden auch nicht auf ihre Freilassung in die Freiheit vorbereitet, dies ist nämlich bei Tieren, die in Gefangenschaft gezüchtet und gehalten wurden, nahezu unmöglich.

Ein Bericht der Welttierschutzorganisation World Society for the Protection of Animals aus dem Jahre 1994 besagt, dass nur 1.200 von 10.000 Zoos weltweit sich für Zucht in Gefangenschaft und den Schutz wildlebender Tiere haben registrieren lassen. Und nur zwei Prozent der auf der ganzen Welt bedrohten oder gefährdeten Spezies werden in Zuchtprogrammen aufgeführt. (13) Die Misere der gefährdeten Spezies wird durch das Hauptinteresse der Zoos, Menschenmengen anziehen zu wollen, noch verstärkt. In seinem Buch "The Last Panda" ("Der letzte Panda") schreibt George Schaller, der wissenschaftliche Direktor des Bronx Zoos, dass Zoos vielmehr zur Beinahe-Ausrottung der großen Pandabären beigetragen haben, indem sie die Tiere ständig für Ausstellungszwecke von einem zum nächsten Zoo transportieren. Inzucht ist unter den Populationen, die in Gefangenschaft leben, ebenfalls ein Problem.


Wenn süße, knuddelige Babies erwachsen werden

Die Tierbabys in den Zoos sind große Kassenmagneten. Aber was passiert mit ihnen, wenn sie ausgewachsen sind? Tiere, die das Publikum nicht länger anziehen, werden von den Zoos oft verkauft oder getötet. In einigen Ländern werden Rotwild, Tiger, Löwen und andere Tiere, die häufig Nachwuchs bekommen, manchmal an "Jagd"-Farmen verkauft, wo Jäger für das "Privileg", ein solch exotisches Tier töten zu können, bezahlen. Einige werden wegen ihres Fleisches und/oder wegen ihrer Felle getötet. Andere "überschüssige" Tiere werden an kleinere, noch ärmere Zoos oder gar an Versuchslabors verkauft.


Jenseits der Zoos

Letztendlich werden wir gefährdete Arten nur retten können, wenn wir deren Lebensräume bewahren und die Gründe bekämpfen, aus denen Menschen diese Tiere töten. Anstatt Zoos finanziell zu unterstützen, sollten wir lieber Vereine fördern wie die International Primate Protection League, die Born Free Foundation, die African Wildlife Foundation und andere Gruppen, die daran arbeiten, Lebensräume von Tieren zu erhalten. Wir sollten Auffangstationen unterstützen, die nicht zu Profitzwecken betrieben werden, also z.B. die Primarily Primates oder die Performing Animal Welfare Society, die exotische Tiere retten und versorgen, diese jedoch nicht verkaufen oder züchten.

Zoos, denen wirklich etwas daran liegt, das Bewusstsein für wildlebende Tiere und deren Bewahrung zu steigern, sollten dem Beispiel des Worldlife Center in London folgen: Das Zentrum plant einen Hi-Tech-Zoo ohne Tiere. Die Besucher sollen dort Tiere in freier Wildbahn über Live-Satellitenverbindung von weit entfernten Naturgebieten wie z.B. dem Regenwald, dem Great Barrier Reef und der afrikanischen Savanne verfolgen können. (14)


Was Sie tun können
Am besten unterstützt man einen Zoo überhaupt nicht, denn wenn niemand diese für die Tiere unzumutbaren Einrichtungen besucht, sind sie gezwungen zu schließen.
Schreiben Sie Briefe und E-mails, um Druck auf die Behörden der Stadt und des Landkreises auszuüben, damit Ihr Zoo zu einer Auffangstation wird, zum Beispiel für ausgediente Zirkustiere. Schreiben Sie Leserbriefe an die Presse, um auf das Tierleid hinzuweisen.

Demonstrieren Sie, und verteilen Sie Flugblätter am Eingang zu einem Zoo. Fordern Sie unser Flugblatt "Lebenslänglich - ohne Bewährung" an.
Informieren Sie Tierschutzorganisationen über alle Missstände, die Ihnen zu Ohren kommen.

Quellenangaben
(1) McKenna, Virginia, et.al., Beyond the Bars, 1987.
(2) Petzold, Dirk & Sorge, Silke” Der Zooführer für Deutschland, Österreich und die Schweiz“, L. Stocker Verlag, Graz, 2007, 437 S.
(3) ddp. 05. September 2006
(4) Frankfurter Neue Presse - 6. Nov. 2007
(5) Thüringische Landeszeitung - Dienstag, 12. Juni 2007
(6) Focus Online - 18. Juli 2007
(7) report, 20. August 2007
(8) Thüringer Landeszeitung Erfurt - 8. Okt. 2007
(9) Epstein, Randi Hutter, "Zoos Drive Animals Nuts, Study Say", Pittsburgh Post-Gazette, April 9, 1993
(10) Epstein, Randi Hutter, "Circus Life Drives Animals Insane, Two British Rights Groups Content", Rocky Mountain News, Aug. 24, 1983.
(11) "World's Zoos Treat Chimpanzees Poorly, British Expert Says," Mesa Tribune, May 17, 1993.
(12) Jamieson, Dale, "Against Zoos", In Defense of Animals, ed. Peter Singer, 1985, p. 111.
(13) Scroon, Nicholas, "Animal Groups Say Zoos Fool the Public", The Independent, July 6, 1994.
(14) Smith, Lorrayne, "Future Zoo: No Bars, No Cages, No Animals", Washington Times, Aug. 4, 1992.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen




Shop Kontakt Newsletter Linkliste Tierfreunde Nord Forum/Community -Tierheim ! Literatur-Tipps Himmlisch-gut.de Tiertafel Global 2000: Die Gebirge Europas + Das Mittelmeerbecken + Die Seen des grossen afrikanischen Grabenbruchs + Die Akaziensavanne Ostafrikas + Das Kongobecken + Die Kappellen + Die Wälder Madagaskars + Die Regenwälder der Malediven, Lakkadiven und Chagos-Inseln + Die Savannen und Grasländer des Terai-Duar + Die Wälder der Sundarbans + Die Sumpfwälder Borneos + Die Daurische Steppe + Die Sibirische Taiga + Das Bering-Meer + Die Wüste im Nordwesten Australiens + Das Great Barrier Reef + Die Wälder Neukaledoniens + Die Wälder der Haweii-Inseln + Die Osterinseln + Die Galapagos-Inseln + Die Prärien Nordamerikas + Die Chihuahua-Wüste + Die grossen Antillen: Kuba + Die Los-Llanos-Savanne in Kolumbien und Venezuela + Das Amazunasbecken + Die Patagonische Steppe + Die antarktische Halbinsel und das Wedell-Meer