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18.02.2009

Der Elch

Der Elch

Der Elch ist "Tier des Jahres 2007", gewählt von der SCHUTZGEMEINSCHAFT DEUTSCHES WILD, Organisation zur Erhaltung der freilebenden Tierwelt. Sie setzt damit fort, was mit der Wahl des Wolfes 2003 und des Braunbären 2005 begonnen worden war: sich für die Tierarten einzusetzen, die einst Standwild und heimisch in Deutschland waren, durch menschliche Aktivitäten aber verschwanden und nun auf natürlichem Wege zurückkehren.Der Elch ist damit die dritte der großen Arten, die nun wieder Heimatrecht in Deutschland haben. Der "grimme Schelch" des Nibelungenliedes ist die größte Hirschart, die auf Erden existiert. Zur Wiederkehr des Elches erklärte der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, Hartmut Vogtmann: "Wir halten eine dauerhafte Etablierung für durchaus realistisch, weil diese Regionen ausreichend groß und gewässerreich genug sind und große verkehrsarme Räume haben, die der Elch braucht".



Schon seit Jahrzehnten sind immer wieder Einzelexemplare des Elches in deutschen Bundesländern gesichtet worden: in Westfalen, Württemberg, an Donau und Isar und nahe München. Nach Erkenntnissen des Landesjagdverbandes Bayern wurden seit 2005 immer wieder Elche in Bayern beobachtet, die offenbar aus den nahe gelegenen Moldau-Stauseen zuwandern. Im niederbayerisch-ober-pfälzischen Grenzraum halten sich gegenwärtig zwei Tiere auf. Seit der deutschen Einheit tauchen die Tiere, die Einzelgänger und Weitwanderer sind, vermehrt in den Wäldern Brandenburgs auf, vor allem im Gebiet der Unteren Oder. Doch auch in Sachsen werden immer wieder Elche beobachtet, in erster Linie in der Lausitz im Bereich der Muskauer Heide, wo es seit Jahren schon zwei Wolfsrudel gibt. Die meisten dieser Tiere verunglücken im Straßenverkehr oder werden widerrechtlich erlegt. Die sächsische Landesregierung bemüht sich um den Elch, für den ein Projekt im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft als Tourismus- und Bildungsfaktor gefördert wird. Auch Dänemark bemüht sich um die Wiederansiedlung des Elches, nachdem der aus Schweden über den Öresund auf die dänische Insel Seeland herübergeschwommene einzige Elch des Landes auf einer ICE-Strecke überfahren worden war.

In Deutschland gab es den Elch nach Kriegsende und dem Verlust Ostpreußens nicht mehr. Nur etwa 1200 der zuvor nach Tausenden zählenden ostpreußischen Großhirsche konnten die Kriegswirren überleben. Ihre Zahl ist nun wieder höher, da die russische Verwaltung den Elch erfolgreich wiederansiedeln konnte. In der Vergangenheit stand Alces alces, wie das Tier des Jahres 2007 wissenschaftlich heißt, schon mehrmals in Gefahr, in Deutschland auszusterben. Nach dem Siebenjährigen Krieg musste Friedrich der Große eine mehrjährige Schonzeit anordnen. Auch 1849, nach einer kurzen Periode der allgemeinen Jagdfreiheit, durch die Revolution von 1848 ausgelöst, war der ostpreußische Elchbestand stark dezimiert, es lebten nur noch elf Tiere. Und in der Infl ationszeit nach dem Ersten Weltkrieg zogen Banden durch die Wälder Ostpreußens und schossen die Elche in einem Maße ab, dass mit ihrem Verschwinden gerechnet werden musste. Hinzu kamen am Beginn der 30er Jahre große Überschwemmungen, bei denen mehr als 80 Jungelche umkamen. Daraufhin wurde die Eindeichung verbessert und außerdem "Elchberge" als Zufl uchtsorte für die Tiere mit dem stärksten Geweih aller heute vorkommenden Hirscharten angelegt.



Einer, der sich sehr für den Elch einsetzte, war der frühere preußische Ministerpräsident Otto Braun, der von 1918-1921 in Berlin regierte. Er war begeisterter Jäger und verbrachte viel seiner Freizeit in der Schorfheide. Für ihn hatten Jagd und Naturerleben einen hohen Stellenwert, und das urige Erscheinungsbild des Elches faszinierte ihn. Braun hatte auch beträchtlichen Einfluss auf den Prozess des Umdenkens hinsichtlich der Diskussion um Jagd und Natur, was sich nicht zuletzt im Reichsjagdgesetz von 1934 zeigte. Dieses Gesetz fand nicht zuletzt durch Braun viel Lob auch im Ausland und wurde als besonders fortschrittlich gelobt.

Im Frühmittelalter war der Elch noch über ganz Deutschland verbreitet, wie zahlreiche Funde von Geweihen, Zähnen und Knochen aus Süddeutschland beweisen. Ebenso zeigen dies alte deutsche Ortsnamen wie etwa Ellwangen an, das aus dem Althochdeutschen "elahoswanc" = Elchwiese kommt. Elche lebten auch um Berlin, wie Funde bei Ausschachtungen für die U-Bahn bezeugen. Heute existieren in Europa etwa eine Million Elche, gleich viele in Nordamerika. Im US-Bundesstaat Maine können bereits 10jährige auf Elchjagd gehen: auch mit Pistole sowie Pfeil und Bogen, zudem sind nun erstmals auch elektronische Geräte zum Anlocken der Tiere erlaubt.

Der Elch ist ein vorwiegend allein lebendes Tier, das nur in der Brunftzeit die Nähe der Partnerin sucht. Sein bevorzugter Lebensraum sind lichte Wälder mit Freifl ächen wie Flussauen, Sümpfen und Kahlschlägen. Dort fi ndet er seine Nahrung: Blätter, Triebe und Rinde vor allem von Weiden, im Winter äst er Zweige und Sträucher, ebenso die Nadeln von Gehölzen. Zwischen April und Juni werden die gelbbraunen Elchkälber geboren, die bei der Geburt schon bis zu 80 cm groß sind und schnell wachsen. Zum Jahresende haben sie bereits eineinhalb Meter erreicht. Nach eineinviertel Jahren sind sie fortpfl anzungsfähig.



Neben den wildlebenden Elchen Europas werden die Tiere mit dem mächtigen Geweih auch als Nutztiere gehalten und gezüchtet, vor allem in Russland. In der sibirischen Versuchsstation Serpuchowsk werden sie zur Milch- und Fleischgewinnung verwendet, außerdem auch als Zugtiere eingesetzt. Sie tragen Lasten und ziehen mit Schlitten Holz aus den Wäldern. Rekordhalter ist ein Elchbulle, der eine Holzlast von 1860 Kilo transportierte.

Natürlicher Feind der freilebenden Elche ist der Wolf, doch konnten Forscher herausfi nden, dass sich im Verhältnis der beiden Tierarten zueinander ein biologisches Gleichgewicht einstellt. Das Ergebnis eines 10-Jahres-Programmes in Kanada war, dass Wölfe den Elchbestand nur in dem Maße verringern, wie der natürliche Zuwachs ausmacht. In einer Region der zum US-Bundesstaat Michigan gehörenden Insel Royale hatten die Elche durchschnittlich 250 Jungtiere im Jahr, und etwa die gleiche Zahl an schwächeren Kälbern oder älteren Tieren wurden von den Wolfsrudeln erbeutet. Während der gesamten Laufzeit des Studienprogrammes blieb sowohl der Bestand der rund 600 Elche als auch der 18 bis 20 Wölfe gleich.






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