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17.02.2009

DCS Projekte auf der ganzen Welt

Einleitung zu den wissenschaftlichen Feldprojekten der WDCS

Die Rote Liste von IUCN, der Weltnaturschutz-Organisation, mit deren Listung der Status frei lebender Tierarten bestimmt wird, stuft gegenwärtig zehn Walarten oder Walpopulationen als vom Aussterben bedroht und neun weitere als stark gefährdet ein. Manche Arten sind weiterhin als DD („data deficient“) eingestuft, da keine ausreichenden Daten vorhanden sind, jedoch sind vielerorts einzelne Populationen stark dezimiert bzw. vielleicht sogar vom Aussterben bedroht. Dies sind ernüchternde Zahlen und die Behauptung, dass die Menschheit bis jetzt noch kein Aussterben einer Walart zu verantworten hat, ist leider seit Dezember 2006 überholt. Der Chinesische Flussdelfin ist die erste Waltierart, für dessen Ausrottung erstmals allein der Mensch verantwortlich ist. Der nun als ausgestorben gelistete Baiji repräsentierte nicht nur eine der endemische Arten im Jangtze, sondern eine gesamte endemische Artenfamilie, die sich vor 20 Millionen Jahren ohne Verbindung zu anderen Walen und Delfinen zu einer eigenständigen Art entwickelte. Man bezeichnete den Baiji oftmals als ,lebendes Fossil’. Dieser Status ist bittere Realität, auch wenn es im Sommer 2007 zu einer angeblichen Sichtung eines Baiji im Yangtse kam. Viele lokale und regionale Walpopulationen sind enorm reduziert worden und Aussicht auf Erholung ist ungewiss.

Die Genetik vieler Arten befindet sich immer noch in einem frühen Stadium, was bedeutet, dass wir nicht genau wissen, an welchem Punkt eine Art beginnt und wo sie aufhört.

Einige Gattungen scheinen auch tatsächlich im Prozess der Artenbildung zu sein – wie zum Beispiel die Schwertwale, bei denen lokale Anpassungen zu genetisch verschiedenen Populationen führen. Es gibt viele Indizienbeweise, die dafür sprechen, dass es eine allgemeine Tendenz der Schwertwale zur Differenziation in unterschiedliche, noch unerforschte Arten, Unterarten, Formen oder Populationen gibt, von denen jede wahrscheinlich so klein sind, dass sie folglich leicht vom Aussterben bedroht sein könnte. Jede Einzelne benötigt daher eigene, spezifische Schutzmaßnahmen.

Dies ist einer der Gründe, warum Schutz auf dem Niveau der Arten allein nicht ausreichend ist. Der Ansatz der WDCS ist es, mit Schutzmaßnahmen bereits auf dem Populationsniveau anzusetzen. Dies findet mehr und mehr Beachtung in der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Dizon und Perrin (1997) beispielsweise erklärten, dass „Schutzbemühungen nicht nur darauf abzielen sollen, die Überlebensfähigkeit von Arten, sondern auch darauf, das volle Spektrum der ökologischen und genetischen Vielfalt sowie des Verhaltenrepertoires innerhalb der Arten zu erhalten.“

Dringend notwendige Schutzmaßnahmen, die aufgrund der genetischen, verhaltensspezifischen und ökologischen Verschiedenheiten auf Populationsniveau ansetzen müssen, werden aufgrund von auf Artenniveau angestellten Vermutungen behindert. Wenn der Ansatz auf Artenniveau und nicht auf Populationsniveau verfolgt wird, riskieren wir die Ausrottung vieler einzelner und einzigartiger Populationen, da ihr größerer Gefährdungsgrad aufgrund des Status der Art übersehen wird. Ein Beispiel hierfür ist der wichtige Schutz des Bestands des Gemeinen Delfins im Mittelmeer, der zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt ist und nicht zuletzt aufgrund intensiver Bemühungen der WDCS seit dem Jahr 2003 von IUCN als “stark gefährdet“ gelistet ist.

Um unser Ziel zu erreichen – den Erhalt ALLER Walarten – müssen wir sowohl den Ansatz auf Populations- als auch den auf Artenniveau verfolgen. Der Große Tümmler ist der wahrscheinlich bekannteste und am besten erforschte Delfin der Welt und man nimmt allgemein an, dass die Art selber robust ist/häufig vorkommt (trotz der IUCN-Klassifizierung als DD – data deficient). Wie jedoch die meisten Waltierarten, existieren viele räumlich getrennte Populationen des Großen Tümmlers, die weitgehend voneinander isolierte Gruppen mit nur geringem oder keinem genetischen Austausch darstellen. Mehrere dieser Gruppen sind in ernsthafter Gefahr, genetisch auszusterben – weitere Informationen hierzu bei unseren Projekten zum Schutz Großer Tümmler.

Einige Arten und Populationen müssten in mehreren Bereichen unserer Schutzprogramme auftauchen. Der Ganges-Flussdelfin zum Beispiel könnte sowohl im Flussdelfinprogramm, als auch im Programm für gefährdete Arten stehen. Jedoch beschränken wir die Beschreibung der Schutzprojekte auf den Bereich, in den sie am besten passen.

Mehr über die weltweite Arbeit der WDCS und der von der WDCS unterstützten Wissenschaftler finden Sie in den folgenden Dokumenten.


Kroatien: Der Große Tümmler



Ort: Cres Losinj Archipel, Kroatien
Tierart: Großer Tümmler
Wissenschaftliche Leitung: Blue World

Meeressäugetiere sind für Kommunikation und Orientierung auf akustische Signale angewiesen. Vom Menschen verursachter (anthropogener) Lärm kann jedoch diese Signale in unterschiedlicher Weise stören.
Anthropogener Lärm kann (abhängig von der Art und der Lautstärke der Töne)

von den Tieren toleriert werden (es wird keine offenkundige Reaktion hervorgerufen),
Veränderungen im Verhalten bewirken,
zu Ausweichreaktionen führen,
Töne zur Kommunikation oder Orientierung der Tiere überlagern,
den Gehörapparat beeinträchtigen,
sowie nicht-auditorische physiologische Schäden hervorrufen und
zu Stress führen.

Das Überlagern von Tönen und/oder die Schädigung der Gehörorgane beeinträchtigt die Kommunikationsfähigkeit des Tieres. Dies kann Auswirkungen auf das Sonarsystem, das ihnen bei der Nahrungssuche hilft, auf ihre Orientierungsfähigkeit, auf Wahrnehmung und Auswertung umweltbedingter Geräusche oder auf das rechtzeitige Erkennen von Feinden haben. Auch die Reichweite, über die die Tiere miteinander akustisch in Verbindung bleiben können, kann vermindert werden. Ist Kommunikation auch für die Paarung wichtig, so können Überlagerung von Tönen oder Hörschäden langfristige Auswirkungen auf den Reproduktionserfolg der betroffenen Tiere haben.

Boote und Schiffe sind für den Großteil des vom Menschen verursachten Unterwasserlärms verantwortlich. In den letzten Jahren wurden Akustik-Studien über die Auswirkungen der kommerziellen Schifffahrt gemacht. Unter anderem wurden Auswirkungen von Supertankern auf hoher See, aber auch Eisbrechern sowie mittleren und kleinen Schiffe auf die Meeresfauna untersucht. Allerdings ist nur wenig über die Art des Lärms, der von in küstennahen Gewässern weit verbreiteten Privatbooten verursacht wird, und deren Auswirkungen auf Wale und Delfine bekannt.

Während kurzfristige Änderungen des Verhaltens, hervorgerufen durch Unterwasserlärm, bei Delfinen festgestellt wurden, weiß man kaum etwas über längerfristige Auswirkungen dieser Beeinträchtigung. Delfine, die in Küstengebieten leben, können einen gewissen Grad an Lärmbelastung tolerieren. Wenn aber die Störungen größere Ausmaße erreichen – zum Beispiel durch mehrere Lärmquellen – lassen sich die Tiere aus bestimmten Regionen vertreiben. Auf Populationsebene hängen die Auswirkungen anthropogener Lärmverschmutzung vom Verhältnis der Größe des Lebensraumes zur Größe des vom Lärm betroffenen Gebietes ab. Die Situation wird folglich für eine Population dann kritisch, wenn sie regelmäßig ein oder mehrere kleine Gebiete nutzt, in denen es kontinuierlich zu Störungen kommt. In diesem Falle kann ein bedeutender Teil der durch Lärm verschmutzten Gebiete unbenutzbar werden, was direkte Auswirkungen auf die betroffene Population hat.

Forschung
Aktuelle Studien über kritische Lebensräume und Faktoren, die die Verbreitung der Großen Tümmler im Cres-Losinj Archipel (Kroatien) beeinflussen, lassen vermuten, dass menschlicher Lärm einen langfristigen Einfluss auf ihre Verbreitung hat.

Im Jahr 2004 wurde eine spezifische Studie zur Auswertung des Einflusses von Lärm auf die Verbreitung von Großen Tümmlern innerhalb der Grenzen des als Delfinschutzgebiet vorgeschlagenen Areals um Losinj initiiert. Diese Forschungsarbeit wird imRahmen des Adriatic Dolphin Project (ADP) – der längsten Studie von Großen Tümmlern im Mittelmeergebiet – durchgeführt.

Das Forschungsziel ist die Auswertung und Beschreibung der vom Menschen erzeugten akustischen Störungen auf die marine Umwelt in genau definierten Gebieten innerhalb des Delfinreservates. Die Hauptziele dieser Studie sind:

Vergleich und Beschreibung der unterschiedlichen Lärmbelastungen in und außerhalb der Tourismussaison.
Die Verbreitung der Delfine im Archipel in Beziehung zu den lokal bedingten Unterwassergeräuschen (sea ambient noise, S.A.N.).

Weitere Planung
a) Auswertung der Ergebnisse der Studie und Identifizierung kritischer Faktoren, die die Verbreitung der Delfine beeinflussen.
b) Festlegung möglicher Maßnahmen zur Verbesserung der Bedingungen und Diskussion möglicher politischer Maßnahmen.

Die Forschungsarbeit des ADP beinhaltet auch ausgedehnte Fotoidentifikationen der einzelnen Delfine sowie Verhaltensstudien und akustische Forschung. Es werden weiters Informationen über die Nutzung der Lebensräume, Sozialverhalten und Fortpflanzungsraten aufgenommen. Das ADP wurde im Jahr 1987 vom Tethys Research Institut gegründet und wird seit dem Jahr 2000 vom Blue World Institute of Marine Research and Conservation weitergeführt.

Sie können an der Forschungsarbeit um Cres-Losinj aktiv teilnehmen! Informationen unter WDCS-Reisen oder direkt bei Julia Neider, unserer Diplombiologin & „Wal- & Delfin-Beobachtungsreisen“-Spezialistin! Tel. in Deutschland: +49 89 6100 2395 , Tel. in Österreich: +43 1 4781331 oder per E-Mail: julia.neider@wdcs.org.

Griechenland: Delfinschutzprojekt im Golf von Amvrakikos



Ort: Golf von Amvrakikos, Griechenland
Zielart: Großer Tümmler
Forschungsinstitut: Tethys Research Institut

Der Golf von Amvrakikos befindet sich im Nordwesten Griechenlands und hat eine maximale Tiefe von 60 Metern und eine Küstenlinie von 256 Kilometern. Der Golf ist ein nahezu geschlossenes Becken, dessen einziger Zugang zum Ionischen Meer ein flacher und nur 600m breiter Kanal ist. Das Wasser des Golfs wird nur sehr langsam im Zuge eines Prozesses ausgetauscht, dessen Zyklus ungefähr ein Jahr dauert.

Projektbeschreibung
Die komplexe Dynamik von Nahrungsketten macht es oft schwierig, die Rolle von Walen im Ökosystem zu untersuchen und die ökologische Bedeutung von Interaktionen zwischen Waltieren und Fischern einzuschätzen. Allerdings können aufschlussreiche Studien in halbgeschlossenen Meeressystemen durchgeführt werden. Diese Gebiete repräsentieren ideale „natürliche Laboratorien“, in denen

Immigrations- und Emigrationsraten gegen Null gehen oder quantitativ bestimmbar sind;
die Biomasse der meisten repräsentativen Bestandteile des Ökosystems mit ausreichender Präzision geschätzt werden kann;
die Fischfänge und Beifangraten festgestellt werden können; und
die Populationsdynamik von Walen und Delfinen, als auch die durch den Menschen verursachte Todesrate kontrolliert werden können.
Vom Tethys Research Institute durchgeführte Forschungen haben bestätigt, dass im Golf von Amvrakikos eine große Gemeinschaft von Großen Tümmlern lebt. Studien auf Grundlage der Fotoidentifikationsmethode (7835 Bilder von Rückenflossen wurden archiviert und von diesen bis jetzt 107 Individuen identifiziert) zeigen, dass diese Delfine in hohem Maße ortstreu sind. Die Tiere scheinen sich kaum aus dem Golf heraus zu bewegen. Ein Grund dafür könnte der extreme Unterschied zwischen dem seichten, nährstoffreichen, trüben Gewässer des Golfes und dem tiefen, nährstoffarmen und klaren Wasser in den offenen Regionen des Ionischen Meeres sein.

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der halbgeschlossene Golf von Amvrakikos eine der höchsten Populationsdichten des Großen Tümmlers im gesamten Mittelmeergebiet aufweist. Obwohl der Golf Berichten zufolge von Einträgen durch Flüsse und Landwirtschaft verschmutzt wird, scheint der Lebensraum für Delfine geeignet zu sein, wahrscheinlich da Beutetiere im Überfluss vorhanden sind. Es ist daher erstaunlich, dass die Große Zahl an Großen Tümmler im Golf von Amvrakikos bis jetzt noch keine Aufmerksamkeit erregt hat, was wahrscheinlich am Mangel an Informationen über Größe und Status ihrer Population liegt. Das erste und wichtigste Ziel dieses Projektes ist es, zu verstehen, wie die lokale Delfingemeinschaft mit ihrer Umwelt interagiert und welche Auswirkungen menschliche Einflüsse – insbesondere Fischerei und Meeresverschmutzung – auf den Schutzstatus haben.

Der Golf von Amvrakikos, in dem sich die Großen Tümmler das ganze Jahr über aufhalten, bietet eine außergewöhnliche Möglichkeit, die Interaktionen mit der Fischerei von der Perspektive des Ökosystems aus zu untersuchen. Während innerhalb des Golfes noch reichlich Beute für die Delfine vorhanden ist, sind in den umliegenden offenen Gewässern des östlichen Ionischen Meeres Nahrungsmangel ein Problem und die Populationsdichte der Großen Tümmler gering. Vorläufige Daten zeigen, dass die Populationsdichte der Großen Tümmler im Golf von Amvrakikos deutlich höher ist als die der um die benachbarte Insel Kalamos lebenden Delfine, die in den vergangenen zehn Jahren vom Tethys Research Institute intensiv studiert wurden.

Im Zuge dieses Projektes werden die notwendigen Hintergrundinformationen für die Evaluierung der anthropogenen Bedrohungen und für die Durchführung von Ökosystemstudien gesammelt. Die Datenaufnahme inkludiert Informationen über die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta), Fische und Seevögel. Eine Arbeitshypothese lautet, dass, Großen Tümmler auch in sehr hoher Dichte überleben können, so lange reichlich Beute für die Tiere verfügbar ist – auch wenn der Grad der Umweltverschmutzung hoch ist. Die alternative Hypothese einer schrumpfenden Delfinpopulation – bspw. durch Veränderungen in der Qualität des Lebensraums und der Art der Beute – muss auch in Erwägung gezogen werden.

Im Golf von Amvrakikos, einem Ramsar-Gebiet seit 1975 (die Ramsar-Liste enthält international bedeutende Feuchtgebiete, innerhalb derer gewisse Verpflichtungen zum Schutz der Gebiete umgesetzt werden müssen), lebt eine große Anzahl Unechter Karettschildkröten und existiert eine reiche und auch seltene Arten umfassende Vogelwelt. Aufgrund der vielen anthropogenen Bedrohungen und der bemerkenswerten Mannigfaltigkeit von Ökosystemen ist es besonders wichtig, diese Lebensräume zu studieren und zu beschreiben, sowie Prioritäten für den Schutz im Zusammenhang mit einem vorgeschlagenen Nationalpark zu definieren.

Vergleichende Studien
Daten, die im Golf von Amvrakikos gesammelt wurden, werden mit Erkenntnissen über die gut untersuchten Großen Tümmler und die Gemeinen Delfine (Delphinus delphis), die außerhalb des Golfes in den nährstoffarmen Gewässern um die Insel Kalamos im östlichen Ionischen Meer leben, verglichen. Vergleiche zwischen diesen beiden geografisch zwar benachbarten aber wahrscheinlich getrennt lebenden Delfingemeinschaften werden sich auf die Ernährungsgewohnheiten und die Zeit, die für die Nahrungssuche und –aufnahme verwendet wird, konzentrieren.

Für weitergehende Informationen besuchen Sie bitte die Website von Tethys unter: http://www.tethys.org

Mundo Azul

Mundo Azul ist eine peruanische Umweltschutzorganisation und wurde im Jahr 1999 mit dem Ziel gegründet, die Artenvielfalt und Natur Perus zu schützen, sowie die nachhaltige Entwicklung der lokalen Dorfgemeinschaften zu fördern. Seit seiner Gründung hat sich Mundo Azul dabei schwerpunktmäßig um die peruanische Küste gekümmert.

Der Humboldtstrom vor der Küste Perus ist bekannt für seine reiche Fischproduktion. Diese ist die Nahrungsgrundlage für eine große Anzahl von Meeresvögeln und -säugern. Vor der peruanischen Küste wurden bislang 29 Wal- und Delfinarten registriert, darunter Blauwale, Buckelwale, Pottwale, Orcas und viele mehr. Entlang der peruanischen Küste leben auch Meeresotter, eine Seelöwen- und eine Pelzrobbenart.



Peru ist ein armes Land. Die Überfischung des Meeres führte im Jahr 1970 dazu, dass peruanische Fischer begannen, Delfine für den menschlichen Verzehr zu jagen. Anfang der 1990er Jahre wurden jedes Jahr bis zu 20.000 Delfine und Schweinswale getötet. Im Jahr 1996 gelang es Olga Rey, heute Präsidentin von Mundo Azul, und Nina Pardo, Mitbegründerin und ehemalige Präsidentin von Mundo Azul, den peruanischen Präsidenten zu überzeugen, die Jagd auf Delfine per Gesetz zu verbieten.



Heute, 11 Jahre nach dem gesetzlichen Verbot, werden jedoch immer noch Delfine illegal für den menschlichen Verzehr getötet. Nach verdeckten Recherchen von Mundo Azul in Häfen und lokalen Fischmärkten schätzen wir, dass jährlich das Fleisch von bis zu 3000 Delfinen und Schweinswalen illegal verkauft wird.



Um dagegen vorzugehen, arbeitet Mundo Azul eng mit der Polizei zusammen. Unsere verdeckten Ermittler überwachen die Märkte entlang der Küste und filmen Delfinfleischverkäufer mit versteckten Kameras. Danach stellen wir diese Information der Polizei zur Verfügung und helfen bei der logistischen Durchführung von Polizeieinsätzen, um diese kriminellen Delfinfleischhändler zu fangen. Wir reden nicht nur – wir handeln.

Gemeinsam mit Vertretern der Polizeiabteilung für ökologische Verbrechen führen wir spezielle Schulungsseminare für Polizisten und Staatsanwälte durch, um deren Kenntnis der Umweltgesetzgebung Perus zu verbessern. In unseren Seminaren lernen sie auch, wie man verdeckte Recherchen durchführt und wie man einen Polizeieinsatz plant und durchführt.

Das Töten von Delfinen ist ein Armutsproblem. Delfinfleisch ist nicht für Feinschmecker. Es ist das billigste Fleisch auf den Märkten der ärmsten Bevölkerungsschichten. Um wirksam gegen das Töten der Delfine vorzugehen, reicht es nicht, Gesetze zu erlassen und auf deren Einhaltung zu dringen. Es müssen wirtschaftliche Alternativen geschaffen werden.

Mundo Azul schult lokale Fischer, damit diese in ihren Booten Touristen zur Delfin- und Vogelbeobachtung aufs Meer fahren können. Dadurch lernen die Fischer, dass lebende Delfine und intakte Natur mehr wert sind als Delfinfleisch.

Um Delfine wirksam schützen zu können, müssen wir Information über die Situation der Bestände haben. Mundo Azul führt daher Freilandforschung durch, um Delfinbestände, deren Bedrohung und deren Lebensweise besser zu kennen. Im Jahr 2007 konnten wir unsere Delfinforschung dank der Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiter aus der ganzen Welt auf 240 Kilometer Küstenlinie ausweiten. Wir arbeiten zurzeit mit drei eigenen Booten von verschiedenen Häfen aus. Bis Ende 2007 werden wir wahrscheinlich mehr als 600 Delfine registriert und identifiziert haben.

Im Jahr 2008 wird Mundo Azul auch anfangen, die Bestände der beiden Flussdelfinarten im peruanischen Regenwald zu erforschen, um Vorschläge für deren Schutz erarbeiten zu können.


Sie können helfen, mit Ihrer Spende, die wir direkt an Mundo Azul weiter leiten.



Der Gemeine Delfin



Ort: Insel Kalamos im Ionischen Meer, Griechenland
Tierarten: Gemeine Delfine und Große Tümmler
Wissenschaftliche Leitung: Tethys Research Institute

Überblick über die Schutzaktivitäten
Der Gemeine oder Gewöhnliche Delfin war früher eine der häufigsten Arten im Mittelmeer. In den vergangenen 30-40 Jahren hat ihre Zahl jedoch dramatisch abgenommen. Im Jahr 2003 wurde der Gemeine Delfin im Mittelmeer von der Weltnaturschutzorganisation IUCN als „stark gefährdet“ eingestuft. Über die Ursachen dieses Rückgangs ist nur wenig bekannt, man geht jedoch davon aus, dass sie vorwiegend anthropogenen Ursprungs sind.

Mit vereinten Kräften des italienischen Forschungsinstitutes Tethys, der Schweizer Walschutzorganisation Ocean Care, von ACCOBAMS (Abkommen zum Schutz von Walen und Delfinen im Mittelmeer und im Schwarzen Meer) und der WDCS wurde ein Schutzmaßnahmenplan für diese Art entwickelt und von Anrainerstatten willkommen geheißen. In diesem wird die griechische Insel Kalamos im Ionischen Meer als ein Gebiet mit großer Bedeutung für den Schutz dieser Art identifiziert. Das griechische Umweltministerium hat dieses Gebiet vor allem aufgrund des Vorkommens von vereinzelten Gruppen Gemeiner Delfine in das Natura 2000 Netzwerk unter der EU-Habitatsrichtlinie inkludiert. Die große Bedeutung der Region um Kalamos wurde auch im „IUCN 2002-2010 Conservation Action Plan“ für Wale und Delfine der Welt hervorgehoben. Bisher haben jedoch all diese Empfehlungen und Ausweisungen in keinster Weise zum Schutz der abnehmenden Population von Gemeinen Delfinen beigetragen.

Den notwendigen Hintergrund für die Managementpläne und Öffentlichkeitsarbeit liefert die wissenschaftliche Forschung, die vom Tethys Research Institute durchgeführt und von der WDCS und Ocean Care mitfinanziert wird.

Forschungs-Schwerpunkte
Gemeine Delfine im östlichen Ionischen Meer scheinen sich hauptsächlich von Beutetieren zu ernähren, die sich in der Wasserkolonne oder nahe der Oberfläche aufhalten. Die Gemeinen Delfine konkurrieren möglicherweise mit der lokalen Fischerei um ihre Beutetiere, Sardinen und Anchovis. Auch wird in der östlichen Ionischen See intensive Schleppnetzfischerei betrieben, die negative Auswirkungen sowohl auf die Beutetiere von Großen Tümmlern als auch Gemeinen Delfinen haben kann. Die Gemeinen Delfine um Kalamos leben in einem höchst flexiblen sozialen System, in dem es ständig zur Bildung von Gruppen und Auflösung derselben kommt. Es wäre möglich, dass die Tiere sich durch diese Flexibilität an Veränderungen der Umwelt und Fluktuationen in der Beutezahl anpassen können. Die ortstreue und früher zahlenmäßig große Gemeinschaft der Gemeinen Delfine hat jedoch in diesem Gebiet seit dem Jahr 1997 kontinuierlich abgenommen.

Im Gegensatz dazu wird ein relativ stabiles Vorkommen von Großen Tümmlern beobachtet. Einige der Tiere zeigten eine hohe Ortstreue, andere kommen nur gelegentlich in das Gebiet. Die wahrscheinlichste Ursache für den beobachteten Rückgang der Gemeinen Delfine in den Gewässern des östlichen Ionischen Meeres ist Nahrungsknappheit aufgrund von Überfischung. Es wird vermutet, dass die Überfischung auch negative Auswirkungen auf andere marine Räuber, wie Schwert- und Thunfische hat.


Vergleichende Forschung
Die um Kalamos gewonnenen Daten werden mit Informationen über Große Tümmler im nahe gelegenen Golf von Amvrakikos verglichen. Die folgenden Vergleiche dieser beiden geografisch benachbarten, aber vermutlich getrennten Gemeinschaften von Großen Tümmlern können von Interesse sein: Vergleich des Nahrungsspektrums, Vergleich des Zeitanteils von in mit der Jagd und Nahrungsaufnahme in Zusammenhang stehenden Aktivitäten und Vergleich von möglichen Interaktionen mit der Fischerei.

Sie können an der Forschungsarbeit um Kalamos aktiv teilnehmen! Informationen unter WDCS-Reisen oder direkt bei Julia Neider, unserer Diplombiologin & „Wal- & Delfin-Beobachtungsreisen“-Spezialistin! Tel. in Deutschland: +49 89 6100 2395 , Tel. in Österreich: +43 1 4781331 oder per E-Mail: julia.neider@wdcs.org.

Italien: Finnwale im Ligurischen Meer



Pelagos Schutzgebiet für Meeressäugetiere im Mittelmeer
Das italienische Forschungsinstitut Tethys studiert Wale und Delfine im Ligurischen Meer seit Mitte der 1980er Jahre. Den WissenschaftlerInnen ist die Entdeckung einer Region zu verdanken, die von besonderer Bedeutung für mehrere Wal- und Delfinarten ist. Dieses Gebiet ist besonders reich an Nährstoffen und weist eine hohe Konzentration an Plankton, Evertebraten und Fischen auf. Da in dieser Region zahlreiche Beutetiere vorkommen, bevorzugen Wale und Delfine diesen Lebensraum und sind hier zahlreicher anzutreffen als in anderen Gebieten des Mittelmeers. Im Ligurischen Meer leben acht verschiedenen Wal- und Delfinarten.

Im Jahr 1989 hat Tethys aufgrund der hohen Bedeutung, die diesem Gebiet für Wale und Delfine als Lebensraum zukommt, einen Antrag für die Einrichtung eines Schutzgebietes im Korso-Ligurischen Becken eingereicht, das „Projekt Pelagos“. Nachdem Tethys und andere Umweltschutzorganisationen sich jahrelang für dieses Projekt eingesetzt hatten, kam es im Jahr 1993 zu einem Treffen zwischen den Regierungen von Italien, Frankreich und Monaco, bei der eine gemeinsame Absichtserklärung für die Einrichtung eines Schutzgebietes für Meeressäuger in dieser Region unterzeichnet wurde. Im Jahr 1999 wurde die Vereinbarung zur Einrichtung eines internationalen Schutzgebietes von Frankreich, Italien und Monaco unterzeichnet und im Jahr 2001 schrieben die Mitglieder des Barcelona-Übereinkommens (Übereinkommen zum Schutz des Mittelmeers gegen Verschmutzung) das Schutzgebiet in die Liste der „Specially Protected Areas of Mediterranean Importance (SPAMIs)“ ein. Mit diesem Eintrag sind die 21 Mittelmeerländer, die Mitglieder des SPA Protokolls des Barcelona-Übereinkommens sind, an die Vorschriften des Schutzabkommens gebunden. Obwohl das Management in der Gegend bisher wenig geändert wurde, repräsentiert das Abkommen einen wichtigen Schritt in Richtung effizientem Schutz von Tieren und Meeressäuger, die in dieser Region leben.

Das “Pelagos Schutzgebiet” umfasst eine Fläche von ungefähr 95 000 km2 und erstreckt sich über einen großen Teil des westlichen Mittelmeers, zwischen der Toskana, der Cote d´Azur und dem Norden Sardiniens. Das Forschungsgebiet von Tethys befindet sich innerhalb des Schutzgebietes und schließt ungefähr 24 000 km2 ein.

Leider spielen im Ligurischen Meer auch schwere anthropogene Einflüsse eine Rolle, wie chemische Verschmutzung, starker Schiffsverkehr und intensive Fischereiaktivitäten, die eine ernsthafte Bedrohung für das Überleben von Walen und Delfinen darstellen. Zusätzlich kam in den letzten Jahren noch eine weitere Gefährdung dazu – Kollisionen zwischen Waltieren und Schiffen. Zu diesen Zusammenstößen kommt es immer häufiger, vor allem aufgrund des ständig anwachsenden Schiffsverkehrs in der Region.

Das Finnwalprojekt im Mittelmeer
Das Ligurische Meer ist eines der wichtigsten Nahrungsgebiete für Finnwale im Mittelmeer. Seit dem Jahr 1990 werden das Vorkommen und die Ortstreue der Tiere in diesem Gebiet im Rahmen eines Langzeitforschungsprojektes mittels Techniken der Fotoidentifikation studiert. Bis heute konnten mehr als 300 Individuen anhand ihrer natürlichen Markierungen identifiziert werden. Die Rate an Tieren, die wiederholt gesichtet werden (entweder innerhalb einer Saison oder in verschiedenen Jahren) beträgt 19 Prozent. Die saisonale Ortstreue von wiederholt beobachteten Walen variiert von 1 bis 90 Tage, was darauf hindeutet, dass die Wale, oder zumindest einige von ihnen, den gesamten Sommer im Ligurischen Meer verbringen und sich dort von mediterranem Krill ernähren (Meganyctiphanes norvegica). Alle Daten legen nahe, dass die Tiere eine bemerkenswerte Orstreue im Ligurischen Meer zeigen. Dies unterstreicht die immense Bedeutung, die dieses Gebiet für die Biologie der Finnwalpopulationen hat.

Vorangegangenen Studien haben zu einer Populationsschätzung von 800-1000 Individuen im Korso-Ligurischen Becken geführt. Mit Hilfe der Fotoidentifikation werden immer weitere Individuen entdeckt, was auf das Vorkommen einer beträchtlichen Walpopulation hinweist.

Wichtige Ergebnisse kamen aus der Genetik: DNA-Analysen ergaben, dass die Finnwale im Ligurischen Meer von jenen im Nordatlantik genetisch getrennt sind, und dass sie zu einer isolierten Population gehören, die das ganze Jahr über im Mittelmeer lebt. Diese Erkenntnisse sind Grund für die besondere Sorge um das Überleben dieser endemischen Population (endemisch bedeutet: nur in einer bestimmten Gegend vorkommend) und verleihen ihnen auch einen besonderen Platz in den Herzen der Öffentlichkeit. Toxikologische Analysen haben ergeben, dass der Gehalt an PCBs und DDT im Fettgewebe von Finnwalen ziemlich hoch ist (wenn auch niedriger als in anderen Wal- und Delfinarten, die in diesem Gebiet vorkommen).

Das Vorkommen einer Walpopulation so nahe an der Küste führt unweigerlich zu einem raschen Anwachsen der Walbeobachtungsindustrie (eine kleine existiert bereits). Im Jahr 1993 wurde eine Verhaltensstudie ins Leben gerufen, mit dem Ziel, Richtlinien basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen für verantwortungsbewusste Walbeobachtung zu entwickeln. Die Reaktion von Walen auf das Nähern von Booten wird seit 1995 mit einer innovativen Methode studiert, bei der die Bewegungen die Tiere passiv verfolgt und zugleich die individuellen Atmungsmuster aufgenommen werden. Mittels GPS, das mit einem Labtop verbunden ist, werden die Wanderung und die Geschwindigkeit einzelner Wale mit Bezug auf die Meeresoberfläche bestimmt. Der Vergleich des Verhaltens bei verschiedenen Stufen von Störung deutet auf zwei gleichzeitig durchgeführte Vermeidungsstrategien hin: die Tiere verbringen mehr Zeit unter der Wasseroberfläche und bewegen sich schneller fort. Zwei verschiedene Bewegungsmuster wurden festgestellt: eines mehr oder weniger in eine Richtung gehend – dies deutet auf Wanderungsverhalten hin -, und eines in einem bestimmten Gebiet konzentriertes – dies weist möglicherweise auf Nahrungssuche hin. Die Reaktionen auf das Herannahen eines Bootes implizieren eine Tendenz, sich in mehr linearen Routen fortzubewegen, und, in einigen Fällen, die Nahrungssuche abzubrechen. Insgesamt lässt sich bei Vergleich mit den Daten von ungestörten Walen jedoch feststellen, dass die Population eine gute Toleranz in Bezug auf Walbeobachtung hat.

Seit dem Jahr 1998 wird auch das Tauchverhalten der Finnwale in den Sommermonaten untersucht. Es konnte dargelegt werden, wie diese Art die Fähigkeit zu tiefen Tauchgängen sowie Verhaltensmuster entwickelt hat, angepasst an die täglichen vertikalen Wanderungen ihrer Beute. Die gesammelten Daten zeigen beachtliche Tauchgänge in mehr als 500 Meter Tiefe. Das Tauchverhalten der studierten Wale weist darauf hin, dass Finnwale in der Ligurischen See der täglichen aufwärts gerichteten Migration der Echostreuschicht (dichte Ansammlungen von Plankton in mehreren 100m Tiefe) folgen. Diese Studie wird mit so genannten „velocity-time-depth-recorder“ durchgeführt, die programmiert werden, um die relative Geschwindigkeit der Tiere, die Tiefe der Tauchgänge, die Wassertemperatur und den Lichtgehalt zu messen. Diese Instrumente werden mit einem Saugnapf aus Distanz an den Tieren befestigt, sodass es zu keiner Beeinträchtigung kommt.

Weitere Forschung wird über die Auswirkungen von Kollisionen zwischen Waltieren und Schiffen im Mittelmeer durchgeführt. Eine Studie über den Nachweis von von Menschen verursachten Verletzungen der Finnwale hat gezeigt, dass von 380 identifizierten individuellen Finnwalen 22 (5.8%) Wunden oder Markierungen aufweisen, von denen 15 mit Sicherheit von einer Kollision mit einem Boot stammen. Eine Revision der Literatur über Finnwale im Mittelmeer zeigte, dass 32 von 195 gestrandeten Tieren (16.4%) aufgrund eines Zusammenstoßes mit einem Schiff starben. Diese Statistiken sind alarmierend und Tethys und die WDCS setzen sich aktiv dafür ein, dass Strategien zur Vermeidung von Kollisionen angewendet werden.

Sie können an der Forschungsarbeit im Ligurischen Meer aktiv teilnehmen! Informationen unter WDCS-Reisen oder direkt bei Julia Neider, unserer Diplombiologin & „Wal- & Delfin-Beobachtungsreisen“-Spezialistin! Tel. in Deutschland: +49 89 6100 2395 , Tel. in Österreich: +43 1 4781331 oder per E-Mail: julia.neider@wdcs.org.


Schutz der „vom Aussterben bedrohten“ Schwertwalpopulation in der Straße von Gibraltar



Das saisonale Vorkommen zweier Schwertwalpopulationen, auch Orcas genannt, in der Straße von Gibraltar ist seit über 3000 Jahren für die Einheimischen das Zeichen für die Wanderung der Roten Thunfische. Rote Thunfische wurden in den letzen zwei Jahrzehnten intensiv bejagt und die jährliche Fangmenge nimmt dramatisch ab. Die Schwertwale werden von den Fischern als Nahrungskonkurrenten gesehen und es kam bereits zu illegalen direkten Tötungen von Orcas. Obwohl nur wenige Informationen über die lokalen Schwertwalgruppen vorliegen, gehen Wissenschaftler davon aus, dass zumindest eine der beiden vom „Aussterben bedroht“ ist und nur mehr rund 30 Tiere umfasst. Ziel des Projektes ist das Monitoring der vom „Aussterben bedrohten“ Schwertwalpopulation und Überwachung der Fischereiaktivitäten.

Der Schwarzmeer-Schweinswal



Der Einfluss der Fischerei auf den Schweinswal in den Gewässern der Halbinsel Krim

Hintergrund
Werden beim Fischfang andere als die gewünschten Arten gefangen, werden diese als Beifang bezeichnet. Ein grausames Schicksal, das Fische, Vögel, Schildkröten und v.a. Wale und Delfine in allen befischten Gewässern ereilen kann.
Im Schwarzen Meer deuten aktuelle Schätzungen darauf hin, dass der Beifang unter den vom Menschen verursachten Todesursachen für Wale und Delfine an erster Stelle steht. Vor allem Schwarzmeer-Schweinswale (Phocoena phocoena relicta) geraten in den Gewässern der Krim-Halbinsel in großer Zahl in Bodenstellnetze, die auf Steinbutt, Dornhai und Stör gesetzt werden. Diese Netze werden sowohl von lokalen Fischern als auch von ausländischen (manchmal illegalen) Fischereiflotten verwendet. Die bislang gesammelten Daten lassen vermuten, dass Hunderte Tiere jährlich in den Netzen jämmerlich ersticken, v.a. in den Monaten April bis Juni und September bis Oktober, wenn der Steinbutt Hochsaison hat. Das genaue Ausmaß ist jedoch unbekannt.

Projekt
Flankiert vom Aktionsplan 2002-2010 der World Conservation Union (IUCN) und eines Planes zum Schutz von Walen und Delfinen im Schwarzen Meer unter der Schirmherrschaft des Abkommens zum Schutz von Kleinwalen im Mittelmeer und im Schwarzen Meer (ACCOBAMS) und der Schwarzmeerkommission, die alle die Dringlichkeit des Themas Beifang in der Schwarzmeer-Region betonen, entwickelten die beiden ukrainischen Wissenschaftler Sergey Krivokhizhin und Alexei Birkun das vorliegende Pilotprojekt zur Erfassung des Beifangs in den Gewässern an der Westküste der Krim-Halbinsel.

Speziell ausgebildete BeobachterInnen dokumentieren an Bord des Fischereischiffs „Klyon“ im Laufe der Frühjahrs- und Herbstmonate mehrere Hundert Netzsetzungen. Dabei werden alle relevanten Daten, Fotos und Gewebeproben für Laboruntersuchungen gesammelt und die Körper der in den Netzen gelandeten Wale und Delfine für weitere Untersuchungen an ein spezielles Labor weitergegeben. Die beiden Wissenschaftler, die auf dem Gebiet des Beifangs Pionierarbeit in der Region leisten, werden durch diese Aufzeichnungen in der Lage sein, eine realistische Aussage zum tatsächlichen Ausmaß des Beifangs machen und die Bedrohung für den Schwarzmeer-Schweinswal abschätzen zu können.

Parallel wird ein 35 km langer Küstenabschnitt der Krim regelmäßig nach gestrandeten Tieren abgesucht, um das Ausmaß des Beifangs als mögliche Ursache für Strandungen ermitteln zu können. Darüber hinaus stellt die verstärkte Einbindung der vom Fischfang lebenden Küstengemeinden einen wesentlichen Bestandteil des Projektes dar, um über das Problem des Beifangs aufzuklären und das Verhalten der Fischer zu ändern. Eine Intensivierung der schon bestehenden Zusammen¬arbeit mit Behörden und Ministerien findet ebenfalls statt, um nachhaltige Schutzmaßnahmen vorantreiben zu können.

Zwischenergebnisse Juli 2008
Nach Abschluss der Frühjahrssaison 2008 legte Alexei Birkun einen beunruhigenden Zwischenbericht vor: Insgesamt 118 Schwarzmeer-Schweinswale und zwei Große Tümmler gerieten während dieses Zeitraums in die Netze des Fangschiffs „Klyon“.

Die parallel durchgeführte Kontrolle des Strandes ergab, dass nur während der Fischfangsaison Kadaver von sechs Schwarzmeer-Schweins¬walen und zwei Großen Tümmlern an den Strand gespült worden waren, in den Monaten davor und danach konnten keine Strandungen registriert werden. Ob diese Tiere tatsächlich in den Netzen gestorben waren, konnte aufgrund des schlechten Zustands der Körpergewebe nicht mehr geklärt werden. Nur bei den Tieren, die ohne Fluke gefunden wurden, gehen Alexei und seine Kollegen mit großer Sicherheit davon aus, dass diese Kleinwale aus den Netzen geschnitten worden waren.

Zwischenergebnisse Januar 2009
Auch die vorläufigen Ergebnisse nach der gesamten Forschungssaison sind bedrückend (der Abschlussbericht wird Anfang März vorliegen): Bei den insgesamt 2.954 Netzsetzungen, die an Bord der „Klyon“ beobachtet wurden, musste das Forschungsteam 354 Kleinwale als Beifang registrieren.

Ausblick 2009
Für das Jahr 2009 ist neben der bereits für 2008 durchgeführten Dokumentation des Beifangs der Einsatz einiger modifizierter Stellnetze geplant, die von Walen und Delfinen leichter erkannt werden sollen. Ihr Einsatz wird von den ukrainischen Behörden unterstützt und soll Vergleichsdaten zu den üblichen Bodenstellnetzen liefern.

Projektteam
Studienleiter
Sergey Krivokhizhin
Director of the Brema Laboratory
Supervisor
Alexei Birkun
Vorsitzender des Black Sea Council for Marine Mammals

Die beiden Wissenschaftler sind anerkannte Experten auf dem Gebiet der Meeressäugerforschung im Schwarzen Meer und federführend bei der Entwicklung von Schutzmaßnahmen in der Region.


British Columbia: Das Orcalab

Die WDCS unterstützt die Arbeit von Helena Symonds und Paul Spong auf Hanson Island.



Die Walforschungsstation OrcaLab befindet sich auf Hanson Island, British Columbia, Kanada. Sie wird von Paul Spong und seiner Frau Helena Symonds geleitet. Zunächst war die Forschungsstation eine Freilandbasis der Universität von British Columbia. Im Jahre 1979 wurde OrcaLab eine eigenständige Forschungsstation, an der Studenten und andere Interessierte mithelfen, das Wissen über Orcas zu erweitern. Symonds und Spong zählen zu den weltweit renommiertesten Experten, die ihr Leben dem Schutz von Walen und Delfinen verschrieben haben.



Die Tiere werden an verschiedenen Stellen vom Land aus beobachtet, sodass sie sich durch die Arbeit der Forscher nicht gestört fühlen. Durch Kommunikationsaustausch mit anderen Beobachtern (sowohl Wissenschaftern als auch Walbeobachtern) können zusätzliche Informationen (z.B. die Aufenthaltsorte der Tiere) zur Interpretation der Daten herangezogen werden.

Ein Netzwerk von Hydrophonen ist um das wichtigste Verbreitungsareal der Orcas positioniert. So können das ganze Jahr über akustische Analysen der Orca-Kommunikation durchgeführt werden.

Die wissenschaftliche Arbeit auf Hanson Island:

Akustische Analyse der Orca-Stimmen
Entwicklung von Computerprogrammen, die die individuellen
Eigenheiten einzelner Orcastimmen erkennen sollen
Erforschung der Evolution der Orca-Dialekte
Symonds und Spong arbeiten eng mit der WDCS zusammen, um die Gefangenschaftshaltung dieser hochsozialen Meeressäuger zu beenden. Anfang der 1990er Jahre unterbreitete Spong dem Vergnügungspark Sea World einen Vorschlag, um den Schwertwal Corky in einem kontrollierten Projekt wieder zu ihrer Familie in die Gewässer von British Columbia zu bringen. Diese von der WDCS mitgetragenen Aktion hat bislang mehr als 17.000 Kinder dazu bewegt, für Corky zu malen. Corky ist der längste in Gefangenschaft gehaltene Schwertwal und ihre Familie in freier Wildbahn ist uns bekannt.

Unterstützen Sie unsere Projektarbeit jetzt mit Ihrer Spende! Vielen Dank!
https://secure.wdcs.org/de/forms/spende/spende.php?herkunft=wdcs-de.org

Indien: Schutz des Ganges-Delfins



Ort: Vikramshila Gangetic Dolphin Sanctuary, Bihar, Indien
Art: Ganges-Delfin
Wissenschaftler: Vikramshila Biodiversity Research and Education Centre (VBREC), unter der Leitung von Dr. Sunil Chaudhary.

Der Ganges-Delfin, der von der lokalen Bevölkerung ‚Soons’ genannt wird, war einst in vielen Flüssen Indiens, Nepals und Bangladeschs zu Hause. In den letzen 100 Jahren ist er jedoch aus einem großen Teil seines früheren Lebensraumes verschwunden und seine Zukunft ist ungewiss. Möglicherweise leben heute nur noch zwischen 4.000 und 5.000 dieser Tiere. Staudämme sind eine große Gefahr für Flussdelfine, da sie die Tiere isolieren und daran hindern, frei den Fluss auf und ab zu schwimmen. Ganges-Delfine können nur sehr schlecht sehen. Sie benutzen Echolokation, um Beute aufzuspüren, welche sie mit ihrem langen Schnabel und ihren vielen kleinen, scharfen Zähnen fangen.



Das Vikramshila-Schutzgebiet in Bihar, Indien, ist Asiens einziges ausgewiesenes Schutzgebiet für diese stark gefährdete Delfinart. Leider verfügt das Reservat über keinen offiziellen Schutz- und Erhaltungsplan und große Teile der Bevölkerung wissen gar nicht, dass es sich um ein geschütztes Gebiet handelt, in dem bestimmte Vorschriften gelten. Deshalb werden in dem Schutzgebiet nach wie vor absichtlich wie unabsichtlich – beispielsweise als Beifang in Fischernetzen – Flussdelfine getötet und zu Produkten wie Delfinöl verarbeitet. Überdies hat die indische Regierung den Flussabschnitt innerhalb des geschützten Gebietes zu einer „Wasserstraße“ erklärt und den großen Transportschiffen gestattet, auf ihrem Weg zu den flussaufwärts gelegenen Städten das Schutzgebiet zu durchqueren.

Zunächst hatte die WDCS in Kooperation mit lokalen Umweltschützern des „Vikramshila Biodiversity Research and Education Centre“ (VBREC) und der Universität Patna sowie später auch mit Wissenschaftlern der T.M. Bhagalpur Universität ein Projekt initiiert, um einen 50 km langen Abschnitt des Ganges-Mittellaufs in Indien von einem Schutzgebiet, welches nur auf dem Papier besteht, in ein Schutzgebiet umzuwandeln, das diesen Namen auch verdient, indem es einen effektiven Schutz für Flussdelfine und andere Wassertiere bietet. In den vergangenen Jahren konnten wir lokale Experten ausbilden und ein Projektteam aufbauen. Außerdem begannen wir mit Öffentlichkeitsarbeit in den Gemeinden der Region und initiierten ein Forschungsprogramm. Dieses beinhaltet auch eine umfassende Studie über die Größe der Delfinpopulation, ihren Lebensraum und die Gefahren, denen sie ausgesetzt ist. Allgemein konnten wir im Schutzgebiet eine große Vielfalt an gefährdeten Flussbewohnern feststellen, darunter der Gangesgavial (Gavialis gangeticus, eine Krokodilart), Indischer Fischotter (Lutrogale perspicillata) und eine Vielzahl verschiedener Schildkröten- und Weichschildkrötenarten. Eine der wichtigsten Errungenschaften ist die Entwicklung des „Vikramshila Conservation Action Plan“, eines Schutz- und Erhaltungsplans für das Gebiet.

Das WDCS-Projekt muss nun dringend auf Basis dieses Erhaltungsplans intensiviert werden. Zu den Bestandteilen des Plans zählen: 1) Bewusstseinsbildung in den betroffenen Gemeinden und Förderung der Teilnahme an Schutzaktivitäten und -plänen; 2) Förderung der Verantwortlichkeit durch Vergabe von Fischereirechten an die Gemeinden; 3) Aufbau eines Forschungs- und Bildungszentrums, das der Biodiversität im Fluss gewidmet ist; 4) Wissenstransfer an Regierungsbehörden und einflussreiche Einzelpersonen; 5) Herausstellung der Flussdelfine als „Flaggschiff-Art“ gesunder Flüsse; 6) Überwachung des Zustands der Delfine und der Umweltbedingungen im Schutzgebiet; 7) konzentrierte Schutzbemühungen in Gebieten mit besonders hoher Delfindichte; 8) Förderung der Gewinnung von Öl aus Fischresten als Alternative zum Delfinöl, das zur Anlockung von Fischen benutzt wird.

Das asiatische Projektteam beschäftigt sich auch mit Populations-, Lebensraum- und Gefahrenmonitoring im Schutzgebiet. Die Forschungsarbeiten und andere Aktivitäten wurden auch auf Video festgehalten. Für die WDCS-Aufklärungskampagne sind diese Aufzeichnungen äußerst hilfreich. Sie wurden der lokalen Fischergemeinde, prominenten Persönlichkeiten und Medienvertretern vorgeführt. Die Reaktionen fielen überaus positiv aus. Lokale Fernsehsender wurden vom Team ermutigt, einen Teil des Filmmaterials einem größeren Zuschauerkreis zugänglich zu machen.

Die Fischergemeinde von Barari Ghat erklärte nach dem Besuch eines Theaterstücks über Flussdelfine ihren Wunsch, am Fluss in der Nähe ihres Dorfes eine Beobachtungsstation zu errichten, da dort bekanntermaßen Delfine in ansehnlicher Zahl vorkommen. Dies ist ein Zeichen für den Erfolg der Informationskampagne. Das Team des VBREC plant, hier eine Delfin-Beobachtungsstation zu bauen und mit Unterstützung der Fischergemeinde lässt sich dies wesentlich leichter verwirklichen.

Beobachtungen auf Fischmärkten und an Orten, wo Fischer ihren Fang an Land bringen, ermöglichen es dem Team, die Fischereiaktivität, verwendete Geräte und allfällige Abweichungen von geltenden Vorschriften zu beobachten sowie Informationen über Delfintötungen zu gewinnen.

Die Existenz des Vikramshila-Schutzgebietes kann über Leben und Tod der dort lebenden Flussdelfine - und auch der dortigen Fischergemeinden - entscheiden. Außerdem kann ein gut funktionierendes Vikramshila-Schutzgebiet als Modell für weitere, ähnliche Projekte in Asien dienen.

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