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16.02.2009

DER RMS - EINE FRAGE DES VERTRAUENS ?

DER RMS - EINE FRAGE DES VERTRAUENS ?
Manipulationen und Fälschungen im Walfang



Inhalt
1. Der RMS-Prozess 2005 und die offenen Fragen
2.1. Berechnungsgrößen
2.2. Einführung des RMP
2.3. Der RMP in der derzeitigen RMS Diskussion
3. Walfangkontrollen durch Internationale Beobachter
3.1. Fälschungen der Fangzahlen in früheren Walfangaktivitäten
3.2. Fälschen von Populationsdaten
3.3. Behindern von Inspektoren und Beobachtern
3.4. Derzeitige RMS Diskussion
4. Walfangkontrollen durch VMS und Bootsregister
4.1. Walfang in Schutzgebieten
4.2. Walfang außerhalb der Saison
4.3. Derzeitige RMS Diskussionen
5. Walfangkontrollen durch genetische Proben
5.1. Nationale DNA Register
5.2. Beifänge und Vorratslager
5.3. Verkauf geschützter Walarten
5.4. Derzeitige RMS Diskussion
6. Umsetzung: Die IWC - ein zahnloser Tiger?
7. Missbrauch durch Vorbehalte und Einsprüche?
7.1. Formelle Einsprüche
7.2. Island - eine Fallstudie
7.3. Die aktuelle RMS Diskussion
8. "Wissenschaftswalfang"
8.1. Japan
8.2. Island
8.3. Wissenschaftswalfang unter dem RMS?
9. Tierschutzaspekte
9.1. Tierschutzaspekte und die IWC
9.2. Tierschutzaspekte und der RMS
10. Fazit

Abkürzungen
AIDCP engl. Abkürzung für das Übereinkommen zum Internationalen Delfinschutzprogramm
CCAMLR engl. Abkürzung für die Konvention zum Schutz der Antarktischen Marinen Lebenden Ressourcen
CDS Fangdokumentationsverfahren (engl.: Catch Documentation Scheme)
CRC Beschwerde-Komitee der IWC (engl.: Compliance Review Committee)
FFA engl. Abkürzung für ein Fischereiabkommen im Pazifik
IATTC Inter-Amerikanische Tropische Thunfisch-Konvention
ICCAT engl. Abkürzung für die Internationale Kommission zum Schutz des Atlantischen Thunfischs
ICRW engl. Abkürzung für die Internationale Konvention zur Regulierung des Walfangs
IOS Internationales Beobachter-Verfahren (engl.: International Observer Scheme)
IOTC engl. Abkürzung für die Kommission für Thunfisch im Indischen Ozean
IWC: Internationale Walfangkommission
GPS Globales Positionierungs-System
MHLC engl. Abkürzung für ein Abkommen zum Thunfischfang im Südpazifik
NAFO engl. Abkürzung für ein Fischereiabkommen für die Nordwest-Atlantische Fischerei
NEAFC engl. Abkürzung für ein Fischereiabkommen für die Nordost-Atlantische Fischerei
RFMO engl. Abkürzung für eine Management-Organisation für Regionale Fischereien
RMP Bewirtschaftungsplan für Wale (engl.: Revised Management Plan)
RMS Bewirtschaftungsverfahren für Wale (engl.: Revised Management Scheme)
VMS System zur Bootsüberwachung (engl.: Vessel Monitoring System)
WCPFC: engl. Abkürzung für die Konvention für den West- und Zentral-Pazifik

1. Der RMS-Prozess 2005 und die offenen Fragen

Jahrhunderte lang wurden Wale unreguliert für kommerzielle Zwecke gejagt. Auch nach Gründung der Internationalen Walfangkommission (IWC) 1946 blieb der kommerzielle Walfang so schwach geregelt, dass er unerbittlich eine Art nach der anderen an den Rand der Ausrottung trieb. Schließlich beschloss die IWC 1982 ein unbefristetes Moratorium für kommerziellen Walfang, dass 1986 in Kraft trat. Die meisten Walfangländer akzeptierten das Moratorium und ließen ihre Aktivitäten auslaufen. Island und Japan jedoch widersetzten sich, indem sie kommerziellen Walfang unter dem Deckmantel der "Wissenschaft" weiterführten, was nach Artikel VIII der Internationalen Konvention zur Regulierung des Walfangs (ICRW) möglich ist. Und Norwegen jagt aufgrund eines formellen Einspruchs weiterhin ganz offiziell Wale für kommerzielle Zwecke.

Ende der 80er Jahre begann die IWC eine umfassende Bewertung der Auswirkungen des Moratoriums auf die Walbestände und beauftragte ihren Wissenschaftsausschuss, ein neues System zu entwickeln, um angemessene vorsichtige Quoten für einen künftigen kommerziellen Walfang zu entwickeln. 1993 akzeptierte die IWC einen Bewirtschaftungsplan RMP (Revised Management Plan) für Bartenwale und begann mit der formellen Ausarbeitung eines Bewirtschaftungsverfahrens RMS (Revised Management Scheme), einem Bündel aus RMP und Maßnahmen für Management, Kontrolle und Überwachung (engl. MCS) als Vorraussetzung für einen künftigen kommerziellen Walfang.

Seit Anbeginn konzentrierten sich die Diskussionen über den RMS auf Maßnahmen, die - wenn auch unzureichend - die Kontrollmechanismen anderer regionaler Fischerei-Abkommen wiedergaben, z.B. Beobachtungen, Kontrollen und Fangdokumentation. Während die Anti-Walfangländer diverse Zugeständnisse in puncto Umfang und Präzisierung des RMS-Paketes gemacht haben, trafen sie auf der Seite der drei verbleibenden Walfangländer und ihren Verbündeten nur auf Unnachgiebigkeit. Entsprechend wurde der RMS sowohl verfahrensrechtlich als auch inhaltlich untergraben - und zwar in einem solchen Umfang, dass der Entwurf inzwischen für eine Umsetzung viel zu unangemessen, uneinheitlich, vage und verwirrend ist. Dennoch scheinen viele IWC-Mitgliedsstaaten derzeit zu glauben, dass ein schwacher RMS politisch einem unterwanderten Moratorium vorzuziehen sei. Dies beruht teils auf dem jüngsten wiederholten Ausbau der Walfangaktivitäten von Japan, Norwegen und Island sowie Japans Anstrengungen, immer mehr Walfang-unterstützende Länder zu einem Beitritt in die IWC zu bewegen.

Infolgedessen akzeptierte die IWC auf ihrem 56. Jahrestreffen 2004 in Sorrent (Italien) eine Resolution (Nr.2004-6), die die IWC auffordert, den RMS abzuschließen und hierfür entsprechende Vorbereitungen zu treffen.

Der vorliegende Bericht beschäftigt sich mit dem RMS in seiner derzeitigen Form (d.h. dem Text, der auf dem zweiten RMS-Zwischentreffen im April 2005 in Kopenhagen entwickelt wurde). Mithilfe von Beispielen, wie in der Vergangenheit Walfangbestimmungen ignoriert und missbraucht wurden, und im Vergleich mit den Regularien anderer Fischereiabkommen zeigt der vorliegende Bericht, dass die IWC in einem überstürzten Prozess dabei ist, die Fehler und Katastrophen seiner langen und unrühmlichen Vergangenheit zu wiederholen. Folgende kritische Punkte sind hier anzumerken:

Der RMS-Entwurf:
lässt einige Walfangaktivitäten außerhalb der Kontrolle des RMS: Keine der RMSBestimmungen kann das Enttarnen illegalen, verheimlichten oder unkontrollierten Walfangs (s. Kap. 3, 4, 5 und 6) sowie das Aufspüren von Walfangprodukten aus Ländern, die nicht der IWC angehören, garantieren;
umfasst nicht den "Wissenschaftswalfang" (s. Kap. 8): Der RMS kann nicht verhindern, dass Staaten für den Wissenschaftswalfang Quoten festlegen, die nicht Teil des RMS sind;
verhindert nicht Vorbehalte und Einsprüche gegen den gesamten RMS oder einzelne Bereiche: Mitgliedsstaaten können einfach einen Einspruch erheben oder aus der IWC aus- und mit einem Vorbehalt gegen RMSBestimmungen wieder eintreten und somit legal, aber außerhalb der Kontrolle der IWC Walfang betreiben (s. Kap. 7);
versäumt es, die Finanzierung des RMS bzw. Sanktionen bei Zahlungsverweigerung sicherzustellen: Der Entwurf enthält lediglich Bestimmungen, um die nationale Überwachung und die Internationale Beobachtung sicherzustellen. Andere Ausgaben sind nicht berücksichtigt. Bei mangelhafter finanzieller Absicherung droht das Scheitern des RMS;
gewährleistet nicht den Tierschutzaspekt bei der Waljagd: Der Entwurf sieht lediglich das Sammeln von Informationen zu Sterbezeiten etc. vor, die auf freiwilliger Basis eingereicht werden (s. Kap. 9);
beruht v.a. auf Anhängen (für deren Änderung nur eine einfache Mehrheit erforderlich ist), die technische und andere entscheidende Details des RMS festlegen: Weil die Satzung der IWC keine Minimalstandards hierfür festlegt, besteht das Risiko, dass essentielle Entscheidungen zum Walfang in Form der leicht änderbaren Anhängen geregelt werden;
enthält kein Verfahren, dass den Umgang mit Streitigkeiten regelt (s.a. Kap. 6); enthält ein Kompensationsverfahren für Länder, die von Walfang-Beschränkungen benachteiligt sind: Entwicklungsländer und Länder in betroffenen Gebieten könnten die gesamte IWC lahm legen, indem sie Schadensersatz dafür fordern, dass Schutzgebiete oder Schonzeiten ihnen den Walfang untersagen.

2. Bewirtschaftungsplan RMP
Im Zentrum des RMP steht ein mathematisches Modell, das IWC-geprüfte historische Walfangdaten (s.a. Kap. 3) und aktuelle Populationszahlen verwendet, um "sichere" Jagdquoten für bestimmte Bestände von Bartenwalen abzuschätzen. Hierfür nutzt die derzeitige RMP-Version einen Algorithmus, dessen Parameter so eingestellt werden ("tuning"), dass eine Fangquote den Bestand auf 72% seiner Tragfähigkeit erhält und ihn nicht unter 54% sinken lässt - unter der Annahme, dass sich Überlebensrate, Zuverlässigkeit der Daten oder Umweltbedingungen nicht dramatisch ändern.

2.1. Berechnungsgrößen
Anfang der 90er Jahre wählte die IWC ein Tuning- Level von 0,72 und ein Erhaltungslevel von 0,54 und legte dies in Resolution 1992:3 fest. Norwegen stimmte gegen diese Resolution. Ein niedrigeres Tuning-Level führt zu einer höheren Fangquote - und 2001 begann Norwegen, für seine eigenmächtig gesetzten Fangquoten ein Tuning-Level von 0,66 zu verwenden. Norwegen ist wegen eines formellen Widerspruchs nicht an das Moratorium gebunden. Die IWC hat immer wieder an Norwegen appelliert, seine Position zum Tuning-Level zu überdenken (Resolutionen 1996:5; 1997-3; 1998-1; 2001:5), doch stattdessen reduzierte Norwegen es sogar weiter auf 0,62, und erhöhte somit seine Fangquote auf 671 Zwergwale. 2003 und 2004 nutzte Norwegen dasselbe Tuning-Level, übertrug aber Wale aus der Vorjahresquote und erhöhte somit die Quote auf 711 (2003) bzw. 797 (2005). Auf der IWC 2004 verkündete Norwegen, binnen eines Jahres ein völlig neues Managementverfahren zu entwickeln, dass zu noch höheren Quoten führen wird1. Norwegen plant offenbar, für 2006 seine Quote auf 1.800 Tiere zu verdreifachen, nach einer Empfehlung des norwegischen Parlamentes, um die Fischbestände zu schützen2. Trotz des Missbrauchs des Tuning- Levels behauptet Norwegen, seine Interpretation des RMP zur Quotenberechnung sei im Einklang mit der Vorgabe der IWC für eine Nutzung der Zwergwale.

anfällig für einen Missbrauch im Rahmen des norwegischen kommerziellen Walfangs. Erst kürzlich drohte Japan im Rahmen der RMS-Diskussionen an, es müsse "seine Position speziell bzgl. des Tuning-Levels überdenken". Nach dem RMSArbeitsgruppen- Treffen in Kopenhagen im April 2005 sieht der Entwurf den Tuning-Level von 0,72 nur noch als Option vor und enthält einen Antrag Norwegens, den RMP regelmäßig zu überprüfen.

2.2. Einführung des RMP
Während Pro-Walfangländer der Meinung sind, das Aufheben des Moratoriums sollte zeitgleich mit der Annahme des RMS erfolgen, sehen andere Länder dies als getrennte Schritte an. Der aktuelle RMSText enthält deshalb zwei Optionen, um den kommerziellen Walfang einzuführen, sobald der RMS verabschiedet ist. Es schlägt vor, den Walfang zunächst auf nationale Hoheitsgewässer zu beschränken - entweder auf Dauer oder für eine begrenzte Zeit nach Aufheben des Moratoriums (s. Kap. 7.3). Zudem sucht man einen Mechanismus, der Länder entschädigen soll, wenn sie durch temporäre oder geographische Walfang-Einschränkungen betroffen sind.

2.3. Der RMP in der derzeitigen RMS Diskussion
Der RMS-Entwurf in seiner aktuellen Form macht den RMP für einen Missbrauch sehr anfällig, sowohl formell als auch inhaltlich. Zum Beispiel:

müssen nicht alle technischen Einzelheiten des RMP direkt in die Satzung verankert werden (für deren Änderung eine � Mehrheit erforderlich ist), sondern in Anhänge, die bereits per einfacher Mehrheit geändert werden können;
bietet der aktuelle RMP-Entwurf das Tuning- Level von 0.72, auf das man sich 1992 geeinigt hatte, nun lediglich als Option an;
gibt der RMS keine Straf-Nullquote für solche IWC-Mitgliedsstaaten vor, die gegen eine in der Satzung verankerten Fangquote einen Widerspruch einlegen;
obwohl seit langem beschlossen ist, dass die Kommission alle unnatürlichen Todesfälle (z.B. infolge von Beifängen, Kollisionen mit Schiffen, angeschossene und verlorene Tiere, "Wissenschaftswalfang" und Walfang außerhalb des RMS) von den Quoten abziehen muss, ist diese Quotenregulierung im RMS-Text unverbindlich.
ist das Verbot Wale in Schutzgebieten der IWC bzw. anderer internationaler Gremien oder in Schutzgebieten einzelner Staaten innerhalb seiner nationalen Gewässer sowie entgegen einer anderen legitimen Schutzbestimmung zu jagen, im derzeitigen RMS-Text unverbindlich.

3. Walfangkontrollen durch Internationale Beobachter

Nach Ansicht vieler Fachleute aus dem Fischerei- Management hängt die Einhaltung von Vorschriften und das Sammeln von Informationen direkt davon ab, ob die Fischerboote mit unabhängigen Beobachtern abgedeckt sind. Viele Fischereien (z.B. CCAMLR5, IATTC6, AIDCP7, NAFO8) haben inzwischen eine 100% Abdeckung mit Beobachtern. Dennoch argumentieren Japan und Norwegen, eine vollständige Abdeckung sei unnötig und das die Anstellung von Kontrollpersonen durch die Walfangländer selbst (z.B. nationale Inspektoren) reiche aus.

Die Geschichte der IWC zeigt allerdings, dass Betrug unvermeidlich ist, solange unabhängige Beobachter fehlen - und manchmal sogar in ihrer Anwesenheit. Während der letzten 10 Jahre entlarvten eine Reihe von Veröffentlichungen das Ausmaß der Manipulationen von Walfangstatistiken, wenn lediglich nationale Kontrollen - sofern überhaupt - die Norm waren. Diese Fälschungen, v.a. durch Japan und die frühere Sowjetunion, umfassten Manipulationen der Fangzahlen, Angaben zu Geschlecht, Körperlänge und anderen biologischen Daten.

3.1. Fälschungen der Fangzahlen in früheren Walfangaktivitäten

3.1.1. Sowjetunion
1995 verglichen Zemsky et al. die offiziellen Fangdaten der ehemaligen Sowjetunion mit den Original- Aufzeichnungen von vier Fangflotten (Slava 1948- 1966, Sovietskaya Ukraina 1959-1972, Yurii Dolgorukiy 1960-1975, Sovietskaya Rossia 1961-1980)9. Es fanden sich massive Manipulationen der sowjetischen Walfangstatistiken für den Zeitraum 1947- 1980 - also über mehr als 30 Jahre (sogar nach Einführung eines internationalen Beobachter- Systems, engl. IOS, durch die IWC 1972):

Zwischen 1947 und 1980 verschwiegen die vier Fangflotten einen wesentlichen Teil ihres Fangs von Buckel- Pott- Zwergblau- Sei-, Bryde- und Glattwalen (s. Tab. 1). Insgesamt wurden mehr als 90.000 getötete Wale in den offiziellen Statistiken unterschlagen, die Hälfte davon waren Buckelwale. Nur 10 Zwergblauwale wurden offiziell gejagt -in Wirklichkeit waren es 8.439 Tiere! Um solche illegalen Aktivitäten zu tarnen, wurden die Fangzahlen anderer (damals noch ungeschützter) Arten nach oben manipuliert. 1998 überarbeiteten Zemsky et al.10 aufgrund neuer Belege die Zahlen leicht, doch der Umfang der Manipulationen wurde nochmals bestätigt.



1959 bis 1972 (vor der Einführung des IOS) tötete die Flotte Sovietskaya Ukraina 73.778 Wale, doch nur 41.723 wurden der IWC berichtet. Sogar nach Einführung des ISO wurden 1974/75 13% der gefangenen Finn-, 23% der Pott-, 17% der Zwergwale und ein unbekannter Anteil der Seiwale von der Yurii Dolgorukiy nicht gemeldet. Die Sovietskaya Rossia fing offenbar 1979-1989 auf ihrem Weg in die offiziellen Walfanggebiete Pottwale - also bevor ein internationaler Beobachter an Bord kam11. 1974/75 tötete die Yurii Dolgorukiy 2.976 Pottwale, aber der IWC wurden nur 2.174 Tiere gemeldet12.

Mit den Daten von Zemsky et al. konfrontiert äußerte die russische Delegation auf der IWC 1996, die Angelegenheit würde auf nationaler Ebene gründlich untersucht. Solange die Regierung diese Zahlen nicht mit den Originaldaten verglichen habe, sollten diese Zahlen nicht in die Diskussionen um die Bestände der Wale einfließen13.

Später belegten weitere Daten von der Vladivostok und der Dalnly Vostok (1963 bis 1979)14, dass die Fangstatistiken von insgesamt sechs russischen Walfangflotten im großen Maßstab und über mehrere Jahrzehnte manipuliert worden waren.

3.1.2. Japan
Ab den 1950ern verschwiegen drei der fünf wichtigsten Küstenwalfang-Firmen routinemäßig getötete Wale und strichen untermaßige Tiere aus ihren Statistiken, bevor sie bei der IWC eingereicht wurden15,16,17. Der japanische Wissenschaftler Toshio Kasuya und der frühere Direktor einer Walfangstation, Isao Kondo, verglichen ihre Daten mit den offiziellen der Japanischen Walfangvereinigung JWA. Sie konnten zeigen, dass die Daten der JWA zu einer Firma (1960-1966) nur 58% der tatsächlich gefangenen Pottwale wiedergab18. Bei zwei weiteren Firmen (1965-1975 und 1954-1964) waren es sogar nur ein Drittel19. Die beiden Firmen fälschten auch die Daten für Finn-, Sei-, Blau-, Buckel- und Bryde-Wale20, 21. Weitere Verstöße waren:

Die tatsächlichen Fangzahlen für Bryde-Wale während der letzten Jahre des kommerziellen Walfangs (1981-1987) vor den Bonin Inseln waren 1,6 mal höher als der IWC gemeldet: 4.162 statt der gemeldeten 2.659 Tiere22.
In den offiziellen Berichten zur japanischen Jagd auf Baird-Wale wurden andere Walarten unter falschem Namen verrechnet, z.B. zwei Pottwale als ein Baird-Wal23, offenbar zur Tarnung der illegalen Pottwaljagd24.
Bis Mitte der 1970er tötete ein Küstenwalfang- Unternehmen 50-100 Pottwale, die nicht an die IWC gemeldet wurden25.
Mindestens vier Küstenwalfang-Firmen jagten Pottwale und verarbeiteten sie auf ihren eigenen Landstationen oder verkauften sie an große Unternehmen26. Wie viele Pottwale auf diese Weise gewildert wurden, ist unbekannt.
Im Hochsee-Walfang wurden zu kleine Walkörper einfach über Bord geworfen, wenn die Zahl der gefangenen Tiere die Lagerkapazitäten auf den Fangschiffen überstiegt oder bevor man an das Fabrikschiff anlegte, wo Inspektoren anwesend waren.

Solche systematischen Fälschungen waren über Jahrzehnte möglich, weil nationale Inspektoren nur einen Bruchteil der Walfangaktivitäten abdeckten. Sogar nach Einführung der Internationalen Beobachter in den 1980er Jahren blieb dies unvollständig. So wurden nur etwa 10% des Pottwalfangs kontrolliert. Manchmal schienen nationale Inspektoren die Fälschungen nicht zu bemerken. So stieg z.B. die Manipulation gegen Ende der Fangsaison, (was auf ein Weiterfangen trotz erfüllter Quote hindeutet) oder wenn die Anwesenheit der Inspektoren abnahm bzw. gar aufgehört hatte. In anderen Fällen zeigen Einträge in den JWA-Archiven, dass manche Berichte zu Pottwalen einen roten Handvermerk "bangai" trugen, also "nicht aufgeführt".

3.1.3. Andere Länder
1965 bis1975 berichtete Südkorea einen jährlichen Fang von 20 Finnwalen, aber keine Bryde-Wale. 1976, als Finnwale durch die IWC unter Schutz gestellt wurden, endete der koreanische Finnwalfang offiziell. Korea gab stattdessen 1978 erstmals eine Ausbeute von 680 Tonnen Fleisch von 34 Bryde-Walen an, im Folgejahr 243 Tonnen von 18 Bryde-Walen - also einem durchschnittlichen Ertrag von 20 Tonnen pro Tier. Die tatsächliche Ausbeute pro Bryde-Wal beträgt aber nur acht Tonnen. 1981 bestätigte der skeptisch gewordene IWCWissenschaftsausschuss, dass Südkorea während der 1970er Jahre hinter den angeblichen Bryde-Wal-Fängen seine fortwährende Jagd auf Finnwale verbarg. Auch wurden vier der sieben Großwale, die Korea 1982 fing, später als Finnwale identifiziert.

Mitte der 1970er Jahre, als nur ein kleiner Teil der Walfangoperationen Norwegens von nationalen Inspektoren begleitet wurde, argumentierte der norwegische Chefwissenschaftler auf der IWC, Quoten sollten nach Gewicht, nicht nach der Anzahl gejagter Wale vergeben werden. Dabei erklärte er, dass norwegische Walfänger oft zwei kleine Wale als ein großes Tier meldeten.

Nach Aussagen von Crew-Mitgliedern wurden auch im spanischen Walfang Blau- und Buckelwale gefangen, von den Berichten an die IWC aber ausgenommen - selbst 1979 noch, als Spanien der IWC bereits beigetreten war.

3.2. Fälschen von Populationsdaten
Die Satzung der IWC verbietet das Töten von Muttertieren, die von Walkälbern begleitet werden (� 14). Zudem verbieten � 15 und 18 das Töten von Sei-, Bryde-, Finn- und Pottwalen unterhalb einer Mindestgröße. Die Häufigkeit der falschen Angaben zu Körperlänge und Geschlecht getöteter Wale enthüllt, wie oft gegen diese IWC-Bestimmungen verstoßen wurde.

3.2.1. Daten zur Körperlänge
Im Juni 1939 regulierte Japan erstmals den Pottwalfang, und zwar durch ein Fangverbot für untermaßige Tiere. Eine Analyse der Fangdaten zeigt, dass sowohl im Küsten- als auch im Hochseewalfang die offiziellen Angaben zur Körperlänge haarscharf an das zulässige Minimum reichten32, was auf Manipulationen schließen lässt. Während der 1980er enthielten die Statistiken der Tajii-Walfangstation keine untermaßigen Tiere. Sie wurden offenbar aus den Statistiken gelöscht (s.a. 3.1.2) oder unter falschen Längen registriert33. Nationale Inspektoren überwachten nur einen Teil des japanischen Küsten- Pottwalfangs, was die Datenmanipulation erheblich erleichterte34. Oft "streckte" man die Angaben zur Körperlänge oder (v.a. 1950 bis 1955) fasste mehrere untermaßige Tiere zu größeren zusammen, damit die Gesamtausbeute an Walfleisch "passte"35. Neuere Berichte enthüllten, dass selbst unter den Augen der Kontrolleure die Vermessung getöteter Wale manipuliert wurde, z.B. indem das Maßband- Ende zur Schleife gefaltet wurde36. Japans Küstenwalfang betraf oft die Kinderstube der Pottwale, so dass v.a. Weibchen und Jungtiere (= untermaßig) getötet wurden. Die tatsächlichen Fangzahlen für den Zeitraum 1959-1965 sind wohl um 40% höher einzustufen als die offiziellen Angaben.

In den 1950ern war ein Großteil der Pott- (96%) und Blauwale (56%), die von der griechischen "Olympic Challenger" vor der Küste Südamerikas gefangen wurde, untermaßig. Blauwale unter 65 Fuß wurden entsprechend zu Finnwalen umdeklariert. Auch bei untermaßigen Buckelwalen oder Tieren aus Schutzgebieten bzw. Schonzeiten fälschte man die Statistiken in großem Umfang. Während der Saison 1954/55 und 1955/56 wurden 6,6-13,7mal mehr Buckelwale getötet als offiziell gemeldet.

3.2.2. Daten zum Geschlechtsverhältnis
Wissenschaftler schätzen, dass über 80% der offiziellen Daten der früheren Sowjetunion bzgl. Länge, Gewicht, Geschlechtsverhältnis, Vermehrung und Geschlechtsreife der in der Antarktis getöteten Wale falsch waren39. So deklarierte z.B. die Flotte Yurii Dolgorukiy Pottwal-Weibchen in Männchen um, um die offizielle Gesamtzahl zu verringern (ein Männchen wiegt so viel wie mehrere Weibchen). In den 1960er Jahren waren bis zu 71% der von Japan getöteten Pottwale Weibchen, dies wurde aber in den offiziellen Zahlen massiv reduziert, wohl weil sie unter das zulässige Mindestmaß fielen41. Obwohl in Japan erstmals 1973 eine Geschlechterbasierte Fangquote eingeführt wurde, blieben Weibchen überdurchschnittlich stark im Visier, wurden verschwiegen oder manchmal zu Männchen umdeklariert42,43. Sogar noch in den 1980ern wurden die offiziellen Angaben zum Geschlechteranteil regelmäßig manipuliert. Während der Saison 1984/85 wurden z.B. 25% der getöteten weiblichen Tiere als Männchen gemeldet44. In der Saison 1978/79 zählte ein unabhängiger japanischer Beobachter ein Männchen:Weibchen Verhältnis von 1:2.0 - wesentlich höher als das zulässige Verhältnis von 1:0.13. Entsprechend erfasste die japanische Regierung in ihren offiziellen Berichten ein Verhältnis von 1:0.2. Massive Abweichungen zwischen den Daten unabhängiger Biologen und den offiziellen japanischen Zahlen wurden auch für die Zeit von 1959 bis 1965 entdeckt: Die Zahl der Weibchen wurde deutlich untertrieben, tatsächlich wurden 2,5 Mal mehr Pottwale gefangen als offiziell gemeldet.

Portugal meldete während der späten 1970er Jahre nur den Fang männlicher Pottwale vor Madeira, Nordatlantik. Eine deutsche Beobachterin allerdings bemerkte Manipulationen der Angaben zum Geschlechtsverhältnis und den Fangzahlen. So wurden z.B. drei Weibchen als ein Männchen gemeldet.


3.3. Behindern von Inspektoren und Beobachtern
Über Jahrzehnte hinweg überwachten nur nationale Inspektoren die Walfangoperationen Japans. Das Ausmaß, in dem diese Personen behindert wurden, ihrem Job nachzugehen, war immens. Im japanischen Küstenwalfang auf Pottwale nach dem Zweiten Weltkrieg47,48 beispielsweise

wurden Inspektoren nur die Kontrolle in Anlandestationen bestimmter Regionen genehmigt, andere blieben unkontrolliert;
blieben Inspektoren nur kurze Zeit oder kamen nur auf Einladung. So konnten über die gesamte restliche Saison die Daten gefälscht werden;
tauschten Walfang-Unternehmen Informationen zur Reiseroute und aktuellen Position des Inspektors aus. So konnten Wale an gerade unkontrollierten Stationen angelandet werden;
wurden Inspektoren zu Ausflügen, Abendessen oder Mahjong-Spielen eingeladen, um sie von der Station fernzuhalten, bis alle Spuren der Anlandung beseitigt waren;
wurden Inspektoren weit entfernt von der Anlandestation, wo die Flenser (Arbeiter, die Wale zerlegten) wohnten, untergebracht;
wurden für Beobachter, die in Hotels nahe der Anlandestation unterkamen, Räume zum Landesinneren gebucht - ohne Blick zum Hafen.

3.4. Derzeitige RMS Diskussion
Obwohl die Lektionen aus der Geschichte ein starkes Argument für ein umfassendes, transparentes Programm für Internationale Beobachter sind, das zudem schwere Strafen für Verstöße ermöglicht, enthält der derzeit diskutierte RMS Text keine unabhängige Beobachtung künftiger Walfangaktivitäten. Die Bestimmungen bleiben weit hinter den besten Praktiken anderer Fischereiabkommen zurück.

Der aktuelle RMS zum Beispiel:
gibt dem IWC Sekretariat volle Entscheidungsfreiheit bei der Wahl geeigneter Beobachter, sieht aber keine Kriterien vor, d.h. es gibt keine besonderen Anforderungen an ihr Können;
gibt den Vertragsregierungen die Möglichkeit, einen Kandidaten auch unbegründet abzulehnen. Gleichzeitig sieht es vor, dass bei einem Mangel an geeigneten Beobachtern dessen Anwesenheit nicht obligatorisch sein muss, um den Walfang nicht zu verzögern oder zu verhindern. Damit kann in der Praxis eine Walfangnation alle potentiellen Beobachter ohne Angabe von Gründen ablehnen und dann mangels Beobachtern die internationale Kontrollen umgehen;
nimmt Boote von der Kontrollpflicht aus, die weniger als 24 Stunden unterwegs sind, die Tiere nicht an Bord zerlegen und die nicht mehr Personen als die Crew aufnehmen können. Hier sei ein nationaler Inspektor ausreichend. Allerdings ersetzt Norwegen, das am meisten von dieser Ausnahmeregelung profitiert, derzeit seine nationalen Inspektoren durch Überwachungssysteme (engl. VMS) (s.a. Kap. 4.3);
setzt keine Strafen fest bei Verstößen gegen die Verpflichtung einer Regierung, die besagt, dass nationale Inspektoren und alle am Walfang beteiligten Personen mit dem internationalen Beobachter kooperieren müssen;
sieht keine Verpflichtung der Vertragsstaaten vor, Berichten von Beobachtern zu möglichen Verstößen nachzugehen und ggf. angemessene Strafen zu verhängen;
verpflichtet nicht dazu, der Kommission über ergriffene Maßnahmen im Fall von Verstößen zu berichten.

4. Walfangkontrollen durch VMS und Bootsregister
Die Bootsregistrierung durch das Sekretariat einer Fischerei-Organisation ist wohl die gängigste Maßnahme, um legal und illegal operierende Fischerboote zu identifizieren und zu kontrollieren. CCAMLR, IATTC, ICCAT, IOTC, NAFO, FFA und WCPFC erfordern allesamt von den Vertragsstaaten Informationen zu den Booten zwecks Eintragung in ein zentrales Register. Dies beinhaltet meist den Bootsnamen, Registriernummer; frühere Namen und Flaggen; Registrierhafen; Name und Adresse von Besitzer, Unternehmer und Kapitän; Länge; Lagerkapazitäten und Tonnage. Effektivere Register sind oft mit Überwachungseinrichtungen gekoppelt, in denen alle Bootsaktivitäten gemeldet und aufgespürt werden, um illegale Fischerei aufzudecken. Darüber hinaus sind Überwachungssysteme für Boote (engl. VMS), v.a. solche mit Globalem Positionierungssystem (GPS), und Satelliten-Technologie gängige Praxis, um Fischerboote aufzuspüren. Dies ermöglicht eine effektive Umsetzung, Kontrolle und Datensammlung in der internationalen Fischerei.

Das UN Straddling Fish Stocks Agreement (Abkommen zum Schutz wandernder Fische), FFA, CCAMLR, WCPFC und NAFO verlangen allesamt VMS auf Booten, um Daten zur Kontrolle in Echtzeit oder Fast-Echtzeit zu übermitteln. ICCAT hat Anforderungen an VMS entwickelt, die demnächst auf Beschluss der Kommission in Kraft treten; CCSBT und die EU49 setzen VMS bereits ein, und die FAO empfiehlt ebendiesen als wichtigen Beitrag für ein effektives Überwachungsprogramm.

VMS Programme benötigen üblicherweise Fälschungssicherheit; jederzeit volle Einsatzfähigkeit, unabhängig von Umwelt- und Wetterbedingungen; die Fähigkeit zur Echtzeitübertragung; die Fähigkeit zur exakten geographischen Positionierung mit einem Fehler von unter 500 Metern und einem Sicherheitsintervall von 99%; sowie die Übertragbarkeit spezieller Daten, wenn das Boot in ein Vertragsgebiet fährt, es verlässt oder zwischen Untergebieten oder Unterteilungen wechselt.

Diverse Fischerei-Abkommen wie NEAFC und FFA schreiben das Vorhandensein einer Automatischen Positionsübertragung (engl. ALC) auf Booten vor, um illegale Fischerei-Aktivitäten umgehend zu identifizieren und Überwachungsdaten an Kontrolleinheiten zu übermitteln. Ein ALC überträgt Information (via Satellit) über tatsächliche Position und Geschwindigkeit eines Bootes an eine zentrale Überwachungsstelle, wo die Daten automatisch mit der zulässigen Position abgeglichen werden.

Damit die IWC illegale Walfangaktivitäten aufspüren oder gar verhindern kann, ist eine Kombination aus einem zuverlässigen VMS-Verfahren und einer Bootsregistrierung erforderlich.

4.1. Walfang in Schutzgebieten
Walfangländer widersetzten sich bei ihrer Jagd systematisch geographischen Beschränkungen der IWC, indem sie Fänge in Schutzgebieten entweder gar nicht oder als außerhalb solcher Schutzzonen erklärten. Oft wurden offenbar Wale auf dem Weg in die Fangebiete der Antarktis oder auf dem Rückweg getötet. Walfang in Schutzgebieten gab es nachweislich im Südatlantik, im Indischen Ozean und im Südwest-Pazifik51.

Einige Beispiele:

In den 1950ern wilderte die Olympic Challenger im Schutzgebiet vor Chile 580 Blauwale52.
Mitte der 1960er erlegten die sowjetischen Flotten Sovietskaya Ukraina und Slava mehr als 2.000 Zwergblau-, Buckel- und Bryde-Wale in einem Schutzgebiet des Indischen Ozeans - unter der Vorgabe, dort Zahnwale zu jagen53.
Trotz damaligem Verbot der Pottwaljagd nördlich 40GradS töteten sowjetische Walfänger 1963- 1967 Pottwale im Indischen Ozean, gaben als Fanggebiet aber südlich von 40GradS 54an.

4.2. Walfang außerhalb der Saison
Die IWC-Satzung sieht Schonzeiten für Wale vor (z.B. beschränkt � 2a den Fang von Bartenwalen - außer Zwergwalen - mit Fabrikschiffen auf die Zeit von Dezember bis April).

Jedoch:

töteten Chilenische Walfänger 15 Wale, v.a. Glattwale, von Oktober bis Dezember 1984. Ein anderer Walfänger operierte Ende der 70er/Anfang 80er illegal 9-10 Monate jährlich55.
erhöhte die "Olympic Challenger" (Griechenland) in den 1950ern die Fangzahlen in den Berichten um 20%, um die Ölproduktion aus untermaßigen bzw. während Schonzeiten gefangenen Tieren zu verbergen (s.a. 3.2).

4.3. Derzeitige RMS Diskussionen
Trotz der klaren Notwendigkeit, Verstöße nachzuweisen und die Täter zu identifizieren, reichen die Bestimmungen des derzeitigen RMS nicht aus. Der Entwurf der SDG enthält nur schwache Bestimmungen für ein Bootsregister. �28 der Satzung verlangt von den Mitgliedsstaaten, ein Bootsregister für Fabrik- und Fangschiffe sowie Anlandestationen zu führen. Ein Register gab es bis zu Jahr 1987. Dann stellten Norwegen, Island und Japan aufgrund von Sicherheitsbedenken ihre Meldungen ein. Nun konnte die IWC kein vollständiges und genaues Register führen und stellte dies 1994 letztendlich offiziell ein.

Obwohl viele IWC-Staaten 1993 noch den Einsatz von VMS zur Echtzeit-Überwachung unterstützten57, kamen 1995 Unstimmigkeiten auf, ob z.B. Echtzeit- Berichte, die Verbindlichkeit von Transpondern und ein IWC-Kontrollzentrum wirklich nötig seien58. Die Mitgliedsstaaten einigten sich, dass jegliches in Frage kommende Monitoring auf aktuellen Technologien wie Satelliten-Technik basieren müsse59. Heute lehnen Norwegen, Japan und Island eine Satelliten-basierte, in Echtzeit übertragende Datenübertragung per VMS ab. Sie äußern Bedenken bzgl. des Datenschutzes und der Sicherheit der Boote, obwohl es zuverlässige Verschlüsselungsmethoden gibt, die die Vertraulichkeit der Daten gewährleisten.



4.3.1. Norwegens Blue Box
2004 ersetzte das Fischereiministerium Norwegens auf der Hälfte seiner Flotte die nationalen Inspektoren durch elektronische Überwachung. 2005 sollen alle Boote hiermit abgedeckt sein. Das "Blue Box" System beinhaltet Sensoren an Bord für z.B. Ladung/ Gewicht an Deck und den Einsatz einer Harpune/ Winde. Trotz GPS, das dokumentiert, wann und wo ein Wal getötet und an Bord vertäut wurde, werden die Daten nicht in Echtzeit übertragen.

5. Walfangkontrollen durch genetische Proben
Die Diskussionen der IWC um den RMS beinhalten den Antrag für ein DNA-basiertes Fangdokumentationsverfahren (engl. CDS). Obwohl die Details noch strittig sind, basiert ein solches Verfahren auf der Annahme, dass die Mitgliedsstaaten die DNAProfile aller Walprodukte, die auf den Markt gelangen könnten in einer Datenbank registrieren. Die DNA-Profile aus Stichproben von Märkten würden dann mit der Datenbank abgeglichen, um die Legalität der Walprodukte zu überprüfen.

Angesichts des hohen Marktwertes von Walfleisch und -produkten und des früheren Scheiterns der IWC, den Verkauf von illegalen Walprodukten aufzudecken bzw. zu verhindern, ist die Forderung nur allzu verständlich, dass DNA-Datenbanken voll diagnostisch sind (d.h. DNA-Profile von allen Tieren jeglicher Herkunft enthalten, die auf den Markt gelangen könnten). Produkte von Tieren, die nicht in den Datenbanken enthalten sind, wären somit als illegal zu werten. Ebenso vernünftig ist es, zu verlangen, dass Datenbanken gemeinsam mit Archiven von Gewebeproben und unabhängig von Regierungen geführt werden.

Außerdem sollte das CDS, von dem die DNA-Bank eine Komponente ist, in der Lage sein, illegale oder nicht-dokumentierte Walprodukte in allen Phasen der Vermarktung aufzuspüren und nach zu verfolgen. Diese Forderungen, wie auch die nach Stichproben auf den Märkten, werden allerdings von Norwegen, Japan und Island - und in gewissem Maße auch von Korea - aufs Heftigste abgelehnt. In diesen Ländern macht der anhaltende Nachschub mit Walfleisch außerhalb der Kontrolle der IWC (u.a. Vorratslager, "Wissenschaftswalfang" und Beifang) bereits jetzt eine aktuelle Überwachung des Walfleischhandels nahezu unmöglich. Die illegalen oder nicht-dokumentierten Quellen und der Trend zu national geführten DNA-Banken und Selbstkontrolle werden die Bemühungen einer Fangdokumentation im Rahmen des RMS wohl entscheidend bestimmen.

Trotz der aktuellen detaillierten Diskussionen ist es verfrüht zu glauben, die IWC hätte schon bald einen angemessenen Mechanismus entwickelt, um die DNA-Profilierung in den RMS einzubauen. Viele ausstehende technische Fragen müssen vom Wissenschaftsausschuss gelöst und von der IWC akzeptiert werden, bevor ein Mechanismus soweit ist, in den RMS eingebaut zu werden.

Zum Beispiel:

bleiben technische Fragen offen, wie Vergleichbarkeit, Transparenz und Glaubwürdigkeit sicherzustellen sind.
ergeben sich technische Probleme im Falle (verstärkten) zunehmenden nationalen Walfangs oder internationalem Handels. Dann nämlich müssten verschiedene Register in verschiedenen Ländern miteinander kommunizieren können, um Proben unterschiedlicher Arten und Populationen abgleichen zu können.

Auch muss die IWC zwischen nationaler und internationaler Kontrolle der DNA-Register und Marktüberwachung wählen.

Die zwei Optionen wären:
a. Vertragsstaaten behalten nationale DNARegister und Gewebebanken mit externer Überprüfung durch die IWC oder ein anderes internationales Gremium und liefern entsprechende Informationen am Ende jeder Walfangsaison an das IWC-Sekretariat oder
b. Die IWC hält das Register selbst, und die Staaten liefern die benötigten Gewebeproben.

5.1. Nationale DNA Register
Obwohl die DNA-Register Norwegens und Japans als in Kürze diagnostisch eingeschätzt werden, bleiben andere Bedenken gegen ihre Zulänglichkeit:

5.1.1. Norwegen
Seit 1997 entnehmen nationale Inspektoren routinemäßig DNA-Proben von jedem Zwergwal, der an Bord gezogen wird. Folgende Mängel bleiben jedoch bestehen:

Verzögerung: Obwohl mehrere Monate zwischen Tötung und Erfassung einer Probe im DNA-Register liegen61, wird das Fleisch sofort nach Anlandung verkauft. Illegale Produkte wären somit längst konsumiert, bevor ein Nachweis möglich ist.
Unvollständigkeit: DNA-Proben in den Vorratslagern sind nur für Wale verfügbar, die seit 1997 getötet wurden, obwohl auch ältere Produkte noch immer gelagert und möglicherweise verkauft oder exportiert werden.
Fehlende Transparenz: Obwohl Norwegen 1997 erklärte, sein DNA-System würde "völlig transparent" sein62, wurden externe Anfragen für einen DNA-Vergleich zurückgewiesen63.

5.1.2. Japan
Japans DNA-Register, das in den späten 1990ern eingerichtet wurde, ist von der IWC aufgrund seiner Unvollständigkeit und der fehlenden Transparenz massiv kritisiert worden (Resolutionen 1997-2, 1999-8). Derzeit gibt es vier legale Quellen für Walprodukte, aber das DNA-Register deckt nur Proben aus dem aktuellen "Wissenschaftswalfang" ab:

Obwohl die Regierung in den letzten Jahren begonnen hat, DNA-Proben von gefrorenen Walvorräten zu nehmen, ist das Einreichen von Proben aus dieser Quelle weiterhin freiwillig64,65 und ein erheblicher Anteil ist nicht erfasst. Bis deren Registrierung nicht zwingend vorgeschrieben ist, bleiben die Lagerbestände eine unsichere Quelle für Walfleisch für den nationalen oder internationalen Markt.


Die DNA-Registrierung von Walen, die als Beifang der Fischerei starben, ist seit Juli 2001 vorgeschrieben. Doch bleiben alle Beifangprodukte aus der Zeit vor Juli 2001 unregistriert.
Produkte aus dem Küstenwalfang (z.B. auf Baird- Wale) und getötete Delfine und Kleinwale werden nicht ins DNA-Register aufgenommen, obwohl ein "Vermischen" solchen Fleisches mit dem von Großwalen weit verbreitet ist.

5.2. Beifänge und Vorratslager
In Anerkennung dessen, dass Lagervorräte eine unkontrollierte Quelle für Walfleisch sind, hat die IWC wiederholt die Mitgliedsstaaten aufgefordert, Informationen zu den Vorräten zu geben (z.B. Resolutionen 1994-7, 1995-6, 1996-3, 1997-2, 1999-8).

Japan besitzt gefrorene Vorräte an Walfleisch aus früherem legalen Walfang, Importen und Beifängen, die nicht vollständig in seinem DNA-Verzeichnis registriert sind (s.a. 5.1.2). Die genaue Zusammensetzung der Vorräte ist nicht bekannt, aber Sei-, Finn-, Pott- und Bryde-Wale werden darunter vermutet. Diese könnten, wenn sie in den Markt gelangen, als "Tarnung" für jegliches illegales Fleisch der genannten Arten dienen67.

In Island gelangen Produkte von Walen aus Beifang (z.B. Zwerg-, Buckel-, Schwertwale) regelmäßig in den kommerziellen Handel. Beifänge müssen seit Jahren in den Logbüchern der Fischerei aufgeführt werden68, dennoch gibt es weder offizielle Beifang- Statistiken noch ein nationales DNA-Register69. Deshalb ist es nahezu unmöglich, die legale Herkunft eines Walproduktes in Island zu überprüfen.

Südkorea verbot den kommerziellen Walfang 1996 hat aber einen noch immer blühenden Markt für Walfleisch mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 150 Tonnen (80% hiervon wird allein in Ulsan verbraucht)70. Preise von bis zu 35.000 US$ für einen einzigen Wal71 fördern, dass der Markt (für Zwerg-, Buckel- und Baird-Wale sowie für Kleinwale und Delfine) sowohl mit illegalen Produkten als auch aus Beifang versorgt wird (Inzwischen werden so viele Wale als "Beifang" getötet wie in Koreas kommerziellem Walfang vor dem Moratorider 1980er im "Wissenschaftswalfang" Koreas starben, können zudem noch in den Lagern sein. Obwohl die Regierung eine physische Beschreibung aller beigefangenen Wale vorschreibt, gibt es offenbar kein eigenes DNA-Register73, und Korea verweigert generell "jegliche externe Einsicht in Register" und sogar ein Gegenchecken von Proben gegen Register74. DNA-basierte Analysen auf dem koreanischen Markt identifizierten 1994/95 Walarten, die nicht in koreanischen Gewässern vorkommen (z.B. den südlichen Zwergwal und eine Zwergform des Bryde-Wales) und somit auch kaum aus Beifang stammen können.

5.3. Verkauf geschützter Walarten

5.3.1. Japan
Während der letzten 10 Jahre konnten Artenschützer und unabhängige Wissenschaftler durch Analyse von DNA-Proben von Walprodukten aus dem japanischen Markt neun verschiedene Arten bzw. Unterarten identifizieren (Buckel-, Blau-, Finn-, Sei-, Bryde- und Zwerg-Bryde-Wal, nördlicher und südlicher Zwergwal sowie Pottwal)76,77. 1994/1995 waren südliche Zwergwale die einzige Art, die Japan legal bejagen durfte, doch sie stellten nur 50% der untersuchten Produkte auf dem Markt78. Obwohl gefrorene Walprodukte theoretisch länger als 10 Jahre gelagert werden können, sinkt ihre Qualität stetig. Sogar Fleisch, das unter optimalen Bedingungen gelagert wird, verändert sich langfristig79. Das aktuelle Angebot von Walarten, die seit Jahrzehnten geschützt sind, ist somit ein Hinweis auf illegale Aktivitäten oder nicht gemeldete Beifänge, z.B.:
1998 und 1999 wurde Fleisch von mindestens fünf Seiwalen (drei von der südlichen und zwei von der nördlichen Halbkugel) auf den Märkten Japans entdeckt80,81. Zu der Zeit lag der letzte, von der IWC registrierte Fang eines Seiwales auf der Südhalbkugel bereits 20 Jahre zurück. Der letzte legale Import von Seiwalen aus Island (also Nordhalbkugel) war 199182.
1995 und 1999 wurden Produkte von Buckelwalen83,84 identifiziert, die seit 1966 geschützt sind. In der Gegend wurde kein Beifang eines Buckelwals gemeldet. Würde das Fleisch aus Lagern stammen, wäre es über 30 Jahre alt.
Studien von 1993, 1995, 1997 und 1998/99 wiesen Produkte von mindestens 22 Finnwalen nach. Eine legale Herkunft ließ sich nicht beweisen85,86,87,88.
Auch Grauwal-Produkte wurden 2000 in Japan entdeckt, die offenbar vom westlichen Nordpazifik- Bestand stammen - mit nur noch ca. 100 Tieren einer der seltensten Wale der Welt89.
Der alarmierend hohe Anteil von Produkten des geschützten "J"-Bestandes von Zwergwalen 33.790-42%91 weckt erhebliche Zweifel an der angeblichen Herkunft aus Beifang. Der "J"- Bestand mischt sich mehrmals im Jahr mit dem des Okhotsk-Meeres - wahrscheinlich stammen die Produkte aus dem Walfang im Pazifik.

5.3.2. Andere Länder
In Korea stammten 1995 laut DNA-Analysen angebotene Produkte von zwei Südlichen Zwergwalen. Diese stammen offenbar aus Japans "Wissenschaftswalfang" und wurden nach Korea geschmuggelt. Zudem ergaben DNA-Analysen 1997/199992 und 2001/200293, dass über 90% des in Korea untersuchten Zwergwal-Fleisches vom "J"- Bestand stammt. Dieser stark bedrohte Bestand wird von der IWC seit 1984 als geschützt eingestuft. Dennoch ist er am stärksten vom Beifang in koreanischen Gewässern betroffen, mit jährlich 50 bis 160 Tieren seit 1996. Experten warnen, dass selbst wenn der Beifang von Zwergwalen halbiert würde, die Bestände weiterhin rückläufig wären.



In Hongkong ist der Verkauf von Walfleisch verboten, aber eine Studie 1997 bewies, dass in japanischen Restaurants in Hongkong Walfleisch erhältlich war. Obwohl nie offen angeboten, bestätigten 7 der 27 untersuchten Restaurants, Walfleisch zu verkaufen. Japan wird als Bezugsquelle genannt.

5.4. Derzeitige RMS Diskussion
Die Geschichte zeigt, wie töricht es ist, den Walfangländern selbst eine Überwachung der Vermarktung vom Schiff bis zum Endverbraucher zu überlassen bzw. den Nachweis der Legalität zu erbringen. Dennoch garantiert der RMS-Entwurf keine internationale Kontrolle des CDS: Es liefert Ländern die Möglichkeit, CDS völlig auf nationaler Ebene zu etablieren oder sich für ein IWC-geführtes Verfahren zu entscheiden, dass nur minimale und unverbindliche Bestimmungen enthält. So sieht es keine formulierten Richtlinien für das CDS vor, erteilt dem Sekretariat aber die Befugnis, die Details auszuarbeiten, ohne dass jegliche Vorgaben existieren würden. Im Gegensatz dazu bestimmen IATTC, ICCAT, CCSBT und CCAMLR die Rahmenbedingungen für ihr CMS (z.B. die nötigen Daten zu den Booten, Wege für das Nachverfolgen einer Anlandung, Details zur Kontrolle des Im- / Export-Ortes) und überlassen nur kleinere Details der Verantwortung der einzelnen Vertragsstaaten oder des Sekretariats.

Der RMS-Entwurf verlangt noch nicht einmal von den Vertragsstaaten, der IWC Bericht zu erstatten oder mit dem Sekretariat Informationen auszutauschen, ob ein funktionierendes CDS vorhanden ist. Besonders fatal: Der RMS-Entwurf verlangt keine systematische Validierung des Fangnachweises zum Zeitpunkt des Im-/Ex- und Re-Exportes und versäumt somit die Nachprüfbarkeit der Fangherkunft. Entsprechend werden die CDSVoraussetzungen im Entwurf illegale, nichtregulierte oder verschwiegene (IUU) Walfangaktivitäten oder von Nicht-IWC-Staaten kaum aufdecken können.

6. Umsetzung: Die IWC - ein zahnloser Tiger?

Die bisherigen Abschnitte belegen, wie einfach und offenbar häufig Verstöße gegen die IWC sind (z.B. Jagd auf geschützte Arten, in Schutzgebieten oder Schonzeiten; Manipulation von biologischen und Fangdaten), wenn ein unabhängiges Überwachungssystem für den Walfang fehlt. Die IWC hat offenbar nicht aus den Fehlern der Geschichte in puncto mangelnder Vorschriften und Plünderung der Walbestände gelernt. Es scheint, dass man auch weiterhin die Verantwortung für die Einhaltung der Bestimmungen an die Mitgliedsstaaten abschiebt, obwohl einige von ihnen selbst zu den schlimmsten Vertragsverletzern gehörten.

Entgegen einiger anderer multilateraler Umweltabkommen (ICCAT, NAFO, WCPFC) hat die IWC keine Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen (z.B. Quotenüberschreitungen oder Berichtspflicht). Im Verdachtsfall bittet die IWC durch ihr Komitee für Vertragsverletzungen die betreffende Regierung um Klärung, kann aber bei unzureichender Reaktion bestenfalls per Resolution ein weiteres Vorgehen empfehlen. Seit 1990 diskutierte der Ausschuss für Vertragsbrüche 24 Fälle illegalen Walfangs und vier Fälle illegalen Handels. Im Durchschnitt dauerten die Diskussionen 1,5 Jahre, bevor sie - ohne berichtetem Beschluss - fallengelassen wurden.

Interessanterweise sieht auch der Vertrag des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA) nicht ausdrücklich Sanktionen gegen einzelne Länder vor, die ihre Verpflichtungen nicht erfüllen, die Resolutionen sind ebenfalls unverbindlich. Dennoch, im Unterschied zur IWC, sehen die WA-Staaten im Vertrag durchaus Sanktionskompetenz, z.B. ein Handelsverbot für WA-gelistete Arten oder mit konkreten WA-Mitgliedsstaaten. Auch werden Resolutionen, einschließlich administrativer und Vollzugsverfahren, als verbindlich behandelt.

Die folgenden Beispiele96 zeigen das Versagen der IWC bei offenkundigen Verstößen:

1982 erhielt die IWC Beweise, dass ein chilenischer Walfänger jährlich bis zu 200 Seiwale tötete (Verstoß gegen �10 der Satzung), dabei Fabrikschiffe benutzte (Verstoß gegen �8c), 9- 10 Monate jährlich operierte (Verstoß gegen �2c) und einen Teil der Tiere verwarf (Verstoß gegen �20b). Chile wies damals die Vorwürfe zurück. Die Regierung startete eigene interne Untersuchungen, doch erlaubte sie den Export von über 1.100 Tonnen dieses unrechtmäßig erlangten Walfleisches nach Japan.

Das Piraten-Walfangschiff Sierra (aktiv 1968- 1979), gehörte einem norwegischen Geschäftsmann, Management und Crew kamen aus Südafrika, die Fänge wurden ausschließlich nach Japan verkauft. Trotz der Beweise für die illegale Jagd der Sierra auf Tausende Wale leitete keine der drei zuständigen Regierungen Schritte zur Bestrafung ein.

In den späten 1970ern war ein Drittel der von Spanien getöteten Finnwale untermaßig (Verstoß gegen �15b), dennoch wurde der Export des Fleisches nach Japan genehmigt. Ebenso waren 1977-1983 insgesamt 171 (= 11,7%) der in Island gefangenen Finnwale und 71 (=11.9%) der Seiwale untermaßig. Doch Fleisch und Speck der Tiere wurde mit legal gefangenen Tieren vermischt und nach Japan exportiert.

Einige der IWC-Vertragsstaaten ignorieren hartnäckig die Vorgaben der Satzung sowie die Aufforderungen per Resolutionen, Informationen zum Tierschutz (s.a. Kap. 9) oder zu Beifängen zu liefern. Japan beispielsweise ignoriert die wiederholten Anfragen zur Länge des Todeskampfes, zur Rate angeschossener und verlorener Wale, Methoden zum Töten beigefangener Wale sowie dem Einsatz der elektrischen Lanze und der nicht-explosiven ("kalten") Harpune. Es wurde sogar verlangt, den Tierschutz von der Tagesordnung der kommenden IWC-Tagung zu nehmen.

Trotz der systematischen Missachtung der Resolutionen und dem Umgang mit Vertragsbrüchen will die IWC offenbar nun ihr "Infractions Commitee" mit einem ebenso zahnlosen Überwachungskomitee (Compliance Review Committee, CRC) ersetzen. Da der Vollzug weiterhin den einzelnen Regierungen überlassen wird, wird der RMS weiterhin ebenso wenig eine korrekte Untersuchung und Bestrafung von Vertragsbrüchen erzielen wie bisher.

Der aktuelle Entwurf gibt dem Überwachungskomitee keine Richtlinien vor, erwartet aber, dass es:
(i) Berichte zu Verstößen, die von Vertragsstaaten eingereicht werden (diese sind hierzu übrigens nicht verpflichtet), überprüft;
(ii) die Kommission jeweils informiert, ob diese Verstöße Verletzungen der Satzung sind (ohne eine Verletzung genau zu definieren);
(iii) eine Liste von "schweren Verstößen" erarbeitet (obwohl die Zusammensetzung des CRC und der Entscheidungsprozess unklar sind);
(iv) Empfehlungen macht, wie die Einhaltung der Bestimmungen zu gewährleisten ist (ohne dass die IWC den Empfehlungen folgen muss);
(v) Maßnahmen von Vertragsstaaten überprüft (die nicht verpflichtet sind, Berichten zu Verstößen nachzugehen und zu ahnden).

7. Missbrauch durch Vorbehalte und Einsprüche?
Die Konvention schweigt sich darüber aus, ob Vorbehalte gegen sie (inkl. Satzung) zum Zeitpunkt der Ratifizierung zulässig sind. Art. 2 der Wiener Konvention für Vertragsrecht definiert einen Vorbehalt (reservation) als eine "einseitige Erklärung eines Staates, unter welcher Bezeichnung auch immer, beim Unterzeichnen, Ratifizieren, Akzeptieren oder Billigen eines Vertrages, wenn er beabsichtigt, die Anwendung bestimmter Vorschriften für das eigene Land auszuschließen oder zu modifizieren". Bis 2002 gab es keine wesentlichen Vorbehalte von Beitrittsstaaten der IWC und diese Vorbehalte betrafen auch nicht Schutzbestimmungen der Satzung98. Im Oktober 2002 allerdings durfte Island in die IWC mit einem wesentlichen Vorbehalt zurückkehren. Island entzog sich der Gültigkeit des Moratoriums durch einen Vorbehalt gegen Art.10(e) der Satzung (s. Kap. 7.2.). Hiermit wurde ein Präzedenzfall geschaffen, der es einem Staat erlaubt, das formelle Einspruchsverfahren der Konvention zu umgehen, indem er kündigt und unter Vorbehalt wieder beitritt.

Im Gegensatz zum Vorbehalt sieht die IWC die Möglichkeit vor, Einsprüche (objections) gegen Satzungsänderungen zu erheben. Solche Änderungen können Schutzmaßnahmen (für einzelne Arten, Schutzgebiete, Schonzeiten, Fangquoten, Fanggeräte etc.) betreffen. Art. V der Konvention erlaubt es Mitgliedsstaaten, sich per Einspruch innerhalb einer bestimmten Frist von der Änderung ausnehmen zu lassen. Erfolgt kein Einspruch, ist die Satzungsänderung verbindlich. Durch eine Kombination von Vorbehalten und Einsprüchen haben Japan, Norwegen, Island und andere Walfangländer stur nahezu alle Schutzmaßnahmen der IWC unterwandert.

7.1. Formelle Einsprüche
Die bisher wichtigste und umfassendste Schutzmaßnahme der IWC ist das kommerzielle Walfangverbot. Diverse Länder (Japan, Norwegen, Peru und die frühere Sowjetunion) erhoben 1982 einen Einspruch gegen das Moratorium. Aus politischen Gründen zogen Japan und Peru ihren Einspruch zurück. Die frühere Sowjetunion machte von ihrem Einspruch nie Gebrauch. Lediglich Norwegen begann 1993 wieder mit kommerziellem Walfang.

Ein weiterer wichtiger Schritt der IWC für den Schutz von Walen war die Schaffung der Schutzgebiete um die Antarktis und im Indischen Ozean. Nicht überraschend erhob Japan 1994 Einspruch gegen das Antarktis-Schutzgebiet und tötet seitdem jährlich im Schutzgebiet durchschnittlich 440 Zwergwale unter dem Deckmantel der "Wissenschaft". Auch die frühere Sowjetunion legte Einspruch ein, zog ihn aber später wieder zurück. Japan ist somit das einzige Land, das immer noch einen Einspruch gegen das Schutzgebiet hat; für alle anderen Mitgliedsstaaten ist der kommerzielle Walfang in Schutzgebieten verboten. Wird das Moratorium aufgehoben, kann Japan auch weiterhin legal Wale im Antarktis-Schutzgebiet fangen.

Paragraph 6 der Satzung verhindert den Einsatz der "kalten" (nicht-explosiven) Harpune. Brasilien, Island, Japan, Norwegen und die frühere Sowjetunion erhoben Einspruch bzgl. Zwergwale. Brasilien und Norwegen nahmen ihre Einsprüche später wieder zurück, Island trat 1992 aus der IWC aus. Japan und Russland aber sind bis heute nicht an das Verbot der Kaltharpune gebunden. Japan benutzt sie noch immer als zweite Tötungsmethode im "Wissenschaftswalfang" 99, weigert sich aber, Daten zu ihrer Effektivität an die IWC zu liefern.



Einige Arten und lokale Bestände sind von der IWC als geschützt eingestuft und dürfen nicht bejagt werden. Doch Norwegen hat einen Einspruch gegen diese Klassifizierung des Nordostatlantischen Bestandes des Zwergwals. Island tat dies bzgl. des Blauwals im Nordatlantik und der Arktis bereits in den 50er Jahren und tötete mindestens 49 Blauwale in den folgenden Jahren.

7.2. Island - eine Fallstudie
1992 lehnte Island das Moratorium für kommerziellen Walfang zwar ab, erhob aber entgegen anderer Länder (s. 7.1) keinen formellen Einspruch. Stattdessen nutzte Island in den Folgejahren das Schlupfloch des "wissenschaftlichen" Walfangs nach Artikel VIII der Konvention. Dieses Vorgehen wurde international stark kritisiert, v.a. mit Blick auf die Exporte von Walfleisch aus Island nach Japan. Aufgrund der wachsenden Proteste beendete Island seinen "Wissenschaftswalfang" 1989 und trat schließlich zum 30. Juni 1992 aus der IWC aus.

2001 entschied Island, der IWC wieder beizutreten, wollte aber nicht an das Moratorium gebunden sein. Am 8. Juni reichte Island eine Erklärung inklusive Vorbehalt ein, die besagte: "Island ist der Konvention und dem Protokoll verpflichtet, mit einem Vorbehalt gegen Paragraph 10(e) der Satzung". Bei der 53. IWC-Tagung in London entschied die IWC:

i) die Kommission habe die Kompetenz, um Islands Vorbehalt rechtlich zu überprüfen;
ii) Islands Vorbehalt gegen � 10(e) der Satzung nicht zu akzeptieren und
iii) Island nur als Beobachter zuzulassen.

Bedeutend war allerdings, dass Island auf der IWC 53 dennoch als Mitglied behandelt wurde und abstimmen durfte, bis zu der Abstimmung über die Einladung, als Beobachter teilzunehmen. Dass der Vorbehalt entgegen dem Zweck und der Absicht der Walfang-Konvention steht, schien wenig Einfluss auf die Entscheidung des Sekretariats zu haben, Island als Mitglied mit Stimmrechten in erster Instanz zu behandeln.

Im Mai 2002 reichte Island kurz vor der 54. IWCTagung in Shimonoseki (Japan) erneut eine Erklärung ein. Auf diesem Treffen bemerkte der Vorsitzende, dass diese den selben Vorbehalt wie im Vorjahr beinhaltete und Islands umstrittener Status entsprechend der Vorjahresentscheidung beizubehalten sei. Trotz Kritik wurde Island als Beobachter behandelt und durfte nicht abstimmen. Am 10. Oktober, im Vorfeld eines Sondertreffens der IWC in Cambridge, reichte Island eine dritte Erklärung ein. Diese war exakt identisch mit den vorherigen - ausgenommen der Aussage, man würde vor 2006 keinen kommerziellen Walfang betreiben. Auf dem Sondertreffen akzeptierte der Vorsitzende dies als neue und andere Erklärung Islands. Deshalb dürfe Island in erster Instanz als Vertragsstaat abstimmen. Nach einer Reihe verwirrender Abstimmungen und Verfahrensfehlern war der Wiedereintritt Islands unter Vorbehalt gegen das Moratorium vollzogen.

7.3. Die aktuelle RMS Diskussion
Eine der kontroversesten Diskussionen zum RMS ist die Frage, wann er angenommen und das Moratorium aufgehoben wird. Während die Walfangländer beide Vorgänge koppeln wollen, zeigen sich diverse Vertragsstaaten besorgt, dass in dieser Situation die Walfangländer gegen eine oder mehrere Bestimmungen des RMS Vorbehalten einlegen und somit legal, aber außerhalb der Kontrolle durch die IWC Wale jagen könnten. Vier Vorschläge stehen zur Diskussion, um dieser Gefahr zu begegnen.

1) Der Vorsitzender der RMS-Arbeitsgruppe schlug eine Übergangszeit für �10(e) vor, so dass er an einem bestimmten Tag ungültig würde - vorausgesetzt, es würde kein Vorbehalt eingereicht.
Dieser Vorschlag krankt aber an zwei Punkten:
Wenn ein Vertragsstaat dies ignoriert und einen Einspruch einlegt, bleibt der RMS samt entsprechendem Einspruch noch immer in der Satzung. Wenn die Kommission eines Tages das Moratorium aufheben würde, wäre der RMS für dieses Land nicht verbindlich. Der einzige Weg, dieses Szenario zu verhindern, ist es, für die Übergangszeit zusätzlich festzulegen, dass im Falle irgendeines Einspruchs gegen den RMS nicht nur das Moratorium erhalten bliebe, sondern der RMS in der Satzung ungültig würde. Mit anderen Worten: Bei Einsprüchen gegen den RMS bleibt � 10(e) in Kraft und der RMS wird aufgehoben.
Diese Bestimmung hindert einen Vertragsstaat nicht, aus der Kommission auszutreten und bei einem Wiedereintritt einen Vorbehalt gegen den RMS einzulegen (s. Fall von Island). Zudem kann ein neuer Mitgliedsstaat ebenfalls einen Vorbehalt gegen den RMS einlegen.

Die Arbeitsgruppe entwickelte drei weitere Modelle für das Aufheben des Moratoriums und versuchte dabei, den RMS verbindlich zu machen. Es ist aber klar, dass jeder dieser Ansätze unzureichend ist, solange Vorbehalte und Einsprüche möglich sind:

2) Aufheben des Moratoriums zeitgleich mit dem Verabschieden des RMS; Hinzufügen einer Fußnote zu den Quotentabellen, die besagt: "Eine Jagd darf nur stattfinden, wenn sie der Gerichtsbarkeit eines Staates unterliegt, der keinen Vorbehalt oder Einspruch gegen die Bestimmungen des RMS hat":

3) Aufheben des Moratoriums in zwei Schritten. Zunächst Verabschieden des RMS unter Beibehaltung des Moratoriums. Dann, falls die 90 Tage Frist ohne Eingang eines Einspruchs verstreichen, soll darüber abgestimmt werden, �10(e) durch den folgenden Text zu ersetzen: "Unberührt von den anderen Bestimmungen des �10 dürfen Quoten größer Null nur dort erteilt werden, wo der beantragte Walfang im Einklang mit allen Bestimmungen des RMS durchgeführt wird."

4) Auslaufen des Moratoriums. Der Vorschlag sieht offenbar vor, den RMS zu verabschieden und nach Verstreichen der 90tägigen Einspruchsfrist über einen neuen �10(f) abzustimmen, der �10(e) für eine Art/ einen Bestand oder ein Gebiet nach der/dem anderen ersetzt.

Jeder dieser drei Ansätze scheitert daran, dass ein Vertragsstaat Einspruch gegen die Fußnote (1. Szenario) oder die zweite Satzungsänderung (2. und 3. Szenario) einlegen kann, bzw. aus der IWC aus- und mit einem Vorbehalt gegen den RMS wieder eintreten kann. In all diesen Fällen würde das Moratorium aufgehoben, die Walfangländer könnten allerdings kommerziellen Walfang außerhalb der Kontrolle des RMS betreiben.

Ein für die Walfangnationen auch nur in Teilen unverbindliches RMS macht den gesamten RMSProzess zunichte und das Aufheben des Moratoriums äußerst gefährlich. Angesichts ihres bisherigen Vorgehens ist es sehr wahrscheinlich, dass Japan, Norwegen und Island Einsprüche erheben oder ausund in die IWC wiedereintreten, unter Vorbehalt gegen den RMS als Ganzes oder Teile von ihm. Der einzige Weg, diesen Missbrauch des RMS wirklich zu verhindern, ist es, den Vertragsstaaten das Recht auf Einsprüche und Vorbehalte zu entziehen. Auch andere Abkommen (CCSBT, FFA, MHLC) schließen Vorbehalte aus.

8. "Wissenschaftswalfang"
Art. VIII der Konvention ermöglicht Ländern uneingeschränkt, Wale für wissenschaftliche Zwecke zu töten und zu verarbeiten. Dieses Recht ersetzt alle in der Satzung verankerten Schutzbestimmungen, inklusive Moratorium102. Hiermit kann nur der genehmigende Vertragsstaat begrenzen, wo, wie viele und welche Arten getötet werden dürfen.

Die IWC hat wiederholt Kritik am Missbrauch des Artikel VIII für kommerzielle Zwecke geäußert und mehr als 20 Resolutionen allein gegen die Aktivitäten Japans verfasst. 2003 äußerte die IWC ihre bislang klarste Kritik, per Resolution 2003-2, die "die starken Bedenken ausdrückt, dass die Bestimmung zum Wissenschaftswalfang es Ländern ermöglicht, trotz des kommerziellen Moratoriums Wale für kommerzielle Zwecke zu fangen." Diese Resolution erklärt zudem, dass "derzeitige und beantragte Aktivitäten im Wissenschaftswalfang einen Akt entgegen dem Geist des Moratoriums und dem Willen der IWC darstellen" und betont, dass "Artikel VIII der Konvention nicht dazu gedacht ist, um Walfleisch für kommerzielle Zwecke zu beschaffen und entsprechend auch nicht so anzuwenden ist." Die Resolution fordert, dass Staaten, die "Wissenschaftswalfang durchführen oder in Erwägung ziehen, diese Aktivitäten zu beenden oder nicht zu genehmigen und die Forschung auf nicht-letale Methoden zu begrenzen." Ungeachtet der Kritik der IWC zum Missbrauch des Art. VIII und des Wissenschaftsausschusses am Wert der "Forschungsanträge" hat der "Wissenschaftswalfang" seit seiner erstmaligen Anwendung in den 1950ern, kurz nach der Gründung der IWC, drastisch zugenommen.



In den 1950ern wurden insgesamt 27 Genehmigungen nach Art. VIII ausgestellt. Während der 1960er stieg die Zahl stark an, auf einen Durchschnitt von 100 getöteten Tieren jährlich103. In den 1970ern , als die Jagd auf Finn- und Seiwale in der südlichen Hemisphäre verboten wurde, wurden bis zu 300 Tiere jährlich im Namen der Wissenschaft getötet. Die USA, die frühere Sowjetunion, Südafrika, Kanada, Dänemark und Peru nutzten allesamt Art. VIII für ihre eigenen Interessen. Doch erst 1985 - ein Jahr vor Inkrafttreten des Moratoriums - stieg die Zahl der unter dem Deckmantel der Wissenschaft getöteten Wale dramatisch an (s. Abb. 1). Seitdem wird die Debatte zum "Wissenschaftswalfang" von den Aktivitäten Japans und Islands dominiert.

8.1. Japan Die kommerzielle Motivation für Japans "Wissenschaftswalfang" ist eindeutig: Als das Moratorium 1986 in Kraft trat, konnte Japan die Nachfrage im eigenen Land nach 3-4.000 Tonnen Walprodukten jährlich nicht lange mit Vorräten oder Importen decken, da diese durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen eingeschränkt waren. Der Preis für Walfleisch schnellte nach oben104. 1987 etablierte Japan das Institut für Walforschung (engl. ICR), eine Nichtregierungsorganisation, die massiv von der Regierung bezuschusst wurde. Das Institut führt den "Wissenschaftswalfang" durch und begann mit seinen Aktivitäten in der Saison 1987/1988.

Kyodo Hogei, das Unternehmen, das zuvor den kommerziellen Walfang in der Antarktis betrieben hatte, gründete eine Holding-Gesellschaft (Kyodo Senpaku), der es seine Schiffe, Ausrüstung und Crew übertrug. Finanziert durch Millionenspenden von Kyodo Senpaku und der Fischereibehörde sowie Privatspenden charterte das ICR die Boote von Kyodo Senpaku und begann mit dem "Wissenschaftswalfang" in der Antarktis - Japans traditionellen und lukrativsten Walfanggründen. Während also der kommerzielle Walfang in der Antarktis im Mai 1987 endete, wurde er dort nur sieben Monate später unter dem Deckmantel der "Wissenschaft" wieder aufgenommen. "JARPA" (Japanese Research Programme in Antarctica) 105 war geboren.

Die Anzahl der Tiere, die unter JARPA getötet wurde, war weitaus kleiner als Japans Ausbeute vor dem Moratorium. 1994 begann Japan deshalb mit einem Fünf-Jahres-Forschungsprogramm im Nordpazifik namens JARPN (Japanese Research Programme in the North Pacific). Als die Genehmigung für JARPN auslief, wurde 2000 ein neues Programm, JARPN II, eingeführt, dass neben Zwergwalen nun auch Pott- und Bryde-Wale umfasste. Nur zwei Jahre später wurde JARPN II auf Seiwale ausgedehnt - eine Art, die von der Weltnaturschutzorganisation IUCN als vom Aussterben bedroht eingestuft ist. Unter JARPN/JARPN II wurden bislang fast 700 Zwergwale, über 150 Bryde-Wale, mindestens 40 Seiwale und 18 Pottwale getötet. Inklusive JARPA tötete Japan seit dem Inkrafttreten des Moratoriums ca. 7.000 Wale im Namen der "Wissenschaft". Trotz des gestiegenen Wissens zur Biologie der Wale und den Fortschritten bei nichtletalen Forschungsmethoden werden derzeit mehr als doppelt so viele Wale für die "Forschung" getötet als noch in den 1960ern. Die Genehmigung für JARPA lief Anfang 2005 aus. Japan wird offenbar dem Wissenschaftskomitee 2005 einen neuen Forschungsantrag vorlegen, der die Anzahl der zu tötenden Zwergwale in der Antarktis verdoppelt und zudem erstmals Finn- und Buckelwale umfasst.

Obwohl der Wissenschaftsausschuss einige Ergebnisse des Wissenschaftswalfangs als einen Beitrag für das Management von Walen anerkannt hat, wurde immer wieder scharf kritisiert, dass man diese Daten auch durch nicht-letale Methoden hätte bekommen können. Die aktuellen Forschungsprogramme wurden ebenfalls für ihre Unbestimmtheit und ihren jüngsten Fokus auf Nahrungsökologie kritisiert - Studien also, die Japans Behauptung belegen sollen, Wale würden mit dem Menschen um die Fischbestände konkurrieren und müssten deshalb dezimiert werden. Die vorschnelle Entscheidung, das JARPA Programm weiterzuführen, bevor die Ergebnisse von der IWC ausgewertet sind, wurde ebenfalls massiv kritisiert. Japan hat seine Sicht der verfressenen Wale in Hochglanzbroschüren anschaulich dargestellt, seine Argumente jedoch nie seriösen wissenschaftlichen Kreisen präsentiert und sich einem "Review-Prozess" für die Veröffentlichung in wissenschaftlichen Publikationen gestellt. Dagegen veröffentlichten diverse anerkannte Wissenschaftler vernichtende Kritiken sowohl zu Japans Methoden als auch den Ergebnissen107,108 und widersprachen dem behaupteten negativen Einfluss von Walen auf die Fischbestände.

8.2. Island
Offiziell beendete Island seinen kommerziellen Walfang 1985, begann aber nur wenige Monate nach Inkrafttreten des Moratoriums ein Vier-Jahres- Programm für "Wissenschaftswalfang", das vollständig über den kommerziellen Verkauf und Export des Walfleisches finanziert wurde109. Die Originalversion des Forschungsprogramms sah sogar je 40 Blau- und Buckelwale vor110, diese wurden aber später wieder herausgenommen. Die Genehmigung umfasste letztlich 320 Finn-, 320 Zwerg- und 160 Seiwale (tatsächlich wurden 292 Finn- und 70 Seiwale getötet). Die IWC kritisierte wiederholt den wissenschaftlichen Gehalt und die ökonomischen Hintergründe des Programms und verabschiedete die Resolutionen 1987-1/3, 1988-2, und 1989-1, die Island aufforderten, sein Programm zu beenden. 1992 trat Island aus der IWC aus.

Nachdem Island 2002 der IWC mit einem Vorbehalt gegen das Moratorium und der Ankündigung den kommerziellen Walfang frühestens 2006 wieder aufzunehmen, erneut beigetreten ist, präsentierte es ein zweijähriges "Forschungsprogramm" für 200 Finn-, 200 Zwerg- und 100 Seiwale für 2003 und 2004. Der Antrag erntete breite Kritik, inklusive einer Demarche von 23 Staaten111, einer scharf formulierten Resolution 2003-2 (s.o.) und der offiziellen Erklärung von 39 Mitgliedern des IWC-Wissenschafts- Ausschusses. Diese besagte, dass Islands Antrag kärglich formuliert wurde, kaum Ergebnisse zu erwarten seien und er "in nahezu jeder Hinsicht ungenügend" sei. Dennoch tötete Island 2003 36 Zwergwale und 2004 - obwohl beim Auslaufen der Flotte 2/3 des Walfleisches vom Vorjahr noch unverkauft war112 - noch weitere 25 Tiere.

8.3. Wissenschaftswalfang unter dem RMS?
Dieses und die vorherigen Kapitel zeigen, dass Wissenschaftswalfang ein Schlupfloch wurde, das das Moratorium verschlingt - und alle anderen Schutzbestimmungen gleich mit. Die Situation ist außer Kontrolle, wie es sich die Gestalter der IWC zuvor nicht hätten vorstellen oder gar ernsthaft diskutieren können. Dies wird auch so bleiben, da weder der Vertrag, die Satzung noch irgendeine Resolution eine Kontrolle oder Begrenzung des Wissenschaftswalfangs veranlassen können.

Der RMS-Entwurf erkennt zwar an, dass der Wissenschaftswalfang ein Problem darstellt, geht aber davon aus, dass dies durch einen freiwilligen Verhaltenskodex als Teil des RMS-Paketes zu regeln ist, außerhalb der Satzung. Der vorliegende Bericht zeigt, dass das Vertrauen in freiwillige Maßnahmen angesichts des bisherigen unglaublichen Missbrauchs absurd ist. Selbst wenn die Walfangländer den strengsten Kontrollmaßnahmen im RMS zustimmen würden, könnten sie noch immer das gesamte System inkl. noch so vorsichtiger Fangquoten unterlaufen, indem sie schlichtweg eigenmächtig Quoten nach Art. VIII für Arten festsetzen, für die der RMS keine Quoten freigibt. Die Bestimmungen zur Gesamtfangzahl, die ansonsten Tiere, die für Forschungszwecke getötet wurden, von der RMPQuote subtrahieren würde, würde diese anderen Arten oder Bestände schlichtweg nicht betreffen.

Der einzige Weg, den Missbrauch des Wissenschaftswalfangs zu stoppen, ist es, Art. VIII eindeutig zu verändern oder ganz aus der Satzung zu entfernen. Eine solch weitreichende Änderung der Konvention müsste allerdings von allen IWCMitgliedsstaaten ratifiziert werden und wäre maßgeblich auch für alle künftigen Neumitglieder.

9. Tierschutzaspekte
Die Grausamkeit des Walfangs ist seit langem Thema in der IWC, doch noch immer kann die Zeit vom Harpunieren eines Wales bis zum Eintritt des Todes von wenigen Minuten bis über eine Stunde dauern. Fachleute schätzen, dass "die Tierschutzstandards im derzeitigen Walfang weit hinter die anderer Bereiche zurückfallen, wo Tiere geschlachtet oder für wissenschaftliche Zwecke getötet werden, und in diesen Bereichen nicht akzeptabel wären." 114. Die folgenden Probleme wurden auf der IWC 2004 mittels Resolution bestätigt:

Daten, die derzeit an die IWC übermittelt werden, sind nicht aussagekräftig oder vollständig genug, um die Tierschutzbelange aller Walfangoperationen beurteilen zu können.
Die Kriterien der IWC, um den Zeitpunkt der Bewusstlosigkeit oder des Todes von Walen bestimmen zu können, sind unzureichend.
Die Effizienz der Tötungsmethoden wird von vielen Faktoren beeinflusst, z.B. Explosionskraft der Harpune, Gewehrkaliber, Munition, anvisiertes Körperteil des Wales, Schusswinkel, Abstand zwischen Wal und Boot, Treffsicherheit des Schützen, Wetterkonditionen, Seegang, Größe und Art des Wales.
Vollständige Datensätze (inkl. vergleichbare Daten zu den einzelnen erlegten Walen) werden von den Walfangländern derzeit nicht eingereicht. Resolution 2004-3 fordert deshalb Angaben zu jedem getöteten Wal ein.

Außerdem berücksichtigt die am häufigsten angewandte Jagdmethode nicht ausreichend die physiologischen Unterschiede der bejagten Art. Japan beispielsweise nutzt die gleiche Explosivharpune (mit nur etwas höherer Sprengkraft) für Zwerg- und Pottwale. Ein ausgewachsenes Pottwal-Männchen bringt es allerdings auf bis zu 50 Tonnen, im Vergleich zu einem Zwergwal von 10 Tonnen. Zudem liegt das Gehirn des Pottwals tief im Körper eingebettet, was einen direkten Treffer ins Gehirn und damit einen sofortigen Tod selbst aus kürzester Distanz sehr viel schwieriger macht.

Angeschossene, aber verlorengegangene Wale sind bei allen Walfangaktivitäten zu verzeichnen. Die Überlebenschance solcher Tiere hängt vom Verwundungsgrad ab, aber zumindest ein Teil der Tiere stirbt vermutlich. Es ist daher unerlässlich, diese angeschossenen und verlorenen Wale in die Quotenkalkulation mit einzubeziehen.

Die einzige in der IWC derzeit angewandte Messung in puncto Tierschutz ist die Zeit bis zum Eintritt des Todes. Diese berücksichtigt aber nicht das Leiden der Tiere durch den jeweiligen Verwundungsgrad, den Stress durch die weitere Verfolgungsjagd oder ähnliches.

9.1. Tierschutzaspekte und die IWC
Gegen den Widerstand der Walfangländer konnte die IWC ihre Zuständigkeit auf die humane Behandlung von Walen ausbauen. Die Konvention gibt der IWC ein eigenes Mandat, um "Zeit, Methoden und Intensität des Walfangs"116 und "Art und Einzelheiten der Fanggeräte"117 zu behandeln. Zusätzlich geben sowohl die Satzung selbst als auch eine Reihe von Resolutionen eine Liste von Angaben vor, die während Walfangoperationen gesammelt und an die IWC eingereicht werden müssen, um die Fangmethoden zu überprüfen und Verbesserungsvorschläge zu entwickeln.

Trotz alljährlicher Diskussionen innerhalb der IWC und ihrer entsprechenden Arbeitsgruppe für humanes Töten werden hierzu allerdings kaum Fortschritte gemacht. Die zwei wichtigsten Entscheidungen der letzten 20 Jahre zu diesem Thema war das Verbot der kalten Harpune118 und der freiwillige Verzicht der elektrischen Lanze als Tötungsmethode für bereits angeschossene Tiere.



9.2. Tierschutzaspekte und der RMS
Der RMS-Entwurf gibt drei Optionen für den Umgang mit Tierschutzaspekten vor (eine vierte ist es, das Thema überhaupt nicht zu berücksichtigen), die allesamt eine freiwillige Berichterstattung vorsehen, obwohl sogar die eigene Satzung bestimmte Angaben einfordert. Zudem enthält der Entwurf eine Liste von Mindestbedingungen für den Walfang, z.B. bezüglich des Wetters und der Begrenzung der Anzahl zu jagender Wale.

Bis zum nächsten IWC-Treffen ist am RMS-Entwurf noch eine Menge zu tun, aber es ist nicht zu erwarten, dass die IWC mehr für den Tierschutz im Walfang tun wird, als die Forderung nach einer freiwilligen Datenbereitstellung. Es wird sich also wenig ändern. Die folgenden Bedenken sind bislang nicht berücksichtigt:

Die IWC muss sich noch auf wissenschaftlich belegbare Daten einigen, um dem Todeszeitpunkt bei Walen zu bestimmen (zur Vergleichbarkeit von Daten zwischen Fängen und zur Bewertung der Jagdmethoden).
Die Sammlung von Daten kann nur die wissenschaftliche Evaluierung von Tierschutzaspekten bieten, ändert aber nicht die Realität. Es ist unvereinbar, dass IWC-Staaten, die eigene strenge nationale Tierschutzbestimmungen zur Schlachtung und Tötung von Tieren haben, nun einem RMS zustimmen, der diese Standards nicht für Wale festlegt.
Der aktuelle Entwurf enthält so vage Formulierungen, dass sie offen für jegliche Interpretation sind. Beispielsweise bietet der Entwurf folgende Option an: "Der Fang von Walen soll so durchgeführt werden, dass der Wal nicht unnötig leidet und Menschen und Geräte nicht Gefahren ausgesetzt werden." 119
Der Satzungstext enthält keine klar quantifizierbaren Zielvorgaben (z.B. 95-100% sofortige Todesrate), die mit wissenschaftlichen Methoden überprüft werden könnten.
Der Entwurf schreibt keine unabhängige Überwachung durch Internationale Beobachter oder Strafmaßnahmen bei Verstößen gegen die Tierschutzstandards vor.
Der Entwurf verlangt kein Gegenrechnen angeschossener und verlorener Wale gegen die RMS-Fangquoten.

10. Fazit
Dieser Bericht belegt, dass von der Vergangenheit bis heute Vertragsstaaten der IWC jede sich nur bietende Gelegenheit nutzten, um Walfangbestimmungen zu umgehen. Unfähig, Vertragsverletzungen - von den kleinsten Unstimmigkeiten in Berichten bis hin zu gröbsten Quotenüberschreitungen - zu verhindern oder zu bestrafen, hat die IWC die Wale im Stich gelassen. Dieser Überblick über die Bestimmungen und den aktuellen RMSEntwurf zeigt zudem, dass die Lektionen aus der Vergangenheit eher ignoriert denn befolgt werden, und dass sich erschreckende Tatsachen aus der Geschichte der IWC wiederholen können. Das vorliegende RMS-Paket ist im Grundsatz fehlerhaft. Es ist zahnlos und lässt sich - wie die früheren Regulierungsversuche der IWC auch - in der Praxis nicht umsetzen.

Darüber hinaus, sogar wenn Walfangländer die Entscheidung für ein strengeres Bewirtschaftungsverfahren zulassen würden, d.h. mit den besten Praktiken aus anderen Fischereiabkommen, könnte der RMS wegen der Schlupflöcher und der veralteten Bestimmungen der Konvention selbst den Walfang noch immer nicht kontrollieren.

In der letzten Zeit gab es ernste Bestrebungen, den RMS abzuschließen und nach 19 Jahren das Walfangverbot wieder aufzuheben. Nicht etwa, weil die Weltöffentlichkeit eine Wiederaufnahme des Walfangs befürworten würde oder weil diese Tiere als Nahrung oder für andere Produkte dringend benötigt würden - und sicher nicht, weil ihre Bestände eine erneute Jagd verkraften würden. Nein, die Annahme des RMS scheint vielmehr von der Furcht getrieben zu sein, die Walfangbefürworter würden innerhalb der IWC die Mehrheit erlangen. Verstärkt wird diese Furcht durch die anhaltende Ausweitung der Walfangaktivitäten Japans, Norwegens und Islands unter Ausnutzung der Schlupflöcher "Wissenschaft" und dem Erheben von Einsprüchen. Ausgelöst vom Wunsch, die Kontrolle wieder zu erlangen, scheint die IWC bereit, ein RMS zu verabschieden, dass eine gute Regulierung vorgaukelt, aber in der Realität weder "Wissenschaftswalfang" noch eine Unterwanderung durch Vorbehalte verhindern kann und zudem nicht umsetzbar ist. Ein solches RMS zu verabschieden und das Moratorium aufzuheben, um lediglich kommerziellen Walfang neben anderen, nicht-regulierten, Aktivitäten zuzulassen, ist unverantwortlich und verhöhnt die Aufgabe der IWC zur Erhaltung der Wale.

Die IWC darf nicht zulassen, dass ihre unrühmliche Vergangenheit als Vorlage für die Zukunft verwendet wird. Ihre Anfangszeiten waren durch eine starke Konkurrenz um Ressourcen gekennzeichnet, begleitet von dem Mangel der IWC an Erfahrung, Überblick, wissenschaftlicher Information und politischem Willen. Heute allerdings existieren sowohl die Bereitschaft als auch die Mittel, Wale zu schützen. Die IWC und die Bevölkerung haben dieses Stadium der rücksichtslosen Ausbeutung hinter sich gelassen und achten die vielschichtigen Wechselbeziehungen zwischen unserer Umwelt und ihren Bewohnern. Die meisten IWC-Staaten haben inzwischen erkannt, dass der Schutz von Walen nicht nur den Tieren und ihrem Ökosystem hilft, sondern dass sich daraus auch für den Menschen finanzielle, wissenschaftliche und edukative Möglichkeiten ergeben.

Seit 1982 zieht die IWC den Schutz von Walen dem Erhalt einer überflüssigen Industrie vor. Es ist weder angebracht noch entschuldbar, diesen Trend nun umzukehren. Wale werden heutzutage von zahlreichen Faktoren bedroht: Walfang, Beifang, Überfischung, verschmutzte Gewässer, Klimaveränderung und Lebensraumzerstörung. Es ist somit die Pflicht der IWC, noch weitreichendere Schritte zum Schutz von Walen zu ergreifen, indem sie die Schlupflöcher der Konvention schließt, die seit Anbeginn ein Unterwandern des Moratoriums ermöglichten. Es ist auch ihre Pflicht, kein Bewirtschaftungsverfahren zu akzeptieren, dass die IWC-Historie einer Bestandsplünderung und Ignoranz von Bestimmungen auch weiterhin ermöglicht. Vertragsstaaten müssen schon bald aktiv werden und anerkennen, dass viele Walarten den nächsten vergeblichen Versuch der IWC, den Walfang zu regulieren, nicht überleben werden.

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