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18.02.2009

Sensation im Kongo

Sensation im Kongo
Als kürzlich auf dem internationalen Primatologen-Kongress in Edinburgh die Entdeckung von 125 000 Gorillas im Kongo bekannt gegeben wurde, war das die gute Nachricht zur Lage der Affen heute.

Die andere, die schlechte und weiter reichende Nachricht besagte, dass fast die Hälfte der 634 bekannten auf der Erde lebenden Affenarten vom Aussterben bedroht ist. Weiter reicht letztere Meldung auch geografisch, weil sie Asien und Südamerika einbezieht. Die Ursache für die Bedrohung der Affen ist überall die gleiche: der Verlust ihrer Lebensräume in den tropischen Regenwäldern. Und das wiederum erklärt auch, warum die bisher inkognito im Dickicht des nördlichen Kongo lebenden Gorillas nun entdeckt wurden: Auch ihr Lebensraum wird immer enger. Eigentlich birgt das Gebiet um den Kongo auch heute noch das Herz der Finsternis. Menschen wagen sich hier nicht weit hinein - die Regionen, in denen die großen Menschenaffen leben, sind unerschlossen, unzugänglich und weitgehend unerforscht. Sogar die Abholzung der Wälder schreitet hier etwas langsamer voran als etwa in Asien oder in Südamerika. In einem Teil der dichten afrikanischen Wälder haben Wissenschaftler nun die Nester der Westlichen Flachlandgorillas gezählt. Es waren so viele Schlafstätten, dass sie daraus schlossen, es müssten sich hier Populationen aufhalten, die bislang noch nicht bekannt waren. Die Zahlen sind auch deshalb so bemerkenswert, weil sie den Bestand der Westlichen Flachlandgorillas mehr als verdoppeln würden.

Ebola grassiert im Kongo
Bisher waren Affenexperten und Umweltschützer davon ausgegangen, dass es weit weniger als 100 000 Tiere dieser Gorillaunterart gibt. Die Zahl beruhte auf Schätzungen aus den Achtzigerjahren, und sie musste zudem nach unten korrigiert werden, weil seither die Abholzung, das im Kongo unter Gorillas und Menschen grassierende Ebola-Virus und das sogenannte Bush-Meat ihre Population wahrscheinlich dezimiert haben. Bush-Meat, das Erlegen von wilden Dschungeltieren zum Zweck des Verzehrs, Abholzung und das Ebola-Virus hängen im Kongo eng zusammen. Denn den Holzfällern wird häufig von der Regierung eine Lizenz zum Erlegen von Bush-Meat erteilt. Zum Bush-Meat zählen im Kongo auch Affen.

Waldarbeiter essen Affen
Und somit holzen die Waldarbeiter die Bäume, erlegen und essen nebenher das Fleisch von Affen und anderen Wildtieren und gehen damit das Risiko ein, dass das gefährliche Ebola-Virus von den Tieren auf Menschen überspringt. Da es im nördlichen Kongo bisher keinen Holzeinschlag gibt und somit auch keine Jagd auf Bush-Meat, scheinen die neuen Zahlen auf den ersten Blick wie die unverhoffte Rettung der Gorillas. Aber eben nur auf den ersten Blick.

Die Westlichen Flachlandgorillas, wissenschaftlich: Gorilla gorilla gorilla , sind eine der vier Unterarten der Gorillas, der größten Menschenaffen Afrikas. Schon die Bestandszahlen der Cross-River-Gorillas, Gorilla gorilla diehli , die im Grenzgebiet zwischen Nigeria und Kamerun leben, zeigen ein trüberes Bild. Geschätzte 280 Tiere gibt es von dieser Unterart. Nicht viel besser steht es um die etwa 670 bis 700 Berggorillas, Gorilla gorilla beringei , in ihrem Verbreitungsgebiet in den Virunga-Vulkanen im Dreiländereck Zaire-Uganda-Ruanda und im Impenetrable Forest in Uganda. Auch der Östliche Flachlandgorilla, Gorilla gorilla graueri , der ausschließlich den Osten der Demokratischen Republik Kongo bewohnt, gilt mit einer Populationsgröße von um die 5000 Tiere als stark gefährdet.

Gegen diese Zahlen sind die 125 000 neu entdeckten Westlichen Gorillas natürlich ein Anlass zur Freude. Sie sollten aber nicht zur Untätigkeit verleiten, wie etwa der amerikanische Primatologe Craig Stanford von der Universität von South Carolina anmahnt. Die Zahlen müssten noch durch weitere Untersuchungen abgesichert werden. Denn die Werte beruhen auf einer gängigen Schätzmethode, die ihre Tücken hat. Gezählt werden nämlich nicht die Affen selbst, sondern nur ihre Nester. Gorillas bauen abends, bevor sie schlafen gehen, Nester aus Blättern und Ästen. Die Wissenschaftler zählen auf einer bestimmten Strecke im Dschungel die Nester, die sie neben den Wegen finden. Im Kongo fanden sie jetzt während ihrer dreitägigen Wanderung eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Nestern, die sie auf die gesamte Fläche des Waldes hochrechneten. Das ist zwar üblich, birgt aber das Risiko, dass man eine Stelle im Wald auszählt, an der sich die Gorillas in ungewöhnlicher Zahl oder einfach nur sehr gern aufhalten. Eine Sicherheit, dass sie in den unbesehenen Teilen des Waldes genauso häufig sind, gibt es nicht.

Dennoch bleibt die Entdeckung natürlich erfreulich. Auch wenn die Zahlen etwas zu hoch angesetzt sind, spricht doch vieles aus ihrem Sozialverhalten für eine hohe Dichte der Population. Gorillas sind soziale Tiere, die in Haremgruppen organisiert sind. Ein Silberrückenmann lebt zusammen mit mehreren erwachsenen Frauen und deren Kindern. Männer, die keinen Harem haben, streifen entweder allein durch die Gegend oder schließen sich mit anderen zu Junggesellengruppen zusammen.

Weibchen verhalten sich kühl
Die Haremsgruppen werden eindeutig vom Silberrückenmann dominiert. Was sich sichtbar auch in seiner Größe und seinem Gewicht ausdrückt: Männer wiegen mehr als das Doppelte der Frauen. Die Frauen einer Gruppe verhalten sich zueinander eher kühl. Sie bestimmen, welcher Gruppe sie sich anschließen, und sind dabei wählerisch. Gorillas besetzen keine festen Reviere, die verschiedenen Gruppen schleichen vielmehr eher umeinander herum. Ihre Streifgebiete können sich überlappen oder sogar ineinander liegen. Einzelne Männchen wandern weniger weit als eine Gruppe von fünf oder sechs Tieren. Das hat damit zu tun, dass sechs Tiere mehr Nahrung brauchen, um satt zu werden, als einer. Bei diesen Wanderungen bleiben die Gruppen immer zusammen. Sie schlafen auch als Gruppe zusammen. Bei Gorillas kann man von der Anzahl der nahe beieinander liegenden Nester auf die Größe des Verbandes schließen.

Da sie keine festen Territorien bilden, ist auch der Schluss der Affenforscher auf die Anzahl der Klein- oder Haremsgruppen auf einem nur wenige Kilometer langen Waldweg einigermaßen genau, wenn die Nester gleich alt sind. Denn Gorillas pflegen, wenn sie sich gebettet haben, auch zu ruhen und nicht am selben Abend noch ein zweites Nest zu bauen.

Quelle: Berliner Morgenpost vom 24. August 2008; Autor: Cord Riechelmann; Foto: Maik Schaffer

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