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16.02.2009

Doping-Affäre im Reitsport

Doping-Affäre im Reitsport
„Jetzt haben wir unser Epo-Problem“
Eine positive Doping-Probe beim Pferd von Springreiter Christian Ahlmann und drei weiteren Tieren stürzt den Reitsport in die Krise. Ahlmann ist bereits abgereist.



Doping-Desaster, Imageschaden und unsichere Olympiazukunft: Der Pferdesport erlebt bei den Peking-Spielen ein erschreckendes Déjà-vu – und der deutsche Verband ist durch die positive Probe bei Christian Ahlmanns Pferd Cöster wieder einmal unmittelbar betroffen. Bei vier Springreitern ist durch ein neues Testverfahren die verbotene Substanz Capsaicin festgestellt worden. „Jetzt haben wir unser Epo-, unser Radfahrer-Problem“, klagte Hanfried Haring, Generalsekretär des deutschen Verbandes, am Donnerstag in Hongkong. Ahlmann wurde suspendiert und ist bereits abgereist.

„Der Schatten fällt auch auf alle anderen im Team“, sagte der Verbands-Generalsekretär zum Fall Ahlmann und befürchtet einen großen Imageschaden für den deutschen Pferdesport, der in Hongkong dreimal Gold gewann: „Ich schwanke zwischen Unverständnis und Wut.“ Zweifel an der Schuld hat Haring trotz des fehlenden Ergebnisses der B-Probe nicht: „Kann doch keiner sagen, dass das vom Himmel fällt.“ Bei 15 bisher untersuchten Pferden und vier Positiv-Fällen mit der gleichen Substanz (Capsaicin) spricht vieles dafür, dass der verbotene Wirkstoff im Springsport systematisch genutzt wird.

„Fassungslos“, „Desaster“

Neben Ahlmann wurden Denis Lynch (Irland) mit Lantinus, Tony Andre Hansen (Norwegen) mit Camiro und Bernardo Alves (Brasilien) mit Chupa Chup erwischt und sofort suspendiert. Der norwegischen Equipe droht nun der Verlust der Bronzemedaille, sollte sich das Ergebnis bei Hansen in der B-Probe bestätigen. „Ich bin fassungslos“, sagte der deutsche Delegationsleiter Reinhard Wendt zum Fall Ahlmann. „Das ist ein Desaster.“ Ludger Beerbaum sagte: „Ich bin schockiert, aber ich weiß noch wenig über Details.“ Der Betroffene selbst verließ nach einer Anhörung am Morgen fluchtartig Hongkong. Der Springreiter ist aus der deutschen Olympiamannschaft ausgeschlossen worden und darf vorläufig bei keinem Turnier reiten.

Hautreizung und Schmerzen

Vier Jahre nachdem die deutschen Springreiter ihr Gold aus Athen wegen einer verbotenen Medikation von Beerbaums Pferd Goldfever zurückgeben mussten, sorgte der Doping-Schock für Entsetzen. Capsaicin ist nach Angaben des deutschen Mannschafts-Tierarztes Björn Nolting ein Bestandteil der Chilischote und kann zur Durchblutungsförderung oder zur Schmerzbehandlung verwendet werden. Möglich ist auch der Einsatz an den Vorderbeinen oberhalb des Hufes, um die Haut zu reizen, was das Anschlagen an die Stangen schmerzhafter macht. Die Substanz wäre deshalb geeignet, weil sie laut Nolting „als flüchtig“ gilt. Capsaicin fällt in die Klasse der verbotenen Medikation im Wettkampf, im Falle des Missbrauchs unter Doping. Diese Unterscheidung ist eine Besonderheit des Pferdesports.

Nolting versicherte, von keiner Behandlung des Pferdes Cöster gewusst zu haben. Alle deutschen Reiter haben unterschrieben, dass die Tiere acht Wochen vor und während der Spiele nicht ohne Absprache mit dem Veterinär behandelt werden dürfen. „Wir haben zigfach darüber gesprochen“, berichtete Nolting. Die Reiter seien „mehrfach aufgeklärt“ worden. „Wir stehen trotzdem heute da wie vor vier Jahren“, klagte der Veterinär.

Die Zahl von insgesamt vier positiven Fälle bezeichnete Peter Hofmann, der Vorsitzende des deutschen Springausschusses, als „Super-GAU für den Sport“ und als „absolute Katastrophe“. Da denke „man natürlich darüber nach, welche Auswirkungen das auf den olympischen Reitsport hat“. Die drei Pferdesport-Disziplinen gelten wegen der hohen Kosten seit Jahren als Streichkandidaten für das olympische Programm. Die neuen Doping-Fälle vergrößern das Problem. Vor vier Jahren hatte auch der Springreiter Cian O´Connor seine Medaille nach einem Positiv-Test verloren.

„Das ist eine sehr ernsthafte Angelegenheit, und wir sind uns bewusst, welche Auswirkungen das haben kann“, sagt Sven Holmberg, der Vorsitzende des internationalen Springausschusses bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Dass es gehäufte Fälle im Springsport gebe, könne damit zusammenhängen, „dass das ein großes Geschäft ist und es das meiste Preisgeld gibt“. Die 20 Proben bei den olympischen Dressur- und Vielseitigkeitspferden seien negativ gewesen.

Ahlmann gehörte zur deutschen Equipe, die am Montag im Mannschaftswettbewerb Fünfte geworden war. Die Probe war einen Tag zuvor genommen worden. Nach der Öffnung der B-Probe am Freitag im „Hong Kong Analytical Laboratory“ soll das Ergebnis drei Tage später vorliegen. Vor dem Abflug zu den Spielen in Hongkong hatte es eine interne Kontrolle der deutschen Olympiateilnehmer gegeben. Dabei waren nach Angaben des deutschen Tierarztes alle Proben negativ.
zk/dpa

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