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17.02.2009

Gemeiner Schimpanse



Der Gemeine Schimpanse, auch Gewöhnlicher Schimpanse oder einfach nur Schimpanse genannt (Pan troglodytes), ist eine Primatenart aus der Familie der Menschenaffen (Hominidae). Zusammen mit dem Bonobo (Zwergschimpansen) bildet er die Gattung der Schimpansen (Pan). Er ist robuster gebaut als der Bonobo und hat ein größeres Verbreitungsgebiet, das sich über weite Teile des mittleren Afrikas erstreckt.

Körperbau
Gemeine Schimpansen erreichen eine Kopfrumpflänge von 64 bis 94 Zentimetern, wie alle Menschenaffen ist er schwanzlos. Stehend wird er zwischen 1 und 1,7 Metern hoch. Männchen erreichen ein Gewicht von 34 bis 70 Kilogramm und sind damit deutlich schwerer als Weibchen, die zwischen 26 und 50 Kilogramm erreichen. Tiere in Gefangenschaft können schwerer werden und 80 Kilogramm wiegen. Das Fell ist schwarz oder dunkelbraun gefärbt.

Die Arme sind deutlich länger als die Beine, die Spannweite zwischen den ausgestreckten Armen ist um die Hälfte größer als die Höhe des Tiers. Die Hände sind durch die langen Finger und die vergleichsweise kurzen Daumen charakterisiert, bei den Füßen ist die erste Zehe wie bei den meisten Primaten opponierbar.

Das Gesicht ist unbehaart. Es ist generell heller als das des Bonobos, auch haben Jungtiere ein helleres Gesicht als Erwachsene, es gibt jedoch zusätzlich regionale Unterschiede. Der Kopf der Schimpansen ist durch die hervorragenden, runden Ohren, die Überaugenwülste und die hervorstehende Schnauze charakterisiert. Die Größe der Eckzähne ist stark geschlechstdimorph (bei Männchen sind sie deutlich größer).

Verbreitung und Lebensraum



Das Verbreitungsgebiet der Gemeinen Schimpansen erstreckt sich in einem breiten Gürtel durch das mittlere Afrika, es reicht von Senegal über Nigeria, Kamerun, Gabun und den Norden und Osten der Demokratischen Republik Kongo bis in die westlichen Regionen Ugandas und Tansanias.


In der Demokratischen Republik Kongo bildet der kaum überquerbare Kongo-Fluss die Südgrenze ihres Verbreitungsbeietes, südlich davon leben die Bonobos. Die menschliche Besiedlung hat den Lebensraum dieser Tiere verkleinert und in eine Vielzahl kleinerer Flecken zerteilt.
Diese Tiere sind flexibler in Bezug auf ihren Lebensraum als andere Menschenaffen. Sie kommen sowohl in Regenwäldern, in trockenen Savannen sowie im Bergland bis zu 3000 Metern Höhe vor.

Lebensweise


Fortbewegung und Aktivitätszeiten
Gemeine Schimpansen können sowohl am Boden als auch auf den Bäumen nach Nahrung suchen, meist geschieht dies jedoch auf Bäumen. Am Boden bewegen sie sich wie alle afrikanischen Menschenaffen in einem vierfüßigen Knöchelgang fort, das heißt dass sie sich auf die zweiten und dritten Fingerglieder aufstützen. Im Geäst klettern sie entweder mit allen vier Gliedmaßen oder bewegen sich an den Armen hängend (suspensorisch) fort. In der Regel sind Schimpansen tagaktiv. Zur Nachtruhe fertigen sie ein Nest aus Zweigen und Laub an. Dieses Nest liegt meist auf Bäumen in 9 bis 12 Meter Höhe und wird üblicherweise nur einmal verwendet. Insbesondere in der Regenzeit ruhen sie auch manchmal tagsüber, wofür sie ebenfalls Nester errichten.

Sozialverhalten

Innerhalb der Großgruppe

Die Sozialstruktur der Schimpansen wird als "Fission-Fusion-Organisation" ("Trennen und Zusammengehen") beschrieben. Das heißt, sie leben in Großgruppen, die sich aus 20 bis 80 Tieren zusammensetzen, die sich oft in Untergruppen aufspalten - etwa zur Nahrungssuche - und dann wieder zusammenkommen, insbesondere zur Nachtruhe.



Erwachsene Tiere gehen beispielsweise oft allein auf Futtersuche oder schließen sich mit anderen zu einer kurzlebigen, vorübergehenden Untergruppe zusammen. Diese Untergruppen sind sehr flexibel und umfassen meist vier bis acht Tiere, also deutlich weniger als beim Bonobo. Die Zusammensetzung und Größe der Untergruppen ist sehr variabel und unterscheidet sich auch von Population zu Population.

Starke und ältere Männchen führen und verteidigen die ganze Großgruppe. Die Männchen entwickeln eine ausgeprägte Rangstruktur. Dazu dienen verschiedene Rituale wie laute Schreie, Trommeln auf Baumstämmen, Kraftdemonstrationen - sie schütteln Äste oder werfen Steine, und demonstrativ schnelles Laufen oder Springen. Sie investieren viel Zeit und Energie, um ihren Rang innerhalb der Gruppe zu verbessern. Sie bilden dazu auch Koalitionen, dies kann aber auch ein Täuschungsmanöver, eine Scheinallianz sein. Auch die Jagd auf kleine Säugetiere und die Bewachung der Reviergrenzen, die beide von Männchen durchgeführt werden, dienen diesem Zweck. Auch die gegenseitige Fellpflege (Grooming) ist bei den Männchen stark ausgeprägt und unterstützt die soziale Kommunikation.

Im Gegensatz dazu sind Weibchen oft einzelgängerischer und entwickeln eine weniger auffällige Hierarchie. Eine Rangordnung ist aber trotzdem vorhanden, das zeigt sich darin, dass höhergestellte Weibchen etwa häufiger Nachwuchs haben. Generell haben Weibchen außer mit ihren Töchtern wenig Interaktion mit anderen Weibchen. Das liegt auch daran, dass die Weibchen ihre Geburtsgruppe bei Erreichen der Geschlechtsreife verlassen, während die Männchen zeit ihres Lebens bei ihrer Gruppe bleiben.

Die Interaktionen zwischen Männchen und Weibchen sind variabel und näher im Abschnitt Paarungsverhalten beschrieben.

Außerhalb der Großgruppe
Eine Großgruppe hat in der Regel ein bestimmtes Streifgebiet. Diese sind in Wäldern 5 bis 40 Quadratkilometer groß, in Savannen mit 120 bis 560 Quadratkilometern hingegen deutlich größer. Kleine Männchengruppen patrouillieren oft an den Grenzen des Territoriums. Tiere, die nicht der eigenen Großgruppe angehören, werden meist sehr aggressiv behandelt. Die Verfolgung einzelner fremder Tiere wird manchmal dermaßen brutal geführt, dass dafür das Wort "Krieg" verwendet werden kann. Auch nicht-fruchtbare Weibchen werden dabei nicht verschont. Diese kriegsartigen Übergriffe, wo Gemeine Schimpansen manchmal auch unprovoziert in fremdes Territorium eindringen und die dortigen Tiere verfolgen und töten, ist außer bei gemeinen Schimpansen und Menschen bei Primaten unbekannt

Werkzeuggebrauch
Gemeine Schimpansen verwenden in der Natur eine Reihe von Werkzeugen. So verwenden sie zerkaute Blätter als Schwämme, um Wasser aus Baumlöchern zu schöpfen, Grashalme und Stöcke werden bearbeitet und in Termitenhügel eingeführt, um die Insekten verzehren zu können. Steine oder Äste dienen als Hammer und Amboss, um Nüsse zu knacken und Äste werden als Haken benutzt, um fruchttragende Äste heranziehen zu können. Stöcke und Steine dienen als Wurfgeschosse bei der Jagd und zur Verteidigung. In jüngster Zeit wurde auch beobachtet, dass sie bearbeitete und zugespitzte Holzstöcke als Speere verwenden, um damit Galagos zu jagen.Es gibt zwar keine Hinweise, dass sie Steine bearbeiten, jedoch heben sie besonders geeignete Steine auf oder lagern sie an einer sicheren Stelle, wo sie im Bedarfsfall wieder finden können.

Die einzelnen Populationen unterscheiden sich deutlich in Art und Häufigkeit des Werkzeuggebrauchs, und keine einzelne Verwendung kommt bei allen Populationen vor. So ist das Nussknacken mittels Steinen bislang nur bei der westlichen Unterart beobachtet worden, bei den Tieren im Osten des Verbreitungsgebietes ist diese Praxis unbekannt. Funde aus dem Tai-Nationalpark in der Elfenbeinküste belegen, dass diese Praxis seit zumindest 4300 Jahren angewandt wird.

Der Werkzeuggebrauch ist ebenso wie der allabendliche Nestbau keine instinktive Tätigkeit, sondern werden von den jüngeren Tieren durch Beobachten von erfahrenen Tieren erlernt.



Selbstmedikation
Wie von dem Menschenaffen erforschenden Biologen Richard Wrangham 1972 in einem Nationalpark Tansanias beobachtet wurde, haben Schimpansen verschiedene Methoden entwickelt, sich von Parasiten zu befreien. Hierfür werden raue, scharfkantige Blätter bestimmter Pflanzen abgerissen, sorgfältig zusammengefaltet und unzerkaut geschluckt. Infrage kommen die Blätter von etwa 30 Baumarten. Kot-Untersuchungen ergaben, dass die Blätter unverdaut wieder ausgeschieden werden, zusammen mit zahlreichen großen Darmparasiten. Es wird angenommen, dass die rauhe Blattstruktur die Würmer von den Darmwänden abschabt. Hinzu kommt die abführende Wirkung der in verschiedenen Blättern enthaltenen Gerbstoffe. Ebenso zur Parasitenabwehr dient die abführende Wirkung der in dem sehr bitteren Mark des Strauches Vernonia amygdalina enthaltenen Gerbstoffe, der im Westen von Tansania wächst und von Schimpansen bei Bedarf gefressen wird.

Selbstmedikation ist ebenfalls keine angeborene, sondern eine selbst erworbene beziehungsweise gelernte Verhaltensweise, die nur von einigen Populationen tradiert wird. Einer solchen Horde neu hinzuwandernde Schimpansenweibchen die dieses Verhalten nicht kennen, lernen es von den Mitgliedern der Horde indem sie es nachahmen.



Kommunikation
Gemeine Schimpansen kommunizieren untereinander mit einer Reihe von Lauten und Körperhaltungen. Der häufigste Laut ist der "Pant-hoot" genannte Ruf, der der Kontaktaufnahme mit entfernten Gruppenmitgliedern dient. Daneben verwenden sie auch einen Nahrungsruf, ein bellendes Keuchen, um andere Tiere auf eine Nahrungsquelle aufmerksam zu machen, Gekreische oder grölendes Brüllen bei der Jagd oder einen klagenden "Wraaa-Ruf", der als Alarmsignal dient. Ein hechelndes Ein- und Ausatmen stellt ein Äquivalent zum menschlichen Lachen dar.



Auch Gesichtsausdrücke und Körperhaltungen dienen der Interaktion. So wird Unterwerfung durch Ducken oder Präsentieren des Hinterteils signalisiert. Zornige oder aufgeregte Tiere stellen sich auf zwei Beine, sträuben das Fell und pressen die Lippen zusammen. Breites Grinsen ist oft ein Zeichen für Nervosität oder Furcht. Zum spektakulären Imponiergehabe dieser Tiere zählen lautes Gebrüll, schnelles Umherlaufen, Schleudern von Steinen oder Ziehen von großen Ästen.

Nahrung
Gemeine Schimpansen sind Allesfresser, den Schwerpunkt ihrer Nahrung machen allerdings Pflanzen aus. Wichtigster Nahrungsbestandteil sind Früchte und Nüsse (45 bis 76%) sowie Blätter (12 bis 45%). Ergänzt wird die Nahrung durch Blüten, Samen und tierische Beute, so werden regelmäßig Insekten verzehrt. Gelegentlich machen sie Jagd auf Säugetiere wie kleine Paarhufer und kleinere Primaten wie Rote Stummelaffen, Galagos und sogar Paviane. Die Jagd wird meist von erwachsenen Männchen durchgeführt und hat eine sehr starke soziale Komponente. Männchen teilen das Fleisch mit anderen Gruppenmitgliedern und versuchen so, ihre Position in der Gruppenhierarchie zu verbessern oder beizubehalten.

Fortpflanzung

Paarungsverhalten

Die Paarung kann das ganze Jahr über erfolgen, die Länge des Sexualzyklus beträgt rund 36 Tage. Der Östrus dauert rund 6 bis 7 Tage, während dieser Zeit weisen die Weibchen eine deutliche Regelschwellung vor. (Neben Bonobos sind sie die einzigen Menschenaffen, die dieses Merkmal haben.)



Das Paarungsverhalten ist variabel und kann verschiedene Formen annehmen. Einerseits kann es zu einem promiskuitiven Verhalten innerhalb der Großgruppe kommen, sodass sich mehrere Männchen und mehrere Weibchen untereinander fortpflanzen. Daneben kann auch beobachtet werden, dass ein Männchen sich mit einem fruchtbaren Weibchen paart und es anschließend bewacht und keine anderen Paarungspartner zulässt. Schließlich kommt es auch vor, dass ein Männchen und ein Weibchen eine kurzfristige Paarbildung eingehen und sich während ihrer fruchtbaren Periode mehrere Tage zu zweit von der Großgruppe absondern.

Geburt und Jungenaufzucht
Nach einer Tragezeit von durchschnittlich 230 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillingsgeburten sind selten, sollen aber etwas häufiger als beim Menschen sein. Das Geburtsgewicht der Neugeborenen beträgt rund 1,9 Kilogramm. In den ersten sechs Lebensmonaten klammert sich das Jungtier am Fell der Mutter fest, später reitet es auf ihrem Rücken. Die Entwöhnung erfolgt erst nach 3,5 bis 4,5 Jahren, doch bleibt das Jungtier meist noch eine längere Zeit (bis zu zehn Jahre) bei der Mutter.

Ein Weibchen kann alle fünf bis sechs Jahre Nachwuchs zur Welt bringen, es sei denn das Jungtier stirbt früher. Die Geschlechtsreife tritt im Alter von rund sieben Jahren ein, aufgrund der Gruppenhierarchie erfolgt die erste Fortpflanzung meist einige Jahre später: bei Weibchen mit 13 bis 14 Jahren und bei Männchen mit 15 bis 16 Jahren. Die Menopause der Weibchen tritt mit rund 40 Jahren ein.

Die Lebenserwartung der Gemeinen Schimpansen beträgt in der Wildnis 30 bis 40 Jahre. In der Obhut des Menschen können sie 50 bis 60 Jahre alt werden. Der älteste lebende Schimpanse ist seit 2003 der 75-jährige Cheeta, welcher am 9. April 1932 geboren wurde.

Gemeine Schimpansen und Menschen

Forschung und Forschungsgeschichte

Wie lange Schimpansen der westlichen Welt bekannt sind, ist nicht bekannt. Der karthagische Seefahrer Hanno (+ 440 v. Chr.) brachte von seiner Afrikareise die Felle von drei "wilden Frauen" mit, vermutlich Schimpansen oder Gorillas. 1641 kam erstmals ein lebendiger Schimpanse in die Niederlande und wurde vom niederländischen Arzt Nicolaes Tulpius (1593-1674) untersucht und unter dem Titel "Indischer Satyr" veröffentlicht; bekannt wurde dieses Tier auch durch Rembrandts Gemälde "Die Anatomie des Dr. Tulp". Der englische Arzt und Zoologe Edward Tyson (1650-1708), untersuchte 1699 einen Schimpansen und stellte eine Reihe von Gemeinsamkeiten zwischen ihm und dem Menschen fest. Spätestens seit Darwins und Huxleys Werken zur Evolutionstheorie rückten Schimpansen als nahe Verwandte des Menschen ins Licht der Öffentlichkeit.

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts rückte die Lebensweise und das Verhalten der Schimpansen in den Mittelpunkt des Interesses, bahnbrechend wurde die Forschungstätigkeiten Jane Goodalls an freilebenden Tieren. Die Kommunikationsfähigkeit dieser Tiere stehen bis heute im Brennpunkt der Forschung. In den 1960er- und 1970er-Jahren gelang es dem Psychologen Roger Fouts, mehreren Schimpansen Begriffe der amerikanischen Gebärdensprache der Gehörlosen (American Sign Language, ASL) beizubringen. Die Schimpansin Washoe gilt heute als erstes nicht-menschliches Wesen, das eine menschliche Sprache erlernt hat.

David Premack betrieb ähnliche Forschungen, allerdings benutzte er Symbolkärtchen. Daneben wird auch der Werkzeuggebrauch, die Intelligenz und die Lernfähigkeit untersucht. Gemeine Schimpansen schaffen es, knifflige Probleme zu lösen (beispielsweise eine Frucht aus einem verschlossenen Behälter herauszuholen) und bestehen den Spiegeltest, das heißt sie können sich in einem Spiegel selbst erkennen.

Ein Genom-Projekt für Schimpansen wurde initiiert, um genaue Vergleiche zwischen Menschen und diesen Tieren ziehen zu können.

Haltung und Nutzung
Diese nahe Verwandtschaft der Schimpansen zu den Menschen bestimmt das Verhältnis zu diesen Tieren deutlich mit. Eine ausdrucksstarke Mimik und oft verblüffend menschenähnliche Verhaltensweisen machen den Gemeinen Schimpansen zur beliebtesten und bekanntesten aller Menschenaffenarten. Im Tiergarten, Zirkus, auf Postern oder in Fernsehsendungen sind diese Tiere vielfach zu sehen. Manchmal werden Gemeine Schimpansen auch als Haustiere gehalten, am bekanntesten war "Bubbles", der Affe Michael Jacksons. Das widerspricht jedoch den Grundsätzen des Tierschutzes, denn eine artgerechte Haltung als Haustier ist nicht möglich.

In Forschung und Wissenschaft spielen diese Tiere eine wichtige Rolle. So gibt es Erkrankungen, die sich außer am Menschen nur bei Schimpansen untersuchen lassen. Beispielsweise können Schimpansen mit HI- oder Hepatitis-Viren infiziert werden, erkranken jedoch nicht an Hepatitis oder AIDS. Da mittlerweile einige symptomatische Therapieoptionen für diese Erkrankungen zur Verfügung stehen geht die Anzahl der, für biomedizinische Forschungsaufgaben gebrauchten Schimpansen ständig zurück. In einigen Staaten (darunter auch Österreich) existieren mittlerweile Gesetze, die die Verwendung großer Menschenaffen für die biomedizinische Forschung verbieten. Da sich durch die lange Lebenserwartung und die Praxis, ausgediente Laborschimpansen nicht einzuschläfern, gemischt mit den Zuchtbestrebungen der letzten Jahrzehnte eine Überzahl an Schimpansen aus europäischen und amerikanischen Labors ergeben hat, gibt es mittlerweile auch Auffangstationen für ehemalige Laborschimpansen (Stichting Aap in den Niederlanden; Monkey World in Großbritannien; HOPE in Österreich und Chimp Haven in den USA).

Auch in der Raumfahrt wurden Schimpansen eingesetzt. Am 31. Januar 1961 wurde der Schimpanse Ham im Rahmen des Mercury-Programms der NASA mit der Mercury-Redstone 2 (MR-2) in den Weltraum geschossen. Er überlebte den 16-minütigen Flug. In einem weiteren Experiment flog am 29. November 1961 der Schimpanse Enos mit der Mercury-Atlas 5 drei Stunden und 20 Minuten durch das All.

Bedrohung
In freier Natur gelten Gemeine Schimpansen als bedroht. Der Hauptgrund dafür ist die Zerstörung ihres Lebensraums durch Waldrodungen, die dazu geführt hat, dass ihr Verbreitungsgebiet immer stärker eingeschränkt und stark zersplittert wird. Insbesondere die Populationen in Westafrika sind davon betroffen. Manchmal werden sie auch wegen ihres Fleisches ("Bushmeat") gejagt oder weil sie manchmal Plantagen verwüsten. Die Praxis des Einfangens lebender Tiere, um sie in Tierversuchen einzusetzen oder zu Haustieren zu machen, ist zurückgegangen, das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES) verbietet den Handel komplett.

Die IUCN listet die Art als stark bedroht (endangered) und fürchtet einen weiteren Rückgang der Populationen. Die beiden westlicheren Unterarten sind demnach stärker bedroht als die Tiere im Osten des Verbreitungsgebietes.

Schätzungen über die Populationsgröße sind schwer durchzuführen. Möglicherweise lebten Anfang des 20. Jahrhunderts noch mehrere Millionen Gemeine Schimpansen, diese Anzahl ist drastisch gesunken. Eine Schätzung aus dem Jahr 1999 beziffert die Gesamtpopulation auf 150.000 bis 235.000, andere Quellen gehen von weniger als 100.000 Tieren aus.

Systematik und Unterarten
Der Gemeine Schimpanse bildet zusammen mit dem Bonobo oder Zwergschimpansen die Gattung der Schimpansen (Pan). Schätzungen zufolge trennten sich die beiden Arten zwischen 1,8 und 0,8 Millionen Jahren. Die Gattung der Schimpansen stellt innerhalb der Familie der Menschenaffen (Hominidae) das Schwestertaxon des Menschen dar.

Innerhalb der Gemeinen Schimpansen werden vier Unterarten unterschieden:
Der Westliche Schimpanse (Pan troglodytes verus) ist im westlichen Afrika (von Senegal bis Ghana) verbreitet. Äußerlich ist er durch ein rosafarbenes Gesicht gekennzeichnet, das sich erst nach und nach dunkel färbt. Diese Unterart unterscheidet sich im Schädelbau und in der Molekularstruktur deutlich von den anderen Unterarten, sodass sie möglicherweise eine eigene Art darstellen könnte.

Der Nigeria-Schimpanse (Pan troglodytes vellerosus) wurde erst kürzlich als Unterart anerkannt. Er ist die seltenste Unterart und lebt im östlichen Nigeria und dem westlichen Kamerun.

Der Zentralafrikanische Schimpanse (Pan troglodytes troglodytes) ist durch ein dunkleres Gesicht als die übrigen Unterarten charakterisiert. Er ist vom südlichen Kamerun über Gabun und die Republik Kongo bis in den Westen der Demokratischen Republik Kongo verbreitet und ist die bei weitem häufigste Unterart.

Der Östliche Schimpanse (Pan troglodytes schweinfurthii) lebt von der Zentralafrikanischen Republik und dem Norden der Demokratischen Republik Kongo bis in die westlichen Landesteile Ugandas und Tansanias. Diese Unterart unterscheidet sich durch ein bronzefarbenes Gesicht und ein längeres Fell von den übrigen Vertretern dieser Art.



Literatur
Jane Goodall: Wilde Schimpansen. Rowohlt, Reinbek 1991, ISBN 3499188384
Roger Fouts: Stephen Tukel Mills. Unsere nächsten Verwandten. Von Schimpansen lernen, was es heißt, ein Mensch zu sein. Limes Verlag, München 1998, Droemer Knaur, München 2002. ISBN 3809030139, ISBN 3426774208
Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer, Berlin 2002. ISBN 3540436456
Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, 1999 ISBN 0801857899

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