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15.02.2009

Skepsis zu Primatenversuchen, Forderung nach artgerechter Haltung

Skepsis zu Primatenversuchen, Forderung nach artgerechter Haltung
Eine Umfrage zu Tierversuchen zeigt differenzierte Antworten. Zwar erachtet eine knappe Mehrheit Tierversuche als notwendig. Eine deutliche Mehrheit steht Primatenversuchen jedoch skeptisch bis ablehnend gegenüber. Drei Viertel der Befragten fordern die artgerechte Haltung von Versuchstieren - auch wenn dies Mehrkosten verursacht. Alternativmethoden zu Tierversuchen sind noch zu wenig bekannt, eine knappe Mehrheit möchte ihre Erforschung stärken. Animalfree Research fordert, dass diese Haltungen in die laufende Revision der Tierschutzverordnung einfliessen.

Gleichstand zwischen Skeptikern und Befürwortern
Frage 1: Halten Sie die Durchführung von Tierversuchen für... notwendig, eher notwendig, eher unnötig, unnötig?

48 Prozent der Befragten halten Tierversuche für notwendig oder eher notwendig, während 46 Prozent sie für unnötig oder eher unnötig halten. Damit liegen die Befürworter von Tierversuchen nur knapp vor den Gegnern.

Eine signifikante Differenz ist zwischen der Deutschschweiz und der Westschweiz festzustellen. In der Deutschschweiz halten 14 Prozent solche Versuche für notwendig und weitere 26 Prozent für eher notwendig. Das befürwortende Lager umfasst damit 40 Prozent, gegenüber 54 Prozent der Befragten, die Tierversuche als (eher) unnötig erachten. In der Westschweiz halten 21 Prozent solche Versuche für notwendig und weitere 47 Prozent für eher notwendig (insgesamt 68%). Das Lager, das Versuche als (eher) unnötig einstuft, ist demgegenüber mit 28 Prozent wesentlich kleiner.
Wenig Einfluss auf die Haltung zu Tierversuchen hat die Siedlungsart der Befragten (Stadt, Agglomeration, Land). Eine Differenz festzustellen ist hingegen bei den Geschlechtern: wesentlich mehr Männer als Frauen erachten Tierversuche als notwendig (Männer 21%, Frauen 11%), und mehr Frauen halten Tierversuche für unnötig (Frauen 27%, Männer 21%).

Bei Personen im Pensionsalter, Personen mit hohem Einkommen und Personen mit hohem Bildungsniveau fällt die Befürwortung von Tierversuchen stärker aus als bei jungen Menschen, Personen mit tiefem Einkommen und Personen mit tieferem Bildungsniveau.
Die Anhängerschaft der vier grössten Parteien (SVP, SP, FDP, CVP) weist eine vergleichbare Haltung aus, wobei die FDP Tierversuche überdurchschnittlich, die SP unterdurchschnittlich unterstützt. Die SVP weist von ihnen den grössten Anteil auf, der Tierversuche als unnötig erachtet (22%). Einzig bei der Anhängerschaft der Grünen sind die Tierversuchs-Skeptiker (63%) stärker als die Befürworter (35%). Die gleiche Tendenz, wenn auch in abgeschwächter Form, zeigt sich bei den Befragten ohne Parteibindung.

72 Prozent beurteilen Primatenversuche skeptisch bis ablehnend
Frage 2: Sollen schwer belastende Versuche an Affen (Primaten) weiterhin durchgeführt oder verboten werden?

Knapp die Hälfte der Befragten lehnt Primatenversuche strikt ab. Weitere 23 Prozent möchten sie eher verbieten. Insgesamt nehmen also 72 Prozent eine kritische bis ablehnende Haltung zu Primatenversuchen ein. Nur 5 Prozent möchten Primatenversuchen weiterhin zulassen, und weitere 14 Prozent möchten sie eher weiterhin zulassen. Das schwach bis stark befürwortende Lager umfasst also nur 19 Prozent der Befragten. 9 Prozent haben keine Antwort gegeben.

Während 55 Prozent der Deutschschweizer Primatenversuche verbieten möchten, sind es in der Westschweiz nur 36 Prozent (Differenz: 19 Prozentpunkte). Zählt man die Befragten hinzu, die Primatenversuche eher verbieten würden, beträgt die Ablehnung in der Deutschschweiz 78 Prozent und in der Westschweiz 47 Prozent. Die starke bis schwache Befürwortung von Primatenversuchen beträgt in der Westschweiz demgegenüber 31 Prozent (Deutschschweiz 14%).

Frauen lehnen Primatenversuchen stärker ab als Männer (Frauen 54%, Männer 44%). 26 Prozent der Männer befürworten Primatenversuche schwach bis stark, bei nur gerade 13 Prozent bei den Frauen. Eine stärkere Ablehnung erfahren Primatenversuche bei Personen im Alter von 18 bis 39 Jahren (54%) und bei Befragten mit tiefem Einkommen und mittlerer Bildung (je 52%).

Die Ablehnung ist nicht nur bei der Anhängerschaft der Grünen (54%), sondern auch bei derjenigen von CVP und SVP gross (je 48%). Tiefere Werte weisen die FDP (44%) und die SP (39%) aus, wobei die SP den grössten Anteil an Befragten aufweist, die Primatenversuche eher ablehnen (33%).

Alternativmethoden noch zu wenig bekannt
Frage 3: Sind Sie der Ansicht, dass genügend geforscht wird, um Alternativen zu Tierversuchen wie z.B. Zellkulturen oder Computermodelle zu fördern?
Da der Sinn von Alternativmethoden weitgehend unbestritten ist, wurde gefragt, ob die heutigen Anstrengungen zur Entwicklung und Einführung von Alternativ-methoden ausreichen würden. 41 Prozent der Befragten sind (eher) der Ansicht, dass Alternativmethoden noch zu wenig erforscht werden. 37 Prozent sind dagegen (eher) der Ansicht, dass genügend geforscht wird.

45 Prozent der Deutschschweizer erwarten (eher) mehr Forschung zu Alternativmethoden, während 37 Prozent die heutigen Forschungsbemühungen für ausreichend erachten. In der Westschweiz halten sich beide Gruppen die Waage (je 33%).
Auffallend sind die 23 Prozent der Befragten, die keine Antwort geben. Dies deutet auf eine grosse Unsicherheit und mangelnde Information hin. Keine Antwort gegeben haben eher Personen aus der Westschweiz (34%), Personen im Pen-sionsalter (33%), Personen mit tiefem Einkommen und tiefer Bildung (30 bzw. 34%).

Forderung nach artgerechter Haltung findet breite Unterstützung
Frage 4:
Finden Sie, dass man bei der Haltung von Versuchstieren auf eine artgerechte Haltung Rücksicht nehmen muss, auch wenn dies Mehrkosten verursacht?

Versuchstiere müssen artgerecht gehalten werden, auch wenn dies Mehrkosten verursacht. Drei Viertel der Befragten stellen sich in jedem Fall hinter diese Aussage, weitere 16 Prozent stimmen ihr in der Regel zu. Nur gerade 3 Prozent der Befragten stimmen der Aussage nicht bzw. nicht unbedingt zu. Der Anteil von Personen, die keine Antwort geben, ist mit 6 Prozent vergleichsweise gering.
Das Stimmungsbild ist so deutlich, dass auch die Aufschlüsselung nach sozio-ökonomischen Merkmalen kaum Differenzen ergibt. Das Geschlecht, die Siedlungsart und die Parteibindung spielen nur eine untergeordnete Rolle. Die Forderung, in jedem Fall für artgerechte Haltung zu sorgen, wird fast durchgehend von über 70 Prozent der Befragten geteilt.

Abweichungen gibt es bei den Altersgruppen: während Personen im Alter von 18 bis 39 Jahren mit 78 Prozent zustimmen, sind es bei Personen im Pensionsalter nur 68%. Noch deutlicher ist die Differenz je nach Bildungsniveau der Befragten: nur 59% der Personen mit tiefem Bildungsniveau stimmen zu, jedoch 78% Prozent der Personen mit mittlerem und 77% der Personen mit hohem Bildungsstand. Eine ähnliche Verteilung ist bei den verschiedenen Einkommensklassen zu verzeichnen.

Schlussfolgerungen von "Animalfree Research"
Tierversuche werden wohl kaum als positiv empfunden, aber eine knappe Mehrheit erachtet sie als notwendig. Auch das Stimmvolk hat sich beim Abwägen zwischen Tierschutz und herkömmlicher Forschung gegen das Verbot von Tierversuchen ausgesprochen. Dies ist jedoch kein Freipass für jegliche Form von Tierversuchen, wie die Umfrage der Stiftung Animalfree Research ergibt.

Die Umfrage zeigt differenzierte Ansichten. So spricht sich fast die Hälfte der Befragten für ein Verbot von Primatenversuchen aus, und weitere 23 Prozent würden solche Versuche eher verbieten. Eine breite Mehrheit tritt folglich für ein Umdenken zu Primatenversuchen ein. Die Forderung nach artgerechter Haltung von Versuchstieren ist unbestritten.

Animalfree Research fordert, folgende Hauptanliegen in der neuen Tierschutzverordnung aufzunehmen:

1. Verbot von Versuchen mit Menschenaffen und Verbot von belastenden Versuchen mit anderen Primaten. In mehreren Ländern Europas findet ein Umdenken zu Primatenversuchen statt. Im Europäischen Parlament hat die Mehrheit der Abgeordneten das Ende von Tierversuchen mit Menschenaffen und in freier Wildbahn befangenen Primaten gefordert. In Deutschland wurden in mehreren Bundesländern Primatenversuche untersagt oder in Frage gestellt. Auch in der Schweiz ist ein Versuch mit Primaten zurückgewiesen worden - der Fall liegt aktuell beim Zürcher Verwaltungsgericht.
Da Versuche mit Menschenaffen in der Schweiz nicht mehr durchgeführt werden, können sie problemlos verboten werden. Belastende Versuche mit anderen Primaten sind ebenfalls zu unterbinden.

2. Artgerechte Haltung von Versuchstieren
Die Haltung von Versuchstieren in beengten Verhältnissen ohne Artgenossen, Anregung und Beschäftigungsmöglichkeit widerspricht den Anforderungen des Tierschutzgesetzes. Ausreichend Raum, die Anreicherung der Umgebung sowie das Zusammenleben mit Artgenossen bei sozial lebenden Tieren sollten eine Selbstverständlichkeit werden. Fortschrittliche Lösungen aus der Praxis sollen als verbindlicher Minimalstandard festgelegt werden.

3. Verstärkte Förderung von Alternativmethoden
Die vom Bund und der Pharmaindustrie finanziell unterstützte Stiftung Forschung 3R fördert die Erforschung von Alternativmethoden. Weitere Institutionen, darunter Animalfree Research, unterstützen ebenfalls Forschungsprojekte. Die Gelder zur Erforschung von Alternativmethoden sind zu erhöhen, und die Anwendung von Alternativmethoden bei Forschungsprojekten ist konsequent durchzusetzen.

Die Umfrage wurde durch gfs-zürich (www.gfs-zh) Ende November bis Anfang Dezember 2007 im Auftrag von Animalfree Research durchgeführt. Die Stichprobe ist mit 1016 Personen repräsentativ für die Deutsch- und die Westschweiz.

Quelle: http://www.animalfree-research.org

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