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17.02.2009

Das Rotwild

Das Rotwild

Das Rotwild ist von der SCHUTZGEMEINSCHAFT DEUTSCHES WILD zum "Tier des Jahres 1994" gewählt worden. Der Grund für diese Wahl ist die zunehmende Bedrohung dieser größten freilebenden Tierart in Deutschland, besonders durch die immer enger werdenden Lebensräume. In vielen Briefen und Anrufen wurde die Schutzgemeinschaft immer wieder darauf aufmerksam gemacht; da ist die Rede von "gnadenloser Rotwilddezimierung", da wird berichtet, "der Bestand wird schonungslos verringert, so daß nur noch selten Wild zu sehen ist".

Eine Reihe von Tierarten der weltweit 31 Arten zählenden Hirschfamilie sind im Laufe der Zeit verschwunden; so zum Beispiel der Riesenhirsch und Schomburgk's Hirsch. Andere wie der Dybowskihirsch oder der nordafrikanische Berber- oder Atlashirsch konnten nur mit strengen Schutzmaßnahmen erhalten werden. Es besteht Gefahr, daß auch das Rotwild in Deutschland zu einer Rote-Liste-Art werden könnte: sowohl im Hinblick auf seine Bestandszahl als auch wegen genetischer Verarmung.



Ursprünglich kam das Rotwild in unseren Ländern fl ächendeckend vor. Das änderte sich, es wurde durch die landwirtschaftliche Intensivbewirtschaftung verdrängt. Das Rotwild wird in diesen Gebieten aufgrund der Schäden, die es anrichtet, seit langem schon nicht mehr geduldet. So entstanden die "rotwildfreien Gebiete", was zur Folge hatte, daß nur noch größere zusammenhängende Waldregionen Rückzugsgebiete dieser Wildart sein können. Hinzu kommt, daß dem Wild durch Besiedlung und Verkehrswege die natürlichen Wanderbewegungen unmöglich gemacht wurden. Die Tiere können nicht mehr wie früher ungehindert zur Sommerzeit in den Hochlagen der Alpen oder dem Mittelgebirge leben und im Winter die nahrungsreichen Regionen der klimatisch milderen Talauen aufsuchen. Die dem Rotwild verbliebenen Gebiete liegen heute durch "rotwildfreie Zonen" isoliert in der Landschaft. R. Kitzmann schreibt in "Naturschutz heute": Dem Rotwild "droht Gefahr durch Verinselung" ..."heute lassen sich die international hinlänglich untersuchten und belegten Isolationsfolgen ... nicht länger leugnen.

Biologen wie Dr. Erhard Ueckermann sprechen sogar von "Kleinstvorkommen des Rotwildes", etwa am Niederrhein. Um diese Bestände zu erhalten, seien genetische Untersuchungen über die ganze Breite der erblichen Anlagen notwendig. Und nochmals der Naturschutzbund Deutschland: "Angesichts dieser bedrohlichen Entwicklung liegt es nahe, das räumliche Ordnungskonzept der Rotwildgebiete und rotwildfreien Zonen kritisch zu überprüfen". Ausreichende Ruhezonen müssen eingeplant werden.

Besonders schwierig ist die Situation des Rotwildes in den Gebirgsregionen, vor allem in den Alpen. Wenn es dort zuviel Wild gibt, geht dies vielfach auf weit zurückliegende Ursachen zurück. Die Einstufung der Forsten unter dem Begriff des "Ewigen Waldes" im 17. Jahrhundert änderte sich im Alpenraum in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weitgehend. "Ewiger Wald" bedeutete, daß nur soviel an Bäumen eingeschlagen werden sollte, wie natürlich nachwächst. Industrialisierung und Verkehr, vor allem der Eisenbahnbau, ließen die Bedeutung des Waldes sinken, sein wirtschaftlicher Wert wurde vermindert. Hinzu kamen aber auch Faktoren wie die Ausmerzung von Wolf, Luchs und Bär sowie Beeinträchtigung der natürlichen Auslese. Hinzu kommt vielfach nicht naturgemäße oder übermäßige Winterfütterung und eine Schonung der weiblichen und jungen Tiere. Dadurch stieg oft die Zahl an Rot-, Reh- und Gamswild auf ein Mehrfaches dessen an, was unter natürlichen Bedingungen tragbar gewesen wäre. Die Konsequenz war in Verbindung mit einer heute als falsch erkannten, auf Monokultur ausgerichteten Forstpolitik übermäßiges Verbeißen von Jungbeständen und Schälen vor allem von Nadelhölzern. Diese Entwicklung führte letztlich dazu, daß der Begriff der "Bergwaldsanierung", zu deren Lösung die Ansichten jedoch auseinandergehen, schillernd wurde. Da liest man Forderungen nach "Ausrottung des Rotwildes" bis zum "Allheilmittel" des Einsperrens des Rotwildes in Wintergattern, aber auch die laienhafte Vorstellung, die Wiedereinbürgerung des Großraubwildes Bär, Luchs und Wolf oder gar ein Jagdverbot könnten das Wald-Wild-Problem lösen.



"Eigentlich ist aus ökologischer Sicht Wildverbiß kein Schaden", stellt Dr. Volker Guthörl vom Europäischen Wildforschungs-Institut (EWI) fest. "Bevor der Mensch eingriff", ergänzt Institutsleiter Dr. Kalchreuter, "gab es keinen Wildschaden, doch je mehr der Mensch den Forst zum Wirtschaftswald machte, desto mehr wurde vom Schaden gesprochen". Wo es beispielsweise zu 100 Prozent Wirtschaftswald gibt, kann man alles als Schaden betrachten. Auch das Argument, das Wild würde zur "Entmischung des Waldes beitragen", ist - so Kalchreuter - falsch. Wenn der Wald natürlich wachsen kann, stellt das Wild sich auf die entsprechenden Baum- und Pfl anzenarten ein.

Wenn das Rotwild bleiben soll, muß ein gewisses Maß an forstlicher Beeinträchtigung toleriert werden. Man muß aufhören zu versuchen, die Verbiß- und Schälschäden, die das Rotwild verursacht, allein durch erhöhte Reduktionsabschüsse unter Kontrolle zu bringen. Vielmehr, sagen die Experten, ist es auch notwendig, den Tieren durch Verbesserung des natürlichen Äsungsangebotes zusätzliche Nahrung zur Verfügung zu stellen - nur so kann das Wild von nicht tolerierbaren Schäden auf Flächen der Waldverjüngung abgelenkt werden. All dies hatte die seit Jahren lebhaft diskutierte Argumentation "Wald oder Wild" zur Folge. Auch die Schutzgemeinschaft vertrat stets die Auffassung, die Forderung müsse lauten, daß der Wald nicht ohne Wild sein dürfe und alles getan werden müsse, beide lebensfähig zu erhalten. Hierfür gibt es zahlreiche Argumente. Eines davon sind die Wechselbeziehungen zwischen Wald und Wild. Wald- und Talwiesen und der ökologisch wichtige Lebensraum des Magerrasens brauchen die Wildtiere, bei deren Verschwinden auch zahlreiche Pfl anzen und von ihnen abhängige Insektenarten - darunter sogar Rote- Liste-Arten - keine Existenzmöglichkeit mehr hätten. Beispiele aus dem Pfl anzenreich sind Bärwurz und Sonnenröschen.



Um die Zukunft des Rotwildes zu sichern, plädiert die SCHUTZGEMEINSCHAFT DEUTSCHES WILD gegen die zu oft geforderten Wintergatter. Solche Gatter sind ein Widerspruch zu dem, was unter freilebender Tierwelt verstanden wird. Das Rotwild ist eine Tierart, die Bewegung braucht, sein Wohlbefi nden hängt weitgehend von uneingeschränkter Wanderung ab. Diese ist, wie bereits geschildert, ohnehin schon stark eingeschränkt und wird durch Gatter noch mehr begrenzt. Wintergatter sollen, auch wenn dies nur selten zugegeben wird, nicht zuletzt dazu führen, einen überhöhten Wildbestand zu halten. Der gesetzlich gegebene Auftrag lautet jedoch, den Tierbestand den gegebenen Voraussetzungen anzupassen. Tiere sind nicht der totalen Verfügungsgewalt des Menschen unterworfen. Er hat dafür zu sorgen, daß sie in ihrer Art erhalten werden und einen höchstmöglichen Freiraum haben.

Es gibt zahlreiche Beispiele für andere Lösungen. In der Erprobung sind etwa Vorschläge wie das "Pregnitzer Modell" oder das "Vogelsberg-Modell". Beim erstgenannten, geht es darum, dem Rotwild einen bejagungsfreien Zeitraum von etwa acht Monaten dadurch einzuräumen, daß der Abschuß bis Ende Oktober vorgenommen werden muß. Intensive Bejagung soll im Juni erfolgen, danach bis Mitte August Jagdruhe sein. Die ersten Erfahrungen mit dem Pregnitzer Modell werden vom Leiter des gleichnamigen Forstamtes hinsichtlich der Schälschäden als "verhalten positiv" bezeichnet.

Das Modell Vogelsberg ist ein von Wildbiologen, Förstern und Jägern gemeinsam ausgearbeitetes Lebensraumkonzept für das Rotwild, mit dem die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen den Ansprüchen der größten deutschen Wildtierart an den Lebensraum und den menschlichen Einwirkungen darauf systematisch erfaßt und ausgewertet werden sollen. Ziel ist es, den Lebensraum des Rotwildes langfristig zu sichern und dabei die Ansprüche sowohl von Forstwirtschaft als auch von Jagd, Naturschutz und Naherholung so weit wie möglich in Einklang zu bringen. Die Störfaktoren für das Rotwild sollen damit verringert werden. Mit dem Projekt Vogelsberg sollen alle wichtigen Informationen über das Rotwild in einem Lebensraum-Gutachten dargestellt und die notwendigen Schlüsse daraus gezogen werden.



Einen Kompromiß zwischen den Ansprüchen des Wildes und des Menschen an den Lebensraum zu fi nden, ist auch die Forderung des Wildbiologen und Leiters der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung in Nordrhein - Westfalen, Dr. Petrak. Die inselartigen Rotwildgebiete, in denen der Mensch das Wild heute noch duldet, müssen - so der Wissenschaftler - untereinander vernetzt werden. Wenn das nicht geschieht, droht die Gefahr, daß die Erbanlagen der isolierten Rotwildbestände verarmen. In der Praxis bewährt haben sich bereits Ergebnisse des Forschungsprojekts Achenkirch zur Erhaltung der alpinen Umwelt, das sich in den Tiroler Bergen u.a. auch mit den Fragen der natürlichen Gliederung der Schalenwildbestände nach Geschlecht und Alter intensiv befaßt. Die in diesem Rahmen erarbeiteten Infrastruktur-Richtwerte für das Rotwild sind die Grundlage für die Praxis. Von Mitarbeitern des Förderungsvereins für Umweltstudien (FUST) wurde z.B. ein auf diesen Richtwerten beruhendes und vom zuständigen Bundesministerium in Wien gefördertes Computerprogramm ausgearbeitet, das sich für die Abschussplanung beim Rotwild als hilfreich erwiesen hat.

Die SCHUTZGEMEINSCHAFT DEUTSCHES WILD ist aufgrund dieser Bemühungen und obwohl noch manche der natürlichen Gegebenheiten wissenschaftlich nicht ausreichend geklärt sind, der Ansicht, daß Tierbestände durchaus waldverträglich sein können. Nötig sind naturnahe Waldbewirtschaftung verbunden mit infrastruktur- und naturgerechter Wildbewirtschaftung. "Infrastrukturgerechte Schalenwildbewirtschaftung" heißt: Wildarten, die heute keine natürlichen Feinde mehr haben, sind so zu bejagen, daß sie die ihnen verbliebenen Lebensräume in den von der Natur vorgegebenen sozialen Gruppierungen nach Geschlecht, Jung-, Hauptund Altwild für ihre gesunde Entwicklung optimal nutzen können, ohne diese Lebensräume nachhaltig zu schädigen. Auch die übrige Waldnutzung durch Wanderer, Pilzsucher und Sportler muß diesen Ansprüchen genügen, selbst wenn gelegentlich zum Wohl der Natur Beschränkungen notwendig sind. Dies ist für alle machbar und tragbar: Forstleute, Bauern, Jäger und Naturschützer müssen eng zusammenarbeiten, um nicht nur dem Rotwild, dem "Tier des Jahres 1994", das Überleben in unserem dicht besiedelten Land zu sichern, sondern auch um einem weiteren Verarmen unserer Natur entgegenzutreten.


Zum Tier des Jahres 2002 hat die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (Organisation zur Erhaltung der freilebenden Tierwelt), das Rotwild gewählt. Zum zweiten Mal, denn diese Tierart war 199 schon einmal dazu bestimmt worden. Die nochmalige Benennung wird damit begründet, dass die Situation des größten Tieres unserer Wälder sich in diesen acht Jahren nicht gebessert, sondern eher noch verschlechtert hat. Aus gleichem Grund war auch der Weißstorch im letzten Jahrzehnt zwei Mal zum Vogel des Jahres gekürt worden. Die Familie der Hirsche, zu der auch die Art Rothirsch zählt, ist weltweit mit 31 Arten vertreten. Einige sind bereits verschwunden, beispielsweise der Schomburgk-Hirsch und der Riesenhirsch, der ein über vier Meter breites Geweih hatte. Zwanzig Hirscharten sind nach Untersuchungen der Internationalen Union zur Erhaltung der Natur und der natürlichen Hilfsquellen (IUCN) gegenwärtig in Existenzgefahr. Noch gehört das Rotwild nicht dazu, doch gilt es als nicht ausgeschlossen, dass dies eines nicht so fernen Tages durchaus der Fall sein könnte.



Ein Hinweis darauf ist die Tatsache, dass Rotwild heute nur noch auf einem Siebentel der Landesfl äche Deutschlands anzutreffen ist. Außerdem leben die Tiere in Gebieten, die von einander getrennt sind, was nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Rotwild in rund 1 0 vorwiegend kleinen und kleinsten Biotopen der Fall ist. Diese Einschränkung hat schwerwiegende Folgen, denn sie macht einen Austausch der Populationen unmöglich.

Die Gründe für die Lebensraum-Begrenzung sind vielfältig. Das Wild hat durch immer noch zunehmende Zersiedlung keine Rückzugsräume mehr. Die Landschaft wird in hohem Maße verbraucht: durch Ausbau der Infrastruktur, Siedlungs- und Straßenbau. Täglich gehen nach Auskunft von Rolf-Walter Becker von der AG Rotwild über 120 Hektar Fläche als Wildlebensraum verloren. Leben unsere Wildtiere in den neuen Bundesländer in vielen kleineren, aber vor allem auch wenigen großflächigen Vorkommen, so ist im Westen meist das Gegenteil der Fall. Es sind durchweg kleinere Biotope und nur wenige große. Die Lebensräume rangieren zwischen 3.000 und 250.000 Hektar. So kommt es, dass die Rotwildgebiete in Deutschland von 6.000 ha im Saarland bis zu 681.000 in Mecklenburg-Vorpommern, 807.000 in Brandenburg und 820.000 Hektar in Bayern reichen. Ein immer dichteres Wegenetz, moderne Landwirtschaftsmethoden, Tourismus und Skibetrieb mit immer mehr Liften vor allem im alpinen Raum sind weitere Faktoren, die zunehmenden Zivilisationsdruck auf die Wildtiere ausüben.



Rückt so der Mensch den Tieren des Waldes zu dicht aufs Fell, schadet er gerade dem Rotwild noch weiter dadurch, dass viele diese Art als Waldschädling ansehen. Das schlechte Image, das besonders dieser Tierart anhaftet, entstand nicht zuletzt durch Horst Sterns Medienbeiträge "Bemerkungen über den Rothirsch" in den siebziger Jahren. Vokabeln wie "Umweltschädling" und "Krippenfresser" spuken immer noch in den Köpfen vieler Menschen herum, die nicht erkennen können oder wollen, dass die Verschlechterung der Wildbiotope zum Teil auch durch eine Jahrzehnte lange falsche Forstwirtschaft ausgelöst wurde. Man schuf Fichtenmonokulturen und unterdrückte das Laubholz.

Alle diese Faktoren zusammen genommen führten dazu, dass die so bedrängten Wildtiere immer weniger Ruhe fanden, nervös wurden und sich auch deshalb verstärkt mit Schälen und Verbeißen der Bäume "revanchieren".

Vielerlei ist notwendig, um diese Entwicklung zu bremsen, sie ins Gegenteil zu verkehren. Vorrangig ist, dass in unserem hochtechnisierten und dicht besiedelten Land ausreichend viele und großräumige Lebensräume für das Wild verfügbar sind. Es muss der Prozess gestoppt werden, in dessen Verlauf die behördlich ausgewiesenen Rotwildgebiete einem ständigen schleichenden Verlust an Fläche unterliegen, und zwar sowohl an den Außenrändern als auch in ihrem Inneren. Erforderlich ist auch eine stärkere Einschränkung der behördlich angeordneten "rotwildfreien" Landschaftsräume. Sie haben durchweg keinen Schutzstatus. Da in ihnen Fernwechsel des Wildes in benachbarte Rotwildvorkommen liegen, kommt ihnen große Bedeutung zu. Diese Fernwechsel-Korridore sind gerade bei Straßenbauten dann gefährdet, wenn keine wildökologischen Gegenmaßnahmen getroffen werden. So ist zum Beispiel der bis jetzt noch intakte "Ost-West-Korridor" des Rotwildes, der sich vom Erzgebirge über Thüringer Wald und das östliche Hessen bis zum Rothaargebirge erstreckt, ernsthaft bedroht: durch die Bauprojekte der A Kassel-Eisenach, der A 9 Nürnberg-Berlin sowie der A 17 Dresden-Prag. Bei diesen Projekten könnten zum Teil Grünbrücken helfen, wozu die AG Rotwild seit einiger Zeit Vorschläge erarbeitet. Außerdem müssen die bisher vereinzelten Rotwildgebiete zu "Rotwild-Regionen" zusammengefasst werden.

Um die Situation des Rotwildes in Deutschland zu verbessern, sind Ruhezonen für die Tiere sowie Wildwiesen zu schaffen. Grünäsungsfl ächen sind, wie Dr. Michael Petrak von der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten feststellt, sowohl aus wildbiologischen als auch aus waldbaulichen Gründen zur Wildschadensvermeidung sinnvoll. Denn alle Grasformationen sind bedeutsame Äsungsfl ächen für Wiederkäuer.



Wenn auch die Größe des Rotwildes imposant ist, so sind diese Tiere doch sehr empfi ndlich. Diese Tierart lässt sich, wie es auch bei vielen anderen Arten ist, nicht ohne weiteres so einordnen, wie der Mensch es am liebsten hätte. Sie weicht aus und konzentriert sich, was wiederum zu Schäl- und verstärkten Verbiss-Schäden führt. Wenigstens regional sind Verbesserungen zu verzeichnen. So kommt das "Forstliche Gutachten 2001" in Baden-Württemberg zu dem Ergebnis, dass der Wildverbiss zurückgegangen ist. Es heißt, dass bei den Baumarten Fichte und Buche fast schon eine entspannte Lage vorherrscht, was aber nicht für Tanne und Eiche gelte.

Wichtige Resultate zu den Waldschäden vor allem im alpinen Raum brachte das FUST-Forschungsprojekt "Alpine Umweltgestaltung". Man arbeitet an einem dauerhaften Kompromiss zwischen Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Naturschutz.

Zu den wichtigen Forderungen des Forschungsprojektes gehört auch das Problem der umstrittenen Rotwild-Wintergatter. Man kam nach gründlichen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass solche Gatter allenfalls kurzfristig eine Lösung sein könnten. Viel wichtiger sind in jedem Fall landschaftsplanerische Schritte sowie forstliche und jagdliche Maßnahmen, die darauf abzielen, die Ursachen der Waldschäden zu beheben. Es geht schließlich um die nachhaltige Sicherung des Lebensraumes für die Wildtiere. Eine Alternative zu Wintergattern stellen Ausgrenzungszäune dar. Sie schließen die Tiere nicht ein, sondern verhindern lediglich an bestimmte Stellen das Einwechseln des Wildes in Bestände, die ganz besonders gefährdet sind. Doch auch für die gilt, dass sie nicht als Ersatz oder zur Einschränkung des Lebensraumes für das Wild führen dürfen.

Eine Erkenntnis, die im Allgemeininteresse immer stärker greift, ist: Das Wild ist im Sinne des Naturschutzes und besonders der Arterhaltung weit mehr als bisher als Landschaftsgestalter anzusehen und ihm auch die Gelegenheit dazu zu geben. Gerade das Rotwild kann dazu mithelfen. "Mehr Wildnis" ist eine immer lauter erhobene Forderung, und dazu gehört, langfristig Monokulturen unserer Wälder aufzulösen. Und es wird dadurch auch erreicht, dass Platz geschaffen wird für eine Anzahl anderer Tierarten, beispielsweise für das Auerwild. Wenn es erreicht werden kann, dass dort auch Rotwild anzutreffen ist, kommt auch der Erholung suchende Mensch wieder dazu, einen Hirsch oder gar ein Rotwildrudel zu beobachten _ und ganz besonders nicht zuletzt auf diese Weise eine positive Einstellung zu den Tieren dieser Art zu finden.


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