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16.02.2009

Bonobo

Bonobo
Der Bonobo oder Zwergschimpanse (Pan paniscus) ist eine Primatenart aus der Familie der Menschenaffen (Hominidae). Gemeinsam mit dem Gemeinen Schimpansen bildet er die Gattung der Schimpansen (Pan). Von seinem bekannten Verwandten unterscheidet er sich durch eine zierlichere Statur (er ist aber trotz der Bezeichnung "Zwergschimpanse" annähernd gleich groß) und durch sein friedlicheres Verhalten.



Inhaltsverzeichnis
1 Körperbau
2 Verbreitung und Lebensraum
3 Lebensweise
3.1 Fortbewegung und Aktivitätszeiten
3.2 Sozialverhalten
3.3 Sexuelle Interaktion
3.4 Territorialverhalten
3.5 Werkzeuggebrauch
3.6 Kommunikation
4 Nahrung

5 Fortpflanzung
6 Bonobos und Menschen
6.1 Entdeckung und Namensgebung
6.2 Forschung
6.3 Bedrohung
7 Systematik
8 Literatur



Körperbau
Bonobos erreichen eine Kopfrumpflänge von 70 bis 83 Zentimetern, wie alle Menschenaffen sind sie schwanzlos. Hinsichtlich des Gewichts herrscht ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus: während Männchen ein Gewicht von 37 bis 61 Kilogramm erreichen, werden Weibchen nur rund 27 bis 38 Kilogramm schwer. Das Fell ist dunkelbraun oder schwarz

Die Gliedmaßen sind länger und schlanker als die des Gemeinen Schimpansen, wie bei allen Menschenaffen mit Ausnahme des Menschen sind die Arme deutlich länger als die Beine. Der Daumen ist länger und dünner als bei seinem Verwandten, bei den Füßen ist die erste Zehe wie bei fast allen Primaten opponierbar.

Das Gesicht ist unbehaart und dunkler gefärbt als das des Gemeinen Schimpansen, insgesamt ist der Schädel rundlicher und zierlicher gebaut. Viele Tiere weisen einen in der Mitte gescheitelten Haarschopf auf. Die Ohren sind rundlich und ragen aus dem Fell, wie bei allen afrikanischen Menschenaffen sind deutliche Überaugenwülste vorhanden. Die Schnauze steht hervor, der Mund ist durch eine helle Mundpartie charakterisiert. Im Gegensatz zum Gemeinen Schimpansen sind die Eckzähne kaum geschlechtsdimorph, das heißt sie sind bei Männchen und Weibchen annähernd gleich groß.

Verbreitung und Lebensraum
Bonobos sind in der Demokratischen Republik Kongo endemisch, wo sie nur in den mittleren und südlichen Landesteilen vorkommen. Der Flussbogen des Kongo stellt die nördliche Verbreitungsgrenze dar, dieser kaum überquerbare Fluss bildet auch die Grenze zur Heimat der Gemeinen Schimpansen. Im Süden sind sie heute bis zu den Flüssen Kasai und Sankuru beheimatet.



Früher reichte ihr Verbreitungsgebiet jedoch weiter nach Süden, vermutlich bis in den Norden Angolas. Im Gegensatz zu den Gemeinen Schimpansen sind Bonobos auf Wälder beschränkt, sie bewohnen vorwiegend tropische Regenwälder.

Sozialverhalten



Die Sozialstruktur der Bonobos wird als "Fission-Fusion-Organisation" ("Trennen und Zusammenkommen") beschrieben. Das bedeutet, sie leben in Großgruppen von 40 bis 120 Tieren, die sich oft in Untergruppen von meist 6 bis 23 Tieren aufteilen, um manchmal wieder zusammenzukommen. Im Gegensatz zu den Gemeinen Schimpansen, die eine ähnliche Sozialstruktur aufweisen, sind die Untergruppen der Bonobos größer, öfter gemischt-geschlechtlich und stabiler. Auch findet man nur selten Einzeltiere, und wenn, dann nur Männchen.

Sowohl die Weibchen als auch die Männchen in einer Gruppe etablieren ihre Rangordnung. Dabei kommt es auch zu aggressiven Interaktionen, die zwar nicht seltener, aber von deutlich geringerer Intensität als bei Gemeinen Schimpansen sind. Innerhalb der Großgruppe bilden die Weibchen den Kern und übernehmen auch die Führungsrolle. Eine Dominanz der Männchen über die Weibchen ist kaum zu sehen, es gibt sogar Berichte über ein ausgesprochen aggressives Verhalten der Weibchen gegenüber den Männchen. Generell sind die Beziehungen zwischen den Weibchen einer Gruppe viel enger als die zwischen den Männchen. Bei den Weibchen ist die gegenseitige Fellpflege (Grooming) sehr häufig, auch teilen sie öfter die Nahrung miteinander. Die Männchen hingegen haben wenig Zusammenhalt untereinander, sie pflegen sich seltener gegenseitig das Fell und bilden im Gegensatz zu den Gemeinen Schimpansen keine Allianzen, um ihre Rangstufe in der Gruppenhierarchie zu verbessern. Überhaupt halten die Männchen zeitlebens einen engen Kontakt mit ihrer Mutter aufrecht - sie bleiben im Gegensatz zu den Weibchen dauerhaft in ihrer Geburtsgruppe. Die Stellung der Männchen in der Gruppenhierarchie dürfte auch vom Rang ihrer Mutter abhängen.

Sexuelle Interaktion
Die Interaktionen zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern sind meist friedlicher als bei anderen Primaten und beinhalten häufig Sexualverhalten. Dies dürfte der Reduktion von Spannungen dienen und wird unabhängig von Alter, Geschlecht oder Rangstufe ausgeübt. Auch das Gewähren sexueller Kontakte zum Nahrungsaustausch ist verbreitet. Bonobos praktizieren eine Vielfalt von Sexualkontakten, die auch Kopulationen mit einschließen. Der Geschlechtsverkehr kann auch mit zugewandten Gesichtern ("Missionarsstellung") erfolgen, was bei Gemeinen Schimpansen unbekannt ist. Entgegen einer weitverbreiteten Annahme geschieht dies aber nicht ausschließlich, sondern nur rund in einem Drittel der Fälle. Andere Formen beinhalten gelegentlichen Oralsex, das Streicheln der Genitalien und Zungenküsse. Weibchen praktizieren häufig das gegenseitige Aneinanderreiben der Genitalregionen. Dieses Verhalten dürfte der Versöhnung und der Regulierung von Spannungen dienen und auch die hierarchische Rangstufe anzeigen, da es häufiger von rangniederen Weibchen begonnen wird. Auch die Männchen praktizieren manchmal Pseudokopulationen, sie führen - gegenüber an Bäumen hängend - "Fechtkämpfe" mit ihren Penes durch oder reiben ihr Skrotum am Gesäß eines anderen Tieres.

"Aus Furcht, dass dies den Eindruck einer krankhaft sexbesessenen Spezies erweckt, muss ich hinzufügen, basierend auf hunderten Stunden der Beobachtung von Bonobos, dass ihre sexuelle Tätigkeit eher beiläufig und entspannt ist. Sie scheint ein vollständig natürlicher Teil ihres Gruppenlebens zu sein. Wie Menschen üben Bonobos die Sexualität nur gelegentlich, nicht ununterbrochen aus. Außerdem ist der sexuelle Kontakt bei einer durchschnittlichen Kopulationsdauer von 13 Sekunden eine nach menschlichen Standards ziemlich schnelle Angelegenheit."

Territorialverhalten
Die Reviergröße einer Großgruppe umfasst 22 bis 68 Quadratkilometer, was einem groben Durchschnitt von zwei Tieren pro Quadratkilometer entspricht. Die Länge der täglichen Streifzüge beträgt rund 1,2 bis 2,4 Kilometer. Die Territorien verschiedener Gruppen können sich überlappen, trotzdem gehen sie einander meistens aus dem Weg. Kommt es dennoch zu einer Begegnung, machen sie die andere Gruppe durch lautes Gebrüll oder Imponiergehabe auf ihr Revier aufmerksam. Mitunter kann es auch zu Kämpfen kommen, die brutalen Übergriffe der Gemeinen Schimpansen sind ihnen jedoch unbekannt.

Werkzeuggebrauch
Im Gegensatz zu Gemeinen Schimpansen ist bei Bonobos in freier Natur kein Werkzeuggebrauch bekannt. Die Gründe dafür sind nicht genau geklärt, man vermutet aber, dass ihre hauptsächlich aus Früchten bestehende Nahrung und ein zumeist ausreichendes Nahrungsangebot keine Notwendigkeit dafür ergaben. Bei Tieren in menschlicher Obhut lässt sich hingegen die Verwendung von Werkzeugen beobachten, Näheres siehe im Abschnitt Forschung.



Kommunikation
Verglichen mit Gemeinen Schimpansen überwiegen in der Kommunikation die lautlichen Äußerungen gegenüber der Verwendung von Körperhaltungen und Gesichtsausdrücken, was vermutlich durch ihr Leben im dichten und oft dunklen Wald bedingt ist. Ein hoher, schriller Schrei dient der Kontaktaufnahme, ein an Hundegebell erinnernder Laut stellt eine Warnung dar. Andere Laute können Aufregung, Zufriedenheit und anderes mehr ausdrücken. Ein hechelndes Ein- und Ausatmen stellt ein Äquivalent zum menschlichen Lachen dar.

Nahrung
Bonobos sind Allesfresser, die sich aber überwiegend pflanzlich ernähren. Früchte machen den Hauptbestandteil der Nahrung aus, Blätter und Kräuter der Bodenvegetation ergänzen insbesondere in fruchtarmen Zeiten den Speiseplan. Daneben nehmen sie auch Insekten und andere Wirbellose zu sich. Entgegen früheren Annahmen dürften auch Bonobos gelegentlich Jagd auf kleine bis mittelgroße Wirbeltiere machen, wobei diese im Gegensatz zu den Gemeinen Schimpansen von den Weibchen durchgeführt wird. Ducker (kleine Waldantilopen) scheinen dabei ihre Hauptbeute zu sein.

Fortpflanzung
Die Länge des Sexualzyklus beträgt rund 46 Tage, der Östrus dauert bis zu 20 Tage und ist durch eine Regelschwellung beim Weibchen gekennzeichnet.



Zahlenwerte zur Fortpflanzung sind bislang nur von Tieren in Gefangenschaft bekannt, aus Beobachtungen beim Gemeinen Schimpansen weiß man, dass diese Werte von denen freilebender Tiere deutlich abweichen können und daher unsicher sind. Die Trächtigkeitsdauer beträgt rund 220 bis 250 Tage, danach kommt in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt. Das Gewicht der Neugeborenen beträgt 1 bis 2 Kilogramm. In den ersten Lebensmonaten klammert sich das Jungtier am Fell der Mutter fest, später reitet es auf ihrem Rücken. Die Entwöhnung erfolgt erst nach rund 4 Jahren. Rund fünf Jahre nach der Geburt kann das Weibchen erneut werfen.

Die Geschlechtsreife tritt mit rund 9 Jahren ein, die erste Fortpflanzung erfolgt jedoch erst einige Jahre später, mit rund 13 bis 15 Jahren.

Da die Freilandstudien an Bonobos erst in den 1970er-Jahren begannen, ist die Lebenserwartung in freier Wildbahn unbekannt. Tiere in menschlicher Gefangenschaft können ein Alter von rund 50 Jahren erreichen.

Bonobos und Menschen

Entdeckung und Name

Für die moderne Wissenschaft wurde der Bonobo erst 1929 anhand eines Schädels aus einem belgischen Museum, der zuvor für den eines jungen Gemeinen Schimpansen gehalten wurde, entdeckt. Als Erstbeschreiber gilt der deutsche Zoologe Ernst Schwarz, wenngleich die ersten ausführlicheren Arbeiten erst 1933 von Harold Coolidge veröffentlich wurden.

Der Name "Bonobo" ist vermutlich die falsche Wiedergabe des Namens der Stadt Bolobo am Unterlauf des Kongo-Flusses. Von dort stammten die ersten Exemplare, die nach Europa gebracht wurden. Die andere Bezeichnung "Zwergschimpanse" wird aus den oben genannten Gründen nur mehr selten verwendet. Das wissenschaftliche Artepitheton paniscus ist eine Diminutivform zum Gattungsnamen Pan, der auf den bocksfüßigen Hirtengott Pan zurückgeht.

Forschung
Die Forschung an Bonobos wird in zwei Richtungen durchgeführt. Zum einen werden seit den 1970er-Jahren Freilandstudien in der Demokratischen Republik Kongo mit dem Ziel betrieben, die natürliche Lebensweise dieser Tiere zu erforschen. Der japanische Primatologe Takayoshi Kano führt seit 1974 Feldstudien durch, seit 1990 auch das Ehepaar Gottfried Hohmann und Barbara Fruth im Salonga-Nationalpark.

Der andere Forschungsschwerpunkt liegt in Laborversuchen, wo die Kommunikationsfähigkeit, die Intelligenz und das Lernverhalten dieser Tiere erkundet werden. Die Primatologin Sue Savage-Rumbaugh hat drei Bonobos namens Kanzi, Panbanisha und Nyota ein Vokabular beigebracht, das sie auf einer speziellen Tastatur anwenden, oder mit Kreide zur Kommunikation darstellen. Sie sind damit beispielsweise fähig, ihre Betreuer an ein Versprechen zu erinnern, ihnen eine Banane mitzubringen. Inwieweit sie gesprochene Wörter und Befehle verstehen und befolgen können, ist umstritten. Während die Betreuer an Forschungseinrichtungen behaupten, Bonobos verstehen sie, wenden Kritiker ein, dies könnte auch am Lautmuster oder an der Körpersprache liegen oder einfach Routinehandlungen darstellen. Trainierte Tiere schaffen es aber, einfache Steinwerkzeuge herzustellen und sinnvoll einzusetzen. Sie können Feuer machen und es auch wieder löschen.

Dieses Verhalten wird jedoch nicht von allen Tieren gezeigt. Bonobos, die weniger an den Kontakt mit Menschen oder an Tests gewöhnt sind, schaffen es nicht, einen Zusammenhang zwischen den Symbolen und den Gegenständen herzustellen, sie fertigen auch keine Steinwerkzeuge an und können auch keine kniffligeren Aufgabenstellungen lösen.



Bedrohung
Bonobos gelten als bedrohte Tierart, sowohl aufgrund des Verlustes ihres Lebensraumes als auch aufgrund der Bejagung durch den Menschen zum Verzehr (Buschfleisch). Die IUCN listet sie als stark gefährdet (endangered).

Schätzungen über die Gesamtpopulation sind kaum durchführbar. Als Beispiel für die Unsicherheit mag dienen, dass 1995 zwei Studien erschienen sind, von denen eine die Gesamtpopulation auf nur mehr 5000 Tiere schätzte, während die andere berichtete, dass die Gesamtzahl größer als bisher angenommen sein könnte und über 100.000 Tiere betragen könnte.

Zum Schutz der gefährdeten Menschenaffen hat die Regierung der Demokratischen Republik Kongo 2006 ein großes Regenwaldgebiet unter Naturschutz gestellt, das Lamoko-Yokokala-Reservat in der Provinz Équateur.

Systematik
Der Bonobo bildet mit dem Gemeinen Schimpansen (Pan troglodytes) die Gattung der Schimpansen (Pan). Schätzungen zufolge trennten sich die beiden Arten zwischen 1,8 und 0,8 Millionen Jahren . Die Gattung der Schimpansen stellt innerhalb der Familie der Menschenaffen (Hominidae) das Schwestertaxon des Menschen dar, dessen Entwicklungslinie sich vor rund 5 bis 6 Millionen Jahren von der der Schimpansen trennte.

Literatur
Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer, Berlin 2002, ISBN 3540436456
Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, 1999 ISBN 0801857899
Frans de Waal: Bonobos. Birkhäuser Verlag, Basel 1998, ISBN 3764358262
Sue Savage-Rubaugh, Roger Lewin: Kanzi. Droemer Knaur, München 1995, ISBN 3-426-26669-5 (Übersetzung von Sebastian Vogel; Originaltitel: Kanzi. The Ape at the Brink of the Human Mind, Wiley, New York)

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